Sonntag, 19. Mai 2013

Dan Brown "Inferno"


Mit großer Spannung wurde der neue Roman von Dan Brown erwartet und seit diese Woche ist er im Buchhandel zu bekommen. Wer Dan Brown kennt erwartet von „Inferno“ Hochspannung auf jeder Seite, eine sympathische Hauptfigur und ein bisschen Verschwörungstheorie im Hintergrund.
In „Inferno“ befindet sich Robert Langdon in Florenz auf den Spuren von Dantes „Göttlicher Komödie“. Er wacht in einem Krankenhaus auf, ohne sich zu erinnern, warum er in Florenz ist und was er dort machen soll. Doch schnell wird klar, dass er verfolgt wird. In seiner Jackentasche findet er ein altes Rollsiegel, in dem ein Bild von einer Darstellung von Dantes Vorstellung der Hölle versteckt ist- jedoch mit einigen entscheidenden Veränderungen. Er begibt sich auf die Suche nach dem Sinn hinter dieser Veränderung und gerät in einen Kreis aus Verrat und Gefahr. 
Dan Browns neuestes Buch beginnt spannend und interessant, als Leser jagt man mit dem Kunsthistoriker Langdon und seiner Ärztin Sienna Brooks nach seinen Erinnerungen und dem Sinn hinter seinem Fund. Doch leider steigert sich die Spannung nicht weiter, das Buch läuft auf einem guten, aber nicht herausragenden Niveau dahin, ohne einen wirklich mitzureißen. Die Idee hinter „Inferno“ ist zwar sehr gut, doch meiner Meinung nach verzettelt sich der Autor in zu vielen Details und Hinweisen. Ständig bleibt Langdon bewundernd stehen und erklärt die Geschichte und den Hintergrund von Kunstwerken, obwohl er doch eigentlich auf der Flucht ist. Hier hatte der Autor anscheinend den Wunsch, das Maximum seiner Recherche auch in den Roman einfließen zu lassen, was für den Leser etwas anstrengend wird. 
Zudem wird jedem, der schon einmal in Florenz war, beim Lesen schnell klar, dass Dan Brown die Stadt zu seinen Gunsten umgemodelt hat. Gebäude stehen woanders, Straßen verlaufen plötzlich zu anderen Plätzen und auch das ein oder andere Kunstwerk hat seinen Weg an einen anderen Ort gefunden. Das hatte Dan Brown bereits in vorgehenden Büchern mit Rom gemacht, als störend empfindet man es beim Lesen dennoch, wenn einem ein falsches Stadtbild vorgegaukelt wird. 
Dem Ende des Romans hingegen hätten etwas mehr Stoff und Recherche gut getan wie ich finde, doch das sollte jeder nach dem Lesen selber für sich entscheiden. Alles in allem ist Dan Brown mit „Inferno“ ein spannender Roman gelungen, der aber nicht an die Vorgänger heranreichen kann. 

Donnerstag, 16. Mai 2013

Wolfgang Schorlau "Die letzte Flucht"


Ein hochangesehener Arzt der Charité in Berlin wird verdächtigt, ein neunjähriges Mädchen vergewaltigt und brutal erschlagen zu haben. Die Beweise scheinen erdrückend, der Anwalt des Arztes glaubt jedoch nicht an dessen Schuld und zieht den Stuttgarter Ermittler Georg Dengler hinzu. Während der in Berlin ermittelt, ist sein Sohn aktiv in der Bewegung gegen Stuttgart 21, so dass die Hintergründe rund um den Bahnhofsbau immer mit in die Geschichte eingestreut werden. Der zweite Handlungsstrang beschreibt den Pharmaboss Assmuss, der von einem scheinbar verrückten Mann entführt wurde, der ihn in seinem Gefängnis täglich mit Fragen über die Pharmabranche konfrontiert. 
Fast bis zum Schluss werden die beiden Handlungsstränge nicht miteinander verbunden, was das Lesen zum Teil etwas schwierig werden lässt, da völlig unabhängig erscheinende Geschichten nebeneinander stehen. Doch die Jagd von Dengler nach dem Mörder des Mädchens und seine Faktensuche sind spannend und aufregend wie immer, so dass der Krimi kaum darunter leidet. Die Informationen, die Assmuss seinem Entführer gibt und die der Autor Wolfgang Schorlau gemäß seinem Nachwort genauestens recherchiert hat, offenbares Grausiges: Für die meisten Krankheiten wird gar nicht mehr geforscht, weil es sich finanziell nicht lohnt, es werden lediglich abgewandelte Medikamente von alten Produkten auf den Markt geworfen. Erst ganz zum Schluss wird aufgeklärt, was diese Informationen mit dem Mord an dem Mädchen und dem renommierten Arzt zu tun haben könnten.
Auch wenn ich diesen Band rund um den Ermittler Georg Dengler nicht ganz so spannend fand wie die letzten, ist er immer noch großartig zu lesen, besonders durch die Aktualität des Themas und dem Hintergrundwissen, das Wolfgang Schorlau recherchiert hat und an den Leser weitergibt. 

Dienstag, 14. Mai 2013

Hilary Mantel "Wölfe"


Heinrich VIII. ist  der wohl bekannteste englische König. Um sich von seiner Frau scheiden zu lassen, brach er mit der katholischen Kirche und hatte nacheinander mehrere Ehefrauen, von denen einige sogar auf dem Schafott landeten, wenn er sich zu einer anderen hingezogen fühlte. Doch wer ist der Mann an seiner Seite, der in ihn bei allen rechtlichen und privaten Problemen zur Seite stand? Thomas Cromwell wurde als armer Sohn eines Schmieds in Wales geboren, floh vor seinem gewalttätigen Vater durch ganz Europa, lerne Recht und Wirtschaft kennen und wurde später zum Berater von Heinrichs Feind in der Kirche, Kardinal Wolsey. Nach dessen Tod arbeitet er sich bis zum engsten Berater und Vertrauten des Königs hoch.
Hilary Mantel beschreibt in diesem Buch detailliert den Aufstieg von Thomas Cromwell, seine Rolle bei der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und den gleichzeitigen Aufstieg von Anne Boleyn zur Königin von England. Dieser historische Roman unterscheidet sich von den meisten anderen nicht nur durch die großartige Rechercher und die detailreiche Beschreibung, sondern auch durch den völligen Verzicht  auf Kitsch und die romantische Verklärung von vergangenen Zeiten. Der nüchterne Stil der Booker-Preisträgerin von 2009 passt zum kühl denkenden Analytiker Thomas Cromwell, der immer zwei Schritte weiter zu denken scheint, als alle in seinem Umfeld. Während alte Vertraute des Königs in Ungnade fallen, arbeitet er sich konstant immer dichter an das direkte Umfeld des Königs heran.
„Wölfe“ ist ein herausragender historischer Roman, von dessen Umfang (immerhin 760 Seiten) man sich keinesfalls abschrecken lassen sollte. Die Autorin näherte sich Heinrich VIII. aus einem neuen Blickwinkel, was das Buch auch für Leser, die sich schon viel mit seiner Geschichte beschäftigt haben, durchaus interessant werden lässt. Und mit „Falken“ ist bereits der zweite Band ins Deutsche übersetzte worden, auch für diesen erhielt Hilary Mantel 2012 den Booker Prize. Die Geschichte um Thomas Cromwell und eigenwilligen englischen König geht also weiter. 

Sonntag, 12. Mai 2013

Ein wirklich dickes Buch....

Hier war es im letzten Monat sehr ruhig, weil ich für das letzte Buch wirklich lange gebraucht habe. "Wölfe" von Hillary Mantel hat zwar viel Zeit in Anspruch genommen, war aber auch wirklich großartig. Die Rezension folgt morgen!