Donnerstag, 13. Juli 2017

Mariana Leky "Was man von hier aus sieht"

Wenn Selma von einem Okapi träumt, wird im Dort jemand sterben, das hat die Erfahrung gezeigt. Der neueste Okapi-Traum von Selma sorgt dementsprechend für Panik, Überreaktionen und Kurzschluss- handlungen. Jeder will noch einiges geklärt haben, wenn es ihn eventuell erwischt. Doch was dann wirklich passiert, damit hatte keiner gerechnet und die Erzählerin Luise wirft es vollständig aus der Bahn, da kann auch Selma, ihre Großmutter und der wahrscheinlich wunderbarste Mensch in ihrem Leben, ihr nicht helfen. Beim besten Willen nicht.
„Was man von hier aus sehen kann“ ist eine wunderschöne Geschichte über ein Mädchen, dass sich völlig verkriecht in einem Leben, dass sie kennt und ihr keine Unsicherheit bietet, bis das Leben selbst sie zwingt, diese Wohlfühlzone zu verlassen und in die Wirklichkeit hinauszugehen. Die Autorin Mariana Leky schafft hierfür ganz wundervolle Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen und die Geschichte so nah und unmittelbar erlebbar machen. Luise hat das ganz Dorf als Freunde und Familie: Selma, den Optiker, die abergläubige Elsbeth, die immer schlecht gelaunte Marlies und den ununterbrochen Bibelverse zitierenden Palm. Was stört es da schon, dass ihre eigentlichen Eltern viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um sich um das Mädchen zu kümmern, dass sich in ihren einfachen Strukturen eingerichtet hat. Luise ist eine sehr empfindsame und liebenswerte Figur, die es sehr schwer hat, ohne es vielleicht selbst zu bemerken. Ich hatte beim Lesen der Geschichte das Gefühl, dass Luise als Ich-Erzählerin ihr Leben als absolut selbstverständlich annimmt und keineswegs bewusst damit hadert.
Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein ergreifendes und berührendes Buch, dass einem ganz nah kommt und einen gefangen nimmt. Sie beschreibt ein fast trauriges Leben auf unglaublich schöne und positive Art und entführt einen ohne zu Fragen restlos in die Welt von Selma, Luise und dem Okapi. Bewegend, nah und einfach nur wunderschön. 

✮✮✮✮✮

"Was man von hier aus sehen kann" erscheint am 18. Juli 2017 im Dumont Verlag. Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags. 

Dienstag, 11. Juli 2017

Lee Child "Der letzte Befehl"

In seinem neuesten Fall für Jack Reacher entführt Lee Child seine Leser in die Vergangenheit! „Der letzte Befehl“ spielt zeitlich vor den anderen Bänden und beschreibt den letzten Einsatz, den Reacher für das Militär ausgeführt hat. Er wird in eine Kleinstadt in Mississippi geschickt, wo eine junge Frau ermordet wurde. Verdächtigt wird der Sohn eines angesehenen Politikers, der vor Ort beim Militär stationiert ist und gerade Karriere macht. Reacher soll die örtliche Ermittlerin in Schach halten und herausfinden, ob der Täter wirklich Militärangehöriger ist. Doch vor Ort stellt sich die Situation anders da als erwartet, denn statt einer erwarten Reacher drei Leichen und eine hochattraktive Ermittlerin, die sich nicht in die Karten schauen lässt.
Der neueste Band der Jach-Reacher-Reihe hat mich beim Lesen wirklich umgehauen, es war so spannend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Reacher ist ein sehr eigenwilliger Typ, aber diese Geschichte klärt jetzt seine Vergangenheit auf, wie seine Enttäuschung vom Militär zu erklären ist und warum er bei der Militärpolizei eigentlich aufhörte. Das alles umgibt einen sehr spannenden Kriminalfall, der mit einigen Überraschungen glänzen kann und einen so oft auf die falsche Fährte schickt, bis Reacher als Ermittler uns Leser wieder einsammelt und an seinen Schlussfolgerungen teilhaben lässt. Mit der Ermittlerin Devereux hat Lee Child seinem Protagonisten eine Figur gegenübergestellt, die ihm eindeutig das Wasser reichen kann. Sie ist nicht nur attraktiv, was Reacher mehr verwirrt als er zugeben will, sondern auch hochintelligent und hat selber Erfahrung bei der Army. Das erhöht die Spannung und den Lesespaß, denn es ist nie ganz klar, ob die beiden jetzt eigentlich Partner oder Gegenspieler sind.

Mir hat „Der letzte Befehl“ von Lee Child sehr gut gefallen, die Story ist spannend und gut beschrieben und Reacher polarisiert als Figur sehr stark, was die Handlung vorantreibt. Ich kann das Buch allen Krimi- und Thrillerfans nur uneingeschränkt empfehlen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Blanvalet Verlags. 

Montag, 10. Juli 2017

Elizabeth Freemantle "Die Rivalin der Königin"

Penelope Devereux ist nicht nur schön, sie ist auch hochintelligent und durchschaut die Machenschaften am Hofe Elizabeths I. sehr schnell. Mit 18 Jahren wird sie Hofdame bei Elizabeth und schnell wird sie in die Verwicklungen hineingezogen, die sich um die starrsinnige Königin ranken. Da Elizabeth sich weigert zu heiraten, bleibt die Thronfolge Zeit ihres Lebens ungeklärt und im Hintergrund werden zahlreiche Koalitionen geschmiedet, die den einen oder anderen königlichen Zweig nach ihrem Tod auf den Thron bringen sollen. Penelope und ihr Bruder, der Graf von Essex, versuchen sich in diesem Spiel auf die richtige Seite zu stellen und müssen sich dabei mit mächtigen Gegenspielern auseinandersetzen.
Elizabeth Freemantle hat mit „Die Rivalin der Königin“ einen umfangreichen und geradezu opulenten historischen Roman abgeliefert, der einen direkt an den Hof von Elizabeth I. transportiert. Die Beschreibungen sind so detailliert und lebensnah, dass sich beim Lesen sofort Bilder im Kopf einstellen und man Penelopes Geschichte fast wie in einem Kinofilm erlebt. Die Figuren sind dabei sehr abwechslungsreich beschrieben, es gibt nicht nur Gut und Böse, alle bewegen sich in einem Schattenreich aus Grautönen um ihr eigenes Überleben zu sichern und die Position ihrer Familien zu stärken. Das führt zu Intrigen und Streitereien, die nicht selten im Tower und auf dem Schafott enden können, wenn man bei der Königin in Ungnade fällt. Penelope beherrscht dieses Spiel sehr schnell annähernd perfekt und treibt so ihre Gegner in den Wahnsinn, ganz im Gegensatz zu ihrem emotionalen Bruder, der die Familie mit seinen Leidenschaften fast in den Untergang treibt.
„Die Rivalin der Königin“ von Elizabeth Freemantle ist ein großartiger historischer Roman, der sehr schöne Einblicke in das Leben am Hofe von Elizabeth I. gibt und historische Tatsachen mit einer spannenden Story verbindet. Dieser Roman fesselt einen als Leser von der ersten Seite an und lässt einen nicht wieder los. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des C. Bertelsmann Verlags. 

Sonntag, 9. Juli 2017

Yuval Noah Harari "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen"

Yuval Noah Harari beschäftigt sich in seinem Buch „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ mit der Geschichte des Menschen, seinen gesellschaftlichen Werten und einer möglichen Weiterentwicklung. In Zeiten von Technisierung und „Dataismus“, in der jeder Organismus und jede Wirtschaftsordnung einen Algorithmus darstellt, glaubt er, dass die Werte von Humanismus und Liberalismus in den Hintergrund treten und einer neuen Ordnung Platz machen könnten. Er beschreibt dies ausdrücklich nicht als Prognose, sondern als eine Möglichkeit und zeigt auf, an welchen Schnittstellen sich gesellschaftliche Ordnungen ändern könnten. 
Mir hat „Homo Deus“ sehr gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich für die Lektüre sehr lange gebraucht und zwischendurch immer wieder zu „leichterer“ Lektüre gegriffen haben. Ich finde die Gedanken von Harari sehr nachvollziehbar und er beschreibt keineswegs ein gruseliges Horrorszenario, sondern argumentiert sehr logisch und nachvollziehbar, warum diese eine Variante eine Möglichkeit ist. Es gibt jedoch so viele Komponenten, dass man auf keinen Fall vorhersagen könnte, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt. Besonders positiv finde ich die zahlreichen Beispiele, die er immer wieder einbaut, um seine Erzählung nachvollziehbar zu machen. Dadurch sind auch kompliziertere Sachverhalte gut verständlich für den Leser und man kann ihm gut folgen. 
Der Autor Yuval Noah Harari regt mit seinem Buch „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ auf sehr interessante Weise zum Nachdenken an und man wird dazu gebracht, sein eigenes Verhalten und die Veränderung von Werten zu hinterfragen. Ich finde die Lektüre des Buches absolut empfehlenswert, da es viele Fragen aufwirft, denen wir uns in Zukunft immer wieder stellen müssen, besonders die Fragen, welche Gesellschaft wir eigentlich wollen und inwieweit wir der Technik Verantwortung überlassen wollen. Ein sehr spannendes und dennoch hochsachliches Buch, dass sich auf jeden Fall zu lesen lohnt. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Information des C.H. Beck Verlags. 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Eberhard Fohrer "Kreta"

Gleich vorweg: Ich bin ein großer Fan der Reiseführer, die Eberhard Fohrer für den Michael Müller Verlag geschrieben hat. Das beste Beispiel dafür ist der Kreta Reiseführer. Am Anfang war ich ehrlich gesagt etwas abgeschreckt, denn der Reiseführer ist sehr dick und dementsprechend schwer, bei einem Stadtbummel möchte ich ihn nicht die ganze Zeit in der Handtasche haben. Aber die Insel ist groß und daher ist es auch sehr sinnvoll, dass der Reiseführer so umfangreich ist.
Wir haben hauptsächlich den Westen der Insel erkunden und haben dabei auch viel ausprobiert, was im Reiseführer vorgeschlagen wird, Rundfahrten und Wanderungen ebenso wie Strände, Städte und Restaurants. Der Reiseführer hat uns an keiner Stelle enttäuscht, die Tipps sind großartig und man merkt, dass sie von jemandem kommen, der sich auf der Insel wirklich auskennt. Auch die Hintergrundberichte zu Land und Leute, Sprache, Essen und Geschichte fand ich sehr informativ und hilfreich, um die Insel richtig kennen zu lernen. Optisch ist die Aufbereitung sehr schön und auch sehr übersichtlich, dank gutem Stichwortverzeichnis und Einteilung des Reiseführers ist man immer schnell bei dem Artikel, den man sucht.

Wir waren leider beim ersten Mal nur eine Woche auf Kreta, doch Dank des Reiseführers hatten wir das Gefühl, wirklich viele tolle Dinge gesehen zu haben und die Zeit genutzt zu haben. Und für die Handtasche beim Stadtbummel gab es dann noch einen günstigen dünnen Reiseführer, der bei Bedarf das nötigste erklären konnte. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Michael Müller Verlags. 

Lucy Foley "Das Versprechen eines Sommers"

Rom, Anfang der 50er Jahre: Hal ist Engländer, der vor seinen Erinnerungen an den Krieg nach Rom geflohen ist und dort als Journalist arbeitet. Auf einer Party lernt er Stella kennen und verliebt sich Hals über Kopf, doch sie ist verheiratet und lebt in Amerika. Die beiden verlieren sich aus den Augen, bis Hal über einen Film schreiben soll, auf dessen Vorstellungstour an der Küste Italiens auch Stella mit ihrem Mann an Bord des Schiffes ist. Probleme scheinen hier vorprogrammiert zu sein.
Was zunächst klingt wie eine kitschige Liebesgeschichte mit zwanghaftem Happy End ist viel komplexer und schöner geschrieben, als man erwartet hätte. Stella und Hal sind komplizierte Persönlichkeiten, die nicht blind in eine Affäre stürzen, sondern ständig reflektieren und kämpfen, sowohl mit der Gegenwart, als auch ihrer persönlichen Vergangenheit, denn beide haben schon schwere Schicksalsschläge erlitten. Lucy Foley erzählt die Geschichte dennoch auf eine sehr leichte und mitreißende Art, ihre Beschreibungen der Menschen und der italienischen Landschaft sind so detailliert und lebensnah, dass man gar nicht anders kann, als sich in die Geschichte hineinziehen zu lassen. Stück für Stück stellt sie dem Leser ihr Personal vor und schafft so die komplexen Verbindungen, die die ganze Geschichte am Laufen halten.

Mir hat Lucy Foleys zweiter Roman „Das Versprechen eines Sommers“ sehr gut gefallen, er zeichnet sich durch großartige Figurenbeschreibungen und spannende Wendungen aus und ist keineswegs zu seicht, wie man am Anfang vermuten könnte. Im Gegenteil überrascht Foley durch eine sehr sensible Erzählweise und gute historische Bezüge auf die 30er und 40er Jahre in Europa. Mich konnte das Buch restlos überzeugen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Insel Taschenbuch Verlags. 

Montag, 3. Juli 2017

Leonie Swann "Gray"

Augustus Huff ist Dozent an der altehrwürdigen Universität Cambridge und hat ein paar Macken, einen leichten Waschzwang und ist besessen von Zahlen. Als einer seiner Studenten von der Kapelle stürzt und stirbt, erhält er die undankbare Aufgabe, dessen hochintelligenten Graupapagei Gray zu übernehmen. Gray sorgt für viel Trubel, bringt Huff aber auch auf einen Gedanken: Was ist, wenn Eliotts Tod gar kein Unfall war, sondern Mord? Gemeinsam mit Gray beginnt er zu ermitteln und bringt auch sich selbst dabei ganz schön in die Zwickmühle.
Leonie Swann ist bekannt für ihre Schafskrimis, doch in diesem Fall übernimmt ein anderes Tier die Ermittlungen, nämlich ein Graupapagei. Gray ist sehr intelligent, mittelgut erzogen und wächst einem genauso wie der schrullige Augustus Huff sofort ans Herz. Die Lektüre ist äußerst kurzweilig und unterhaltsam, dabei jedoch auch spannend, wie ein Krimi sein sollte, denn Eliotts Tod erscheint wirklich sehr seltsam. Wie passend, dass den Jungen keiner leiden konnte- auch sein Tutor Huff nicht. Da Gray sehr gut sprechen kann, aber meist nur Dinge nachplappert, scheint es zwar manchmal mehr ein Glückstreffer, wenn er Huff weiterhelfen kann, aber so oder so ist er lustige Hilfe und die beiden bilden ein kurioses Ermittlerteam.



Wer von einem Krimi nicht nur Hochspannung, polizeiliche Ermittlungen und brutale Taten erwartet, sondern sich auf einen lustigen und skurrilen Krimi einlassen mag, ist bei Leonie Swanns neuestem Buch „Gray“ genau richtig. Augustus Huff und Gray müssen einem einfach direkt ans Herz wachsen und man mag sich gar nicht mehr von ihnen trennen. Es bisschen Hoffnung habe ich, dass es vielleicht nicht der einzige Fall von Gray und Huff gewesen ist, und wir Leser in Zukunft öfter mit ihnen ermitteln dürfen. 

✮✮✮✮✰



Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Goldmann Verlags. 



Freitag, 30. Juni 2017

Barney Norris "Hier treffen sich fünf Flüsse"

Ein Verkehrsunfall in der kleinen Stadt Salisbury in England verbindet die Leben von fünf Menschen miteinander. Sie sind alle völlig verschieden und haben unterschiedliche Leben, Träume und Vorstellungen und obwohl sie sich dessen selbst gar nicht bewusst sind, sind sie verbunden durch diesen Moment, in dem der Autofahrer den Motoroller trifft und die Fahrerin schwer verletzt wird. Fünf Flüsse kreuzen sich in Salisbury wie die Leben dieser fünf Menschen, in einem zentralen Punkt, bevor sie wieder auseinanderdriften, ohne die anderen wirklich zu bemerken.
Barney Norris hat ein wunderbares und feinsinniges Buch geschrieben über die Zufälligkeiten des Lebens und unbewusste Verbindungen zwischen den Menschen, die man selber nicht wahrnimmt, mit denen man dennoch untrennbar verbunden ist. Ein winziger Moment, nur wenige Sekunden, verändern ihr Leben, mal mehr und mal weniger, doch auf jeden Fall haben sie Einfluss. Rund um diese Sekunden drehen sich die fünf Geschichten, die ansonsten völlig für sich alleine stehen und Ausschnitte aus dem Leben der Personen schildern, die sehr eingehend beschrieben sind und einem unweigerlich nahegehen. Norris erzählt mit einem großartigen Blick für Momente und Gefühle und die Geschichten sind kleine, einzelne Erzählungen die einen nicht wieder loslassen. Als Ganzes schafft er so ein großartiges Buch, das einen bewegt und gleichzeitig sehr nachdenklich stimmt.
Mich hat Barney Norris Roman „Hier treffen sich fünf Flüsse” begeistert, sowohl die Struktur als auch den durchdachten Einsatz von Sprache und Form fand ich großartig. Dieser Roman hebt sich positiv von vielen anderen Büchern ab und bleibt einfach in Erinnerung. Genauso wie die fünf Personen, die man dort kennen gelernt hat. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Dumont Verlags. 

Montag, 26. Juni 2017

Diane Ackerman "Die Frau des Zoodirektors"

Der Zoo von Warschau spielte während des Zweiten Weltkriegs eine besondere Rolle: der Zoodirektor Jan und seine Frau Antonina Żabiński versteckten dort zahlreiche Juden und Flüchtlinge vor den Deutschen, gleichzeitig half Jan den Menschen im Ghetto und schmuggelte sie dort hinaus, um sie in der Villa des Zoos zu verstecken. Neben all den versteckten Menschen muss Antonina sich auch noch um ihren Sohn kümmern, der in diesen furchtbaren Zeiten aufwächst, auch wenn eine normale Kindheit nicht möglich ist. Die Tiere spielen wie schon im Leben seiner Eltern eine besondere Rolle und er schützt sie wie Antonina ihn und die Versteckten im Haus schützt.
Am Anfang war ich etwas irritiert vom Erzählstil der Autorin Diane Ackerman, den ich als sehr trocken und distanziert empfunden habe. Die Geschichte an sich ist sehr spannend und Jan und Antonina müssen beeindruckende Persönlichkeiten gewesen sein, leider bin ich ihnen beim Lesen einfach nicht richtig nahe gekommen und für mich konnte die Autorin nicht transportieren, was sie dem Leser näherbringen wollte. Zwar heißt das Buch „Die Frau des Zoodirektors“, aber ich habe viel zu wenig von Antoninas Gefühlen und Beweggründen erfahren, oft sind es schlichte Schilderungen von Vorgängen, ohne dass man hinter Antoninas wirkliche Gefühle kommt. Die einzige Person, die ich sehr gut dargestellt fand, ist ihr Sohn und die Beschreibungen, wie er mit den Geheimnissen im Haus und der ständigen Gefahr aufwuchs.
Diane Ackerman hat mit „Die Frau des Zoodirektors“ ein sehr spannendes Stück Geschichte dargestellt, leider habe ich bis zum Schluss nur sehr schwer Zugang zu den Personen gefunden, so dass mir die Lektüre eher schwer fiel. Dennoch finde ich das Buch sehr lesenswert, weil es viel Hintergrundwissen über die Situation der Polen während des Zweiten Weltkriegs und über die dortige Widerstandsbewegung liefert. 

✮✮✮✰✰



Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Verlags Heyne Encore. 

Freitag, 23. Juni 2017

Martin Walker "Provokateure"

Bruno, Chef de police, muss in einem kniffligen Fall ermitteln. In Afghanistan wird ein autistischer Junge aufgegriffen, der aus Saint-Denis kommt und den Bruno von Kindesbeinen an kennt. Jetzt soll er als Terrorist nach Frankreich ausgeliefert werden und unter anderem Bruno soll sich um ihn kümmern. Doch es gibt auch Leute, die den Jungen aus dem Weg räumen wollen und vor Mord keineswegs zurückschrecken. Ge- meinsam mit einem Team von verschiedenen Sicherheitsleuten und Psychologen hat er eine schwierige Aufgabe: er muss den Jungen vor Feinden schützen und gleichzeitig herausfinden, ob der Junge wirklich als Terrorist in Afghanistan an Anschlägen beteiligt war.
Martin Walker entführt uns wieder ins Périgord und schafft ein wunderbares Gleichgewicht zwischen einem spannenden Kriminalfall und seiner lebensfrohen Beschreibung der Lebensart in Saint-Denis. Der Fall ist äußerst aktuell und wird besonders spannend dadurch, dass eine Moschee in Mittelpunkt rückt und verdächtigt wird, junge Menschen gezielt in den Terror geschickt zu haben. Die Problematik, dass Radikalisierung teilweise in den Moscheen in westlichen Ländern stattfindet, begegnet einem auch heute oft in den Zeitungen, doch dieser Fall ist besonders, denn der Junge ist Autist und erwachsenen Leitfiguren damit besonders ausgeliefert. Sein Genie beim Bauen und Reparieren von Dingen wurde für den Krieg ausgenutzt. Walker beschreibt diesen Fall sehr realistisch und nachvollziehbar, gleichzeitig ist das Buch keinesfalls schwer oder behäbig, sondern immer noch leicht lesbar und sehr unterhaltsam. Dies liegt auch am hervorragenden Personal, dass die Geschichte vorantreibt und durch sehr unterschiedliche Charaktere sehr abwechslungsreich daherkommt.

Wer sich einmal in Martin Walkers Romane um Bruno, Chef de police verliebt hat, wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen. Und wer Walkers Krimis noch nicht kennt, dem kann ich sie nur ans Herz legen, denn er schafft mit seinen Büchern eine ganz besondere Atmosphäre, die ich von keinem anderen Krimiautor kenne und die einen als Leser einfach einsaugt in seine Romane und nicht wieder loslässt, bis die letzte Zeile gelesen ist. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Lily King "Euphoria"

Lily King erzählt eine Dreiecksgeschichte um Ethnologen im Feldeinsatz. In Neuguinea, Anfang der 30er Jahre, sind sie Pioniere auf dem Gebiet der Ethnologie und begeben sich mitten in die Lebensverhältnisse der indigenen Völker. Nell Stone ist bereits in jungen Jahren berühmt, womit ihr Mann Fen nur schwer umgehen kann. Als sie dann in Neuguinea auf den attraktiven und aufstrebenden Ethnologen Banks treffen, ist er sich sicher, dass er seiner Frau nicht trauen kann. Um wenigstens wissenschaftlich mithalten zu können, begibt er sich auf gefährliches Terrain und lässt Ethik und Moral, die seiner Frau so wichtig sind, hinter sich zurück.
Die Autorin hat sich mit ihrer Geschichte in „Euphoria“ am Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead orientiert und man merkt diesem Buch seine gründliche Recherche an. Die beschriebenen Szenen und die Umgebung sind detailliert gezeichnet und schaffen dem Leser ein genaues Bild vor Augen, in welchem Umfeld sich die Protagonisten bewegen. Durch die Dreiecksgeschichte schafft sie einen schönen Spannungsbogen, der einen als Leser fesselt und immer weiter lesen lässt, auch wenn ich finde, dass das herausragende des Romans wirklich die Arbeitsbeschreibungen der Ethnologen sind, ihre Arbeit und Herangehensweise an die Bevölkerung und die verschiedenen Maßstäbe und Ziele, die sie dabei haben. Gleichzeitig wird ihre Abhängigkeit voneinander sehr deutlich und die Faszination, den dreien sowohl bei der Arbeit als im Privaten zu folgen, hat mich nicht mehr losgelassen und vollständig gefesselt.
Mir hat Lily Kings „Euphoria“ außerordentlich gut gefallen, die Geschichte ist sprachlich sehr schön geschrieben und die Spannung entsteht sowohl aus den privaten wie auch beruflichen Problemen der drei Ethnologen, durch deren unterschiedliche Charaktere King eine großartige Spannung schafft, die einen von der ersten bis zur letzten Seite mitzieht. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen im C.H. Beck Verlag. Am 7. Juli 2017 erscheint die Taschenbuchausgabe bei dtv. 

Sonntag, 18. Juni 2017

Christoph Ransmayr "Cox"

Cox ist englischer Automatenbauer und Uhrmacher und reist zum Kaiser nach China, weil er einen besonderen Auftrag hat. Er soll eine Uhr bauen, die das Leben eines Kindes nachempfindet. Dieser Aufgabe widmet Cox sich mit seinen Mitarbeitern mit voller Kraft, denn erst vor kurzem starb seine fünfjährige Tochter und so steckt er all seine Liebe in dieses Projekt. Doch bevor es fertig ist, entscheidet sich der Kaiser um, eine neue Uhr soll die Zeit eines zu Tode verurteilten messen können. Aber auch dieses Projekt kann er nicht abschließen, denn der Kaiser will von ihm eine ultimative Uhr, die die Ewigkeit misst, ein perpetuum mobile, dass niemals aufhört zu laufen. Cox ahnt, dass er sich mit diesem Projekt in Gefahr bringt, schließlich ist eigentlich der Kaiser Herr über die Zeit, doch verweigern kann er sich dem Auftrag auch nicht. 
Christoph Ransmayr schreibt in seinem Roman „Cox“ eine sehr einfühlsame und stimmungsvolle Geschichte über zwei Männer, auch wenn nur Cox wirklich auftritt. Er ist geflohen vor der Verzweiflung zu Hause nach dem Tod seiner Tochter und trifft jetzt auf den zweiten großen Mann in dieser Geschichte, den Kaiser von China, ein Mann von so unglaublicher Macht, dass ein falsche Wort reicht, um sein eigenes Todesurteil zu unterschreiben. Zwischen diesen beiden Positionen schafft der Autor eine Spannung und gleichzeitig eine Art unheilvolles Gleichgewicht, das ich sehr faszinierend fand. Cox muss einem nicht unbedingt sympathisch sein, um sich vor der Handlung und der Konstruktion der Geschichte gefangen nehmen zu lassen. Bei all dem lässt der Autor uns zeitlos, denn dies ist kein wirklich historischer Roman, ich habe es eher als eine Art beispielhafte Erzählung empfunden. 
Christoph Ransmayr hat mit „Cox“ einen herausragenden Roman geschrieben, der einen als Leser fesselt und bewegt und gleichzeitig nachdenklich macht. Ein tolles Werk, das ich jedem Lesefreund nur ans Herz legen kann. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des S.Fischer Verlags. 

Joe Hill "Fireman"

Eine Seuche hält die Welt in Atem: Dragonscale sorgt bei allen infizierten für Male auf der Haut, irgendwann fangen sie an zu glühen und die Menschen gehen in Flammen auf. Harper ist Krankenschwester und versucht zunächst noch, den Menschen zu helfen, bis sie selbst infiziert wird und ihr Mann versucht, sie mit in den Tod zu nehmen. Doch der Fireman rettet sie, der einzige Mensch, der seine Krankheit zu beherrschen scheint und das Feuer im Griff hat. Gemeinsam mit anderen Menschen, die die Krankheit annehmen und beherrschen wollen, lebt Harper in einem Camp. Doch es bleibt nicht friedlich und auch der Fireman ist nicht so unkompliziert, wie es für Harper zunächst scheint. 
Ich fand Joe Hills Thriller „Fireman“ leider etwas enttäuschend. Zwar ist die Grundidee dieser einzigartigen Seuche sehr spannend und bietet viel Potential, dies wurde aber meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt. Zudem ist das Buch mit über 900 Seiten extrem dick, erzählt aber viel zu wenig auf diesen ganzen Seiten. Die Story hätte man meiner Meinung nach auch problemlos auf 350 Seiten unterbringen können, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Störend fand ich auch die ständige Erwähnung von Marken in dem Buch, ob sie gewollt sind, sei dahingestellt. Warum man nicht einfach ein Auto nehmen kann, sondern es ein Honda Civic sein muss und warum Harper an einer Stelle völlig zusammenhangslos die Erfindung der Coca Cola als größte amerikanische Entdeckung preist, war für mich nicht nachvollziehbar. 
Alles in allem hatte ich mir von dem Buch mehr erwartet, sowohl was die Tiefe und Komplexität der Figuren angeht, als auch die Hintergründe über die seltsame Krankheit, die die Menschen gefangen hält. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, dass der spannende Aspekt, wo die Krankheit herkommt und wie man sie eventuell heilen kann, in dem Buch gar keine Rolle spielt. Daher kann ich leider zu keiner guten Bewertung kommen. Es gibt viele Bücher, die sich mit der Grundidee einer Seuche der ganzen Menschheit auseinandersetzen und dies sehr viel spannender tun.

✮✮✰✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Heyne Verlags. 

Freitag, 9. Juni 2017

Megan Hunter "Vom Ende an"

Während England von einer unglaublichen Flut heimgesucht wird, bekommt die Protagonistin ihr erstes Kind und damit beginnt für sie eine Odyssee. Die Flucht aus dem vertrauten Heim, der Verlust geliebter Menschen und dazu die Verantwortung, als unerfahrene Mutter für ihr neugeborenes Kind sorgen zu müssen, verlangen von ihr mehr, als sie jemals für möglich gehalten hätte, ertragen zu können. 
Megan Hunter erzählt in „Vom Ende an“ so sprachgewaltig und beeindruckend von der namenlosen Protagonistin und ihrem Sohn Z, dass es mich sofort gefesselt hat. Sie braucht nur wenige Worte in dieser Novelle, um das absolut existentielle der Situation deutlich zu machen und gleichzeitig mit dem Fokus auf die Mutter-Sohn-Beziehung eine ganz besondere Geschichte zu schaffen. Dies ist eben kein herkömmlicher Katastrophenroman mit Endzeitstimmung, sondern eine sehr feiner Geschichte, die uns einen kleinen Blick in das Leben eines Menschen in einer Extremsituation werfen lässt. Ihre Situation ist nicht einmalig und in ihrem Umfeld passiert auch viel Furchtbares, doch wir als Leser sind eben mit ihr unterwegs und erfahren ihre Geschichte. Ich habe selten ein Buch einer Autorin gelesen, die so beeindruckend mit Worten und Sprache umgehen kann und noch im kleinsten Nebensatz so viele Emotionen transportiert. 
Obwohl die Lektüre viel zu schnell vorbei war, hat mich das Buch sehr berührt und beeindruckt. Mir fällt nichts Vergleichbares ein, was ich bisher gelesen habe, am ehesten noch Kate Tempest mit „Worauf du dich verlassen kannst“, doch auch der Vergleich ist meiner Meinung nicht wirklich passend. Megan Hunters „Vom Ende an“ steht für sich allein, großartig, kraftvoll und berührend. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des C.H. Beck Verlags. 

Dienstag, 6. Juni 2017

Martin Walker "Grand Prix"

Bruno ist Kommissar in einem kleinen Örtchen im Perigord in Frankreich. Als ein Mann im Ort an einem Herzinfarkt stirbt, wird er als einziger misstrauisch, schließlich soll der ehemalige Archivar an einem sehr lukrativen Auftrag gearbeitet hat. Zeitgleich finden in Saint-Denis eine Rallye und eine Oldtimerausstellung statt. Zahlreiche Fans von alten und teuren Autos finden sich hierzu im Örtchen ein. Bruno vermutet einen Zusammenhang, auch wenn er ihn zunächst nicht richtig erklären kann und etwas abgelenkt davon ist, dass er bei der Rallye plötzlich selbst als Beifahrer einspringen muss.
Dies ist bereits der neunte Fall für Bruno, Chef de police, doch der erste den ich gelesen habe. Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre, die auf jeder Seite des Buches wirkt und einen sofort in den Bann zieht. Auch wenn dies kein hochspannender Thriller ist, bei dem man atemlos nach Mördern sucht, hat mir Martin Walkers Roman „Grand Prix“ ausgesprochen gut gefallen. Die Figuren sind sehr gut beschrieben und einem beim Lesen sehr nah, auch wenn die zahlreichen vorhergehenden Liebesgeschichten des charmanten Bruno für mich nicht immer nachvollziehbar waren. Doch die ganze Geschichte zieht einen mit einer besonderen Stimmung an und lässt einen nicht mehr los, am liebsten hätte ich mich selbst sofort mit Bruno und Fabiola an einen Tisch auf dem Markt gesetzt und mit ihnen ein Glas Wein getrunken, so freundschaftlich verbunden habe ich mich allen Figuren beim Lesen gefühlt. Martin Walkers Krimi zeichnet etwas aus, was vielen anderen fehlt, nämlich ein feines Gefühl für Atmosphäre und besondere Situationen und Figuren, die einen als Leser einbinden.

„Grand Prix“ von Martin Walker war mein erster Fall von Bruno, hat mich jedoch vollständig überzeugt. Der Stil des Autors ist wunderbar farbenfroh und detailreich und die Lektüre hat mir einfach nur Freude bereitet. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

Kristina Ohlsson "Schwesterherz"

Martin Benner ist Anwalt und hat sich bisher wenig für den Fall der Serienmörderin Sara Texas interessiert. Doch dann steht nach ihrem Selbstmord plötzlich deren Bruder Bobby beim ihm in der Kanzlei und beauftragt ihn, die Unschuld seiner Schwester zu beweisen. Gemeinsam mit Partnerin Lucy, die ihm auch privat nahe steht, beginnt er zu recherchieren und stößt auf zahlreiche Ungereimtheiten. Doch je mehr Leute er befragt, desto mehr geraten er und Lucy in Gefahr. Benner muss sich die Frage stellen, wer diesen Fall so unbedingt unter Verschluss halten will, dass er auch vor Mord nicht zurückschreckt?
„Schwesterherz“ ist der erste Band in der Reihe um die angebliche Serienmörderin Sara Texas, der insgesamt fünf Morde in Schweden und den USA zur Last gelegt werden. Da sie sich vor der Verurteilung selbst das Leben nimmt, kann Benner sie nicht mehr befragen, was die Story besonders spannend macht. Er ist auf Hörensagen und Zeugen angewiesen, die am liebsten alles unter den Teppich kehren würden, statt mit ihm zu reden. All das beschreibt Kristina Ohlsson mit einem sehr guten Spannungsbogen, so dass man schnell in die Geschichte hineingezogen wird und das Buch kaum noch aus der Hand legen mag. Da dies nur der erste Band der Geschichte ist, bleibt die Spannung auch über das Ende des Buches hinaus erhalten und als Leser muss unbedingt den weiteren Band lesen, wenn man die Geschichte wirklich abschließen will. Die Autorin lässt einen am Schluss aber nicht völlig ins Leere fallen, sondern bietet auch die Möglichkeit, das Ganze als abgeschlossene Geschichte zu sehen, was mir äußerst gut gefallen hat.

Kristina Ohlssons Thriller „Schwesterherz“ ist mitreißend geschrieben, mit tollen Charakteren, die einen durch die Geschichte leiten. Ein großartiges Lesevergnügen für alle Fans von guter Spannungsliteratur. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Limes Verlags. 

Emilie Perrin "Pasta und Sauce aus 1 Topf"

One Pot Pasta ist ein echter Trend und verspricht tollen Geschmack bei wenig Abwasch. Die perfekte Kombination für alle die berufstätig sind oder auch wenig Kocherfahrung haben. Die Aufmachung dieses Buches ist sehr schön und man findet schnell was man sucht. Dass am Ende alle vegetarischen Rezepte zusammengefasst sind, fand ich sehr praktisch, so kann man gleich gezielt dort nach Ideen suchen. Auch eine schöne Übersicht über verschiedene Nudelarten beinhaltet das Buch, was ich sehr positiv finde.
Die Rezepte selber jedoch waren für mich etwas enttäuschend. Nicht klar geworden ist mir auch, welche Zielgruppe das Buch nun so recht verfolgt. Für Leute die viel kochen, ist es vielleicht nicht schlimm, wenn verschiedene Zutaten auf der Zutatenliste gar nicht aufgeführt werden und Vorwissen vorausgesetzt wird. Doch wenn in dem Rezept nirgends Öl oder ähnliches auftaucht und ich dann etwas anbraten soll, finde ich das nicht schlüssig. Auch soll man beispielsweise für die Nudeln Försterin Art (s. Bild), Zwiebeln, Knoblauch und Pilze ohne jegliche Flüssigkeit über zehn Minuten dünsten. Bis dahin wären die Zwiebeln jedoch völlig schwarz, daher habe ich beim Kochen eigenmächtig Olivenöl und etwas Weißwein hinzugefügt und die Zeit auf fünf Minuten verkürzt. Das Gericht ist dann auch sehr lecker geworden. Allerdings sind für meinen Geschmack zu viele schwere Gerichte in dem Buch, bei denen mit viel Sahne am Ende die Soße produziert wird. Dies erscheint mir etwas veraltet und ich hätte mich über mehr leichte Rezepte gefreut. Und wenn ich für die Pasta Primavera den grünen Spargel zehn Minuten extra vorkochen muss, ist er erstens nur noch matschig wenn das Gericht fertig ist, und zweitens habe ich dann am Ende definitiv keine „One Pot Pasta“.

Nudeln Försterin Art
Alles in allem war ich etwas enttäuscht von dem Buch, für Leute die viel Kochen sind die Rezepte zu einfallslos und für jemanden, der sonst nie kocht, sind zu viele Arbeitsschritte einfach als selbstverständlich vorausgesetzt oder Angaben nicht nachvollziehbar. 

✮✮✮✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Bassermann Inspiration.

Dienstag, 30. Mai 2017

Alice Adams "Als wir unbesiegbar waren"

Vier Jugendliche und ihre Träume: Am Ende ihrer Uni-Zeit erträumen sich die Freunde Eva, Benedict, Sylvie und Lucien nur die wunderbarsten Dinge für die Zukunft. Geld verdienen, die Welt verbessern, ihre Träume leben, all das sollte doch kein Problem sein. Doch über die Jahre stellen sie fest, dass ihr Leben nicht so planbar ist, wie sie dachten und die Träume nur Luftschlösser waren, die sie nicht weiterbrachten und auch nicht glücklich gemacht haben.
Alice Adams hat mit „Als wir unbesiegbar waren“ ein wunderbares Buch über ein Lebensgefühl geschrieben, das wohl jeder kennt. Diese unbegrenzten Möglichkeiten, die in jungen Jahren vor einem liegen, wirken so verheißungsvoll wie sie täuschend sind. Sie hat vier sehr unterschiedliche Figuren, die durch eine enge Freundschaft verbunden waren, auf sehr unterschiedliche Lebenswege geschickt, wodurch das Buch äußerst kurzweilig und spannend wird. Nicht alle sind die ganze Zeit sympathisch und nicht jedem Weg würde man als Leser selber gerne folgen, doch Adams schafft ein Netz, das einen mitnimmt in das Buch und einen die ganze Zeit gefangen nimmt. Der Stil der Autorin ist dabei wunderbar fließend und die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Episoden finde ich sehr gut gewählt. So bleibt der Leser die ganze Zeit am Ball und hat viel Freude bei der Lebensreise von Eva, Benedict, Sylvie und Lucien.
Mir hat „Als wir unbesiegbar waren“ ausgesprochen gut gefallen, weil viele Gefühle und Erfahrungen für mich sehr nachvollziehbar und glaubhaft beschrieben waren. Dadurch entsteht die nötige Nähe zu den Figuren, die meiner Meinung nach wichtig ist, um bei einer Geschichte wirklich gerne länger zu bleiben. Daher kann ich diesen Roman von Alice Adams gerne allen empfehlen, die sich noch einmal daran erinnern wollen, wie es war, voller Träume ins Leben zu starten um dann festzustellen, dass man Jahre später vielleicht nicht dort ist, wo man hin wollte, aber dennoch an einem sehr schönen Platz im Leben angekommen ist.  

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Dumont Verlags. Der Roman erscheint am 19. Juni 2017. 

Freitag, 26. Mai 2017

Gail Honeyman "Ich, Eleanor Oliphant"

Selten habe ich so ein bewegendes und voller Liebe zur Hauptfigur steckendes Buch gelesen wie „Ich, Eleanor Oliphant“. Eleanor ist anders als alle Menschen, die sie kennt. Sie geht nicht aus, sie macht keinen Smalltalk, sie hat keine Freunde. Sie ist der einsamste Mensch, den man sich wohl vorstellen kann, doch sie kennt es gar nicht anders. Als Eleanor sich jedoch verliebt, kommt sie ganz langsam aus ihrem Schneckenhaus hervor und stellt sich der Welt, die so beängstigend für sie ist.
Eleanor Oliphant ist ein besonderer Mensch mit besonderen Erwartungen an das Leben und die Menschen, die sie trifft. Warum das so ist, sollte jeder Leser selbst langsam herausfinden. Gail Honeyman führt einen langsam an Eleanor heran und obwohl sie so speziell ist, wächst sie einem ans Herz und lässt einen von der ersten Seite an nicht mehr los. Man muss sich auf ihre Weltsicht einlassen und akzeptieren, dass man eben erst einmal nicht weiß, warum sie zu diesem Menschen geworden ist. Stück für Stück entblättert sich dann vor einem das unglaubliche Leben von Eleanor Oliphant und wie es sie in diese Situation getrieben hat. Sie scheint völlig unfähig zur Kommunikation und wird von allen als verrückt und schrullig wahrgenommen, was sie nicht so ganz versteht, aber akzeptiert. Auf unglaublich anrührende Weise beschreibt die Autorin, wie sie sich Stück für Stück in die Welt hinauswagt, wie ein Kind, das erstmals alleine läuft wirkt es fast. Dabei steht ihr zum Glück ein Mensch zur Seite, der ihr zeigt, was Freundschaft eigentlich bedeutet und dass man einen Menschen mögen kann, ohne Vorbehalte und ohne Gegenleistung. Eine völlig neue Erkenntnis für das zerstörte kleine Herz von Eleanor Oliphant.

Meiner Meinung nach ist Gail Honeyman mit „Ich, Eleanor Oliphant“ ein ganz außergewöhnliches Buch gelungen, das lange in einem nachhallt und einen beim Lesen völlig mitreißt. Ich werde Eleanor Oliphant sicher nicht so schnell vergessen und sie sollte allen Lesern eine Mahnung dafür sein, dass man Menschen eben nicht in Schubladen stecken sollte, ohne sie zu kennen, den jeder hat seine ganz eigene Geschichte. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Bastei Lübbe. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

David Duchovny "Ein Papagei in Brooklyn"

Ted arbeitet trotz Abschluss an einem Elitecollege als Erdnussverkäufer im Stadion, während er versucht, nebenbei einen Roman zu schreiben. Zu seinem Vater Marty hat er ein zerrüttetes Verhältnis und seit dem Tod seiner Mutter fast keinen Kontakt mehr. Doch als er erfährt, dass sein Vater Lungenkrebs im Endstadium hat, kümmert er sich um ihn und die beiden müssen lernen, sich zusammenzuraufen.
David Duchovny hat mit „Ein Papagei in Brooklyn“ eine sehr warmherzige und ergreifende Geschichte über eine äußerst schwierige Vater-Sohn-Beziehung geschrieben. Ganz langsam beschreibt er, wie die beiden mit der Zeit viel Unausgesprochenenes aus dem Weg räumen und sich wieder annähern. Schnell zeigt sich, dass sowohl Ted als auch Marty keine einfachen Persönlichkeiten sind, sie sind stur, nachtragend und manchmal angriffslustig. Gerade ihre Ähnlichkeiten in diesen Charakterzügen macht ihr Verhältnis so schwer, denn keiner mag so richtig auf den anderen zu gehen. In Ihrer Unsicherheit und Verletzlichkeit gehen beide lieber zum Angriff über, als offen zu reden. Dass es da Zeit braucht, sich anzunähern, ist nur verständlich und Duchovny versteht es ausgezeichnet, diese Annäherung in kleinen wie großen Gesten darzustellen. Der Schreibstil des Autors hat mich am Anfang ein wenig irritiert, doch nach den ersten Seiten kommt man schnell in einen Lesefluss und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Es braucht etwas Zeit, Teds Gedanken zu verstehen, die so auf einen einprasseln, umso mehr wachsen er und sein Vater einem aber ans Herz.
„Ein Papagei in Brooklyn“ – so fühlen sich die beiden manchmal, völlig fehl am Platz, unnütz, nicht wissend, wohin sie gehören. David Duchovny beschreibt die Aufarbeitung dieser Vater-Sohn-Beziehung mit viel Gespür für Zwischentöne und kleine Momente, bei denen aber der Humor keinesfalls zu kurz kommt. Ein sehr schönes Buch, das gleichzeitig unterhält, bewegt und nachdenklich macht. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weitere Informationen des Verlags Heyne Encore. 

Dienstag, 23. Mai 2017

Krischan Koch "Backfischalarm"

Thies Detlefsens Töchter Telje und Tatje fahren mit der 10. Klasse ihres Gymnasiums auf Klassenfahrt nach Amrum. Doch schon auf der Überfahrt während eines Unwetters passiert auf der Fähre ein Mord und so muss Thies seinen Töchtern zügig hinterher, um zu ermitteln. Unterstützt wird er dabei im altbewährten Team von seiner Kollegin Nicole Stappenbeck aus Kiel. Bei seiner Frau Heike reicht das, um in ständiger Eifersucht auf die Kommissarin aus der Großstadt ständig bei Thies anzurufen, was nicht zum freundlichen Umgang miteinander beiträgt. Auch die bekannten Fredenbüller Größen aus der „Hitten Kist“ sind im neuen Buch von Krischan Koch wieder mit dabei. Die Ermittlungen könnten also auch im inzwischen fünften fredenbüller Krimi wieder äußerst turbulent werden.
Krischan Koch setzt in „Backfischalarm“ auf sein bewährtes Konzept von spannendem Mordfall und skurrilen Personen, was auch in diesem Fall wieder großartig aufgeht. Inzwischen sind mir Piet Paulsen, der Schimmelreiter und Imbissbesitzerin Antje richtig ans Herz gewachsen und mit dem Babysitten bei Nicoles Sohn Finn stellen sich ihnen bei diesem Fall durchaus neue und ungewöhnliche Aufgaben. Bei allem witzigen und abwegigen Umfeld fand ich den Kriminalfall an sich aber wieder sehr spannend gestrickt und nachvollziehbar, auch wenn Thies‘ ungeschicktes Auftreten die Ermittlungen oft eher erschwert als sie voranzubringen. Das weiß auch Nicole, die ihn dann regelmäßig zurechtweisen muss, was das Verhältnis der beiden schon sehr gut beschreibt.

Krischan Kochs Inselkrimi „Backfischalarm“ ist ein spannender und lustiger Krimi mit viel Lokalkolorit und tollen eigenständigen Charakteren, die die Story am Laufen halten. Die Lektüre macht immer wieder Spaß und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Krimi aus Fredenbüll. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des dtv Verlags. 

Montag, 22. Mai 2017

Kerstin Gier "Die Braut sagt leider nein"

Elisabeth hat das Gefühl, endlich Glück zu haben. Ihr Alex ist ein echter Traummann, endlich will er sie auch heiraten und gemeinsam bauen sie sich ihr Traumhaus auf einem Grundstück, das Elisabeth geerbt hat. Doch als der Architekt und Traummann immer mehr Zeit auf einer Großbaustelle verbringt, während sie mit Hochzeitsstress und Baustelle alleine zurückbleibt, kommen doch leichte Zweifel auf, ob der Traummann wirklich so ein Traum ist. Als sie dann erfährt, dass er neben der Großbaustelle auch noch viel Zeit für eine junge Praktikantin aufwendet, beschließt Elisabeth, ihm die Lektion seines Lebens zu verpassen- direkt bei der Hochzeit.
Kerstin Giers Roman „die Braut sagt leider nein“ ist typisch für die Autorin eine leichte und humorvolle Geschichte über eine Frau auf der Suche nach der großen Liebe. Gesprochen wird dieses Hörbuch von Irina von Bentheim, die schon zahlreiche Hörbücher eingesprochen hat und auch Elisabeth mit ihrer ganz eigenen Art eine tolle Stimme verleiht. Auch wenn sie etwas naiv durchs Leben stolpert, ist Elisabeth sympathisch und man steht bei der Geschichte voll und ganz auf ihrer Seite. Etwas schade finde ich, dass die Autorin mit dem Titel des Buches schon fast den ganzen Clou des Romans verrät, man weiß von Anfang an wie es ausgeht. Das hat mich beim Hören schon etwas gestört, ansonsten ist Kerstin Gier wie immer eine Garantin für lustige Frauengeschichten, die nicht tiefgehend sind, aber unterhalten.

„Die Braut sagt leider nein“ ist eine sehr amüsante Geschichte, die toll eingesprochen wurde von Irina von Bentheim und die mit etwas über fünf Stunden Hörzeit auch für alle geeignet ist, die weniger Zeit für Hörbücher haben. 

✮✮✮✮✰

Freitag, 19. Mai 2017

JP Delaney "The Girl Before- Sie war wie du. Jetzt ist sie tot.

Es ist ein hochmodernes Haus mit vielen Eigenarten, in das Emma mit ihrem Freund Simon einzieht. Doch nach einem Einbruch in Ihre Wohnung bietet es eine Menge Sicherheit und so ist sie bereit, die zahlreichen Auflagen des Vermieters, die vollständig in ihr Privatleben eindringen, zu akzeptieren. Jahre später zieht mit Jane eine andere Frau in das gleiche Haus, ebenfalls auf der Suche nach Ruhe und Geborgenheit. Doch Stück für Stück erfährt sie mehr über Emma, die ihr so ähnlich gewesen sein soll – und in dem Haus zu Tode kam.
„The Girl Before“ von JP Delaney hat ein sehr eindringliches und gruseliges Grundkonzept, denn die Geschichte von Emma und Jane wird immer im Wechsel erzählt. Dadurch sind wir Jane als Leser immer ein Stück voraus und die Spannung packt einen, da einem immer klarer wird, dass Jane vermutlich in großer Gefahr ist. Alles dreht sich dabei um den spleenigen Architekten des Hauses, Edward Monkfort, einen absoluten Kontrollfreak, der keinesfalls ein distanziertes und professionelles Verhältnis zu seinen Mieterinnen sucht. Das Buch lebt von der Spannung, ob Jane wohl etwas Ähnliches passiert wie Emma, worauf die Geschichte zumindest hinauszulaufen scheint. Doch so einfach macht es sich der Autor nicht. Schon der Untertitel spielt mit den Erwartungen der Leser, „Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot“ führt einen in eine bestimmte Richtung und leitet durch die sehr spannende und phasenweise psychotische, fast düstere Stimmung.

Mir hat „The Girl Before“ sehr gut gefallen, es ist spannend geschrieben und vorhersehbar, so dass man beim Lesen die ganze Zeit gut in der Story bleibt. Für alle Fans von Psychothrillern ist „The Girl Before“ ein absolutes Muss. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Montag, 15. Mai 2017

Jodi Picoult "Bis ans Ende der Geschichte"

Sage Singer arbeitet als Bäckerin am liebsten nachts. Auch um sich zu verstecken, denn seit einem Autounfall trägt sie eine große Narbe im Gesicht. Zudem hat sie schon jung beide Eltern verloren, ein Schicksalsschlag mit dem sie nur schwer umgehen kann. In einer Trauergruppe lernt sie den über 90-Jährigen Josef Weber kennen und freundet sich mit dem freundlichen Mann an, der so viel Verständnis für sie zu haben scheint. Doch eines Tages erzählt er ihr von seinem dunkelsten Geheimnis, verbunden mit einer Bitte, die Sage unerfüllbar scheint. Sie muss sich damit auseinandersetzen, wie man Unaussprechliches vergeben soll und inwieweit der Mensch eigentlich ein Anrecht auf Gnade hat.
Jodi Picoult hat mit „Bis ans Ende der Geschichte“ wieder eine unglaublich bewegende und warmherzige Geschichte geschrieben, die einen als Leser beeindruckt und bewegt. Sage hat schon viel in ihrem Leben mitmachen müssen und wird durch Josef Webers Geständnis auch mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Sie wird in ein moralisches Dilemma katapultiert, das ihre eigenen Probleme in den Hintergrund schiebt und ihr trotz aller Schwierigkeiten neues Selbstbewusstsein gibt, was ich sehr faszinierend fand. Picoult beschreibt die ganze Geschichte äußerst glaubwürdig. Sie setzt sich in dem Buch nicht nur mit Sage und ihrer Familie auseinander, die jüdischen Glaubens ist, aber diesen Glauben fast nie praktiziert hat. Sie zeigt auch, dass dieses Buch sehr viel Recherche voraussetzt, denn die Passagen über den Holocaust sind derart detailliert und gleichzeitig glaubwürdig geschildert, das die Autorin vermutlich viel Zeit investieren musste, um diese so gestalten zu können.

Jodi Picoult hat ein besonderes Talent für Bücher, die noch lange in einem nachhallen. Sie verbindet auf wunderbare Weise einen spannenden und flüssigen Schreibstil mit tiefgehenden Themen, die einen beim Lesen sehr bewegen. Für mich ist das ein absolutes Ausnahmetalent und so kann ich auch „Bis ans der Ende der Geschichte“ nur uneingeschränkt allen weiterempfehlen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und zu weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hampton Sides "Die Polarfahrt"

Im Jahr 1779 begibt sich George W. De Long mit seiner Crew auf eine ganz besondere Reise: Sie wollen einen Seeweg zum Nordpol finden, um den sich noch viele Gerüchte ranken. Es soll dort warm sein, belebt, es gebe noch Mammuts und Säbelzahntiger oder auch einen Zugang zum Inneren der Welt. Finanziell geplant wird die Reise vom exzentrischen Herausgeber des New York Herald, der auch bereits die Suche nach dem verschollenen Livingston in Afrika organisierte- alles für die Zeitungsauflage. Die Entdeckung des Nordpols soll für seine Zeitung der ganz große Coup werden und so scheut er keine Kosten, um die U.S.S. Jeannette mit einer Mannschaft Richtung Norden zu schicken.
„Die Polarfahrt“ von Hampton Sides ist zwar ein Sachbuch, aber es ist so spannend und mitreißend geschrieben, wie ich es mir von jedem Thriller wünschen würde. Sides strukturiert das Buch sehr gut, schafft Hauptfiguren, die einem beim Lesen ans Herz wachsen oder die einen einfach nur erschrecken, wie teilweise die Menschenfeindlichkeit des Herausgebers Bennett. Auch De Longs Frau spielt, was in der damaligen Realität sicher selten war, eine wichtige Rolle für das Buch, ihre Briefe bilden einen Bogen über alle Kapitel, merkt man ihnen doch an wie Angst und Verzweiflung im Laufe der Zeit immer größer werden. Sehr bewegend fand ich auch den abgedruckten Brief von De Longs Tochter Sylvie, die noch ein Kleinkind war als er losfuhr, und jetzt zur Schule geht und ihm einen Brief schreiben kann.
Hampton Sides hat einen sprachlich und strukturell großartiges Buch geschrieben, das einem auf wunderbare Weise aufzeigt, wie viel wir in den letzten 200 Jahren über das Leben auf der Erde und den Planeten selbst, erfahren haben. Die Vorstellung einer Oase auf dem Nordpol erscheint uns heute so genauso abwegig wie ein Gletscher in der Sahara, dennoch setzten sich viele Expeditionen damals diese Entdeckung zum Ziel. Dabei mussten nicht selten auch Menschenleben dem Forscherdrang geopfert werden.

Mich hat „Die Polarfahrt“ von Hampton Sides uneingeschränkt begeistert, auch für Leser die sonst eher kein Sachbuch lesen würden, ist dieses Buch absolut empfehlenswert. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des mare Verlags. 

Montag, 8. Mai 2017

Ursula Poznanski "Schatten" (Kaspary & Wenninger ermitteln Band 4)

Florin Wenninger und Beatrice Kaspary ermitteln endlich wieder. Und gleich in einem sehr grausigen Fall, ein Mann wird mit aufgeschlitzter Kehle gefunden und wenig später wird eine Frau tot in einem Bach geborgen, auch hier eindeutig Mord. Kaspary fürchtet, dass es in diesem Fall eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Vergangenheit gibt und dass diese Morde vielleicht nicht die einzigen bleiben könnten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der die Ermittlerin mehr fordert, als all ihre Fälle zuvor. Zum Glück hat sie mit Florin Wenninger einen Mann an ihrer Seite, der ihr nicht nur beruflich den Rücken stärkt.
„Schatten“ von Ursula Poznanski ist inzwischen der vierte Band um das sympathische Ermittlerduo aus Österreich und steht den bisherigen Bänden an Spannung in nichts nach. Bis kurz vor der letzten Seite tappt man als Leser völlig im Dunkeln, wer der Täter dieser grausigen Taten sein könnte und mehr als einmal schickt die Autorin einen auf die falsche Fährte. In diesen spannenden Fall spielt auch wieder das Privatleben von Beatrice Kaspary hinein, hat sie doch zwei Kinder, deren Bedürfnisse nicht immer leicht mit dem Polizeiberuf in Einklang zu bringen sind und einen Ehemann, der mit seiner Wut und Rachsucht absolut keine Hilfe ist. All das ist das perfekte Paket für diesen Thriller, denn man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal begonnen hat. Die 400 Seiten flogen nur so beim Lesen an mir vorbei und viel zu schnell war ich am Ende angelangt. Jetzt heißt es wieder warten, auf den hoffentlich erscheinenden fünften Band des tollen Ermittlerteams. Dieses Buch bietet auf jeden Fall viele Vorlagen für eine Weiterentwicklung der Rahmenhandlung.

Ursula Poznanskis neuester Thriller „Schatten“ hat mich wieder von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, sie verbindet Hochspannung mit tollen Figuren und gut konstruierten Kriminalfällen, die einen nie unberührt lassen. Einfach ein großartiges Buch, das man nur weiterempfehlen kann. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Rowohlt Verlags.