Dienstag, 31. Januar 2017

Rita Henss "DuMont BILDATLAS Toskana"

Was für ein wunderschönes Heft! Dazu muss man sagen, dass ich selber ein Jahr lang in der Toskana gelebt und studiert habe, der Region bin ich also sowieso verbunden. Im Dumont Bildatlas werden jetzt spannende Informationen rund um Essen, Leben und Feste in der Toskana vorgestellt und mit wunderbaren Bildern untermalt, die die Schönheit von Siena, Florenz und der Landschaft noch einmal unterstreichen.
Die Informationen sind dabei vielfältig, man sollte sich jedoch keinen Reiseführer-Ersatz darunter vorstellen. Für alle, die zu Hause auf dem Sofa schon etwas träumen möchten, bevor es losgeht oder die, die sich an die schöne Zeit erinnern möchten, ist der Bildatlas auf jeden Fall perfekt. Die Restaurant-/Hoteltipps können aber auf keinen Fall einen ausführlichen Reiseführer ersetzen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen im DuMont Verlag. 

Nuria Prada "Die Kleidermacherin"

Roser und Laia sind zwei Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, doch etwas verbindet sie: Die Liebe zur Mode und zum Modehaus Sant Eulalia, das Rosers Familie gehört. Beide durchleben die turbulenten 20er und 30er Jahre in Barcelona, glückliche und unglückliche Zeiten, Krieg und Frieden.
Nuria Pradas Hauptfigur in die „Die Kleidermacherin“ ist Laia, eine junge Frau aus ärmeren Verhältnissen, die durch ihr Talent zum Star des Barceloner Modehauses aufsteigt. Leider schafft es die Autorin nicht, einem Laias Gefühle und Handlungen wirklich näher zu bringen und die Figuren werden so nicht schlüssig miteinander verbunden. Alles wirkt wie ein loser Verbund aus kurzen Episoden, die es nicht richtig schaffen sich zu einem geschlossenen Roman mit einer nachvollziehbaren Protagonistin zusammenzufügen. Auch Rosers Rolle in der ganzen Handlung ist mir bis zum Schluss nicht ganz klar geworden.
Das Thema des Buches fand ich jedoch sehr spannend und interessant, auch wenn mich die Umsetzung nicht richtig überzeugen konnte. Die Modewelt entwickelt sich in 20er und 30er Jahren auf ganz neue Art und Weise und gerade für Frauen wurde es immer wichtiger, sich durch Mode auszudrücken und ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. „Die Kleidermacherin“ macht sehr schön deutlich, dass nicht nur Paris als Zentrum der Mode hier einen Beitrag leistete, sondern es weltweit viele Häuser gab, die sich der Mode und ihren Trägerinnen verschrieben hatten.

Nuria Prada hat mit „Die Kleidermacherin“ ein spannendes Thema in einer sehr spannenden Zeit gewählt, leider sind die Charaktere meiner Meinung nach viel zu flach und erreichen einen als Leser emotional nicht, so dass mich das Buch nicht richtig mitreißen konnte. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Penguin Verlags. Für alle, die sich für die Geschichte hinter dem Roman interessieren, gibt es hier weitere Informationen zum Modehaus Sant Eulalia. 

Montag, 30. Januar 2017

Volker Kutscher "Lunapark"

Inzwischen ist der sechste Band der Krimi-Reihe um Gereon Rath erschienen und „Lunapark“ spielt im Jahr 1934. Als ein SA-Mann tot aufgefunden wird und dazu noch eine kommunistische Parole über ihm an der Wand prangt, ist für das simple Schwarz-Weiß-Denken der Sicherheitspolizei sofort klar, dass hier Kommunisten gezielt Jagd auf –natürlich unschuldige-  SA-Männer machen. Rath muss in diesem Fall mit seinem alten Kollegen Gräf zusammen ermitteln, der inzwischen bei der Sicherheitspolizei arbeitet. Dies stellt Rath vor große Probleme, denn die simplen Verurteilungen der politischen Polizei kann er nicht akzeptieren und begibt sich, wie so oft, auf eigene Ermittlungen. Das bringt ihm einmal wieder mehr Ärger ein, als er eigentlich gedacht hatte und auch sein altes Feindbild Dr. Marlow taucht wieder auf.
Der neue Band von Volker Kutscher rund um den Berliner Kriminalkommissar Gereon Rath übertrifft meiner Meinung nach alle vorhergehenden Bände noch einmal an Qualität und besonders an historischer Auseinandersetzung mit dem Umfeld des Protagonisten. Mit viel Sinn für Details und Stimmungen beschreibt Kutscher, wie der Nationalsozialismus sich langsam auch in den Alltag der Familie Rath einschleicht. Neben der Kriminalermittlung nimmt dies den Hauptteil der Geschichte ein und macht auch den besonderen Reiz des Buches aus. Natürlich ist auch die Kriminalhandlung wieder spannend beschrieben, doch Raths Arbeit lässt sich nicht mehr losgelöst von der politischen Situation sehen, was für die Hauptfigur selbst am schwierigsten zu sein scheint. Er will eigentlich nur in Ruhe seiner Arbeit nachgehen, so das Gefühl beim Lesen, doch inzwischen ist alles politisch und besonders der Tod eines SA-Mannes ist nicht mehr objektiv zu untersuchen.

Volker Kutscher zeigt in „Lunapark“ auf eindrucksvolle Weise, wie der Nationalsozialismus sich immer weiter verbreitet und wie er das Leben aller Menschen beeinflusst. Diese gesellschaftlichen Veränderungen packt er dabei in einen spannenden Krimi, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein großartiger Roman, der weit mehr ist als ein Krimi, sondern uns einen detaillierten Blick auf die gesellschaftlichen Umbrüche der 30er Jahre werfen lässt. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlag Kiepenheuer & Witsch

Dienstag, 24. Januar 2017

Beate Rösler "Die Töchter des Roten Flusses"

Tuyet wächst bei ihrem vietnamesischen Vater und ihrer deutschen Stiefmutter in Frankfurt auf, studiert Jura und ist eine erfolgreiche Anwältin. An ihre richtige Mutter und ihre große Schwester, die Deutschland verlassen haben, als sie noch sehr klein war, erinnert sie sich kaum und hat sich mit ihrem Leben arrangiert. Als ihre Stiefmutter jedoch an Krebs stirbt, hinterlässt sie Tuyet Briefe ihrer Mutter, die ein ganz neues Licht auf ihre Kindheit werfen. Tuyet versucht herauszufinden, was es mit ihrer leiblichen Mutter wirklich auf sich hat und warum sie sie damals in Deutschland zurückgelassen hat.
Beate Rösler hat mit „Die Töchter des Roten Flusses“ einen klassischen Roman über eine junge Frau geschrieben, die sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht. Tuyet ist dabei nicht immer nur sympathisch, sie ist unsicher, mit ihrem Leben unzufrieden und schlägt dabei manchmal wütend um sich, was besonders ihr Freund abbekommt. In Vietnam trifft sie schnell auf Menschen, die ihr helfen und sie mögen, was die Geschichte zügig vorantreibt und auch gut lesbar macht. Teilweise waren mir die Zufälle, die sie zu ihrem Ziel führen dann doch zu abwegig, damit die Geschichte noch glaubwürdig bleibt und die Charaktere abgesehen von Tuyet zu einseitig. Alle sind gute oder schlechte Menschen, was mich beim Lesen ein bisschen gestört hat, die Facetten in den Charakteren gehen mir zu sehr verloren. Die Story ist in sich aber recht schlüssig und der Schreibstil lässt sich gut lesen, so dass die Lektüre angenehm zügig dahinfließt.
Die Geschichte zu „Die Töchter des Roten Flusses“ ist nicht gerade neu, aber die Story ist schön umgesetzt und besonders die Bezüge zur Situation der Vietnamesen in der DDR fand ich sehr interessant. Alles in allem ein gut lesbares Buch, flüssig geschrieben und mit einer guten Hauptfigur.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Verlags. 

Donnerstag, 19. Januar 2017

Ian McEwan "Nussschale"

Ian McEwan schafft in seinem Roman „Nussschale“ einen ganz besonderen Erzähler. Ein ungeborenes Baby, zwei Wochen vor dem Geburtstermin, berichtet von seinen Beobachtungen. Und was es erlebt, ist wahrlich shakespearscher Stoff, seine Mutter verlässt seinen Vater um mit dessen Bruder zu leben. Ein perfider Mord wird vom Bruder geplant, um den lästigen Ehemann loszuwerden und ganz wie in „Hamlet“ die Witwe zur Frau zu nehmen. Ob und wie das ungeborene Kind auch die Rache ausführt, um Mutter und Onkel in den Untergang zu stürzen, sollte jedoch jeder Leser selbst herausfinden.
Der Autor hat mit seinem Roman eine außergewöhnliche und wie ich finde ungeheuer spannende Idee umgesetzt, indem er als Erzähler keinen Außenstehenden oder eine der handelnden Personen auswählt, sondern das Baby im Bauch seiner Mutter. Es ist wie ein unsichtbarer Beobachter und dennoch Beteiligter, ein Schachzug, der Ian McEwan großartig gelungen ist. Denn Mutter und Onkel nehmen die Schwangerschaft kaum war, das kommende Kind ist nur ein störender Faktor in ihrer Planung und soll möglichst schnell weggegeben werden. Der ausgiebige Alkoholkonsum der Mutter und das Essverhalten wirken, als wollte sie sich schon vor der Geburt an dem Kind für seine bloße Existenz rächen. Doch das Baby hört alles, versteht die Gespräche und berichtet dem Leser von allem, was geschieht und geplant wird. Das ist höchst unterhaltsam, manchmal spannend und witzig zugleich. Trotz der offensichtlichen Existenz eines umfangreichen Babybauchs ist es, als wäre er unsichtbar, nicht-existent und vor allem irrelevant für alle weiteren Entscheidungen.

Mich hat Ian McEwans Roman „Nussschale“ einfach begeistert, er setzt ein bekanntes Thema so kreativ und einzigartig um, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen vom Diogenes Verlag. 

Montag, 16. Januar 2017

Katie Agnew "Die Perlenfrauen"

Sophia ist die Enkelin der berühmten Schauspielerin Tilly Beaumont und macht sonst eher als Partygirl in der Londoner High Society von sich reden. Der Kontakt zu den Eltern ist deswegen abgerissen, ihre gefühlte große Liebe hat sie verlassen. Da nimmt ihre Großmutter aus dem Krankenhaus Kontakt zu ihr auf, sie soll die verschwundene Perlenkette wieder- finden, die Tilly einst von ihrem Vater zum Geburtstag bekam. Die Perlen bedeuten alles für die sterbende Frau und so lässt Sophia sich überreden, sich auf die Suche zu machen. Gleichzeitig beginnt damit die Lüftung des einen oder anderen Familiengeheimnisses.
Katie Agnew hat mit „Die Perlenfrauen“ einen sehr warmherzigen und gleichzeitig spannenden Roman über drei Generationen von Frauen und ihre Schicksale geschrieben. Man erfährt gleich zu Anfang viel über das Leben von Tilly Beaumont und ihrer Enkelin Sophia, doch nur Stück für Stück schließt sich die Kette und es wird klar, welche Rolle das Leben von Sophias Mutter Alice für die ganze Geschichte spielt. Die Vergangenheit der Perlen führt die Leser dabei bis ins Japan der 20er bis 40er Jahre ebenso wie nach New York in der Gegenwart, wo sowohl sympathische als auch abscheuliche Figuren auf sie warten. 
Trotz ihrer Widersprüchlichkeiten hat die Autorin mit Sophia und Tilly zwei sympathische Hauptfiguren geschaffen, die einem ans Herz wachsen. Bei den Charakteren muss besonders Sophias bester Freund Hugo herausgehoben werden, der zunächst wie ein langweiliger Partyboy wirkt, sich aber als wirklicher Freund herausstellt, der nur das Beste für seine Mitmenschen will und Sophia hilft, wo er kann. Das fand ich besonders sympathisch, hat die beiden bisher doch eher ihr oberflächliches Leben verbunden.
„Die Perlenfrauen“ von Katie Agnew ist ein wunderbares, liebevoll geschriebenes Buch, das einen vollständig in eine andere Welt eintauchen lässt. Mich hat es beim Lesen einfach begeistert und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Heyne Verlags. 

Donnerstag, 12. Januar 2017

Susanne Goga "Das Haus in der Nebelgasse"

London im Jahr 1900: Die junge Lehrerin Mathilda Gray unterrichtet an einer Mädchenschule und versucht, ihren Schülerinnen mehr beizubringen, als brave Ehefrauen zu werden. Sie möchte, dass die Mädchen ihren Weg gehen und eigene Entscheidungen treffen. Als die begabteste Schülerin nach den Sommerferien plötzlich nicht an die Schule zurückkehrt und ihr dann noch einen verschlüsselten Hinweis auf einer Postkarte aus Italien schickt, macht Mathilda sich daran, das Geheimnis um die junge Laura und ihren attraktiven Vormund, der sie aus der Schule genommen hat, zu lösen. Was hat es mit dem Kästchen auf sich, dass Laura in ihrem Zimmer in der Schule versteckt hatte und das schon über 200 Jahre ein Geheimnis zu verbergen scheint?
Susanne Goga hat mit „Das Haus in der Nebelgasse“ einen äußerst spannenden und gut recherchierten historischen Roman vorgelegt. Mit der jungen Mathilda Gray und dem Universitätsprofessor Flemming, der ihr hilft, sind ihr zwei sehr sympathische Hauptfiguren gelungen, die einen als Leser bewegen und auf eine spannende Reise mitnehmen. Besonders gut gefallen hat mir auch Mathildas Vermieterin, eine starke und eigensinnige Frau, die ihr Geld mit dem Schreiben von Groschenromanen verdient und die Leser immer wieder an ihren Ideen teilhaben lässt. Man muss diese Frau einfach mögen, etwas anderes macht einem die Autorin fast unmöglich.
Sehr spannend ist zudem, wie Goga dem Wissenschaftler Flemming immer wieder Details zur Vergangenheit Londons in den Mund legt und die die Geschichte so noch anschaulicher macht. Die Suche nach dem Geheimnis steht dabei die ganze Zeit im Mittelpunkt, es gibt keine unnötigen Nebenhandlungen, die von der Story ablenken, alles ist sehr fokussiert, was ein sehr fließendes Lesevergnügen garantiert.

Mir hat Susanne Gogas Roman „Das Haus in der Nebelgasse“ ausgesprochen gut gefallen, er ist sehr gut recherchiert und bringt einem viele spannende Details zur Geschichte Londons näher. Dabei sind die Hauptfiguren sehr gut beschrieben und nehmen den Leser mit in ihre Geschichte. Von mir gibt es eine Empfehlung für diesen Roman, es lohnt sich auf jeden Fall ihn zu lesen. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen im Diana Verlag. 

Mittwoch, 11. Januar 2017

Ulrich Strunz "Das Strunz-Low-Carb-Kochbuch"

Der Trend „Low Carb“ lässt nicht nach und Dr. Strunz ist inzwischen ein bekannter Name für dieses Thema. In seinem neuen Buch wird noch einmal kurzweilig erklärt, worum es bei Low Carb geht, wie gesunde Ernährungsalternativen aussehen können und es gibt gleich zahlreiche Rezepte mit an die Hand, die Lust aufs Ausprobieren machen.
Besonders positiv fällt als erstes die graphische Gestaltung auf, das Buch vermittelt sehr modern und farbenfroh das Basiswissen zu gesunder Ernährung. So kommt gar nicht erst das Gefühl auf, sich jetzt mit langweiligen wissenschaftlichen Fakten beschäftigen zu müssen und die Umsetzung im Informationsteil ist dann auch sehr einfach nachvollziehbar, trotzdem bekommt man alle wichtigen Informationen.
Auberginensuppe mit Feta
Der Kochbuchteil ist auch sehr schön gestaltet, die Gerichte auf den Fotos sehen alle sehr ansprechend aus und die von mir ausprobierten Rezepte waren auch alle sehr lecker und einfach zuzubereiten. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass mit einem Logo gleich deutlich gemacht wird, welche Rezepte vegetarisch oder vegan sind. Man braucht selten ausgefallene Zutaten, die danach im Vorratsschrank verschwinden und nie wieder gebraucht werden, was ich sehr positiv finde. Mein einziger Kritikpunkt ist, und das ist vielleicht ein sehr persönliches Empfinden, das Empfehlen von Eiweißpulver für die Ernährung. Ein Buch, dass für sich in Anspruch nimmt, gesunde Ernährung zu vermitteln, sollte hierfür nicht künstliche Zusatzstoffe bewerben, sondern Gerichte empfehlen, die dem Körper die benötigten Stoffe geben, ohne künstlich ergänzen zu müssen.

Zusammenfassend ist „Das Strunz-Low-Carb-Kochbuch“ ein interessantes Buch mit tollen Rezepten für alle, die sich für gesunde Ernährung interessieren und Rezepte suchen, für die man nicht den ganzen Tag in der Küche verbringen muss. Besonders die Suppenrezepte haben mir sehr gut gefallen.  

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Forever Young Gemüsesuppe mit Pecorino
Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen vom Heyne Verlag. 

Dienstag, 10. Januar 2017

Elena Ferrante "Die Geschichte eines neuen Namens"

Die Geschichte von Lenù und Lila geht weiter. Während im ersten Buch noch ihre Kinder- und Jugendjahre im Mittelpunkt standen, sind sie jetzt eindeutig erwachsen geworden. Doch die Entfernung der beiden, die sich schon angedeutet hatte, wird mit dem Alter immer tiefgreifender. Die Ehe, in die Lila sich gestürzt hat, ist keineswegs glücklich und so versucht sie immer wieder, aus der Enge der Beziehung auszubrechen, Grenzen zu überschreiten und Freiräume zu schaffen. Das bringt ihren Mann nur immer mehr gegen sie auf, was Lenù ängstlich zur Kenntnis nimmt, ohne einschreiten zu können. Sie hat ein völlig anderes Leben, geht zum Gymnasium und macht ihr Abitur, aber verliebt sich auch und testet sich aus. Der Wettkampf der beiden geht trotz der Freundschaft weiter und dabei geht es dieses unter anderem auch um einen Mann im Leben der Freundinnen.
Elena Ferrante beschreibt in „Die Geschichte eines neuen Namens“ das Leben im Süditalien der 60er Jahre und stellt der fleißigen, strebsamen Schülerin Lenù mit Lila einen regelrechten Gegenentwurf gegenüber, der sie ständig ermahnt, fleißig zu sein und ein anders Leben zu erreichen. Gleichzeitig bleibt Lila der Fixpunkt für sie, der sie unweigerlich anzieht und auch immer in den Rione zurückzieht. Selbst in Zeiten, in denen sie ihr aus dem Weg geht und die beiden nicht miteinander sprechen, kann sie den ständigen Vergleich mit Lila nicht fallen lassen und misst alle ihre Handlungen an Lilas möglichen Urteil. Gleichzeitig muss diese in ihrer Ehe einen großen Kampf auskämpfen und sucht einen neuen Platz im Leben. Diese Geschichten erzählt Ferrante so aufrichtig und nah, dass man als Leser jede Distanz zu den Figuren verliert und sich fast in der Geschichte aufzulösen droht. Man fühlt mit ihnen, lebt mit ihnen und gleichzeitig sind ihre Leben so weit weg von der Welt, in der wir heute leben. Nur 50 Jahre trennen uns voneinander, doch Lenù und Lila zeigen uns, was heute für alle Frauen möglich ist und wie viel junge Frauen wie sie für uns heute erkämpft haben.  
Nachdem ich den ersten Band „Meine geniale Freundin“ noch mit einer leichten Skepsis gelesen habe, hat mich jetzt auch endlich das #FerranteFever gepackt. Dieses Buch ist ein großartiges Portrait einer Freundschaft und einer ganzen Epoche. Es bleibt am Ende sehr spannend, wie das Leben der beiden im dritten Band weitergeht, der zum Glück schon im Mai 2017 erscheint. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Suhrkamp Verlags. 

Montag, 9. Januar 2017

Martin Suter "Cheers. Feiern mit der Business Class"

Menschen sind seltsam und irgendwie berechenbar. So jedenfalls stellt es sich in Martin Suters Kolumnenband „Cheers. Feiern mit der Business Class“ dar. Hier berichtet er von misslungenen Weihnachtsfeiern, feucht-fröhlichen Affären und Bürotratsch, aber genauso von Karriereplänen und Aufstiegs- wünschen, die die Menschen zu den absurdesten Verhaltensweisen treiben.
All diese Geschichten beschreibt Suter mit einem unglaublichen psycho- logischen Feingefühl und einer Beobachtungsgabe für die menschlichen Verhaltensweisen, die dazu führen, dass auch der Leser sich das ein oder andere Mal ertappt fühlt. Hatte man nicht selbst auch schon mal so gedacht? Und wie absurd wirkt all das, wenn Suter es in Worte fasst und uns vorführt, wie die Menschen sich auf der Karriereleiter selber vorführen. Manche Geschichten erstrecken sich über mehrere Kolumnen, andere sind nur zwei Seiten lang und beide Varianten unterhalten einen beim Lesen ungemein. Suter durchschaut seine Figuren, dennoch hat man nie das Gefühl, dass er sie der Lächerlichkeit preisgibt, im Kleinen gibt er ihnen doch immer die Möglichkeit wieder in der Masse unterzutauchen und weiterzumachen, nachdem er sie für eine kurze Episode auf ein Podest gehoben hatte.
Martin Suters Kolumnensammlung „Cheers“ ist lustig, zynisch und mitreißend zugleich und eine sehr empfehlenswerte Lektüre über die Psychologie der Menschen und ihr Verhalten, wenn Arbeit und Privates plötzlich aufeinandertreffen. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Donnerstag, 5. Januar 2017

Harmony Verna "Das Land der roten Sonne"

Australien Ende des 19. Jahrhunderts: Leonora und James wachsen beide in einem Waisenhaus auf, in der liebenden Obhut eines Priesters, der nur das Beste für seine Schützlinge will. Dennoch kann er nicht verhindern, dass die beiden auseinandergerissen werden. Leonora wächst den Rest ihrer Kinder-und Jugendjahre in den USA auf, wo sie einen wohlhabenden Minenbesitzer heiratet. James bleibt in Australien und versucht, sich als Farmer durchzuschlagen. Doch vergessen konnten sie einander nie und als sie erwachsen sind, stellt sich für sie die Frage, was sie bereits sind zu opfern, um zusammen sein zu können.
Harmony Vernas Roman „Das Land der roten Sonne“ ist ein teilweise etwas kitschiger, aber in sich runder und gut lesbarer Roman. Leider bietet er wenig Überraschendes und die Story ist recht vorhersehbar, das hat mich etwas enttäuscht. Doch die Geschichte lässt sich gut lesen, die Charaktere sind zwar etwas flach, aber man kann mit dem Hauptfiguren mitfühlen und nimmt an ihrer Geschichte Anteil. Der Schreibstil ist sehr flüssig, was eine unkomplizierte Lektüre ermöglicht.

Mir hat „Das Land der roten Sonne“ ganz gut gefallen, auch wenn ich es etwas zu einfach gestrickt fand. Auch auf die Figuren hätte man mehr Mühe verwenden können, sie bleiben sehr grob und eher klischeehafte Hüllen als echte Charaktere. Dennoch lohnt sich der Roman für alle, die auf der Suche nach einem leichten Liebesroman vor schöner Kulisse sind. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen im Aufbau Verlag.

Dienstag, 3. Januar 2017

Bernhard Schlink "Die Frau auf der Treppe"

Auf Geschäftsreise in Australien entdeckt ein deutscher Rechtsanwalt im Museum ein Bild wieder, das vor Jahrzehnten sein Leben veränderte, „Die Frau auf der Treppe“. Eben in diese Frau hatte er sich damals verliebt, wurde jedoch, wie auch ihr Ehemann und der Maler selbst, von ihr betrogen und benutzt. Jetzt treffen die vier nach langer Zeit wieder aufeinander und wieder beginnt ein ungleicher Kampf um die Aufmerksamkeit der portraitierten Frau.
Bernhard Schlink beschreibt in seinem Roman „Die Frau auf der Treppe“ den Wunsch nach einer Illusion. Nach Jahren wird die Hauptfigur wieder beherrscht vom Gedanken des  „Was wäre wenn“, wenn er damals nicht auf die Frau hereingefallen wäre, wenn es doch funktioniert hätte, wenn sie beide einfach jemand anders gewesen wären. Das Bild ist dabei für ihn wie auch für die beiden anderen Männern ein Fixpunkt, der sie nicht loslässt. Von Irene, der Frau auf dem Bild, wie in Köder im Museum aufgehängt, kommen ihre Opfer brav herangeflogen und müssen, wie schon Jahre zuvor, wieder ihr Spielchen spielen. Sie hat die Macht und die Fäden in der Hand. Dies zu beobachten ist für den Leser äußerst spannend, kann er doch sein voyeuristisches Bedürfnis befriedigen und wie durch ein kleines Schlüsselloch in der Tür dabei zusehen, wie sich die älteren Herren lächerlich machen und mit sich spielen lassen. Doch während zwei schnell die Reißleine ziehen, bleibt einer bei Irene zurück. Ob er es doch noch schafft, sich in eine gleichberechtigte Position zu begeben oder weiter nur wie eine Marionette an langen Seilen agiert, müssen die Leser selbst herausfinden.
„Die Frau auf der Treppe“ von Bernhard Schlink hat mir außerordentlich gut gefallen, es ist zugleich amüsant und ernsthaft und zeigt uns, wie schnell ein Mensch sich, ob aus finanziellen oder emotionalen Gründen, selbst zum Spielball von Anderen macht. Man merkt dem Autor eine große Faszination von Menschen und ihren Abgründen an und eben das macht auch die Lektüre zu unterhaltsam. Daher kann ich diesen Roman nur allen weiterempfehlen, die Beobachter spielen und einen Blick durch dieses Schlüsselloch werfen wollen. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen im Diogenes Verlag. 

Sonntag, 1. Januar 2017

Gelesene Seiten / Gelesene Bücher 2016

Erst einmal ein frohes neues Jahr an alle Leseratten!

2016 ist endgültig vorbei und damit ist auch an der Anzahl gelesener Seiten und Bücher nichts mehr zu rütteln. Hier also meine kleine Statistik für 2016: ich habe es insgesamt auf 43.963 gelesene Seiten gebracht. Insgesamt habe ich 123 Bücher gelesen, nicht mitgezählt habe ich Hörbücher und Kochbücher, die ich hier in meinem Blog rezensiert habe. 

Für 2017 habe ich mir 45.000 Seiten als Ziel gesetzt. Und damit ich das schaffe, wird jetzt gleich weitergelesen!