Montag, 25. Februar 2013

Thomas Enger "Sterblich"


Eine junge Frau wird in einem Zelt gesteinigt aufgefunden, zudem wurde ihr eine Hand abgehackt. Während für die Polizei schnell klar scheint, dass es sich um einen Ehrenmord handeln muss, den der pakistanische Freund des Opfers begangen haben muss, lässt sich Journalist Henning Juul nicht von der einfachen Lösung überzeugen. Zuviel Widersprüche in dem Fall bringen ihn dazu, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei schleicht sich seine eigene Vergangenheit immer wieder in die Handlung, denn vor kurzer Zeit starb sein Sohn bei einem Wohnungsbrand, er selbst ist gezeichnet von den Brandnarben. Doch das hält ihn nicht davon ab, sich bei den Ermittlungen erneut in Gefahr zu bringen.
 „Sterblich“ von Thomas Enger ist ein angenehm ruhiger und trotzdem hochspannender Krimi. Die Handlung lebt von den Reflexionen und Ermittlungen des Journalisten Juul, der Zusammenhänge erkennt, über die die Polizei oft unbewusst hinwegsieht. Gleichzeitig hat die Handlung viel Tiefgang und zeigt, dass die einfachen Lösungen oft falsch sind. Juul hinterfragt alle Ergebnisse der Polizei und muss sich gleichzeitig noch mit einem Kollegen herumschlagen, der mit seiner Exfrau zusammen ist, was dem ganzen eine leicht humoristische Note gibt. 
 Mir hat der erste Krimi von Thomas Enger großartig gefallen, der Autor hat einen tollen Stil und ich freue mich auf viele Fälle mit dem Journalisten Henning Juul. 

Sonntag, 24. Februar 2013

Cody McFadyen "Blutlinie"


Smokey Barrett hat gerade ihren Mann und ihre kleine Tochter auf grausame Weise verloren, sie selbst ist gezeichnet von den Narben, die ein irrer Serienkiller ihr im Gesicht zugefügt hat. Sie hat all das noch nicht verarbeitet, als sie erfährt, dass eine Freundin von ihr ebenfalls bestialisch ermordet wurde und ihre Tochter drei Tage an ihre tote Mutter gefesselt in der Wohnung lag. Und der Täter hat eine Botschaft für Smokey hinterlassen- sie soll ihn jagen, und sie soll sich Mühe geben, denn sonst werden immer mehr Menschen sterben, die ihr und ihrem FBI-Team wichtig sind. Die Jagd auf den offensichtlich gestörten Täter beginnt.
Der erste Band der Reihe um Smokey Barrett ist unglaublich grausam und blutrünstig, gleichzeitig aber so spannend, dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Da sie und ihr Team persönlich betroffen sind, lernt man alle Charaktere, die auch für die späteren Bände wichtig sind, gut kennen. Jeder hat seine Geheimnisse und Eigenarten die der Mörder gnadenlos aufdeckt. Doch woher kann er all diese Informationen haben? Geheimnisse, die eigentlich niemand wissen kann, scheinen für ihn einfach zu erfahren zu sein. Das macht die Handlung besonders gruselig und spannend. 
Mir hat der erste Band von Cody McFadyen sehr gut gefallen, auch wenn ich ihn etwas zu blutrünstig fand. Eine weniger detaillierte Beschreibung der Morde wäre an manchen Stellen für den Leser sehr angenehm gewesen. Dennoch absolut empfehlenswert für Fans von spannenden Thrillern, die einem den Schlaf rauben. 

Sonntag, 17. Februar 2013

Kim Izzo "Mr. Darcy bleibt zum Frühstück"


Was tut man, wenn man vierzig ist, Schulden hat und keinen Mann? Richtig, man macht es wie die Frauen in den Romanen von Jane Austen und macht sich auf die Suche nach einem reichen Mann. Er darf gerne jung sein und gut aussehen, aber das ist kein Hauptkriterium, er muss schlichtweg Geld haben. So ist Katherines Plan, als sie sich auf den Weg nach Palm Beach macht. Dank eines klugen Schachzugs ihrer Freunde darf sie sich auch offiziell als Lady bezeichnen und macht nun als Lady Kate mit angeblich schottischen Wurzeln die High Society unsicher.
 Leider ist die Story genauso absehbar, wie zu befürchten war. Bereits auf Seite 30 ist klar, welchen Mann sie am Ende wirklich bekommen soll, die dann folgenden 300 Seiten sind eigentlich nur konstruierte Umwege über die Beziehung zu einen sechzigjährigen Milliardär, den sie einer billigen Blondine ausspannend muss. An ihrem Hochzeitstag mit eben diesem rüstigen Herren bemerkt Katherine natürlich, dass Geld allein kein Grund zum Heiraten ist. Dies ist auch nicht überraschend, da dies bereits im Prolog beschrieben wird. Es will also nicht so wirklich Spannung beim Lesen aufkommen.
Da der Stil der Autorin relativ unterhaltsam ist und die Familie von Katherine mit ihrer spielsüchtigen Mutter, der eigenwilligen Großmutter und der kleingeistigen Schwester  der Story etwas Pepp gibt, lässt sich das Buch dennoch ganz locker lesen. Es ist sicher keine neue Idee, sich bei einem Frauenroman auf Jane Austen zu berufen - Karen Joy Fowler ist dies mit „Der Jane Austen Club“ um Längen besser gelungen- dennoch ist der Roman von Kim Izzo nett zu lesen und wen es nicht stört, dass er schon von Anfang an weiß, wie das Buch endet, wird sicher seinen Spaß mit der Geschichte haben. 

Wolfgang Schorlau "Brennende Kälte"


Ein Soldat kommt aus Afghanistan zurück: Traumatisiert und verstört sieht er hinter jedem Mülleimer einen Feind und schlägt in einer Panikattacke Menschen in einem Supermarkt zusammen. Und dann ist er plötzlich verschwunden. Seine Frau beauftragt den ehemaligen BKA Beamten Georg Dengler ihn zu suchen und der bewegt sich plötzlich in einem Bereich, der hochgefährlich für ihn wird. Denn die Waffenindustrie versteht keinen Spaß, wenn es um neue Entwicklungen geht, die Georg Dengler in Zusammenhang mit dem Fall entdeckt. 
Wie die vorigen Krimis von Wolfgang Schorlau ist auch „Brennende Kälte“ unglaublich aktuell und gut recherchiert. Das in der Öffentlichkeit noch wenig diskutierte Thema der traumatisierten Soldaten, die sich nicht wieder in die Gesellschaft einfügen könne, rückt er in den Mittelpunkt um eine Geschichte rund um die Skrupellosigkeit und Verbindungen der Waffenlobby. Dies beschreibt er absolut realistisch und glaubwürdig, ohne künstliche Spannungsbögen und viel Blut und Gewalt. Seine Krimis leben von einer psychologischen Spannung und Realitätsnähe, die die Geschichte rahmen und zusammenhalten. Ständig stellt man sich als Leser die Frage, was wahr ist und was Fiktion, eine Frage, die der Autor in seinem Nachwort zu beantworten versucht. 
Ich kann jedem die großartige und hochaktuelle Krimireihe von Wolfgang Schorlau nur empfehlen. Er beschäftigt sich mit aktuellen politischen Themen auf eine außergewöhnliche Weise und gibt Anstoß, sich mit den Themen auch nach der Lektüre weiter zu beschäftigen. Das ist so auf dem deutschen Büchermarkt momentan einmalig und hoffentlich Vorbild für viele Kriminalautoren, sich an brisante politische Stoffe jenseits von CIA Geschichten und simpel konstruierten Terrorstories zu wagen. 


Dienstag, 12. Februar 2013

Umzugspause

Da ich diese Woche im Umzugsstress stecke, wird es hier etwas ruhiger sein. Ich versuche aber zum Ende der Woche die Rezensionen zu "Brennende Kälte" von Wolfgang Schorlau und "Mr Darcy bleibt zum Frühstück" von Kim Izzo online zu stellen.

Schöne Grüße ab sofort aus Berlin von euerer Leseratte Sarah

Donnerstag, 7. Februar 2013

Anne Laureen "Der rote Mond von Kaikoura"


Neuseeland Ende des 19. Jahrhunderts: Die Deutsche Lilian Ehrenfels und ihr Großvater Georg sind gerade auf der Insel angekommen und verfolgen außergewöhnliche Pläne. Sie wollen auf einem Hügel mit Hilfe eines wohlhabenden Bürgers und seines Assistenten, einem Maori, eine Sternwarte errichten. Dieses Ansinnen sorgt für Neugier und Abneigung aus dem Ort, der alte Mann aus Deutschland wird schnell als Spinner abgetan. Als Lilian auch noch öffentlich äußert, studieren zu wollen und Astronomin zu werden, bringt sie ihren Verehrer, einen reichen Schafbauern, gegen sich auf. Seiner Meinung nach gehört eine Frau ins Haus und soll sich um die Kinder kümmern. So kämpfen Lilian und ihr Großvater gegen zahlreiche Probleme, die sich ihnen im Kampf für die Wissenschaft stellen.
Anne Laureens Roman hebt sich wie die beiden letzten Bücher von ihr auch schon positiv vom Neuseeland-Sage-Einheits-Kitsch ab, wie er die Buchläden momentan füllt. Im Vordergrund steht nicht die romantische Liebe um eine junge Frau gegen alle Konventionen, sondern der Wunsch, die Wissenschaft voranzutreiben. Zwar wird auch thematisiert, dass dies für Lilian als Frau ungleich schwerer ist als für einen Mann, doch im Mittelpunkt steht nicht das Klischee der armen, chancenlosen  Frau im 19. Jahrhundert. Es geht vielmehr um den Kampf der Wissenschaft allgemein, um das Streben einiger Menschen nach Wissen, dass das Weltbild anderer durcheinander bringt. Mehr als einmal werden die Forscher mit der Meinung konfrontiert „Wenn Gott gewollt hätte, dass wir die Planeten verstehen, hätte er uns dieses Wissen von Anfang an gegeben.“. Doch mit dieser vereinfachten Lebenssicht wollen Lilian, ihr Großvater und auch der Assistent Herani sich nicht zufrieden geben. Letzterer bringt durch seinen Wissensdurst seinen ganzen Stamm gegen sich auf.
Die Geschichte zeigt vor allem, dass die Skepsis gegenüber neuen Erkenntnis und den Wissenschaften ebenso wenig ein westliches Phänomen ist, wie es der Unwissenheit eingeborener Stämme zugeschrieben werden darf. Die Angst vor dem, was wir nicht kennen, schränkt in der Geschichte sowohl die Einwanderer als auch die heimischen Maori ein.
Dass Anne Laureen diese Geschichte vor dem wunderschönen Hintergrund Neuseelands spielen lässt und es natürlich auch eine romantische Liebesgeschichte gibt, tut der Grundidee des Buches keinen Abbruch. Auch wenn viele Grundelemente der Auswandererromane bedient werden (natürlich gibt es die große Liebesgeschichte, den reichen Großgrundbesitzer, den zurückgedrängten Maori-Stamm und die alles entscheidende Katastrophe), ist die Geschichte sehr schön geschrieben und ein wunderbarer Schmöker. Als leichte Lektüre zwischendurch absolut zu empfehlen. 

Hier findet ihr meine Rezension zu Anne Laureens Roman "Sonne über Wahi-Koura".

Montag, 4. Februar 2013

Caronline L. Jensen "Frau Bengtsson geht zum Teufel"


Frau Bengtsson ist eine brave schwedische Vorstadthausfrau, bis sie eines nachmittags stirbt. Sie ertrinkt in der Badewanne, angesaugt von einer Massagedüse. Doch Gott rettet Frau Bengtsson und haucht ihr wieder Leben ein. Von nun an will sie gläubige Christin sein und beginnt die Bibel zu lesen und Kontakt zu Gott zu suchen. Doch der ignoriert sie, genau wie die letzten 39 Jahre. Also beschließt Frau Bengtsson zu rebellieren und gegen alle 10 Gebote zu verstoßen- ein ambitioniertes Projekt, wie sie feststellt.
Eigentlich hatte ich bei diesem Roman nur eine witzige und kurzweilige Story erwartet, doch die Geschichte ist sehr viel mehr. Frau Bengtsson führt lange Gespräche mit dem Teufel, der in ihre Nachbarin gefahren ist, erläutert ihren Glauben, ihre Zweifel und diskutiert religiöse Probleme. Das alles geschieht keineswegs veralbernd sondern auf einer ernsthaften Basis, denn Frau Bengtsson ist es wirklich ernst, sie will glauben, aber in aller erster Linie will sie verstehen! Also stellt sie Fragen und kommt zu dem Ergebnis, dass Gott nicht nur arrogant und überheblich ist, er ist auch ein fieser Rassist! Und so nutzt sie ihren freien Willen- von dem Gott schon öfter dachte, dass er ihn den Menschen vielleicht lieber nicht gegeben hätte- und kämpft sich durch den christlichen Glauben. 
Ein lustiges Buch mit Tiefgang und spannenden Hintergedanken. Über die Protagonistin kann man manchmal nur den Kopf schütteln, so überdreht wirkt sie, aber dann kann man sie auch wieder verstehen, wer möchte nicht manchmal gerne den wichtigen Dingen im Leben auf den Grund gehen? "Frau Bengtsson geht zum Teufel" ist ein außergewöhnliches Buch, ein toller Debutroman, ich freue mich auf mehr von der Autorin Caroline L. Jensen.

E L James: Shades of Grey- Geheimes Verlangen


Auch im dritten Anlauf schaffe ich es nicht, Shades of Grey zu Ende zu lesen, auch wenn ich es immerhin bis ungefähr Seite 130 geschafft habe. Bis dahin ist die Hauptfigur Anastasia allerdings so oft verwirrt und errötet, nervös und zittrig, dass ich es wirklich nicht mehr ausgehalten habe. Natürlich ist es Fiktion und man erwartet auch keine reale Darstellung der Erotikszenen (die eigentlich eher an einen billigen Porno erinnern), dass die jedoch von einem Höhepunkt zum nächsten taumelt, obwohl sie mit 21 noch Jungfrau war und sich noch nicht einmal selbst befriedigt hatte, nervt einen beim Lesen wirklich. Man möchte diese Frau die ganze Zeit rütteln und schütteln, damit sie endlich einmal "normal" wird. Nach ihrem ersten Sex konnte ich dann wirklich nicht mehr weiterlesen. Immerhin habe ich es mehrfach versucht!  

Samstag, 2. Februar 2013

Seitenzahl im Januar 2013

Der Zwischenstand bei der gelesenen Seitenzahl liegt bei 4 361 Seiten in diesem Monat. Ein großartiger Start ins neue Jahr mit tollen Büchern. Mein liebstes Buch diesen Monat war allerdings Ken Follett mit "Winter der Welt", das großartige Portrait einer ganzen Epoche der Weltgeschichte. Der erste Band "Sturz der Titanen" über den Ersten Weltkrieg ist gerade als Taschenbuch erschienen.


Suzanne Collins "Die Tribute von Panem- Flammender Zorn"


Die Distrikte versinken im Krieg gegen das Kapitol, Peeta wird dort gefangen gehalten und gegen Katniss ausgespielt, während sie mit den Rebellen in Distrikt 13 lebt. Von dort soll sie als Spotttölpel die Rebellion anführen. Doch die vergangenen Hungerspiele und der Tod so vieler Menschen haben Katniss so verstört, dass sie ihrer Rolle kaum gewachsen zu sein scheint.
„Flammender Zorn“ ist der düsterste und zerrissenste Teil der „Tribute von Panem“. Es zeigt sich, dass Katniss, Peeta und Gale nicht die Superhelden sind, für die sie von den anderen gerne gehalten werden. Sie sind Teenager, überfordert von den Erwartungen ganzer Distrikte und verängstigt von ihren eigenen Gefühlen, von der Tatsache, dass sie getötet haben und wieder töten werden. Die Geschichte ist sehr dunkel und die Rebellen und das Kapitol lassen sich nicht in gut und böse, schwarz und weiß einteilen. Beide Seiten töten und sind zu grausamen Dingen fähig, um an die Macht zu kommen. Für Katniss stellt sich die Frage, ob sie überhaupt noch auf der richtigen Seite kämpft, ob es überhaupt eine richtige Seite gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. 
Auch ihre alten Freunde können ihr keinen Halt mehr geben, auch sie entwickeln sich, sind keine Unterstützung sondern Konfrontation mit Gewalt und Krieg.Die Dunkelheit dieses Buches und die negative Darstellung der Handlung war erschreckend beim Lesen, wer einen glücklichen leichten Sieg der Rebellen gegen das Kapitol erwartet hatte, wird hier enttäuscht. Die Positionen sind so vielschichtig, dass man als Leser ständig reflektieren muss, was gerade passiert, welche Folgen es für welche Seite hat und sich auch selber fragt, wo man eigentlich steht. Man identifiziert sich nicht mehr mit der kämpfenden Katniss, weil sie keine wirkliche Position mehr hat. Aber das macht das Buch gerade so nah und realistisch, dass es eben nicht einfach ist, sich auf die richtige Seite zu stellen, sondern immer neu mit den Möglichkeiten kämpfen muss. 
Abschließend muss ich sagen, dass „Die Tribute von Panem“ sehr viel mehr Substanz hatten, als ich erwartet hatte. Statt leichter Fantasyliteratur und Schwarz-Weiß-Malerei zeichnet Suzanne Collins eine grausame postapokalyptische Welt mit vielen Schatten und Grautönen, zwischen denen man kaum unterscheiden kann. Gut und Böse verschwimmen  in einem Meer aus Rache und Gewalt. Eine beängstigende und spannende Trilogie, die ich jedem nur empfehlen kann, auch wenn man eigentlich kein Fan von Fantasyromanen ist. Denn mit der Vampir- und Zauberwesenwelt, die teilweise vermarktet wird, haben „Die Tribute von Panem“ wirklich gar nichts zu tun.