Montag, 16. September 2013

Germán Kratochwil "río puro"


Was kann sich der Autor nur dabei gedacht haben? Zwei alternde, dickliche Männer jagen durch Patagonien, bei dem einen (Franz Melan) ist der Grund dafür bis zur letzten Seite unklar, der andere (Leopold Kainzer) wird von des ersten Ehefrau geschickt, den wildgewordenen Mann wieder einzufangen, der mit den gesamten Ersparnissen durchzubrennen scheint.
 Die ganze Geschichte ist ein Armutszeugnis für die Männer und auch für alle Frauen, die sie umgeben und sich ihnen jederzeit bedingungslos hingeben, um sie danach entweder anzubeten oder sie der Vergewaltigung zu bezichtigen. Insgesamt scheint sich das Verhältnis von Mann und Frau in diesem Roman grundsätzlich auf zwei Dinge zu beschränken: Der Mann hat Sex mit der Frau oder die Frau macht den Haushalt beziehungsweise kocht. Auch die wissenschaftliche Assistentin des durchbrennenden Patagonientouristen ist lediglich dazu da, die Männer zu unterhalten und zu belustigen. 
All dies erzählt der Autor in einer derart plumpen und farblosen Sprache, dass die Geschichte an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist. Die anfangs entstehende Spannung durch die scheinbar grundlose Abreise Melans wird schon dadurch zunichte gemacht, dass es an keinem Punkt weitergeht, nie klarer wird, was die Motivation der Handelnden eigentlich ist. 
Was der Autor sich gedacht hat oder was auch die Absicht der Geschichte war, kann man also auch nach Abschluss der Lektüre nicht sagen. Man kann jedoch allen raten, dieses Buch nicht zu lesen und die Zeit sinnvoller zu nutzen. 

Mittwoch, 11. September 2013

Annie Sanders "Jetzt kann ich's dir ja sagen"


Was würden wir nicht alles gerne tun, wenn wir wüssten, dass uns die Folgen nicht treffen können? Dem Chef mal die Meinung sagen, der besten Freundin endlich sagen, dass ihr Mann ein Arsch ist oder seiner großen Liebe endlich die Gefühle gestehen? Als ein Guru Lucy voraussagt, dass sie in einer Woche sterben wird, krempelt sie ihr Leben um und tut alles, was sie sich nie getraut hätte. Doch ihr Todestag kommt, verstreicht und sie ist immer noch das blühende Leben. Was ihr bleibt ist das Chaos, das sie in einer Woche angerichtet hat, davon ausgehend, dass es sie nicht mehr betreffen würde. 
Mit „Jetzt kann ich‘s dir ja sagen“ ist der Autorin Annie Sanders ein locker-leichter Roman gelungen, der aber nicht so oberflächlich ist, wie er am Anfang scheint. Denn Lucy sagt nicht einfach allen Menschen die Meinung, sie überdenkt ihr Leben, fragt sich, was sie ändern würde, wenn sie es noch könnte und hat endlich den Mut, die kleinen und großen Dinge anzugehen, die sie sich sonst nie getraut hätte. Zum Beispiel eine Liebesbeziehung zu ihrem besten Freund aufzubauen und sich die Haare raspelkurz zu schneiden- beides äußerst einschneidende Veränderungen. Während sie mit den Haaren jedoch auch nach ihrem nicht stattfindenden Tod glücklich ist, scheint ihre Freundschaft zu Richard zerstört und nur schwer wieder zu kitten. Was will sie wirklich von ihm, nur Freundschaft oder doch mehr? Lucy muss sich plötzlich ganz neuen Fragen stellen, es geht nicht darum, was sie gerne einmal machen möchte, sondern wie sie damit lebt, es getan zu haben. 
Dieser Roman von Annie Sanders ist wieder einmal empfehlenswert für alle, die ein wenig abtauchen und sich in einer Geschichte verlieren wollen. Optimal, um den beginnenden Herbst bei einer Tasse Tee auf dem Sofa auszublenden. 

Donnerstag, 15. August 2013

Ina Linger / Cina Bard "Imperfect Match- Liebe ist eigenwillig"


Emma hat eine beste Freundin gefunden- und zwar im Chat. Anna versteht sie einfach und die beiden können alle Geheimnisse austauschen. Doch Anna weiß nicht, dass sie eigentlich eine Frau ist, im Chat nennt sie sich Colin, wie ihr Mitbewohner und Schwarm. Als sie nach London fährt, besteht ihr Chatpartner darauf, sich mit ihr zu treffen und so muss kurzerhand der echte Colin einspringen und so tun, als hätte er die ganze Zeit am Computer gesessen. Viele Verwicklungen sind da vorprogrammiert.
 „Imperfect Match“ ist ein locker-leichter Liebesroman, der sich wunderbar lesen lässt und von den sympathischen und einfachen Charakteren lebt. Emma gibt sich gerne Schwärmereien hin, während Colin der klassische Aufreißertyp ist, der mit einer Frau nach der anderen anbandelt. Als auch noch Annas Bruder Ben mit ins Spiel kommt, der den klassischen liebevollen Sunnyboy vertritt, sind eigentlich alle klassischen Charaktere für einen unterhaltsamen Frauenroman erfüllt. Und so ist hier ein völlig unkompliziertes und fröhliches Werk entstanden, das einen beim Lesen und unterhält und Spaß macht. 
Für Fans von Janet Evanovich und Susan Elizabeth Phillips absolut empfehlenswert!

Montag, 5. August 2013

Marian Keyes "Glücksfall"


Bei Marian Keyes weiß man einfach immer, was man hat. Es ist komisch, es ist ernst und es ist so gut geschrieben, dass man einfach immer weiter lesen will. Ihr neuster Roman „Glücksfall“ ist da keine Ausnahme. Im Mittelpunkt steht dieses mal eine der jüngeren Walsh-Schwestern, nämlich Helen, die als Privatdetektivin arbeitet und kurz davor ist pleite zu gehen. Als sie den Auftrag bekommt, das verschwundene Mitglied einer 90er Jahre Boygroup zu suchen, die kurz vor ihrer großen Comeback Show steht, ergreift sie die Chance und macht sich an die Arbeit. Doch ihre psychischen Probleme und eine wiederkehrende Depression erschweren ihr die Arbeit erheblich.
 Dieser Roman von Marian Keyes ist zwar ernster und ruhiger als die bisherigen, muss aber keineswegs hinter den Geschichten über die anderen Walsh-Schwestern aus Irland zurückstecken. Helen schildert die gesamte Geschichte aus ihrer Perspektive und ihr Sarkasmus und ihr schwarzer Humor verhindern oft, dass das Schicksal der Hauptfigur einen zu sehr mitnimmt. Im Gegenteil, durch alles blitzt ein Witz und Charme, der die Geschichte am Laufen hält. Selbst wenn die Suche nach dem Sänger Wayne mal etwas zäh und langatmig wird, nimmt Helen Walsh den Leser noch mit und schafft es, das man Seite um Seite weiterliest und dann doch überrascht ist, dass die fast 500 Seiten schon ausgelesen sind. 
Mit „Glücksfall“ ist Marian Keyes wieder ein guter Roman der leichten Unterhaltung gelungen, ideal für entspannte Sonntage auf dem Sofa. Das man dabei noch ein bisschen mit Detektivspielen darf ist dabei noch ein kleiner Bonuspunkt. 

Mittwoch, 24. Juli 2013

Annie Sanders "Mister Mädchen für alles"


Alex ist eine viel beschäftigte Managerin bei einem Sportartikelhersteller und schafft es allein schon kaum, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Zum Einkaufen kommt sie selten bis nie und eine vernünftige Mahlzeit bekommt sie eigentlich nur, wenn ihre gute Freundin Saff - selbst leidenschaftliche Hausfrau und Mutter- sie zum Essen einlädt. Doch als Alex‘ Mutter stürzt und mit gebrochenem Arm bei ihr zu Hause einzieht, gibt es nur noch eine Lösung- eine Haushälterin muss her. Alex stellt die junge Ella ein - ohne zu wissen, dass eigentlich deren Bruder den Job schmeißt, während Alex bei der Arbeit ist.
Annie Sanders hat schon bei „Gucci und Gummistiefel“ mit leichter Unterhaltung geglänzt und ebenso gelungen ist nun auch „Mister Mädchen für alles“. Locker, fröhlich und unkompliziert und damit perfekt für einen warmen Sommertag auf dem Balkon mit einem kalten Getränk neben sich und der Sonnenbrille auf der Nase. Die Geschichte ist sehr gradlinig geschrieben und geht ohne große Umwege voran, man ahnt zwar schnell, wie sich am Ende alles auflösen wird, dennoch bleiben ein paar Überraschungen, die die Autorin für ihre Leserinnen bereithält. Die Charaktere sind dabei durchweg sympathisch und ziehen einen schnell in die Geschichte, so dass man mit ihnen leidet und lacht, je nachdem, was Annie Sanders sich als Herausforderung für sie ausgedacht hat. 
Alles in allem die perfekte leichte Lektüre mit ein bisschen Liebe und viel Spaß. 

Donnerstag, 18. Juli 2013

Julian Barnes "Vom Ende einer Geschichte"


In „Vom Ende einer Geschichte“ erinnert sich Tony an sein Leben, seine Jugendzeit mit seinen Freunden, seine erste Liebe und einen Freund, der sich immer von den anderen abgehoben hatte, nämlich Adrian. Gemeinsam waren sie zur Schule gegangen, später trennten sich ihre Wege, als sie an unterschiedlichen Colleges studierten. Als Adrian mit Tonys erster Freundin eine Beziehung anfängt, bricht die Freundschaft ab. Tony heiratet, bekommt eine Tochter und lebt trotz späterer Scheidung ein glückliches und ruhiges Leben. Bis plötzlich der Brief eines Anwalts auftaucht und er das Tagebuch seines Jugendfreundes erben soll. 
Julian Barnes beschreibt die Erinnerungen von Tony Webster ebenso eindringlich wie die Selbsttäuschung, der der Protagonist aufsitzt. Konfrontiert mit den Charakteren seiner Vergangenheit und ihrer Version seiner Lebensgeschichte wird ihm klar, wie subjektiv er seine Erinnerung verklärt und sich selbst ins richtige, weil schönere Licht gerückt hat. Ein alter Brief, den er damals geschrieben hat, zeigt ihm, wie unbarmherzig er doch mit anderen Menschen ins Gericht gegangen ist, ohne sich selbst kritisch zu hinterfragen und eigene Fehler einzugestehen. Die Geschichte um Tony und sein Leben nimmt einen mit auf eine Reise, die einen auch selbst hinterfragt. Denn jeder speichert seine Erinnerungen subjektiv ab, doch inwieweit verfälschen wir die Tatsachen dabei wirklich? Handelt es sich wirklich nur um Schönheitskorrekturen oder lügen wir uns an einigen Stellen nicht sogar unseren ganzen Lebensentwurf schön? Tony muss sich plötzlich mit diesen Fragen auseinandersetzen, an einem Punkt seines Lebens, an dem er eigentlich keine Abzweigungen oder Aufregungen mehr erwartet hatte. 
All dies erzählt Julian Barnes mit einer Leichtigkeit, die einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Zu sehr will man wissen, was wirklich hinter dem Ende von Adrians und Tonys Freundschaft steckt, zu spannend ist die Frage, welche Rolle eine Frau dabei wirklich gespielt hat - und vor allem welche Frau. Die ganze Geschichte basiert auf den fein gestrickten Charakteren, die sich aneinander reiben, sobald sie aufeinander treffen. Dabei geht es auch um Menschen, die gerade deshalb Probleme haben obwohl sie eigentlich belanglos nebeneinander leben, ohne Konflikte auszutragen. 
"Vom Ende einer Geschichte“ ist ein wunderbares nachdenkliches Buch, dass Fragen aufwirft, die sich auch der Leser stellen sollte. Für Tony lautet die wichtigste Frage „Wie war eigentlich mein Leben?“, denn seine Erinnerung scheint ihm einige -beschönigende- Streiche zu spielen. 

Donnerstag, 11. Juli 2013

Jörg Maurer "Föhnlage"


Ein klassisches Klavierkonzert in einem beschaulichen bayrischen Kurort, da rechnet doch niemand mit etwas Bösem, schon gar nicht mit Leichen! Doch plötzlich fällt ein Mann durch die marode Decke des Konzerthauses und erschlägt dabei noch einen Zuschauer, der dem Piano lauscht. Nach einigem Chaos rückt die Kriminalpolizei an. Kommissar Jennerwein und sein Team müssen herausfinden, was es mit diesen seltsamen Todesfällen auf sich hat. 
Mit „Föhnlage“ veröffentlichte Jörg Maurer den ersten Krimi rund um das Team von Kommissar Jennerwein und schafft damit fast ein eigenes Genre, eine Art bayrischer Klüngel-Comedy-Krimi. Das ganze Ambiente ist so klischeebeladen bayrisch, dass man dem Autor nicht glauben kann, dass er dies ohne ironischen Seitenblick geschrieben hat. Zwar gibt es eine durchaus solide Kriminalhandlung, diese kann aber an viele hochklassige Krimis nicht heranreichen. Doch durch den ironisch-humoristischen Stil von Jörg Maurer wirkt dies nicht störend, sondern unterstützt eher das Schmunzeln, dass einem die ganze Zeit im Mundwinkel steckt, während die Kommissare durch die bayrische Provinz stapfen und zum zünftigen Abschluss sogar gemeinsam Bergwandern - für die Städter verständlicherweise eine erbauliche Abwechslung. 
Jörg Maurers Erstlingskrimi hat mir sehr gut gefallen, wenn auch vielleicht nicht als Krimi sondern eher komischer Blick auf das dörfliche Leben und die vertretenen Stereotypen. Die reinsten Mafiamethoden kommen ans Licht, während die Polizei ermittelt, was für einen hübschen Kurort in Süddeutschland doch etwas kurios wirkt. „Föhnlage“ ist als kurzweilige Unterhaltung absolut empfehlenswert.