Freitag, 26. Mai 2017

Gail Honeyman "Ich, Eleanor Oliphant"

Selten habe ich so ein bewegendes und voller Liebe zur Hauptfigur steckendes Buch gelesen wie „Ich, Eleanor Oliphant“. Eleanor ist anders als alle Menschen, die sie kennt. Sie geht nicht aus, sie macht keinen Smalltalk, sie hat keine Freunde. Sie ist der einsamste Mensch, den man sich wohl vorstellen kann, doch sie kennt es gar nicht anders. Als Eleanor sich jedoch verliebt, kommt sie ganz langsam aus ihrem Schneckenhaus hervor und stellt sich der Welt, die so beängstigend für sie ist.
Eleanor Oliphant ist ein besonderer Mensch mit besonderen Erwartungen an das Leben und die Menschen, die sie trifft. Warum das so ist, sollte jeder Leser selbst langsam herausfinden. Gail Honeyman führt einen langsam an Eleanor heran und obwohl sie so speziell ist, wächst sie einem ans Herz und lässt einen von der ersten Seite an nicht mehr los. Man muss sich auf ihre Weltsicht einlassen und akzeptieren, dass man eben erst einmal nicht weiß, warum sie zu diesem Menschen geworden ist. Stück für Stück entblättert sich dann vor einem das unglaubliche Leben von Eleanor Oliphant und wie es sie in diese Situation getrieben hat. Sie scheint völlig unfähig zur Kommunikation und wird von allen als verrückt und schrullig wahrgenommen, was sie nicht so ganz versteht, aber akzeptiert. Auf unglaublich anrührende Weise beschreibt die Autorin, wie sie sich Stück für Stück in die Welt hinauswagt, wie ein Kind, das erstmals alleine läuft wirkt es fast. Dabei steht ihr zum Glück ein Mensch zur Seite, der ihr zeigt, was Freundschaft eigentlich bedeutet und dass man einen Menschen mögen kann, ohne Vorbehalte und ohne Gegenleistung. Eine völlig neue Erkenntnis für das zerstörte kleine Herz von Eleanor Oliphant.

Meiner Meinung nach ist Gail Honeyman mit „Ich, Eleanor Oliphant“ ein ganz außergewöhnliches Buch gelungen, das lange in einem nachhallt und einen beim Lesen völlig mitreißt. Ich werde Eleanor Oliphant sicher nicht so schnell vergessen und sie sollte allen Lesern eine Mahnung dafür sein, dass man Menschen eben nicht in Schubladen stecken sollte, ohne sie zu kennen, den jeder hat seine ganz eigene Geschichte. 

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Mittwoch, 24. Mai 2017

David Duchovny "Ein Papagei in Brooklyn"

Ted arbeitet trotz Abschluss an einem Elitecollege als Erdnussverkäufer im Stadion, während er versucht, nebenbei einen Roman zu schreiben. Zu seinem Vater Marty hat er ein zerrüttetes Verhältnis und seit dem Tod seiner Mutter fast keinen Kontakt mehr. Doch als er erfährt, dass sein Vater Lungenkrebs im Endstadium hat, kümmert er sich um ihn und die beiden müssen lernen, sich zusammenzuraufen.
David Duchovny hat mit „Ein Papagei in Brooklyn“ eine sehr warmherzige und ergreifende Geschichte über eine äußerst schwierige Vater-Sohn-Beziehung geschrieben. Ganz langsam beschreibt er, wie die beiden mit der Zeit viel Unausgesprochenenes aus dem Weg räumen und sich wieder annähern. Schnell zeigt sich, dass sowohl Ted als auch Marty keine einfachen Persönlichkeiten sind, sie sind stur, nachtragend und manchmal angriffslustig. Gerade ihre Ähnlichkeiten in diesen Charakterzügen macht ihr Verhältnis so schwer, denn keiner mag so richtig auf den anderen zu gehen. In Ihrer Unsicherheit und Verletzlichkeit gehen beide lieber zum Angriff über, als offen zu reden. Dass es da Zeit braucht, sich anzunähern, ist nur verständlich und Duchovny versteht es ausgezeichnet, diese Annäherung in kleinen wie großen Gesten darzustellen. Der Schreibstil des Autors hat mich am Anfang ein wenig irritiert, doch nach den ersten Seiten kommt man schnell in einen Lesefluss und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Es braucht etwas Zeit, Teds Gedanken zu verstehen, die so auf einen einprasseln, umso mehr wachsen er und sein Vater einem aber ans Herz.
„Ein Papagei in Brooklyn“ – so fühlen sich die beiden manchmal, völlig fehl am Platz, unnütz, nicht wissend, wohin sie gehören. David Duchovny beschreibt die Aufarbeitung dieser Vater-Sohn-Beziehung mit viel Gespür für Zwischentöne und kleine Momente, bei denen aber der Humor keinesfalls zu kurz kommt. Ein sehr schönes Buch, das gleichzeitig unterhält, bewegt und nachdenklich macht. 

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Dienstag, 23. Mai 2017

Krischan Koch "Backfischalarm"

Thies Detlefsens Töchter Telje und Tatje fahren mit der 10. Klasse ihres Gymnasiums auf Klassenfahrt nach Amrum. Doch schon auf der Überfahrt während eines Unwetters passiert auf der Fähre ein Mord und so muss Thies seinen Töchtern zügig hinterher, um zu ermitteln. Unterstützt wird er dabei im altbewährten Team von seiner Kollegin Nicole Stappenbeck aus Kiel. Bei seiner Frau Heike reicht das, um in ständiger Eifersucht auf die Kommissarin aus der Großstadt ständig bei Thies anzurufen, was nicht zum freundlichen Umgang miteinander beiträgt. Auch die bekannten Fredenbüller Größen aus der „Hitten Kist“ sind im neuen Buch von Krischan Koch wieder mit dabei. Die Ermittlungen könnten also auch im inzwischen fünften fredenbüller Krimi wieder äußerst turbulent werden.
Krischan Koch setzt in „Backfischalarm“ auf sein bewährtes Konzept von spannendem Mordfall und skurrilen Personen, was auch in diesem Fall wieder großartig aufgeht. Inzwischen sind mir Piet Paulsen, der Schimmelreiter und Imbissbesitzerin Antje richtig ans Herz gewachsen und mit dem Babysitten bei Nicoles Sohn Finn stellen sich ihnen bei diesem Fall durchaus neue und ungewöhnliche Aufgaben. Bei allem witzigen und abwegigen Umfeld fand ich den Kriminalfall an sich aber wieder sehr spannend gestrickt und nachvollziehbar, auch wenn Thies‘ ungeschicktes Auftreten die Ermittlungen oft eher erschwert als sie voranzubringen. Das weiß auch Nicole, die ihn dann regelmäßig zurechtweisen muss, was das Verhältnis der beiden schon sehr gut beschreibt.

Krischan Kochs Inselkrimi „Backfischalarm“ ist ein spannender und lustiger Krimi mit viel Lokalkolorit und tollen eigenständigen Charakteren, die die Story am Laufen halten. Die Lektüre macht immer wieder Spaß und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Krimi aus Fredenbüll. 

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Montag, 22. Mai 2017

Kerstin Gier "Die Braut sagt leider nein"

Elisabeth hat das Gefühl, endlich Glück zu haben. Ihr Alex ist ein echter Traummann, endlich will er sie auch heiraten und gemeinsam bauen sie sich ihr Traumhaus auf einem Grundstück, das Elisabeth geerbt hat. Doch als der Architekt und Traummann immer mehr Zeit auf einer Großbaustelle verbringt, während sie mit Hochzeitsstress und Baustelle alleine zurückbleibt, kommen doch leichte Zweifel auf, ob der Traummann wirklich so ein Traum ist. Als sie dann erfährt, dass er neben der Großbaustelle auch noch viel Zeit für eine junge Praktikantin aufwendet, beschließt Elisabeth, ihm die Lektion seines Lebens zu verpassen- direkt bei der Hochzeit.
Kerstin Giers Roman „die Braut sagt leider nein“ ist typisch für die Autorin eine leichte und humorvolle Geschichte über eine Frau auf der Suche nach der großen Liebe. Gesprochen wird dieses Hörbuch von Irina von Bentheim, die schon zahlreiche Hörbücher eingesprochen hat und auch Elisabeth mit ihrer ganz eigenen Art eine tolle Stimme verleiht. Auch wenn sie etwas naiv durchs Leben stolpert, ist Elisabeth sympathisch und man steht bei der Geschichte voll und ganz auf ihrer Seite. Etwas schade finde ich, dass die Autorin mit dem Titel des Buches schon fast den ganzen Clou des Romans verrät, man weiß von Anfang an wie es ausgeht. Das hat mich beim Hören schon etwas gestört, ansonsten ist Kerstin Gier wie immer eine Garantin für lustige Frauengeschichten, die nicht tiefgehend sind, aber unterhalten.

„Die Braut sagt leider nein“ ist eine sehr amüsante Geschichte, die toll eingesprochen wurde von Irina von Bentheim und die mit etwas über fünf Stunden Hörzeit auch für alle geeignet ist, die weniger Zeit für Hörbücher haben. 

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Freitag, 19. Mai 2017

JP Delaney "The Girl Before- Sie war wie du. Jetzt ist sie tot.

Es ist ein hochmodernes Haus mit vielen Eigenarten, in das Emma mit ihrem Freund Simon einzieht. Doch nach einem Einbruch in Ihre Wohnung bietet es eine Menge Sicherheit und so ist sie bereit, die zahlreichen Auflagen des Vermieters, die vollständig in ihr Privatleben eindringen, zu akzeptieren. Jahre später zieht mit Jane eine andere Frau in das gleiche Haus, ebenfalls auf der Suche nach Ruhe und Geborgenheit. Doch Stück für Stück erfährt sie mehr über Emma, die ihr so ähnlich gewesen sein soll – und in dem Haus zu Tode kam.
„The Girl Before“ von JP Delaney hat ein sehr eindringliches und gruseliges Grundkonzept, denn die Geschichte von Emma und Jane wird immer im Wechsel erzählt. Dadurch sind wir Jane als Leser immer ein Stück voraus und die Spannung packt einen, da einem immer klarer wird, dass Jane vermutlich in großer Gefahr ist. Alles dreht sich dabei um den spleenigen Architekten des Hauses, Edward Monkfort, einen absoluten Kontrollfreak, der keinesfalls ein distanziertes und professionelles Verhältnis zu seinen Mieterinnen sucht. Das Buch lebt von der Spannung, ob Jane wohl etwas Ähnliches passiert wie Emma, worauf die Geschichte zumindest hinauszulaufen scheint. Doch so einfach macht es sich der Autor nicht. Schon der Untertitel spielt mit den Erwartungen der Leser, „Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot“ führt einen in eine bestimmte Richtung und leitet durch die sehr spannende und phasenweise psychotische, fast düstere Stimmung.

Mir hat „The Girl Before“ sehr gut gefallen, es ist spannend geschrieben und vorhersehbar, so dass man beim Lesen die ganze Zeit gut in der Story bleibt. Für alle Fans von Psychothrillern ist „The Girl Before“ ein absolutes Muss. 

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Montag, 15. Mai 2017

Jodi Picoult "Bis ans Ende der Geschichte"

Sage Singer arbeitet als Bäckerin am liebsten nachts. Auch um sich zu verstecken, denn seit einem Autounfall trägt sie eine große Narbe im Gesicht. Zudem hat sie schon jung beide Eltern verloren, ein Schicksalsschlag mit dem sie nur schwer umgehen kann. In einer Trauergruppe lernt sie den über 90-Jährigen Josef Weber kennen und freundet sich mit dem freundlichen Mann an, der so viel Verständnis für sie zu haben scheint. Doch eines Tages erzählt er ihr von seinem dunkelsten Geheimnis, verbunden mit einer Bitte, die Sage unerfüllbar scheint. Sie muss sich damit auseinandersetzen, wie man Unaussprechliches vergeben soll und inwieweit der Mensch eigentlich ein Anrecht auf Gnade hat.
Jodi Picoult hat mit „Bis ans Ende der Geschichte“ wieder eine unglaublich bewegende und warmherzige Geschichte geschrieben, die einen als Leser beeindruckt und bewegt. Sage hat schon viel in ihrem Leben mitmachen müssen und wird durch Josef Webers Geständnis auch mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Sie wird in ein moralisches Dilemma katapultiert, das ihre eigenen Probleme in den Hintergrund schiebt und ihr trotz aller Schwierigkeiten neues Selbstbewusstsein gibt, was ich sehr faszinierend fand. Picoult beschreibt die ganze Geschichte äußerst glaubwürdig. Sie setzt sich in dem Buch nicht nur mit Sage und ihrer Familie auseinander, die jüdischen Glaubens ist, aber diesen Glauben fast nie praktiziert hat. Sie zeigt auch, dass dieses Buch sehr viel Recherche voraussetzt, denn die Passagen über den Holocaust sind derart detailliert und gleichzeitig glaubwürdig geschildert, das die Autorin vermutlich viel Zeit investieren musste, um diese so gestalten zu können.

Jodi Picoult hat ein besonderes Talent für Bücher, die noch lange in einem nachhallen. Sie verbindet auf wunderbare Weise einen spannenden und flüssigen Schreibstil mit tiefgehenden Themen, die einen beim Lesen sehr bewegen. Für mich ist das ein absolutes Ausnahmetalent und so kann ich auch „Bis ans der Ende der Geschichte“ nur uneingeschränkt allen weiterempfehlen. 

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Mittwoch, 10. Mai 2017

Hampton Sides "Die Polarfahrt"

Im Jahr 1779 begibt sich George W. De Long mit seiner Crew auf eine ganz besondere Reise: Sie wollen einen Seeweg zum Nordpol finden, um den sich noch viele Gerüchte ranken. Es soll dort warm sein, belebt, es gebe noch Mammuts und Säbelzahntiger oder auch einen Zugang zum Inneren der Welt. Finanziell geplant wird die Reise vom exzentrischen Herausgeber des New York Herald, der auch bereits die Suche nach dem verschollenen Livingston in Afrika organisierte- alles für die Zeitungsauflage. Die Entdeckung des Nordpols soll für seine Zeitung der ganz große Coup werden und so scheut er keine Kosten, um die U.S.S. Jeannette mit einer Mannschaft Richtung Norden zu schicken.
„Die Polarfahrt“ von Hampton Sides ist zwar ein Sachbuch, aber es ist so spannend und mitreißend geschrieben, wie ich es mir von jedem Thriller wünschen würde. Sides strukturiert das Buch sehr gut, schafft Hauptfiguren, die einem beim Lesen ans Herz wachsen oder die einen einfach nur erschrecken, wie teilweise die Menschenfeindlichkeit des Herausgebers Bennett. Auch De Longs Frau spielt, was in der damaligen Realität sicher selten war, eine wichtige Rolle für das Buch, ihre Briefe bilden einen Bogen über alle Kapitel, merkt man ihnen doch an wie Angst und Verzweiflung im Laufe der Zeit immer größer werden. Sehr bewegend fand ich auch den abgedruckten Brief von De Longs Tochter Sylvie, die noch ein Kleinkind war als er losfuhr, und jetzt zur Schule geht und ihm einen Brief schreiben kann.
Hampton Sides hat einen sprachlich und strukturell großartiges Buch geschrieben, das einem auf wunderbare Weise aufzeigt, wie viel wir in den letzten 200 Jahren über das Leben auf der Erde und den Planeten selbst, erfahren haben. Die Vorstellung einer Oase auf dem Nordpol erscheint uns heute so genauso abwegig wie ein Gletscher in der Sahara, dennoch setzten sich viele Expeditionen damals diese Entdeckung zum Ziel. Dabei mussten nicht selten auch Menschenleben dem Forscherdrang geopfert werden.

Mich hat „Die Polarfahrt“ von Hampton Sides uneingeschränkt begeistert, auch für Leser die sonst eher kein Sachbuch lesen würden, ist dieses Buch absolut empfehlenswert. 

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Montag, 8. Mai 2017

Ursula Poznanski "Schatten" (Kaspary & Wenninger ermitteln Band 4)

Florin Wenninger und Beatrice Kaspary ermitteln endlich wieder. Und gleich in einem sehr grausigen Fall, ein Mann wird mit aufgeschlitzter Kehle gefunden und wenig später wird eine Frau tot in einem Bach geborgen, auch hier eindeutig Mord. Kaspary fürchtet, dass es in diesem Fall eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Vergangenheit gibt und dass diese Morde vielleicht nicht die einzigen bleiben könnten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der die Ermittlerin mehr fordert, als all ihre Fälle zuvor. Zum Glück hat sie mit Florin Wenninger einen Mann an ihrer Seite, der ihr nicht nur beruflich den Rücken stärkt.
„Schatten“ von Ursula Poznanski ist inzwischen der vierte Band um das sympathische Ermittlerduo aus Österreich und steht den bisherigen Bänden an Spannung in nichts nach. Bis kurz vor der letzten Seite tappt man als Leser völlig im Dunkeln, wer der Täter dieser grausigen Taten sein könnte und mehr als einmal schickt die Autorin einen auf die falsche Fährte. In diesen spannenden Fall spielt auch wieder das Privatleben von Beatrice Kaspary hinein, hat sie doch zwei Kinder, deren Bedürfnisse nicht immer leicht mit dem Polizeiberuf in Einklang zu bringen sind und einen Ehemann, der mit seiner Wut und Rachsucht absolut keine Hilfe ist. All das ist das perfekte Paket für diesen Thriller, denn man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal begonnen hat. Die 400 Seiten flogen nur so beim Lesen an mir vorbei und viel zu schnell war ich am Ende angelangt. Jetzt heißt es wieder warten, auf den hoffentlich erscheinenden fünften Band des tollen Ermittlerteams. Dieses Buch bietet auf jeden Fall viele Vorlagen für eine Weiterentwicklung der Rahmenhandlung.

Ursula Poznanskis neuester Thriller „Schatten“ hat mich wieder von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, sie verbindet Hochspannung mit tollen Figuren und gut konstruierten Kriminalfällen, die einen nie unberührt lassen. Einfach ein großartiges Buch, das man nur weiterempfehlen kann. 

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Dienstag, 2. Mai 2017

Max Haberich "Arthur Schnitzler"

In seinem Buch zu „Arthur Schnitzler. Anatom des Fin de Siècle“ setzt sich Max Haberich intensiv mit Leben und Werk des Autors auseinander. Dies geschieht unabwendbar auch vor dem politischen Hintergrund von Schnitzlers Lebenszeit und betrachtet dabei auch den Einfluss von Schnitzlers Gegenwart auf seine Werke.
Als Untertitel trägt das Buch den Begriff „Biographie“, was ich jedoch nicht gut gewählt finde. Im Gegenteil handelt es sich bei dem Buch eher um eine Aufsatzsammlung, die sich mit dem Werk Schnitzlers zwar intensiv auseinandersetzt, jedoch nur wenig Einblick in das private Leben von Arthur Schnitzler gibt. Besonders die zu Beginn langwierige Aufzählung der frühen Stücke von Schnitzler mit Inhaltsangabe empfand ich beim Lesen als zu langatmig, während an späterer Stelle des Buches relativ viel Vorwissen über die Veröffentlichungen von Schnitzler vorausgesetzt wird, um den Abschnitten folgen zu können. Besonders das Zusammenspiel von Schnitzler mit berühmten Personen seiner Zeit wie Hoffmansthal und Freud kommt für mich in dem Buch viel zu kurz, auch seine persönlichen Beweggründe für Entscheidungen sind wenig ausgearbeitet. Das ist besonders Schade, da Schnitzler Zeit seines Lebens intensiv Tagebuch führte und daher viel mehr Material dagewesen wäre, als hier genutzt wurde.

Alles in allem handelt es sich meiner Meinung nach bei diesem Buch mehr um ein Werk, dass sich an Literaturwissenschaftler richtet, quasi als Kommentar zu Schnitzlers gesammelten Werken, keinesfalls jedoch um eine für fachfremde Leser gut aufbereitete Biographie. Daher konnte mich das Buch nicht richtig überzeugen. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe bei Kremayr & Scheriau. 

Heidi Rehn "Das Haus der schönen Dinge"

Lilly ist noch ein junges Mädchen, als ihre Eltern Thea und Jacob Hirschvogel sich Ende des 19. Jahrhunderts einen Traum erfüllen und am Münchener Rindermarkt das Kaufhaus „Hirschvogel“ eröffnen. Schnell werden sie zum Highlight der Innenstadt und entwickeln das Kaufhaus immer weiter. Schon früh ist klar, dass Lilly wie ihre Eltern für das Kaufhaus lebt und langsam wächst sie in die Aufgaben hinein, die die Zukunft für sie bereithält. Doch schwierige Zeiten stehen Hirschvogels bevor, besonders weil sie wie viele Kaufhausbesitzer Juden sind und oft wendet sich die Stimmung gegen sie. Lilly muss kämpfen, um den Traum ihrer Eltern weiterführen zu können, und dabei wenden sich nicht nur bekannte Widersacher gegen sie und ihre Familie, auch viele Freunde entpuppen sich als falsch und unzuverlässig.
Heidi Rehns Roman „Das Haus der schönen Dinge“ ist ein umfassender Roman über eine Kaufhausdynastie, die so zwar nie wirklich existiert hat, aber deren Leben Rehn sehr realistisch und nachvollziehbar beschreibt. Das Buch erstreckt die Geschichte über drei Generationen, wobei Lilly als mittlere die ganze Zeit im Mittelpunkt des Romans steht. Am Beispiel der Familie Hirschvogel geht es um die bewegende Zeit in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die späten 30er Jahre, eine Zeit gezeichnet vom ersten Weltkrieg, von Wirtschaftskrisen und dem Aufstieg der Nazis. Waren die Hirschvogels zu Beginn noch angesehene Bürger der Stadt und königlicher Hoflieferant, sehen sie sich nach dem Krieg immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt. Sehr gut deutlich wird hier, wie viele Menschen sich plötzlich auf die Seite der lauten Mehrheit gestellt haben, um nicht anzuecken und so auch langjährige Weggefährten im Stich ließen. All das beschreibt Rehn bewegend und mitreißend, mit einer sehr sympathischen Hauptfigur, die dennoch nicht fehlerlos ist. Lilly ist mir von der ersten Seite an ans Herz gewachsen, ebenso wie ihre Eltern und Geschwister, so unterschiedlich sie auch alle sind.
„Das Haus der schönen Dinge“ ist ein wunderschöner historischer Roman, in den man einfach versinken kann und bei dessen Lektüre man die Zeit um sich herum völlig vergisst. Heidi Rehn beschreibt eine funkelnde Welt, die auch viele Schatten hat und gemeinsam mit Lilly durchleidet man die schwierigsten Episoden des 20. Jahrhunderts. Mich hat der Roman uneingeschränkt überzeugt und ich konnte gar nicht mehr aufhören, weiterzulesen. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur. 

Freitag, 28. April 2017

Marco Balzano "Das Leben wartet nicht"

Ninetto ist erst neun Jahre alt, als er 1959 seine Heimat Sizilien verlässt und als Arbeitsemigrant nach Mailand geht, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Er nimmt Aushilfsjobs an als Austräger für eine Wäscherei und andere Gelegenheitsarbeiten. Erst mit 15 Jahren darf man offiziell in einer Fabrik anfangen und sehnsuchtsvoll wartet er darauf, ebenso wie auf die Hochzeit mit der jungen Maddalena. Die Trauung vollzieht ein Cousin der Familie, obwohl sie nicht volljährig sind. Bereits mit 16 Jahren lebt Ninetto wie ein erwachsener Mann mit fester Arbeit und Ehefrau.
Marco Balzano schreibt in seinem Roman „Das Leben wartet nicht“ auf sehr eindringliche Weise über Ninettos Leben, das beispielhaft ist für zahlreiche Lebensentwürfe in den 60er Jahre in Italien. Im Süden gibt es kaum Arbeit, die Menschen leben in Armut ohne Hoffnung. Die Region um Mailand in Norden mit ihrer Industrie und zahlreichen Fabriken wirkt schon für Kinder wie ein Hoffnungsstreif am Horizont und so machen sich viele in sehr jungen Jahren auf den Weg, um dort Geld zu verdienen. Das große Ziel war mit 15 Jahren einen Job in einer Fabrik zu bekommt, wie Ninetto bei Alfa Romeo. Das Schicksal von Ninetto ist anrührend und lässt einen nicht los, trotz all der Armut und Hoffnungslosigkeit von der er berichtet und seinem aktuellen Schicksal, von dem wir nur langsam erfahren, sucht er nach wie vor nach einem Platz im Leben. Dieses Leben, das eben nicht auf ihn gewartet hat, sondern geradezu einfach passiert ist, ohne ihn richtig mitzunehmen. Ohne große Schulbildung, mit gescheiterten Träumen und einem tagtäglichen Einerlei, das kaum Abwechslung bietet.
Dem Autor gelingt es dabei auf wunderbare Weise, dem Leser Ninettos Gedanken nahe zu bringen, obwohl es für unser privilegiertes Leben heute schwer nachvollziehbar ist, dass neunjährige Kinder ihre Familie verlassen, um hunderte Kilometer entfernt Arbeit zu suchen. Die Hoffnungslosigkeit von Ninettos Kindheit klingt in jeder Zeile mit und hat mich wirklich berührt. Er versucht seinen Weg zu machen und steht sich dabei eigentlich selbst im Weg, wie er feststellen muss.

„Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano ist eine anrührende Geschichte, die keineswegs nur Erfindung ist, sondern beispielhaft für das Leben zahlreicher junger Menschen in den 60er Jahre in Südeuropa steht. Ein bewegendes und besonderes Buch, das sehr zum Nachdenken anregt. 

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Hier geht es zu weiteren Information des Diogenes Verlags. 

Donnerstag, 27. April 2017

Petra Hülsmann "Glück ist, wenn man trotzdem liebt"

Isabelle hat ein sehr ruhiges und geregeltes Leben, alles läuft nach Plan. Seit Jahren arbeitet sie als Floristin in einem Blumenladen, den sie einmal übernehmen wird und jeden Mittag isst sie im Restaurant gegenüber. Nur der Traummann lässt noch auf sich warten. Doch als ihr Lieblingsrestaurant schließt und in ein modernes Restaurant mit attraktivem Koch umgewandelt wird, muss sie plötzlich Veränderungen hinnehmen. Und auch in anderen Bereichen läuft plötzlich nichts mehr so wie geplant und Isabelle muss ganz schön kämpfen, denn Spontanität ist so gar nicht ihre Stärke. Vielleicht steigt jetzt wenigstens die Chance auf den Traummann? Man wird sehen.
Das Hörbuch zu „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra Hülsmann wird gesprochen von Nana Spier, die es schafft, Isabelle mit ihrer Stimme einen wunderbar fröhlichen, wenn auch etwas verkorksten Charakter zu verleihen. Ich hätte mir keine bessere Sprecherin für dieses Hörbuch vorstellen können und auch alle anderen Figuren bringt sie sehr gut rüber. Das Hörbuch ist gekürzt, was der Story aber nicht schadet, es ist lustig, kurzweilig, unterhaltsam und auch romantisch, wie man es von der Geschichte erwarten würde. Als Hörer weiß man natürlich gleich, wer der richtige Mann für Isabelle wäre, doch diese macht es sich schwerer, als sie müsste. Umso schöner, dass sich wie nicht anders zu erwarten am Ende die Richtigen finden.

Mir hat das Hörbuch „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ gut gefallen, es ist eine leichte Unterhaltung, die sich gut „weghören“ lässt, das Hörbuch ist auch nicht zu lang und sehr gut gelesen von Nana Spier. Allen Romantikern und Freunden von leichten Liebesgeschichten kann ich dieses Hörbuch daher nur empfehlen. 

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Mittwoch, 26. April 2017

Margaret Atwood "Hexensaat"

Felix Phillips war einst ein gefeierter Theaterregisseur, bevor er von seinem Konkurrenten Tony abgesägt wurde. Zurückgezogen lebt er allein in einem kleinen Häuschen im Nirgendwo und sinnt auf Rache. Jahre später sieht er seine Chance gekommen, Shakespeares „Der Sturm“, der ihm damals von Tony weggenommen wurde, neu aufzuführen und Tony und seinen anderen Gegenspielern darin eine ganz besondere Rolle zukommen zu lassen. 
Margaret Atwood thematisiert in ihrer Neuinterpretation von Shakespeares „Der Sturm“ das Stück gleich doppelt: Zum einen lässt sie es durch die Hauptfigur neu inszenieren, zum anderen gleicht die ganze Geschichte Shakespeares Original. Das Streben nach Rache, das Auftreten von Geistern oder eingebildeten Personen, gestrandet an einem seltsamen Ort, all das zeichnet Felix Leben ebenso wie das Stück, das er zur Aufführung bringt. Atwood setzt all das in einer Erzählung um, die einen von der ersten Seite an fesselt und mitreißt, wobei es völlig unwichtig ist, ob man den Stoff des „Sturms“ vorher schon kennt oder nicht. „Hexensaat“ ist teil der Hogarth Shakespeare Projekts und meiner Meinung nach bisher die beste Umsetzung von Shakespeares Stoff. Das Buch ist spannend, sehr modern und die Autorin schafft es auf bewundernswerte Weise, den Inhalt des Originals gleich doppelt in ihrem Werk zu spiegeln und so sowohl Original als auch ihrer Interpretation genug Raum zu geben. 
Margaret Atwood Roman „Hexensaat“ ist eine unglaublich faszinierende Neubearbeitung von Shakespeares „Der Sturm“, die einen als Leser regelrecht einsaugt. Mich hat die Geschichte einfach nicht mehr losgelassen und ich konnte nicht aufhören, weiterzulesen. Meiner Meinung nach ist dies eine großartige Umsetzung von Shakespeares Grundidee!

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Knaus Verlags. Über das Hogarth Shakespeare Projekt gibt es hier weitere Informationen. 

Sonntag, 23. April 2017

Jeffrey Archer "Die Wege der Macht. Clifton-Saga Band 5"

Der neueste Band der Clifton-Saga beginnt gleich wieder äußerst spannend. Auf der Jungfernfahrt des Barrington-Kreuzfahrtschiffes „Buckingham“ versucht die IRA, einen Anschlag auf Emma und Harry auszuüben, dem sie nur knapp entgehen. Während Harry in diesem Band um die Freilassung des russischen Autors Anatol Babakov kämpft, muss Emma sich wieder einmal um den Vorstand von Barringtons sorgen. Ihr Sohn Sebastian ist jetzt auch Vorstandsmitglied und wird ihr zu seinem immer größeren Ratgeber. Doch er sieht seine Zukunft nach wie vor im Bankenbereich und kämpft darum, sich dort einen angesehen Platz zu erarbeiten. 
Wie auch bei den vorhergehenden Bänden fesselt einen Jeffrey Archer mit seiner Erzählung rund um die Barringtons und Cliftons von der ersten Seite an. Wieder einmal wird deutlich, was für starke Charaktere Harry und Emma sind und ihr Sohn Sebastian hat mit diesen Vorbildern teilweise zu kämpfen, doch sie sind ihm auch eine Stütze. Er rückt in diesem Band verstärkt in den Mittelpunkt der Geschichte und läutet so sanft einen Generationenwechsel ein. Emmas Bruder Giles muss dagegen teilweise neu orientieren, diese Entwicklung des Charakters hat mir sehr gut gefallen und es zeigt, dass Archer eben nicht nur schematisch eine feste Geschichte erzählt, sondern seine Charaktere weiter entwickelt, sie scheitern und sich wieder aufrappeln lässt. Alle mache viel durch in diesem Band und müssen sich teilweise auch alleine ihren Konflikten stellen. Das hat das Buch meiner Meinung nach von den anderen Bänden unterschieden, Harry wird hier etwas zum Einzelkämpfer, was aber auch zu seinem starken und teilweise sturen Charakter passt. 
Meiner Meinung nach ist Jeffrey Archer mit „Die Wege der Macht“ eine großartige Fortsetzung der Clifton-Saga gelungen. Ein wahrer Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man erst einmal begonnen hat. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Heyne Verlags. 


Donnerstag, 20. April 2017

George R. R. Martin "Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis und Feuer 01"

Lord Eddard Stark, Herrscher über den Norden und Lord von Winterfell, ist eigentlich nicht unzufrieden mit seinem Leben, auch wenn es im Norden hart ist. Selbst im Sommer schneit es, aber mit seiner Frau Catelyn und seinen Kindern lebt er ein gutes Leben. Doch als ihn sein langjähriger Freund und König Robert Baratheon darum bittet, als rechte Hand des Königs und sein nächster Berater in den Süden zu reisen, kann er nicht ablehnen und macht sich auf den langen Weg. In Köngismund findet er sich schnell in einem Schlangennest aus Kämpfen und Intrigen wieder, in das auch seine Familie im hohen Norden verwickelt wird. Ein langes Ringen um Macht und Einfluss beginnt.
George R.R. Martins Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ ist hauptsächlich bekannt als Vorlage für die Serie „Games of Thrones“. Da ich davon nur die erste Folge gesehen habe und diese mich gar nicht überzeugen konnte und ich zudem eigentlich gar keine Fantasyliteratur lese, stand ich dem ersten Band „Die Herren von Winterfell“ dementsprechend skeptisch gegenüber. Das Buch hat mich jedoch von der ersten Seite an völlig mitgerissen und sofort nicht mehr losgelassen. Obwohl es sich um Fantasy handelt, erinnert vieles auch historische Romane und so ist das Buch auch für alle Leute großartig geeignet, die sonst keine Fantasyfans sind. Die Figuren sind alle unglaublich gut und detailliert beschrieben, sie sind ausgefeilte Charaktere, die Entwicklungen durchmachen und sich immer wieder auf unterschiedlichste Art beweisen müssen. Für mich war besonders faszinierend, dass es eben nicht das Gute und das Böse gibt, sondern jede Seite weist auf eine gewisse Art gute und böse Züge auf, so dass man sich (bis auf wenige Ausnahmen), nie völlig gegen eine Figur stellen mag.
Das Feld von Familien und Geschichten, in dem sich Martin bewegt, ist unglaublich groß, umso mehr fällt auf, wie stimmig alle Figuren und Geschichten sich ineinanderfügen und ergänzen. Am Anfang braucht man etwas, um die verschiedenen Häuser und Familien auseinanderzuhalten, aber schnell ist man so in der Geschichte drin, dass sich alles weitere von selbst fügt. Die fast 600 Seiten des ersten Bandes waren dann auch viel zu schnell vorbei, zum Glück erwarten einen noch neun weitere Bände, um Lord Stark, seiner Tochter Arya, die mich als Charakter sehr begeistert hat, und allen weiteren Figuren zu folgen.

„Die Herren von Winterfell“ von George R.R. Martin ist großartige Fantasyliteratur, die mit vielen Anlehnungen an mittelalterliche historische Romane arbeitet und dadurch alle Leser mitnimmt, egal ob Fantasy-Leser oder nicht. Jetzt bleibt mir nur noch, schnell weiterzulesen, denn es fällt schwer, nicht zu wissen, wie es weitergeht. 

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Mittwoch, 19. April 2017

Ernest Hemingway "Paris, ein Fest fürs Leben"

Jahrzehnte nach seinen jungen Jahren in Paris mit seiner Frau Hadley hat Hemingway mit „Paris, ein Fest fürs Leben“ in den 50er Jahren einen Rückblick auf sein damaliges Leben und viele bekannte Persönlichkeiten geschrieben. Es geht in kurzen Geschichten um das Leben der Hemingways in den zwanziger Jahren, größtenteils noch vor seinem ersten Roman und bevor er wirklich berühmt wurde, er berichtet darin jedoch auch von seinen Treffen mit Gertrude Stein, Scott und Zelda Fitzgerald und Ezra Pound.
Dabei beeindruckt Hemingway wie so oft durch seine klare, schnörkellose Sprache und gute Beobachtungsgabe. Seine Beschreibungen von Gertrude Stein und Scott Fitzgerald sind teilweise bissig, aber pointiert und treffend zusammengefasst. Besonders fasziniert hat mich die Beschreibung einer Reise mit Fitzgerald, um ein Auto abzuholen. Seine Beobachtungen decken sich dabei sehr gut mit den Beschreibungen von Fitzgerald Charakter in Michaela Karls Biographie „Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals“. Er trinkt, ist wankelmütig und stark beeinflusst von der Eifersucht seiner Frau Zelda. Gleichzeitig entführt Hemingway seine Leser in das Paris der zwanziger Jahre, berichtet anschaulich vom Leben auf den Straßen, in Cafés und den zahlreichen belebten Plätzen der Stadt, so dass man die Bilder vor einem inneren Auge sieht und sich wünscht, selbst Teil dieser Welt zu sein.
Ernest Hemingways „Paris, ein Fest fürs Leben“ hat mich wirklich begeistert, seine Sprache und sein Stil sind durch ihre Schlichtheit einfach wundervoll und gestalten für den Leser ein umfangreiches Bild des damaligen Paris. Dazu sagen muss ich allerdings, dass ich das Buch in Paris selbst gelesen habe und ich tagtäglich die Straßen und Plätze, die Hemingway beschreibt, besucht habe, so dass mich das Buch natürlich persönlich besonders getroffen hat. Doch egal wo man liest, Ernest Hemingway ist immer eine ausgiebige Lektüre wert. 

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Dienstag, 18. April 2017

Ina Linger /Cina Bard "Callboy to go"

Mia ist wild entschlossen, ihren 30. Geburtstag nicht mehr als Jungfrau zu begehen und so bucht sie einen Urlaub auf Teneriffa und mietet sich einen Callboy, um diese eine Sache endlich mit Anstand hinter sich zu bringen. Doch der Mann, der am Ende in ihrem Zimmer landet, ist kein Callboy sondern ein Juwelendieb, der ihre Situation ausnutzt und sie mit auf die Flucht nimmt- zu einem angeblichen Romantik-Special wie er vorgibt. Turbulent geht Mias Urlaub weiter, doch die geplante Entjungferung ist so nicht in Sicht.
„Callboy to go“ ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger Liebesroman mit durchaus liebenswerten Charakteren. Leider fand ich gerade Mia in sich als Figur oft nicht schlüssig, zu oft wechselt ihr Verhalten zwischen ängstlicher Mimose und tatkräftiger Karatekämpferin hin und her, als dass ich ihr das abnehmen könnte. Auch ihr Verhalten Chris, dem angeblichen Callboy, gegenüber fand ich nicht ganz nachvollziehbar, mal kriegt sie Herzklopfen und dann ist sie wieder wie eine Furie ihm gegenüber. Das hat die ganze Story für mich etwas holperig und schwer glaubwürdig gemacht. Ansonsten ist der Stil der beiden Autorinnen gewohnt locker und flüssig, die beiden vorhergehenden Bücher ("Three Night Stand: Liebe ist simpel" und "Imperfect Match: Liebe ist eigenwillig") haben mir jedoch deutlich besser gefallen.

Ina Linger und Cina Bard haben mit „Callboy to go“ eine kurzweiligen, wenn auch teilweise etwas unglaubwürdigen Liebesroman geschrieben, bei dem man zwar von Anfang an weiß, wie es ausgeht, dazwischen aber ganz gut unterhalten wird. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen auf der Seite der Autorin Ina Linger. 

Montag, 17. April 2017

Krischan Koch "Mordseekrabben"


Eigentlich wollte Thies Detlefsen auf Amrum nur seinen Sommerurlaub mit der Familie verbringen. Doch gleich nach der Ankunft finden seine Frau und die Zwillinge Telje und Tatje eine Leichte im Ferienappartment. Die ist dann aber plötzlich wieder verschwunden. Thies glaubt erst mal nichts Böses, doch dann taucht wieder eine Leiche auf und jetzt ist es wirklich höchste Zeit, die Polizei in Kiel zu informieren. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nicole Stappenbeck ermittelt er also wieder einmal in einem höchst komplizierten Mordfall, der ihn mehr als einmal an die Grenzen seiner Kriminalerfähigkeiten bringt. 
„Mordseekrabben“ ist bereits mein drittes Hörbuch von Krischan Koch und die bisherigen haben mir immer sehr gut gefallen. In diesem Fall fand ich die Geschichte jedoch etwas schwach und teilweise auch verwirrend für den Hörer. Obwohl Bjarne Mädel den Figuren wieder eine ganz eigene Stimme verleiht und die Stimmung des Buches gut rüberbringt, konnte ich der Handlung teilweise nicht richtig folgen, so viele Personen und Leichen kreuzten meinen Weg. Auch wenn die bekannten Charaktere wieder dabei sein, fehlte mir ein wenig das gewohnte Umfeld mit dem Imbiss, in dem sich alle treffen und Renates Pension. Amrum war zwar ein neues Zielgebiet, umso schwerer war es aber auch, die bekannten Figuren in die Geschichte zu integrieren, worunter die gesamte Story meiner Meinung nach ein wenig gelitten hat. 
Für alle, die einen lustigen Nordseekrimi suchen, ist „Mordseekrimi“ von Krischan Koch sicher eine gute Entscheidung. Der Autor hat beispielsweise mit „Rote Grütze mit Schuss“ jedoch auch schon bessere Hörbücher veröffentlich. 

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Donnerstag, 30. März 2017

Matteo Strukul "Medici. Die Macht des Geldes"

Als ihr Vater stirbt, müssen Cosimo und Lorenzo de Medici im Jahre 1429 sowohl die Bankgeschäfte als auch die politischen Interessen ihrer Familie übernehmen. Dabei haben sie in dem Schweizer Söldner Schwartz und seiner Geliebten Laura große Widersacher, die alles tun würden, um die Familie Medici zu zerstören. Zahlreiche Schlachten und Konflikte prägen besonders das Leben von Cosimo, der die Hauptfigur in diesem Buch ist und machen es ihm nicht immer leicht, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen.
Ich muss leider sagen, dass ich vom Beginn der Trilogie um die Familie Medici von Matteo Strukul sehr enttäuscht war. Die Geschichte hat überhaupt keinen Spannungsbogen, so dass es die simple Aneinanderreihung von Schlachten und Intrigen ist, die einem als Leser schnell die Freude an der Lektüre nimmt. Auch die Figuren sind so oberflächlich und kalt gezeichnet, dass man kein Mitgefühl für sie aufbringen kann, geschweige denn mit ihnen mitfiebert, was als nächstes passieren könnte. Der einzige Charakter, den ich gut beschrieben fand, war Cosimos Frau Contessina, die jedoch nur sehr selten wirklich in Erscheinung tritt. Die historischen Fakten an sich sind zwar sehr interessant, der Autor schafft es jedoch leider nicht, die Leser zu erreichen und sie für die Geschichte zu begeistern.
Leider konnte mich „Medici. Die Macht des Geldes“ von Matteo Strukul überhaupt nicht bewegen, ich fand es wenig spannend geschrieben, mit zu vielen Details und zu wenig Emotionen. Die anderen zwei Bände der Trilogie werde ich leider nicht mehr lesen. 

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Dienstag, 28. März 2017

Krischan Koch "Rote Grütze mit Schuss"

In Fredenbüll geht es eigentlich ganz beschaulich zu und Dorfpolizist Thies Detlefsen hat eher wenig zu tun. Das ist allerdings auch bedrohlich, denn immer wieder steht es in Kiel zur Debatte, dass die kleine Polizeistation geschlossen werden soll. Als dann plötzlich ein toter Bio-Bauer in seinem Mähdrescher gefunden wird und Dorfbewohnerin Swaantje sich regelrecht in Luft auflöst (Thies vermutet gleich eine Entführung), gibt es für Thies mehr zu ermitteln, als zunächst gedacht. Nicole Stappenbeck, Polizistin aus Kiel, muss kommen und Thies bei der Mordermittlung helfen. Das sorgt für ordentlich Gesprächsstoff im Dorfimbiss „De hitte Kist“.
Das Hörbuch zu „Rote Grütze mit Schuss“ von Krischan Koch wird großartig gelesen von Bjarne Mädel. Mit ostfriesischem Understatement schafft er es, jeder Figur ihren einzigartigen Charakter zu verleihen und als Hörer muss man mehr als einmal schmunzeln, wenn Imbissbetreiberin Antje ihre Gäste patent zur Ordnung ruft. Die Geschichte selbst ist spannend und äußerst unterhaltsam, dass sie etwas abwegig ist, verträgt das Hörbuch ganz problemlos, schließlich sind auch die Figuren etwas abwegig, wenn auch mit sehr viel Liebe und Detailfreude beschrieben. Egal ob Frisörin Alexandra, der Landgraf Enno von Rissen, der der Spiel- und Alkoholsucht frönt oder Thies’ Frau Heike, die die Augen nicht vom hübschen und äußerst jungen Kriminaltechniker aus Kiel lassen kann, man muss die Fredenbüller einfach gern haben.

„Rote Grütze mit Schuss“ ist witzig, kurzweilig und dazu noch großartig gelesen und hat damit alles was ein schönes Hörbuch braucht. Als Hörer hat man auf jeden Fall viel Freude mit den Fredenbüllern. 

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Donnerstag, 23. März 2017

Petra Durst-Benning "Die Blütensammlerin"

Endlich sind das zauberhafte Dorf Maierhofen im Allgäu und seine wunderbaren Bewohner zurück! Nachdem Christines Mann Herbert sie verlassen hat und ausgezogen ist, will er seine Frau jetzt aus dem Haus werfen, wenn sie nicht für die Kosten aufkommt. Eine Idee muss her und wie so oft in Maierhofen sind es Therese und Greta, die Christine auf die Sprünge helfen: Ein Bed & Breakfast muss her! Jahrelang hat sich Christine umsonst um ihre Familie gekümmert, jetzt soll sie endlich Geld für ihre Gastfreundschaft bekommen. Der in Maierhofen stattfindende Kochwettbewerb der Zeitschrift „Landliebe“ ist der perfekte Anlass, ihre Pension mit der Einladung eines Single-Kochteams in Szene zu setzen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch Schmetterlinge im Bauch gratis dazu?
Ich war schon von „Kräuter der Provinz“ und „Das Weihnachtsdorf“ hellauf begeistert, die Geschichten sind flüssig und mitreißend geschrieben und die Figuren wachsen einem einfach sofort ans Herz. Bei jeder anderen Autorin würde die Geschichte dieses Single-Kochwettbewerbs vielleicht kitschig wirken, aber Petra Durst-Benning schafft es wunderbar, allen Charakteren zu ihrem Glück zu verhelfen, ohne dass es langweilig oder zu vorhersehbar wird. Die Lektüre ist ein wirkliches Wohlfühlerlebnis, man hat einfach Spaß mit den Figuren und den Geschichten und mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe mich dieses Mal in viele neue Figuren verliebt und hoffe, dass es in Maierhofen bald weitergeht und ich wieder einen Leseausflug ins Allgäu machen darf.
Petra Durst-Bennings neuer Maierhofen-Roman „Die Blütensammlerin“ ist das perfekte Buch zum Entspannen, auf jeder Seite scheint einem die Sommersonne entgegen und man erholt sich regelrecht beim Lesen. Dieses Buch ist einfach wie ein kleiner Urlaub.  

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Mittwoch, 22. März 2017

Isabelle Autissier "Herz auf Eis"

Louise und Ludovic erfüllen sich einen Traum, den viele Menschen haben: Sie nehmen ein Jahr Auszeit, um eine Weltreise mit dem Boot zu machen. Doch als sie auf einer Insel stranden, ohne Kontakt zur Außenwelt und völlig auf sich gestellt, bleibt vom modernen und zivilisierten Menschen nicht viel übrig. Es ist ein Kampf ums Überleben, mit- und auch gegeneinander.
„Herz auf Eis“ ist ein unglaublicher Roman, der tief in die Psyche des Menschen blickt und einen gruseln lässt. Das junge Paar kämpft darum, auf der Insel durchzuhalten und gleichzeitig können wir dabei zusehen, wie der Mensch immer ein wenig mehr zum Tier wird, wie Instinkte rationale Entscheidungen überlagern und am Ende jeder vielleicht doch nur sich selbst der Nächste ist. Diese Beschreibungen sind sehr bewegend und gehen einem beim Lesen teilweise sehr nahe, wenn aus dem sympathischen und lebensfrohen jungen Paar zerbrochene und psychisch angeschlagene Menschen werden. Mich hat der Stil von Isabelle Autissier unglaublich begeistert, sie nimmt einen so sehr mit in die Geschichte und man ist so dicht an den Protagonisten dran, dass man sich von der Story nicht mehr lösen kann. Und sie zwingt den Leser auch zu der Frage, die sich Louise und Ludovic stellen müssen, das „Was würde ich tun?“ schwingt die ganze Zeit im Hinterkopf mit und macht die Lektüre so besonders und faszinierend.
Isabelle Autissier schafft es mit ihrem Roman „Herz auf Eis“ den Leser völlig zu fesseln und nimmt ihn mit auf einen regelrechten Trip in die Psyche der Menschen. Was kann der Mensch und was kann die Liebe ertragen, ohne zu zerbrechen? Ich kann nur jedem empfehlen, dass junge Paar auf dieser extremen Reise zu begleiten. 

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Montag, 20. März 2017

Katarzyna Bonda "Das Mädchen aus dem Norden"

Sasza Zaluska war früher bei der polnischen Polizei, doch heute arbeitet sie als Profilerin und promoviert an der britischen Universität Huddersfield. Für ihr Forschungsprojekt geht sie zurück nach Polen und wird prompt in einen seltsamen Fall verstrickt. Sie wird als Profilerin angeheuert, um einige Unklarheiten rund um den Club „Nadel“ aufzuklären, bei dem der bekannte Musiker Jan Wisniewski Teilhaber ist, der mit dem Lied „Das Mädchen aus dem Norden“ seinen großen und einzigen Hit hatte. Als der plötzlich erschossen wird, bindet die Polizei Sasza in ihre Arbeit ein und schnell ist sie tiefer in den Fall verstrickt, als sie sich am Anfang vorstellen konnte.
Die Autorin Katarzyna Bonda nimmt einen von der ersten Seite des Buches an mit in die Geschichte und dann lässt sie einen schnell nicht wieder los. Dies liegt besonders an der sehr gut konstruierten Hauptfigur, die gar nicht langweilig daherkommt. Stück für Stück erfahren wir immer mehr über Sasza, warum sie den Polizeidienst quittierte und was es mit dem Vater ihrer Tochter Karolina auf sich hat. Der Stoff bietet sich wirklich an für eine Reihe, umso besser dass hinter dem Titel bei der Onlinerecherche gleich „Band 1“ auftaucht. Die Hoffnung auf mehr Fälle für Sasza Zaluska ist also berechtigt. Der Krimi selber ist sehr spannend geschrieben, es geht um mafiöse Strukturen in der Danziger Geschäfts- und Finanzwelt und die lang zurückliegenden Tode zweier Geschwister. Nur langsam klärt sich für den Leser die Verbindung auf. Teilweise empfand ich es etwas schwer nachzuvollziehen, welche Person gerade wo genau steht, da es ein sehr großes Personal ist, das Bonda in diesem Roman nutzt um die ganze Geschichte zu erzählen. Doch man kommt immer schnell wieder in die Story rein und mit der Zeit klären sich alle Verbindungen, so dass man der Geschichte immer besser folgen kann.
Katarzyna Bondas „Das Mädchen aus dem Norden“ war der erste polnische Krimi, den ich gelesen habe und er hat mir ausgesprochen gut gefallen. Stellenweise hätte ich mir eine etwas klarere Struktur gewünscht, aber alles in allem sehr spannend geschrieben mit einer tollen Protagonistin. Gerne mehr davon!

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Freitag, 17. März 2017

Felicitas Gruber "Zapfig. Ein Fall für die Kalte Sophie"

Dr. Sophie Rosenhuth ist sowohl beruflich als Rechtsmedizinerin als privat stark gefordert. Mit ihrem Ex-Mann und Polizeikommissar Joe Lederer nähert sie sich zwar wieder an, doch so schnell wie der wieder mit ihr zusammenziehen will, ist Sophie skeptisch. Und die Wohnungssuche in München ist bekanntlich auch nicht einfach. Zeitgleich sind beide eingebunden in die Ermittlungen in einem Mordfall: Die Verlobte des Brauereierben Tobias Roßhaupter und gleichzeitig Sekretärin im Betrieb wird nach ihrem Junggesellenabschied tot in der Wohnung gefunden. Und so nett wie die Kolleginnen am Anfang noch alle getan haben, fand sie wohl doch keiner, wie sich bei den Ermittlungen schnell herausstellt. Denn der gut situierte Erbe hat allen Damen in der Firma schon einmal schöne Augen gemacht. Da ist der Mörder oder die Mörderin nicht leicht zu finden.
„Zapfig“ von Felicitias Gruber ist zwar nicht der erste Fall für die Kalte Sophie, aber der erste den ich gelesen habe. Dennoch ist der Einstieg schnell und einfach gelungen und man war sofort mittendrin in der Story. Das liegt auch an den tollen Figuren, denn Sophie ist unglaublich sympathisch und ihren Freund Joe mochte ich gleich, auch wenn manchmal ein bisschen eifersüchtig ist. Doch ebenso all die Nebenfiguren wie Spike, der Helfer in der Rechtsmedizin oder die Chefin von Sophie (genannt Dr. Iglu), die an Ignoranz und Kälte kaum zu überbieten ist, sind sehr detailliert beschrieben und machen die Geschichte richtig lebendig. Obwohl ich zu München eigentlich keinen Bezug habe, hat mir das Lokalkolorit sehr gut gefallen und der bayrische Dialekt war für mich als Nordlicht sehr gut zu verstehen. 
Mir hat „Zapfig“ von Felicitas Gruber ausgesprochen gut gefallen, die Geschichte ist humorvoll und gleichzeitig spannend geschrieben und die Zeit flog bei Lektüre nur so dahin. Blitzschnell hatte ich das Buch durch, zum Glück kann ich die noch die vorhergehenden Bände der Kalten Sophie nachholen. 

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Donnerstag, 16. März 2017

Paul Auster "4 3 2 1"

Archie Fergueson - ein Leben, vier Varianten. In seinem neuen und äußerst umfangreichen Roman „4 3 2 1“ erzählt Paul Auster die Geschichte eines Enkels jüdischer Einwanderer, geboren in Newark 1947. Doch er erzählt das Leben von Archie nicht linear, sondern in all seinen Möglichkeiten. „4 3 2 1“ - genau so viele Möglichkeiten erschafft er rund um die Hauptfigur und spielt sie in ihren Varianten durch. Wie könnte sich Archies Leben entwickelt haben, wenn er oder seine Eltern an eben dieser oder jener Kreuzung im Leben eine andere Entscheidung getroffen hätten?
Paul Austers neuer Roman ist ein wahres Meisterwerk und trifft meiner Meinung nach perfekt den Ausdruck des großen amerikanischen Romans. Er schafft es, mit dem Leben von Archibald Fergueson eine prägende Phase der amerikanischen Geschichte zu beschreiben, die Zeit der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki bis zum Vietnamkrieg, die Präsidentschaft Kennedys und sein Tod spielen ebenso eine Rolle wie Krieg in Korea und die Studentenunruhen Ende der 60er Jahre. Das besonders Spannende ist hierbei, dass die Leben der vier Archibalds, wenn man es denn so nennen will, sich nicht so grundlegend unterschiedlich entwickeln, dass es unglaubwürdig werden könnte. Im Gegenteil, es sind Nuancen, die sie voneinander trennen und sie gleichzeitig so unterschiedlich machen. Die Erfahrung in einer intakten Familie aufzuwachsen oder den Vater früh zu verlieren, die Unterstützung, die man aus dem Bekanntenkreis bekommt und die bestimmte Talente besonders fördert, und die Mädchen, die entweder zur großen Liebe oder zur angehimmelten Stiefschwester werden können. All diese kleinen Unterschiede machen die Lektüre dieses Romans so unglaublich spannend und nie langweilig, auch wenn die über 1200 Seiten, auf denen Auster sein großes Werk ausbreitet, eine wirklich Herausforderung sind. 
Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, Paul Austers Roman „4 3 2 1“ ist auf eine besondere Art herausragend, ein Meisterwerk und Lebenswerk zugleich, das sich mit nichts vergleichen lässt, das ich bisher gelesen habe. Viele biographische Elemente von Archie lassen sich auch im Lebenslauf von Paul Auster wiederfinden und zum Schluss verschmelzen beide Figuren, der Autor und der Erzähler, quasi miteinander, wenn sie die Intention des Buches erklären. Für mich bleibt abschließend nur zu sagen, dass ich dieses Roman von Paul Auster für grandiose Literatur halte, ein Buch, dass niemals wirklich abgeschlossen ist und einem als Leser weiterlebt und arbeitet. 

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Cora Stephan "Ab heute heiße ich Margo"

Margo und Helene lernen sich in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts kennen, Hitler ist an der Macht und während die junge Margo sich für ihn durchaus erwärmen kann, lebt Helene mit ihren jüdischen Wurzeln in ständiger Angst. Sie arbeiten gemeinsam bei Photo-Werner in Stendhal, doch die Wirren des Zweiten Weltkriegs trennen sie. Helene überlebt das Lager in Buchenwald und lebt nach dem Krieg in der DDR, während Margo sich mit ihrem Mann Henri in Westdeutschland eine neue Existenz aufbaut. Doch das Leben ist nicht einfach, Henri vom Krieg regelrecht zerstört und Margos Ehrgeiz treibt sie immer weiter, weg von ihrer Familie und ihrem Mann. Doch etwas verbindet das Leben von Helene und Margo trotz der deutschen Teilung für immer: Margos Tochter Emma, die sie kurz nach Kriegsende geboren hat. 
Ich habe „Ab heute heiße ich Margo“ als Hörbuch gehört, gelesen von Tanja Fornaro. Leider konnte mich die Geschichte nicht ganz überzeugen, obwohl sie von der Erzählerin wirklich großartig vorgetragen würde. Fornaro vermittelt über ihre Stimme sehr viel über die Figuren, so dass sie einem schnell ans Herz gehen. Leider fand ich dieses sehr lange Hörbuch von über 18 Stunden jedoch nicht gut aufbereitet. Viele Übergänge waren beim Hören unklar und einige Zeitsprünge nicht nachvollziehbar. Zwar wechselt es deutlich hörbar zwischen den verschiedenen Hauptfiguren, zu denen später auch Margos Tochter Leonore hinzukommt. Doch oft war einfach nicht deutlich, wieviel Zeit zwischen den Abschnitten vergangen ist, was das Hören etwas mühsam machte. Auch war mir die Geschichte nicht spannend genug, um sie über so lange Zeit zu erzählen. Zwar finde ich den Ansatz, zwei Frauengeschichten über die ganze spannende Epoche der dreißiger Jahre bis zu Beginn des neuen Jahrtausends hin zu erzählen sehr gut, dafür hätte meiner Meinung nach aber einfach mehr passieren müssen. So hatte die Geschichte als Hörbuch einige Längen, die einen einfach stören. 
Alles in allem fand ich das Hörbuch zu „Ab heute heiße ich Margo“ nicht schlecht, die Stimme von Tanja Fornaro passt auf jeden Fall hervorragend dazu. Ich hätte für das Hörbuch jedoch eine Kürzung auf maximal 9 bis 10 Stunden empfohlen, so war es einfach zu lange und stellenweise auch zu langweilig. 

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Der Roman ist erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag, das Hörbuch gibt es exklusiv bei Audible