Dienstag, 17. September 2019

Ben Rhodes "Im Weißen Haus"


Kaum einer war an Präsident Barack Obama während seiner gesamten Präsidentschaft so dicht dran wie Ben Rhodes, zuständig für die Außenpolitik, Redenschreiber und maßgeblich beteiligt beispielsweise an den Verhandlungen mit Kuba. Jetzt hat er seine Sicht auf die Zeit im Wahlkampf mit Obama und seine acht Jahre als Präsident veröffentlicht und bietet einen spannenden Einblick in die Arbeit im Weißen Haus. Besonders interessant wird es auch noch einmal am Schluss des Buches, wenn es um die Wahrnehmung des Wahlkampfes von Donald Trump geht. Und den Moment, als ihm und vielen anderen klar wurde, dass die Antwort auf ihre Politik, mit der sie so viel Gutes bewirken wollten, ein Präsident ist, der viele ihrer Projekte noch in den ersten Tagen rückgängig machen würde.
Auch wenn der Schwerpunkt des Buches auf der Außenpolitik liegt, bietet Ben Rhodes Buch „Im Weißen Haus“ einen guten Blick auf den Menschen und Politiker Barack Obama, seine Arbeitsweise und sein Vorgehen bei vielen wichtigen Entscheidungen. Man merkt dem Buch dabei an, dass Rhodes es als Redenschreiber gewohnt ist, an Ausdrücken zu feilen, es ist sehr flüssig lesbar und äußerst spannend geschrieben. Mir hat die Lektüre viel Freude bereitet, da ein langer Zeitraum abgedeckt wurde und nicht ein kleiner Aspekt von Obamas Politik eine Rolle spielte. Man gewinnt einen guten Eindruck von dem, was sich in der Präsidentschaft Obamas im Weißen Haus abgespielt hat.
„Im Weißen Haus“ von Ben Rhodes ist ein spannendes Sachbuch zur Präsidentschaft Obamas mit Schwerpunkt auf die Außenpolitik. Er liefert viele unbekannte Hintergrundinformationen und lässt seine Leserinnen und Leser teilhaben am Innenleben des Weißen Hauses, was für mich das Besondere an diesem Buch ist – meiner Meinung nach rundum gelungen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des C.H. Beck Verlags. 



Dienstag, 10. September 2019

Michelle Marly "Madame Piaf und das Lied der Liebe"


Als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende entgegen neigt und die deutsche Besatzung in Frankreich endet, werden viele Künstlerinnen und Künstler der Kollaboration verdächtigt, so auch Edith Piaf, der französische Chanson-Star. Während die Ermittlungen sie belasten, trifft sie gleichzeitig ihre große Liebe. Yves Montand ist ein junger, unerfahrener Sänger und Edith Piaf wird zunächst seine Lehrmeisterin und dann seine Geliebte. Die Liebe zu Yves inspiriert Edith schließlich zu ihrem größten Hit „La vie en rose“. Doch der Weg dorthin ist steinig.
„Madame Piaf und das Lied der Liebe“ von gibt einen Einblick in das Leben von Edith Piaf, der berühmten Künstlerin, aber auch der Privatperson. Auch wenn ich die Entwicklung der Geschichte an sich interessant fand, konnte mich der Roman nicht endgültig überzeugen. Die Beschreibung der Charaktere bleibt mir zu oberflächlich und es fällt schwer, einen Bezug zur Protagonistin und all den anderen Figuren aufzubauen. Marly hat es meiner Meinung nach nicht wirklich geschafft, dass öffentliche Bild von Piaf stärker für ihre Geschichte zu unterfüttern. Es handelt sich hier schließlich nicht um eine Biographie, sondern um einen Roman, die Autorin hätte viele fiktive Mittel gehabt, um den Leserinnen und Lesern ihren Blick auf Edith Piaf und Yves Montand näher zu bringen, dies bleibt meiner Meinung nach jedoch fast komplett aus. Und so erfährt man zwar einiges über das Leben und Lieben von Edith Piaf, eine emotionale Bindung, die einen bewegt und mitreißt, baut man aber an keiner Stelle auf.
Die Beschreibung vom Leben Edith Piafs Leben ist unterhaltsam, lässt einen aber etwas ratlos zurück. Mich konnten die Figuren einfach nicht erreichen, es war mir zu sehr Nacherzählung eines Lebens und zu wenig Roman, um mich überzeugen zu können. Informativ war das Buch jedoch auf jeden Fall.  

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Taschenbuch Verlags. 

Dienstag, 3. September 2019

Donna Douglas "Die Nightingale-Schwestern. Freundinnen fürs Leben"


London 1934: Das Nightingale-Krankenhaus ist das renommierteste Krankenhaus der Stadt, wenn man eine Ausbildung als Krankenschwester machen möchte. Dort treffen sich Dora, Millie und Helen, drei junge Frauen mit völlig unterschiedlichen Biographien. Sie teilen sich ein Zimmer im Schwesternwohnheim und während sie mit den Problemen des neuen Alltags, strengen Schwestern und der ersten Liebe kämpfen, werden sie Freundinnen. Nur mühsam leben sie sich im Nightingale ein und stellen sich Herausforderungen, mit denen sie nie gerechnet hätten.
„Die Nightingale-Schwestern. Freundinnen fürs Leben“ ist der Auftaktband zu einer Reihe über das Leben der jungen Frauen als Schwestern in diese berühmten Krankenhaus, indem sich jeder bei allem was er tut auf das bekannte Vorbild Florence Nightingale beruft. Die Geschichte der Frauen ist sehr schön in die historische Gesamtsituation eingebettet, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der behüteten Millie und Dora, die aus der ärmsten Gegend Londons kommt, werden sehr gut deutlich und bieten die Grundlage für die abwechslungsreiche Geschichte. Mir hat der Roman gut gefallen, die Charaktere sind sehr sympathisch und auch sehr unterschiedlich, was für eine unterhaltsame Story sorgt. Die Autorin Donna Douglas hat einen flüssigen Schreibstil, der einen schnell in die Geschichte hineinzieht, so leidet man mit Dora und ihrer Familie genauso mit, wie man Helens dominante Mutter manchmal anschreien möchte, weil sie ihre Tochter so in Ketten legt.
„Freundinnen fürs Leben“ ist ein sehr schöner historischer Roman über die Bedeutung wahrer Freundschaft in schwierigen Zeiten. Ich hatte viel Freude bei der Lektüre und freue mich schon jetzt auf die weiteren Bände von Donna Douglas, von denen schon zahlreiche erschienen sind.


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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Bastei Lübbe. 

Dienstag, 27. August 2019

Bob Woodward "Obamas Kriege. Zerreißprobe einer Präsidentschaft"


Bereits in seinem ersten Wahlkampf hatte Barack Obama angekündigt, den Krieg in Afghanistan beenden zu wollen. Bob Woodward, der berühmte Journalist der Washington Post, untersucht in diesem Buch die Vorgänge rund um die Truppenentsendungen nach Afghanistan und die Strategien, die zu einem langfristigen Abzug amerikanischer Soldaten aus Afghanistan führen sollen.
Bob Woodward, bekannt geworden durch seine Berichterstattung über die Watergate-Affäre, die den Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte, schreibt in seinem Buch sehr sachlich über die ersten Amtsjahre von Obama und die Probleme und Fallstricke, die sich für den Oberbefehlshaben in Zusammenhang mit der Mission in Afghanistan auftaten. Hierzu hat er mit zahlreichen Insidern gesprochen und auch Obama selbst zu dem Thema interviewt. Man merkt dem Buch an, mit wie vielen Informationen der Autor hier jonglieren musste, um alles in eine stringente und gut lesbare Form zu bringen. Doch dies ist ihm gut gelungen, trotz der vielen verschiedenen Varianten des militärischen Handelns und des umfangreichen beteiligten Personals schafft er es, die Abläufe für den Leser gut verständlich darzulegen. Das einzige, was ich als etwas störend empfand, war die geringe Einbettung der Geschehnisse in die gesamten politischen Zusammenhänge in Amerika. Mir fehlte an vielen Stellen die genauere Einordnung in die Mehrheitsverhältnisse und die zeitgleich diskutierten Themen in den USA. So wirkte es immer etwas, als wäre der Krieg in Afghanistan das einzige Thema, mit dem Obama zu der Zeit befasst war.
Mir hat das Buch „Obamas Kriege“ von Bob Woodward gut gefallen, etwas mehr Einordnung in den Gesamtkontext der amerikanischen Politik hätte dem Buch meiner Meinung nach jedoch gut getan.

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Hier geht es zu weiteren Informationen der Deutschen Verlags-Anstalt. 

Wer an einer allgemeinen Beschreibung der Außenpolitik Obamas interessiert ist, dem kann ich nur Ben Rhodes neues Buch „Im Weißen Haus“ empfehlen. Eine Rezension hierzu folgt in Kürze auf meinem Blog.

Samstag, 24. August 2019

Nora Elias "Königsberg. Bewegte Jahre"

Das Leben in Ostpreußen geht in der nächsten Generation weiter. Die Kinder von Carl, Adela und Leonhard werden erwachsen und suchen sich ihre eigenen Wege. Es ist der Beginn des 20. Jahrhunderts und der drohende Erste Weltkrieg rückt immer näher. Er wird eine ganze Generation junger Männer zerstören und das Leben vieler Menschen verändern, doch zunächst scheint noch alles friedlich und die Heiratsunwilligkeit von Töchtern und die falsche Brautwahl der Söhne sind die großen Probleme, mit denen sich die Familien Reichenbach und von Schletter herumschlagen müssen. 
Der zweite Band der Königsberg-Reihe von Nora Elias hat mir wieder gut gefallen, sie beschreibt die Charaktere auf eine sehr sympathische Weise. Im Mittelpunkt stehen auch in diesem Band wieder eher die persönlichen Probleme als die großen gesellschaftlichen Umwälzungen, was sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges jedoch unvermeidbar ändern muss. Dieses Ereignis prägte jede Familie und so gibt es auch hier Verluste zu beklagen. Die junge Generation wird von der Autorin weitaus selbstständiger beschrieben als noch ihre Eltern, weniger fügsam und auch weniger an gesellschaftliche Zwänge gebunden. Das treibt auch die Handlung voran und macht sie noch überraschender und unterhaltsamer als noch im ersten Band. Doch auch hier stört es mich, dass bis auf den Krieg viele gesellschaftliche Entwicklungen zu wenig thematisiert werden und es sehr viel ins Private geht. Für einen historischen Roman erfolgt mir etwas zu wenig Einordnung in die gesamte Gesellschaft und die historischen Entwicklungen, auch wenn zumindest am Rande die Arbeits- und Lebensbedingungen der ärmeren Bevölkerungsschichten thematisiert werden. 
nsgesamt ist Nora Elias Roman „Königsberg . Bewegte Jahre“ eine gelungene Fortsetzung der Reihe. Das Buch ist unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, auch wenn etwas mehr historische Bezüge dem Roman gut getan hätten. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Goldmann Verlags. 

Sonntag, 11. August 2019

Martin Walker "Femme fatale"


Es ist Frühling im Périgord und die Touristensaison steht bevor, als in der Vézère ein Kanu mit einer nackten Frauenleiche gefunden wird. Alles deutet auf ein satanistisches Ritual hin und zudem scheint die Leiche mit einer berühmten Kommunistin der Region, der roten Komtesse, verwandt zu sein. Die ist jedoch nicht mehr ansprechbar und wird von einer seltsamen Krankenschwester betreut, die versucht, sich an den Polizisten Bruno heranzumachen und auch in einem großen Hotelprojekt der Region mit drin steckt. Eine seltsame Kombination, die den Dorfpolizisten Bruno Courrège fordert. Und dann bringen ihn auch noch seine Gefühle für zwei Frauen durcheinander, die Engländerin Pamela, mit der er eine lockere Affäre hat, und seine verflossene Liebe Isabelle, die es wird nach Saint-Denis verschlägt, und die er einfach nicht vergessen kann. 
Es ist ein spannender Fall, in dem Bruno ermittelt und so kann man sich bei der Lektüre wieder ganz auf den Krimi einlassen. Die Region wird wieder so wunderbar beschrieben, dass man am liebsten selbst sofort eine Reise machen möchte und Bruno ist und bleibt einfach der sympathischste Dorfpolizist in der gesamten Kriminalliteratur. So langsam wünsche ich ihm aber wirklich, dass er endlich die richtige Frau findet, denn er ist ein sehr familiärer Typ. Kriminalfall und regionale Geschichten laufen auch in „Femme fatale“ wie in allen Bruno-Krimis nebeneinander her, so dass es zwar ein spannender Krim ist, man aber keine wilden Verfolgungsjagden oder Explosionen erwarten sollte. 
„Femme fatale“ von Martin Walker ist wieder ein echter Wohlfühl-Krimi, halb Reiseführer und halb Kriminalroman entführt der Autor seine Leserinnen und Leser ein sein geliebtes Frankreich, was einfach eine große Freude ist. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Dienstag, 30. Juli 2019

Nora Elias "Königsberg. Glänzende Zeiten"


Es sind die goldenen Zeiten Ostpreußens, Ende des 19. Jahrhunderts. Die Familien von Schletter und Reichenbach leben schon lange nebeneinander im Ort, als Leonard von Schletter ausgerechnet die Kaufmannstochter Adela heiraten soll, in die sich auch der junge Carl Reichenbach verliebt hat. Die Freundschaft der jungen Männer zerbricht an dieser arrangierten Ehe und dieses Zerwürfnis soll noch viel Schaden anrichten. Carl sinnt auf Rache an Leonhard und hat es auf dessen Schwester Elisa abgesehen. Das enge Korsett gesellschaftlicher Zwänge macht es allen nicht einfach und so ist es fraglich, ob sie ihr Glück wirklich finden werden.
Der Roman „Königsberg. Glänzende Zeiten“ ist der erste Band rund um die Familien Schletter und Reichenbach in Ostpreußen. Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es stellenweise etwas flach fand. Es geht sehr viel um Liebe und Verwicklungen, ein wenig mehr Bezug zur historischen Realität und auch dem Leben der anderen gesellschaftlichen Klassen hätte ich wünschenswert gefunden. Dennoch ist der Roman sehr flüssig geschrieben und die Protagonisten sind gut gezeichnet, die Lektüre ist unterhaltsam und macht viel Freude. Vor allem wird sehr deutlich, dass ein wohlhabendes Leben eben nicht gleichzeitig Freiheit bedeutete, vielmehr wurden die Kinder von ihren Eltern früh in Wunschvorstellungen gezwängt, durch Heiratsallianzen verbunden und auf Wege geschickt, die sie ins Unglück führten. Persönliches Glück spielte eine untergeordnete Rolle, es ging immer darum, den Rang der Familie zu festigen und den Wohlstand zu sichern. Ähnlich wie die Heiratspolitik von Königshäusern wird auch in Ostpreußen geschachert, um das Beste für die eigene Familie herauszuholen. Das beschreibt die Autorin Nora Elias sehr spannend und mitreißend, so dass man mit den Figuren schnell Mitgefühl entwickelt.
Mir hat der erste Band der Königsberg-Reihe von Nora Elias gut gefallen, auch wenn ich mir etwas mehr Tiefgang und historische Details gewünscht hätte. Der Roman ist ein dennoch ein schöner Schmöker, in den man versinken kann und der einen mitnimmt.

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Auch der zweite Band „Königsberg. Bewegte Jahre“ ist bereits erschienen.

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Donnerstag, 25. Juli 2019

Anette Hinrichs "Nordlicht. Die Tote am Strand"


Eine Leiche wird am dänischen Strand gefunden, ihr letzter bekannter Wohnort lag in Deutschland. Der dänische Ermittler Rasmus Nyborg und seine deutsche Kollegin Vibeke Boisen müssen also gemeinsam in diesem Fall ermitteln. Und der ist zudem noch sehr bemerkenswert, wurde die gefundene Frau doch bereits seit Jahren für tot gehalten, ein Opfer eines Serienmörders. Offensichtlich hatte sie sich damals jedoch nur abgesetzt. Was es damit auf sich hat und welche Geheimnisse sich im Umfeld der Frau noch verbergen, stellt die Ermittler vor eine schwierige Aufgabe.
„Nordlicht. Die Tote am Strand“ soll der Auftakt zu einer Reihe rund um das deutsch-dänische Ermittlerduo sein und mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Das Personal ist durchweg sympathisch, sowohl Vibeke als auch Rasmus haben mit privaten Problemen zu kämpfen, die sie aber nicht mit an den Arbeitsplatz tragen wollen. Diese Umstände machen sie für den Leser menschlich und man hat keine Probleme, sich mit ihnen zu identifizieren und den Ermittlungen gespannt zu folgen. Auch die Grundlage für den Kriminalfall ist eine sehr spannende und kreative Idee, die für viele Verwicklungen sorgt. Dass dann auch noch jeder der Befragten, etwas zu verbergen scheint, schweißt die Ermittler nur noch mehr zusammen, denn irgendetwas verheimlicht man ihnen ganz eindeutig.
Mit hat der Krimi von Anette Hinrichs ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich schon jetzt sehr auf den zweiten Band dieser Krimireihe. Die Ausgangssituation und die Figuren haben auf jeden Fall viel Potential.

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Hier finden Sie weitere Informationen des Blanvalet Verlags. 

Montag, 22. Juli 2019

Martin Walker "Delikatessen"


Bei archäologischen Ausgrabungen im Périgord wird eine Leiche gefunden. Das ist eigentlich keine Seltenheit, doch die Leiche ist jüngeren Datums und so muss Bruno, Chef de Police aus Saint Denis ermitteln. Als dann noch ein Ministertreffen ansteht, das von der baskischen ETA bedroht wird und junge Umweltschützer die Landwirte in der Region angreifen, hat Bruno alle Hände voll zu tun, in seiner kleinen Gemeinde für Ordnung zu sorgen.
Ich habe inzwischen schon fast alle Bruno-Krimis von Martin Walker gelesen und ich denke, entweder man liebt den Stil, die beschauliche Landschaft, die Charaktere und das gute Essen der Krimis oder eben nicht. Ich bin immer wieder begeistert, wie hervorragend der Autor es versteht, einen spannenden Kriminalfall mit französischer Lebenskultur zu verknüpfen. Bruno liebt seine Gemeinde und setzt sich für seine Bürgerinnen und Bürger ein, junge Leute fördert er und gibt ihnen Chancen, statt sie gleich ins Gefängnis zu werfen und viele Informationen erhält er einfach, weil die Leute ihm vertrauen und in ihm nicht nur den Dorfpolizisten sehen. Davon leben die Krimis und die Lektüre macht einfach Freude. In diesem Band passiert wirklich sehr viel, zudem mischt eine neue Staatsanwältin die Gegend auf, die kein Fettnäpfchen auszulassen scheint und den ländlichen Bewohnern ununterbrochen auf die Füße tritt. Da ist Bruno auch als Schlichter und Vermittler gefragt, denn ein Streit entbrennt um die Gänsestopfleber, eine französische Delikatesse, die immer wieder Umweltschützer auf den Plan ruft.
„Delikatessen“ von Martin Walker ist ein sehr spannender Krimi mit aktuellen Bezügen sowohl zum Umweltschutz als auch zur baskischen ETA, was die Lektüre nur spannender macht. Von mir gibt es wieder eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Bruno-Krimi.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Mittwoch, 17. Juli 2019

Clara Bernardi "Requiem am Comer See"


Polizistin Giulia Cesare liebt den kleinen Ort in den Bergen am Comer See, in dem sie mit ihrem Mann lebt. Doch als eine deutsche Opernsängerin ermordet aufgefunden wird, sind plötzlich alle ihre Nachbarn verdächtig, denn fast jeder scheint ein Motiv für den Mord zu haben. Mühsam begibt sich Giulia auf die Suche nach dem wahren Täter, denn dass der nette Ziegenhirte oder gar ihr eigener Vater der Täter sein sollen, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen.
„Requiem am Comer See“ ist ein etwas gemächlicher Krimi, der hauptsächlich von der Stimmung und den Beschreibungen der Orte wirkt. Dies ist aber keineswegs negativ gemeint, der Fall ist spannend und man tappt als Leser wirklich lange im Dunkeln, wer die ungeliebte Dame umgebracht haben könnte. Besonders gut haben mir allerdings die sympathischen und eigenwilligen Dorfbewohner gefallen, ebenso wie das beschauliche Leben, das beschrieben wird. Es sind echte Charakterköpfe, mit denen sich die Polizistin auseinandersetzen muss, nicht zuletzt ihre Vorgesetze, eine Karrierefrau die keine Rücksicht nimmt, wenn es um ihr Vorankommen geht. Alles in allem hat die Autorin Clara Bernardi eine äußerst unterhaltsame Mischung geschaffen, mit der Giulia Cesare sich herumschlagen muss.
Mir hat der Krimi „Requiem am Comer See“ gut gefallen. Es ist kein Buch, das einen vor Spannung umhaut, aber es ist gut geschrieben mit sehr schönen Charakteren, perfekt für einen Urlaubstag am Strand – oder eben am Comer See.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Dumont Verlags. 

Montag, 15. Juli 2019

Ellen Sandberg "Die Vergessenen"


Als Veras Tante plötzlich einen Schlaganfall erleidet und im Koma liegt, muss sich Vera um ihre Sachen kümmern und beginnt zur Vergangenheit ihrer Tante zu recherchieren. Was hatte sie mit dem Haus Winkelberg zu tun, das durch Euthanasieverbrechen im Dritten Reich zu umstrittener Berühmtheit gelangte? Ohne ihr Wissen recherchiert auch Manolis Lefteris in dem Fall, denn er soll belastende Unterlagen besorgen, die Veras Tante angeblich seit Jahrzehnten versteckt hat. Unabhängig voneinander sind die beiden einem großen Geheimnis auf der Spur.  
Ellen Sandberg hat hier wirklich einen großartigen Krimi abgeliefert. Die Hauptfiguren Vera und Manolis sind einem sehr sympathisch, auch wenn gerade Manolis nicht immer mit ganz sauberen Absichten handelt. Man erfährt viel über ihren Hintergrund und gewinnt dadurch einen guten Einblick in ihre Intention, warum und wie sie handeln. Die ganze Story ist sehr mitreißend und spannend geschrieben, auch wenn einem die Verwicklungen teilweise fast unrealistisch erscheinen, ist doch inzwischen erwiesen, dass viele Täter des Dritten Reichs ungeschoren davongekommen sind, wie auch einige Figuren in diesem Roman. Durch die Vermischung Veras und Manolis Handeln in der Gegenwart und den Erinnerungen von Veras Tante Kathrin gewinnt man einen guten Überblick über alle Handlungsstränge und hat kein Problem, den Verwicklungen zu folgen.
„Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg ist toller Krimi, spannend geschrieben und mit einem sehr interessanten Thema. Eine absolut runde Sache, ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, so gespannt war ich, wie es wohl weitergehen könnte. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung für den Roman.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Mittwoch, 10. Juli 2019

Anne Girard "Madame Picasso"


Madame Picasso heißt eigentlich Eva Gouel und ist die Tochter einer Polin und eines Franzosen. 1911 kommt sie nach Paris, um unabhängig von ihren Eltern ihre Träume zu verwirklichen. Dort lernt sie, als Näherin im berühmten Moulin Rouge, den Maler Pablo Picasso kennen und verliebt sich hoffnungslos in ihn. Doch Picasso ist eigentlich vergeben, seine Freundin Fernande ist berühmt in der Pariser Gesellschaft. Wird Pablo diese beeindruckende Frau für Eva Gouel verlassen oder spielt er nur mit ihr?
Der Roman „Madame Picasso“ ist erschienen im Aufbau Verlag in der Reihe „Frauen zwischen Kunst und Liebe“. Ich konnte schon einige Bände aus der Reihe lesen und bisher haben sie mir immer sehr gut gefallen. Dieses Buch hat mich jedoch ein wenig enttäuscht, ich fand die Beschreibungen einfach zu oberflächlich und man hat zu wenig von den wahren Beweggründen der Figuren erfahren. Das mag daran liegen, dass man vielleicht zu wenig über die wahre Geschichte von Picasso und Eva weiß, doch wenn man den Stoff in einem Roman verarbeitet, muss eine Autorin wie Anne Girard diese Lücken füllen können. Das hat mir hier eindeutig gefehlt, bei der Lektüre entstand das Gefühl, dass ausschließlich oberflächliche Leidenschaft die beiden Hauptfiguren antreibt, zu wenig ging es um die Gefühle, die über ihre körperliche Liebe hinausgegangen. Sicher mögen die beiden eine leidenschaftliche Beziehung gehabt haben, doch was Girard in ihrem Roman beschreibt, erklärt für mich nicht, dass Evas Tod Picasso völlig aus der Bahn war und er sogar Depressionen bekommen haben soll. Vielmehr wirkt Eva in dem Roman für mich wie eine Episode in seinem Leben, jederzeit bereit wieder ersetzt zu werden. Leidenschaft ja, aber Liebe wurde für mich nicht deutlich. Dennoch ist es sehr interessant einen Einblick in das Pariser Leben kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu bekommen, den berühmte Salon von Gertrude Stein und all die Künstlerlokale, die noch heute in jedem Reiseführer auftauchen.
Leider konnte mich „Madame Picasso“ nicht richtig überzeugen, da die Beweggründe der Figuren einfach zu simpel und schematisch dargestellt wurden. Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, den Charakteren irgendwie näher gekommen zu sein, was ich enttäuschend fand.  


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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Verlags. 

Montag, 8. Juli 2019

Manuela Inusa "Die kleine Straße der großen Herzen"


Ein letztes Mal geht es mit der Autorin Manuela Inusa in die Valerie Lane, wenn auch aus einem traurigen Anlass. Die gute alte Mrs. Witherspoon ist verstorben und die Freundinnen aus der romantischsten Straße der Welt mit ihren schönen kleinen Geschäften nehmen Abschied von ihrer Freundin. Doch es passiert viele nebenbei, denn Susan hat sich mit ihrem Freund zerstritten, der erfolgreich auf Tour ist, Orchid ist aus Amerika zu Besuch und bringt die Beziehung von Tobin und Charlotte durcheinander während ihre Schwester große Geldsorgen plagen.
Ich habe mich gleich mit dem ersten Band in die Valerie Lane und ihre Bewohnerinnen und verliebt und war gespannt, welchen Abschluss die Autorin für die Reihe finden würde. Diesen letzten Band fand ich jetzt leider eher enttäuschend, für mich fehlte ein roter Faden durch den Roman, alles wirkte etwas durcheinander und wenig zielführend. Während die Figuren sich in den vergangenen Bänden immer sehr entwickelt haben, finde ich sie hier schematisch und es passiert zu wenig, um die Handlung voranzutreiben. Der Tod einer Figur bringt zwar als Auslöser alle Charaktere wieder zusammen, meiner Meinung nach war das aber nicht ausreichend, um einen ganzen Roman voranzutreiben. Dennoch ist es schön, die bekannten Charaktere wiederzutreffen und zu erfahren, wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist, so dass es trotz aller Kritik eine unterhaltsame Lektüre bleibt.
„Die kleine Straße der großen Herzen“ ist der Abschluss der Romanreihe um die Valerie Lane und wieder gefüllt mit viel Liebe und Herz. Dennoch hatte ich mir für den Abschluss von der Handlung mehr erwartet und war etwas enttäuscht.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Blanvalet Verlags. 

Mittwoch, 3. Juli 2019

Katarzyna Bonda "Der Rat der Gerechten"


An der polnisch-weißrussischen Grenze treffen zwei Welten aufeinander, Weisrussen und Polen leben streng getrennt voneinander. Die Hochzeit der jungen Polin Iwona mit dem einflussreichen Weißrussen Piotr Bondaruk soll dennoch ein riesiges Fest werden, aber Konflikte sind vorprogrammiert. Kurz vor der Hochzeit verschwindet Iwona und die Profilerin Sasza Załuska, die zufällig vor Ort ist, ermittelt. Dabei stößt sie auf eine komplizierte Vergangenheit des Dorfes und auf weitere verschwunden Personen.
Dies ist der zweite Fall rund um die Profilerin Sasza Załuska und der erste Krimi hatte mir gut gefallen. Von diesem Band war ich jedoch sehr enttäuscht. Ich fand die ganze Story sehr wirr und zusammenhangslos und bin überhaupt nur schwer in die Geschichte reingekommen. Man erfährt viel zu wenig über die Protagonistin, um sich ein Bild von der ganzen Situation machen zu können und die Rückblenden, die eingefügt werden, ergaben für mich zunächst überhaupt keinen Sinn. Die Vergangenheit des Dorfes spielt eine Rolle, das wird aber ohne roten Faden immer mal wieder eingeflochten, ohne dass man als Leser einen richtigen Bezug dazu bekommt. Dazu die Hintergrundgeschichte von Sasza, die einen alten Bekannten sucht, womit ich wenig anfangen konnte, obwohl in „Das Mädchen aus dem Norden“ auch gelesen hatte. Das ist allerdings auch schon zwei Jahre her, vielleicht war der Abstand dann doch zu groß, um daran anknüpfen zu können.
Mir hat „Der Rat der Gerechten“ nicht gefallen, ich fand die Geschichte viel zu kompliziert und zusammenhangslos erzählt, um für mich eine echte Spannung entwickeln zu können. Die Handlung hat mich einfach nicht mitgenommen und auch die Hauptfigur Sasza Załuska fand ich viel zu flach und schemenhaft, leider eine ziemliche Enttäuschung.

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Montag, 1. Juli 2019

Lena Johannson "Die Villa an der Elbchaussee"


Hamburg 1919: Der Erste Weltkrieg ist vorbei und die Stadt ist gezeichnet von den Folgen. Viele junge Männer sind gestorben oder kommen verletzt und für ihr Leben gezeichnet zurück. So auch der Bruder von Frieda, der eigentlich das erfolgreiche Kakaogeschäft seines Vaters übernehmen sollte. Doch statt zu arbeiten, bekommt er einfach keinen Boden unter die Füße und verfällt dem Alkohol. Gleichzeitig würde Frieda liebend gerne in die Fußstapfen ihres Vaters treten, doch als Frau wird ihr diese Chance verwehrt. Stattdessen soll sie gewinnbringend heiraten, um die Firma zu sanieren. Hier treffen viele Interessen aufeinander und Frieda ist nicht bereit, sich den Erwartungen einfach anzupassen. Sie will für ihren Traum kämpfen.
Mir hat die Geschichte um Frieda und ihre Familie sehr gut gefallen. Frieda ist eine sympathische Protagonistin, die zwar teilweise sehr naiv ist, aber dies auch erkennt und aus ihren Fehlern lernt. Sie ist für ihre Zeit bewundernswert selbstbewusst, hat aber auch das Glück, dass ihr Vater sie nicht völlig unterschätzt, sondern ihre schon ihre Freiräume und Chancen gibt, auch wenn es nicht ganz so weit geht, wie Frieda es gerne hätte. Zudem spielen viele gesellschaftliche Debatten in dem Roman eine Rolle, so beispielsweise der wachsende Antisemitismus und die kommunistischen Tendenzen nach Ende des Ersten Weltkriegs. All diese Zusammenhänge beschreibt die Autorin Lena Johannson gut verständlich und bindet sie sehr schön in die gesamte Geschichte ein. Es ist einfach spannend, den Entwicklungen rund um Friedas Familie zu folgen und so kann man das Buch schnell nicht mehr aus der Hand legen und wünscht Frieda wirklich viel Glück bei all ihren Plänen, auch wenn sie für sie schwer umzusetzen sein werden.
„Die Villa an der Elbchaussee“ ist ein sehr schön historischer Roman, der mit viel Liebe zu der Protagonistin geschrieben wurde, so dass einem Frieda direkt ans Herz wächst. Ich bin schon jetzt gespannt wie es weitergeht mit der Hamburger Kaufmannsfamilie und freue mich auf den zweiten Band „Jahre an der Elbchaussee“, der Anfang Dezember erscheinen wird.

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Dienstag, 25. Juni 2019

C. W. Gortner "Marlene und die Suche nach Liebe"


Wenn man an Marlene Dietrich denkt, sieht man vor sich sofort eine schmale blonde Frau im Smoking, die eine beeindruckende Selbstsicherheit ausstrahlt. Aufgewachsen im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll sie auf Wunsch ihrer Mutter eine berühmte Geigensolistin werden. Doch das Talent reicht nicht aus und so sucht sie sich ihren eigenen Weg auf die Bühnen der Welt, tanzt und singt in Revuen und kommt schließlich zum Film. Doch wer eine immer glückliche Frau vor sich sieht, täuscht sich. Marlene kämpft und hadert mit sich, hat zahlreiche Liebschaften, die sie mal mehr und mal weniger glücklich machen und kämpft als junge Mutter darum, eine Rolle zu finden, die zu ihr passt. Ein bewegendes Leben in bewegenden Zeiten.
In „Marlene und die Suche nach Liebe“ beschreibt C.W. Gortner das Leben von Marlene Dietrich sehr biografisch, dennoch schafft er es, eine besondere Spannung zu erzeugen, die einen bei der Lektüre in ihren Bann zieht. Marlene ist nach außen eine sehr schillernde Figur, die aber mit vielen Ängsten zu kämpfen hat und im Zweiten Weltkrieg zudem mit ihrer deutschen Herkunft hadert. Mir hat der sehr sachliche, aber dennoch fiktionale Stil des Autors sehr gut gefallen, hier wurde kein Kitschwerk produziert sondern eine sehr gut lesbare Geschichte über eine ganz besondere Frau. Ob man ihren Umgang mit Männern und Familie nun mag oder nicht hat sie eine weiche Seite, die einen beim Lesen berührt. Der Smoking, den sie manchmal wie eine Rüstung zu tragen schien, wurde ihr Markenzeichen und sorgte im prüden Amerika für viel Aufregung. Bei all den Skandalen war sie immer auf der Suche nach einem persönlichen Glück, dass ihr die Liebschaften oft nicht geben konnten und auch ihre Familie nicht dauerhaft. Es bleibt ein wenig offen, ob sie es in ihrem Leben jemals gefunden hat, zu wünschen ist es ihr auf jeden Fall.
„Marlene und die Suche nach Liebe“ ist ein sehr biografisch geprägter Roman über das Leben von Marlene Dietrich im Rampenlicht, ein spannendes und sehr schön geschriebenes Buch, das mir viel Freude gemacht hat.

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Mittwoch, 19. Juni 2019

Alexandra Zöbeli "Die Sterne über den Black Mountains"


Alexandra Zöbeli setzt ihre Geschichte in den Black Mountains fort, nach Jack und Emma in „Der Himmel über den Black Mountains“, steht jetzt der Tierarzt Ben im Mittelpunkt. Auf einer Reise nach Glasgow lernt er auf sehr unkonventionelle Art die Krimiautorin Caitlin kennen. Doch ihre Wege trennen sich schnell wieder und er weiß noch nicht einmal ihren Namen. Bis sie plötzlich im Dorf auftaucht, denn sie hat eine alte Farm gemietet, um in Ruhe schreiben zu können. Die beiden haben jetzt die Chance, sich näher kennenzulernen, doch gleichzeitig will Caitlin eigentlich keine Beziehung, da sie sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und so nehmen die romantischen Verwicklungen ihren Lauf, es kommen viele bekannte Personen wieder vor und Caitlins Eltern sorgen noch für einen besonderen Unterhaltungswert in diesem Buch.
Ich mag die Romane der Schweizer Autorin Alexandra Zöbeli einfach gerne. Sie schafft immer wieder wunderbare Charaktere und lässt ihre Geschichten in schönen Landschaften spielen, so dass man als Leserin oder Leser schnell auf eine Reise geschickt wird, die einfach Spaß macht. Natürlich hat es mich bei diesem Roman besonders gefreut, dass an eine alte Handlung angeknüpft wurde, so traf man alte Bekannte wie Emma und Jack wieder und konnte gleichzeitig daran teilhaben, wie sich etwas Neues zwischen Ben und Caitlin entwickelt. Ben war schon im letzten Roman ein unglaublich sympathischer Charakter mit viel Potential, er hatte sich diese eigene Geschichte auch einfach verdient. Zudem ist die Geschichte sehr leicht und flüssig geschrieben, die Lektüre ist also eine große Freude und ich mochte das Buch gar nicht mehr so richtig aus der Hand legen, nachdem ich begonnen hatte.
„Die Sterne über den Black Mountains“ ist der neueste Roman von Alexandra Zöbeli und genauso gelungen wie ihre vorhergehenden Bücher. Leicht geschrieben mit tollen Figuren und unterhaltsamen Wendungen machen die Romane einem einfach Freude, ich kann auch dieses Buch nur weiterempfehlen.

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Donnerstag, 30. Mai 2019

Zehn Fragen an Sy Montgomery

© Mathew Lomanno

Sy Montgomery wurde 1958 in Frankfurt geboren und lebt in den USA. Mit ihren Büchern „Rendezvous mit einen Oktopus“ und „Einfach Mensch sein“, die beide in Deutschland im Diogenes Verlag erschienen sind, bringt sie ihren Lesern das Verhalten und die Gefühle von Tieren näher und regt dazu an, sie uns öfter einmal zum Vorbild zu nehmen, anstatt sie nur als untergeordnete Arten wahrzunehmen. Aus ihren Erzählungen spricht die große Anerkennung und Bewunderung für die Natur in all ihren Formen und Ausprägungen, was die Lektüre so bewegend und außergewöhnlich macht. Für Sarahs Bücherregal hat sich Sy Montgomery die Zeit genommen, die Fragebogen „Zehn Fragen an …“ zu beantworten.

1) Am frühen Morgen - Kaffee oder Tee?
Kaffee, wenn es welchen gibt. Tee, wenn nicht.

2) Wofür sind Sie dankbar?
Meinen Ehemann und unseren Border Collie, Thurber. Unsere Farm mit ihren Feldern, jeden einzelnen Baum, Busch, jede Blume und jeden Halm darauf – besonders unseren gewaltigen Ahorn und unseren 120 Jahre alten Apfelbaum. Unsere Freunde, Menschen und andere. Die Vögel in unserem Vogelhaus. Die wilden Truthähne. Die Sterne, für meine Sinne und all die anderen Sinne, die Tiere haben, die ich mir nur vorstellen kann. Für Schnee und Regen, Essen und Trinken, Gesundheit und Glück – nicht nur für mich, sondern für alle.

3) Urlaub - in die Berge oder an den Strand?
Berge – Thurber versteht den Strand nicht so richtig.

4) Ihr Lieblingsbuch?
Charlotte’s Web von EB White.

5) Ihr Tipp, wenn es mal stressig wird?
Schau auf deine Lehrer und wisse, dass sie immer bei dir sind, in so vielen Formen. Erinnere dich, dass sie vielleicht auch eine bewegliche Nasenscheibe und einen Ringelschwanz haben können.

6) Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
Ich schlafe wortwörtlich neben einem Bücherregal! Kürzlich gelesen habe ich „Mamas Last Hug: Human and Animal Emotion“ von Frans Waal

7) Welches Buch könnten Sie immer wieder lesen?
„In The Memory House“ von meinem Ehemann, Howard Mansfield.

8) Ihr Berufswunsch als Kind?
Bevor ich lesen konnte, wollte ich Tierärztin werden. Aber kurz danach lernte ich zu lesen und wollte eine Autorin sein, die auf eine Art und Weise über Tiere schreibt, die Menschen dazu bewegt, sich so sehr um sie sorgen, dass es unseren Weg verändert und das Aussterben von Arten und Grausamkeit gegen einzelne Wesen verhindert.

9) Mit wem würden Sie gerne einen Tag Ihr Leben tauschen?
Prof. Ludvik von Drake. Er ist ein gigantischer männlicher pazifischer Riesenkrake im New England Aquarium. Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, mit meiner Haut zu schmecken, die Farbe und Form zu verändern und meinen knochenlosen Körper nach Belieben durch winzige Öffnungen zu zwängen.

10) Und zum Abschluss: Sie haben drei Wünsche frei! Was wünschen Sie sich?
Die globale Zerstörung des Klimas kann aufgehalten und umgekehrt werden.
Ein schmerzfreies Ende für die menschliche Bevölkerungsexplosion.
Dass Hunde so lange leben wie Menschen.

Ihr neuestes Buch "Einfach Mensch sein" ist eine wunderbare Sammlung von Erzählungen über Tiere und ihr Leben, verbunden mit wunderschönen Illustrationen. Erschienen ist der Roman als Hardcover im Diogenes Verlag am 20. März 2019.

Mittwoch, 29. Mai 2019

Martin Walker "Schwarze Diamanten"


Bruno ist Polizeichef in Saint-Denis und allseits beliebt. Als es zu Ungereimtheiten auf dem Trüffelmarkt in der Nachbarstadt kommt, soll er unauffällig ermitteln. Doch als dann sein guter Freund Hector umgebracht wird und es Anschläge auf Vietnamesen auf dem örtlichen Markt gibt, überschlagen sich die Ereignisse. Mischt etwa die chinesische Mafia im Périgord mit und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken? Und was hat der junge Bürgermeisterkandidat Pons mit seinem neuen Restaurant damit zu tun? Bruno muss einigen Fragen nachgehen, bis er der Lösung des Rätsels langsam auf die Spur kommt.
In „Schwarze Diamanten“ geht es um das Herz des Périgord, die Trüffel, was auch sehr gut zu Bruno passt, der ein begeisterter Koch und echter Feinschmecker ist. Wie bei allen Bruno-Krimis zeichnet sich der Roman durch eine wunderbare Mischung aus spannendem Kriminalfall und vielen Geschichten über Land und Leute aus. Die Verbindung dieser Elemente macht die Krimis zu etwas ganz Besonderem. Hier sind noch keine Profiler im Einsatz und keine Sondereinheit untersucht alles mit neuesten technischen Mitteln. Bruno ist ein klassischer Dorfpolizist, der auch weiß, wann er die Profis informieren muss, um Fälle abzugeben. Sein zentrales Anliegen ist das Wohl der Menschen in seinem Ort und dafür tut er, was er kann. Nicht nur ihm Dienst, sondern auch als Rugby- und Tennistrainer oder als Weihnachtsmann auf dem Kinderfest. Diese Beschreibungen machen den Protagonisten für alle Leserinnen und Leser so liebenswert – und auch für die Frauen in Saint-Denis, denn Brunos Liebesleben ist nicht ganz einfach. Seine große Liebe Isabelle hat ihn für die Karriere verlassen und die Engländerin Pamela, mit der er sich trifft, will sich nicht fest binden. Hier ist Bruno noch auf der Suche und man darf gespannt sein, ob er sein perfektes Gegenstück noch finden wird.
Mir hat „Schwarze Diamanten“, Band drei der Bruno-Reihe, wieder unglaublich gut gefallen, ein spannender Fall und viel Lokalkolorit, Martin Walker schafft einfach immer wieder die perfekte Mischung für eine großartige Lektüre.

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Dienstag, 21. Mai 2019

Ursula Poznanski "Vanitas - Schwarz wie Erde"


Endlich ein neuer Thriller von Ursula Poznanski und dass es auch noch der Auftakt zu einer neuen Reihe ist, gefiel mir besonders gut. In „Vanitas – Schwarz wie Erde“ geht es um eine Frau, die als Informantin für die Polizei gearbeitet hat, bis es zu gefährlich wurde und sie ihren eigenen Tod vortäuschen musste. Jetzt lebt sie unter einem Decknahmen in Wien und will einfach nur alles vergessen, als ihr alter Kontaktmann der Polizei sie wieder anspricht. Sie soll in München Kontakt zur Tochter eines Baulöwen aufnehmen und herausfinden, was es mit den Unfällen auf Münchener Baustellen auf sich hat. Was einfach klingt, entpuppt sich als komplizierter Fall mit vielen Protagonisten, in dem ein lange zurückliegendes Verbrechen eine große Rolle spielt.
Ursula Poznanski ist für mich ein Garant für großartige Thriller-Unterhaltung und das bestätigt sie auch in ihrem aktuellen Roman. Die Figuren sind spannend und differenziert ausgearbeitet, der Fall ist komplex und dennoch gut verständlich dargestellt und mit der Hauptfigur hat das Buch wirklich das Potential, der Auftakt zu einer mitreißende Reihe zu sein. Die Protagonistin Carolin ist sympathisch, hat aber auch Ecken und Kanten, was die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Dass man nichts von ihrer Vorgeschichte weiß, die stückweise entblättert wird, macht einerseits den besonderen Reiz aus, war für mich aber teilweise auch ein klein wenig störend, da ich das Gefühl hatte, es müsste schon ein Buch vorher geben, das ich nicht gelesen hatte. Wenn man sich damit arrangiert hat, ist es aber ein sehr spannender Roman, der einen richtig mitreißt.
„Vanitas – Schwarz wie Erde“ ist der neueste Thriller von Ursula Poznanski und mir hat der Roman sehr gut gefallen, er ist spannend und sehr überraschend mit einer tollen Protagonistin. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band der Reihe. 

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Donnerstag, 16. Mai 2019

Bernhard Kegel "Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren"


Dass Dinosaurier nicht nur Kinder begeistern, zeigt sich spätestens seit im Berliner Naturkundemuseum mit Tristan ein nahezu perfektes Skelett eines Tyrannosaurus Rex ausgestellt wird, der Kopf so schwer, dass er in einer extra Vitrine steht. Bernhard Kegel schreibt quasi das Buch zum Tristan-Hype und kann mit „Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren“ auch auf ganzer Linie überzeugen.
Zu Recht bemerkt der Autor zu Beginn, dass es für Erwachsene kaum Dinosaurierbücher gibt, fast alle sind auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtet. Bernhard Kegel schafft es jedoch auf sehr interessante Art und Weise aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Geschichte der Paläontologie und den Vorstellungen, die Jurassic Park vermittelt, miteinander zu verknüpfen. Immer wieder räumt er verbreitete Gerüchte aus und kann auch mit neuen Erkenntnisse glänzen. Der gefiederte Dinosaurier macht zwar den Lückenschluss zum heutigen Vogel leichter, ist für viele jedoch nur schwer vorstellbar. Dennoch häufen sich die Funde, die belegen, dass viele Dinosaurier nicht grau und gewalttätig waren wie die Echsen in den Filmen, sondern gefiedert, vielleicht sogar bunt und auch nicht immer so brutal. Auf jeden Fall waren sie wohl nicht in der Lage, sich lange Verfolgungsjagden zu liefern, nicht der Tyrannosaurus Rex und schon gar nicht die riesigen Sauropoden, die noch eher aus „In einem Land vor unserer Zeit“ bekannt sind. Die riesigen Pflanzenfresser müssen einen äußerst komplexen Verdauungsapparat gehabt haben, wie Kegel erklärt und sind auch sonst fast ein Wunder der Natur.
Mir hat das Buch „Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren“ ausgesprochen gut gefallen, es ist leicht verständlich geschrieben und bietet sehr fundiertes Grundlagenwissen zur Paläontologie und ihren Erkenntnissen. Wem das „Was ist Was Dinosaurier“ aus Kinderjahren nicht mehr reicht, der ist hier genau richtig.

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Dienstag, 7. Mai 2019

Marie Lacrosse "Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben"


Das Leben auf dem Weingut der Gerbans geht weiter, während Irene in Lambrecht lebt und als Näherin in einer Fabrik arbeitet. Es sind die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts und die Arbeiterbewegung beginnt sich zu formieren. Irene lernt Josef Hartmann kennen, der den örtlichen Arbeiterverein leitet und sie versucht, mit ihm ein neues Leben zu beginnen und Franz zu vergessen. Der überwirft sich währenddessen immer wieder mit seinem Vater und versucht, als Erbe im Weingut Fuß zu fassen. Das Leben scheint Irene und Franz immer weiter voneinander zu entfernen, bis Pauline, die Mutter von Franz, endlich eingreifen kann.
Mir hat der auch der zweite Band der Weingut-Reihe von Marie Lacrosse sehr gut gefallen. Es sind wieder viele historische Aspekte, die eine wichtige Rolle spielen, nicht nur die Arbeiterbewegung und die Industrialisierung sondern auch die Angliederung des Elsass an das Deutsche Reiche und die damit verbundenen Veränderungen für die Bevölkerung. Die vielen historischen Fakten bindet die Autorin spielend einfach in eine berührende Liebesgeschichte ein, die einen als Leserin sofort mitnimmt. Irene und Franz sind mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen und wie übel ihnen mitgespielt wird, kann einen nur wütend machen. Man hofft und leidet also die ganzen 700 Seiten mit ihnen, damit sie endlich wieder zusammenfinden können. Ob das wirklich möglich ist, möchte ich hier offen lassen, es ist auf jeden Fall wieder sehr spannend für das junge Paar.
„Das Weingut . Aufbruch in ein neues Leben“ ist ein wunderbar geschriebener historischer Roman, der keineswegs als kitschige Liebesgeschichte daherkommt sondern vielmehr ein großartig recherchierter und mit vielen Details beschriebener Roman ist, der viel Freude macht. Jetzt heißt es abwarten, denn im September diesen Jahres erscheint der dritte Band, in dem wir hoffentlich wieder viel Neues von den Hauptfiguren erfahren.


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Dienstag, 30. April 2019

Martin Walker "Menu surprise"


Bruno ist wieder da, doch seine Arbeit hat sich verändert. Nach einer Beförderung ist er für ein viel größeres Gebiet zuständig und er ist besorgt, ob er sich noch so um Saint-Denis kümmern kann, wie bisher. Als seine Freundin Pamela ihn bittet, einen vermissten Gast von ihr zu finden, stößt er auf einen Doppelmord, der sehr viel größere Ausmaße annimmt als zunächst vermutet. Fast nebenbei hilft er Pamela bei ihren Kochkursen, sorgt sich um die  Rugby-Spielerin Paulette, die wichtige Zukunftsentscheidungen treffen muss und trifft wieder auf Isabelle, die Frau, die ihn einfach nicht loslässt. Es ist also wieder alles dabei, was ein guter Bruno-Krimi braucht.
Mir hat „Menu Surprise“ besonders gut gefallen, weil einerseits der Falls so spannend war, man andererseits aber auch eine neue Seite von Bruno kennengelernt hat. Er ist jetzt mehr Chef, muss delegieren und sich absprechen, das fordert ihn, denn eigentlich hat er immer in seinem eigenen Tempo gearbeitet. Dass er dabei auf keinen Fall seinen Heimatort vernachlässigen will, ist klar und sein gesellschaftliches Engagement schränkt er gar nicht ein. Er ist unglaublich sympathisch und man fragt sich langsam, wann denn endlich die Frau fürs Leben auftaucht. Isabelle scheint es jedenfalls nicht zu sein, auch wenn es sie immer wieder ins Périgord verschlägt. Martin Walkers Romane sind wirklich literarische Krimis, er braucht keine Explosionen und Verfolgungsjagden sondern Wein– und Käseverkostungen, um die Leser mitzunehmen in Brunos Welt. Essen verbindet, und so holt Bruno auch in diesem Band wieder alle Beteiligten an einen Tisch, um mit den Ermittlungen voranzukommen. Und wie immer gelingt dies in seiner ruhigen Art hervorragen.
Ich bin ein uneingeschränkter Fan der Bruno-Krimis von Martin Walker, sie zu lesen ist wie Urlaub machen, man verschwindet in der Welt des Périgord und darf gleichzeitig noch einen spannenden Fall lösen. „Menu surprise“ reiht sich nahtlos in die großartige Romanreihe ein und ich freue mich schon jetzt auf den zwölften Fall von Bruno, der hoffentlich im nächsten Jahr erscheinen wird. Die Wartezeit muss ich mir mit ein paar alten Bänden versüßen, die ich noch nicht gelesen habe.

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Donnerstag, 25. April 2019

Dov Alfon "Unit 8200"


Als in Paris am Flughafen ein Israeli nach der Landung entführt und ermordet wird, werden viele Fragen aufgeworfen. War er vielleicht gar nicht das Ziel der Attentäter und alles nur eine Verwechslung? War es nur ein Fall von Drogenkriminalität oder eine große Spionageaffäre? Oberst Abadi, Chef der Unit 8200 befindet sich zufällig in Berlin und ermittelt gemeinsam mit der französischen Polizei, während seine Stellvertreterin in Israel die Fäden zusammenhalten und ihn unterstützen soll. Doch so lange sie nicht weiß, was eigentlich hinter der ganzen Geschichte steckt, fällt es ihr schwer, Abadi zu vertrauen.
„Unit 8200“ stand in Israel wochenlang auf der Bestsellerliste und begründet seine Spannung hauptsächlich aus den guten Insiderkenntnissen seines Autors. Denn Dov Alfon war selber Geheimdienstoffizier in der Unit 8200, gleichzeitig überschneidet sich seine Biographie an vielen Stellen mit der seines fiktionalen Charakters Abadi, was diesen besonders glaubwürdig macht. Stellenweise hatte der Thriller für mich ein paar längen, aber der Stil des Autors und die gute Beschreibung der Charaktere machen den ganzen Roman zu einer runden Sache. Lange tappt man als Leser selbst im Dunkeln, wie auch die Geheimdienste, es spielen so viele kleine Aspekte zusammen, die den Thriller zu einem Gesamtkunstwerk machen, das sich am Ende jedoch problemlos auflöst und keine logischen Unklarheiten zurücklässt. Dies ist eine besondere Leistung bei der Menge an verschiedenen Abteilungen der Nachrichtendienste und Personen mit den verschiedensten Eigeninteressen. Durch die gute Beschreibung verliert man jedoch auch als Leser*in nicht den Überblick und kann der Handlung gut folgen.
Mir hat der „Unit 8200“ von Dov Alfon sehr gut gefallen, der Thriller zeigt sehr realistisch das komplizierte Zusammenspiel der Nachrichtendienste und welche Kreis es ziehen kann, wenn Teile davon im Ausland agieren. Auch die Figuren fand ich toll beschrieben, alles in allem ein sehr guter Thriller, der viel Freude bei der Lektüre macht.

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Dienstag, 23. April 2019

Hanna Caspian "Gut Greifenau. Morgenröte"


Der Erste Weltkrieg neigt sich dem Ende entgegen und das Leben auf Gut Greifenau muss irgendwie weitergehen. Katharina weigert sich nach wie vor, den ungeliebten Neffen des Kaisers zu heiraten und gerät in einen regelrechten Krieg mit ihrer Mutter, wer sich durchsetzen kann. Konstantin wurde schwer verletzt und versteckt sich bei der Dorflehrerin Rebecca vor möglichen Feinden. Kann ihre alte Liebe so wieder aufflammen? Während das ganze Land auf einen großen Umbruch zusteuert, versuchen alle auf Gut Greifenau, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen.
Mir hat der dritte und letzte Band der auf Gut Greifenau spielenden Reihe wieder sehr gut gefallen, die Charaktere sind toll beschrieben und sehr gut in die historischen Tatsachen eingebunden. Am Beispiel von Katharina und Konstantin wird deutlich, wie sehr sich das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg gewandelt hat, wie selbstbewusst Frauen und Arbeiter jetzt auftraten und auch, wie schwer es die alten Landgüter hatten, die im Krieg viel Geld in Kriegsanleihen investiert hatten. Es war eine wechselvolle Zeit in der deutschen Geschichte und die Autorin Hanna Caspian schafft es auf großartige Weise, ein Gesamtbild zu zeichnen und alle gesellschaftlichen Schichten zu Wort kommen zu lassen. Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig und bildhaft, so dass man schnell in die Geschichte hineingezogen wird und das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen kann. Für die Lektüre würde ich jedoch empfehlen, zunächst die anderen beiden Bände zu lesen, um den Gesamtzusammenhang der Figurenkonstellationen besser verstehen zu können.
„Gut Greifenau. Morgenröte“ beendet die Trilogie rund um das Landgut Greifenau und die dort lebende Familie von Auwitz-Aarhayn mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung einer Republik auf deutschem Staatsgebiet. Eine wirklich gelungene Reihe, die viel Freude beim Lesen macht und einen mitnimmt auf eine spannende Reise, zu interessanten Charakteren und großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für die ganze Gut Greifenau- Reihe.

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Montag, 15. April 2019

Katherine Dion "Die Angehörigen"


Als Genes Frau Maida stirbt, ist es nicht nur für ihn persönlich ein furchtbarer Verlust. Auch Familie und Freunde trauern. In Gesprächen mit seiner Tochter und seinen guten Freunden Gayle und Ed hat er immer mehr das Gefühl, dass „seine“ Maida nur wenig mit ihren Erzählungen zu tun hat, dass die Wahrnehmung so unterschiedlich war und er vielleicht auch einfach längst nicht alle Facetten seiner Frau kannte. Der Verlust bringt sein Leben durcheinander und zwingt ihn gleichzeitig, sich selbst und sein Leben zu hinterfragen.
Mir haben besonders die Stimmung und die poetische Sprache des Romans sehr gut gefallen. Genes Perspektive ist äußerst faszinierend und besonders die Beschäftigung mit seiner Tochter fand ich sehr emotional, dass er sich wirklich hinterfragt und versucht, Dinge richtig zu machen, während sie ihm dennoch immer weiter entgleitet. Ohne seine langjährige Ehefrau muss er plötzlich eine neue gesellschaftliche Rolle spielen, in die er nur schwer hineinfindet. Die Autorin Katherine Dion erzählt seine Geschichte so feinsinnig und sanft, als wolle sie ihn nach diesem Verlust nicht auch noch verletzen, sondern vorsichtig wieder auf die Beine stellen. Keine der Figuren fand ich gänzlich sympathisch, man stellt sich auf keine Seite, das war es, was das Buch für mich so interessant gemacht hat. Es gibt kein richtig und kein falsch, jeder versucht seinen Weg zu gehen und der von Gene steht hier deutlich im Mittelpunkt.
Mir hat „Die Angehörigen“ von Katherine Dion gut gefallen, es ist ein schöner und flüssig geschriebener Roman mit einzigartigen Figuren in einer Krisensituation ihres Lebens. Ich habe mich als Leserin sehr mitgenommen und berührt gefühlt von Genes und Maidas Geschichte.

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