Dienstag, 21. Mai 2019

Ursula Poznanski "Vanitas - Schwarz wie Erde"


Endlich ein neuer Thriller von Ursula Poznanski und dass es auch noch der Auftakt zu einer neuen Reihe ist, gefiel mir besonders gut. In „Vanitas – Schwarz wie Erde“ geht es um eine Frau, die als Informantin für die Polizei gearbeitet hat, bis es zu gefährlich wurde und sie ihren eigenen Tod vortäuschen musste. Jetzt lebt sie unter einem Decknahmen in Wien und will einfach nur alles vergessen, als ihr alter Kontaktmann der Polizei sie wieder anspricht. Sie soll in München Kontakt zur Tochter eines Baulöwen aufnehmen und herausfinden, was es mit den Unfällen auf Münchener Baustellen auf sich hat. Was einfach klingt, entpuppt sich als komplizierter Fall mit vielen Protagonisten, in dem ein lange zurückliegendes Verbrechen eine große Rolle spielt.
Ursula Poznanski ist für mich ein Garant für großartige Thriller-Unterhaltung und das bestätigt sie auch in ihrem aktuellen Roman. Die Figuren sind spannend und differenziert ausgearbeitet, der Fall ist komplex und dennoch gut verständlich dargestellt und mit der Hauptfigur hat das Buch wirklich das Potential, der Auftakt zu einer mitreißende Reihe zu sein. Die Protagonistin Carolin ist sympathisch, hat aber auch Ecken und Kanten, was die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Dass man nichts von ihrer Vorgeschichte weiß, die stückweise entblättert wird, macht einerseits den besonderen Reiz aus, war für mich aber teilweise auch ein klein wenig störend, da ich das Gefühl hatte, es müsste schon ein Buch vorher geben, das ich nicht gelesen hatte. Wenn man sich damit arrangiert hat, ist es aber ein sehr spannender Roman, der einen richtig mitreißt.
„Vanitas – Schwarz wie Erde“ ist der neueste Thriller von Ursula Poznanski und mir hat der Roman sehr gut gefallen, er ist spannend und sehr überraschend mit einer tollen Protagonistin. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band der Reihe. 

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Donnerstag, 16. Mai 2019

Bernhard Kegel "Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren"


Dass Dinosaurier nicht nur Kinder begeistern, zeigt sich spätestens seit im Berliner Naturkundemuseum mit Tristan ein nahezu perfektes Skelett eines Tyrannosaurus Rex ausgestellt wird, der Kopf so schwer, dass er in einer extra Vitrine steht. Bernhard Kegel schreibt quasi das Buch zum Tristan-Hype und kann mit „Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren“ auch auf ganzer Linie überzeugen.
Zu Recht bemerkt der Autor zu Beginn, dass es für Erwachsene kaum Dinosaurierbücher gibt, fast alle sind auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtet. Bernhard Kegel schafft es jedoch auf sehr interessante Art und Weise aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Geschichte der Paläontologie und den Vorstellungen, die Jurassic Park vermittelt, miteinander zu verknüpfen. Immer wieder räumt er verbreitete Gerüchte aus und kann auch mit neuen Erkenntnisse glänzen. Der gefiederte Dinosaurier macht zwar den Lückenschluss zum heutigen Vogel leichter, ist für viele jedoch nur schwer vorstellbar. Dennoch häufen sich die Funde, die belegen, dass viele Dinosaurier nicht grau und gewalttätig waren wie die Echsen in den Filmen, sondern gefiedert, vielleicht sogar bunt und auch nicht immer so brutal. Auf jeden Fall waren sie wohl nicht in der Lage, sich lange Verfolgungsjagden zu liefern, nicht der Tyrannosaurus Rex und schon gar nicht die riesigen Sauropoden, die noch eher aus „In einem Land vor unserer Zeit“ bekannt sind. Die riesigen Pflanzenfresser müssen einen äußerst komplexen Verdauungsapparat gehabt haben, wie Kegel erklärt und sind auch sonst fast ein Wunder der Natur.
Mir hat das Buch „Ausgestorben, um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren“ ausgesprochen gut gefallen, es ist leicht verständlich geschrieben und bietet sehr fundiertes Grundlagenwissen zur Paläontologie und ihren Erkenntnissen. Wem das „Was ist Was Dinosaurier“ aus Kinderjahren nicht mehr reicht, der ist hier genau richtig.

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Dienstag, 7. Mai 2019

Marie Lacrosse "Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben"


Das Leben auf dem Weingut der Gerbans geht weiter, während Irene in Lambrecht lebt und als Näherin in einer Fabrik arbeitet. Es sind die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts und die Arbeiterbewegung beginnt sich zu formieren. Irene lernt Josef Hartmann kennen, der den örtlichen Arbeiterverein leitet und sie versucht, mit ihm ein neues Leben zu beginnen und Franz zu vergessen. Der überwirft sich währenddessen immer wieder mit seinem Vater und versucht, als Erbe im Weingut Fuß zu fassen. Das Leben scheint Irene und Franz immer weiter voneinander zu entfernen, bis Pauline, die Mutter von Franz, endlich eingreifen kann.
Mir hat der auch der zweite Band der Weingut-Reihe von Marie Lacrosse sehr gut gefallen. Es sind wieder viele historische Aspekte, die eine wichtige Rolle spielen, nicht nur die Arbeiterbewegung und die Industrialisierung sondern auch die Angliederung des Elsass an das Deutsche Reiche und die damit verbundenen Veränderungen für die Bevölkerung. Die vielen historischen Fakten bindet die Autorin spielend einfach in eine berührende Liebesgeschichte ein, die einen als Leserin sofort mitnimmt. Irene und Franz sind mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen und wie übel ihnen mitgespielt wird, kann einen nur wütend machen. Man hofft und leidet also die ganzen 700 Seiten mit ihnen, damit sie endlich wieder zusammenfinden können. Ob das wirklich möglich ist, möchte ich hier offen lassen, es ist auf jeden Fall wieder sehr spannend für das junge Paar.
„Das Weingut . Aufbruch in ein neues Leben“ ist ein wunderbar geschriebener historischer Roman, der keineswegs als kitschige Liebesgeschichte daherkommt sondern vielmehr ein großartig recherchierter und mit vielen Details beschriebener Roman ist, der viel Freude macht. Jetzt heißt es abwarten, denn im September diesen Jahres erscheint der dritte Band, in dem wir hoffentlich wieder viel Neues von den Hauptfiguren erfahren.


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Dienstag, 30. April 2019

Martin Walker "Menu surprise"


Bruno ist wieder da, doch seine Arbeit hat sich verändert. Nach einer Beförderung ist er für ein viel größeres Gebiet zuständig und er ist besorgt, ob er sich noch so um Saint-Denis kümmern kann, wie bisher. Als seine Freundin Pamela ihn bittet, einen vermissten Gast von ihr zu finden, stößt er auf einen Doppelmord, der sehr viel größere Ausmaße annimmt als zunächst vermutet. Fast nebenbei hilft er Pamela bei ihren Kochkursen, sorgt sich um die  Rugby-Spielerin Paulette, die wichtige Zukunftsentscheidungen treffen muss und trifft wieder auf Isabelle, die Frau, die ihn einfach nicht loslässt. Es ist also wieder alles dabei, was ein guter Bruno-Krimi braucht.
Mir hat „Menu Surprise“ besonders gut gefallen, weil einerseits der Falls so spannend war, man andererseits aber auch eine neue Seite von Bruno kennengelernt hat. Er ist jetzt mehr Chef, muss delegieren und sich absprechen, das fordert ihn, denn eigentlich hat er immer in seinem eigenen Tempo gearbeitet. Dass er dabei auf keinen Fall seinen Heimatort vernachlässigen will, ist klar und sein gesellschaftliches Engagement schränkt er gar nicht ein. Er ist unglaublich sympathisch und man fragt sich langsam, wann denn endlich die Frau fürs Leben auftaucht. Isabelle scheint es jedenfalls nicht zu sein, auch wenn es sie immer wieder ins Périgord verschlägt. Martin Walkers Romane sind wirklich literarische Krimis, er braucht keine Explosionen und Verfolgungsjagden sondern Wein– und Käseverkostungen, um die Leser mitzunehmen in Brunos Welt. Essen verbindet, und so holt Bruno auch in diesem Band wieder alle Beteiligten an einen Tisch, um mit den Ermittlungen voranzukommen. Und wie immer gelingt dies in seiner ruhigen Art hervorragen.
Ich bin ein uneingeschränkter Fan der Bruno-Krimis von Martin Walker, sie zu lesen ist wie Urlaub machen, man verschwindet in der Welt des Périgord und darf gleichzeitig noch einen spannenden Fall lösen. „Menu surprise“ reiht sich nahtlos in die großartige Romanreihe ein und ich freue mich schon jetzt auf den zwölften Fall von Bruno, der hoffentlich im nächsten Jahr erscheinen wird. Die Wartezeit muss ich mir mit ein paar alten Bänden versüßen, die ich noch nicht gelesen habe.

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Donnerstag, 25. April 2019

Dov Alfon "Unit 8200"


Als in Paris am Flughafen ein Israeli nach der Landung entführt und ermordet wird, werden viele Fragen aufgeworfen. War er vielleicht gar nicht das Ziel der Attentäter und alles nur eine Verwechslung? War es nur ein Fall von Drogenkriminalität oder eine große Spionageaffäre? Oberst Abadi, Chef der Unit 8200 befindet sich zufällig in Berlin und ermittelt gemeinsam mit der französischen Polizei, während seine Stellvertreterin in Israel die Fäden zusammenhalten und ihn unterstützen soll. Doch so lange sie nicht weiß, was eigentlich hinter der ganzen Geschichte steckt, fällt es ihr schwer, Abadi zu vertrauen.
„Unit 8200“ stand in Israel wochenlang auf der Bestsellerliste und begründet seine Spannung hauptsächlich aus den guten Insiderkenntnissen seines Autors. Denn Dov Alfon war selber Geheimdienstoffizier in der Unit 8200, gleichzeitig überschneidet sich seine Biographie an vielen Stellen mit der seines fiktionalen Charakters Abadi, was diesen besonders glaubwürdig macht. Stellenweise hatte der Thriller für mich ein paar längen, aber der Stil des Autors und die gute Beschreibung der Charaktere machen den ganzen Roman zu einer runden Sache. Lange tappt man als Leser selbst im Dunkeln, wie auch die Geheimdienste, es spielen so viele kleine Aspekte zusammen, die den Thriller zu einem Gesamtkunstwerk machen, das sich am Ende jedoch problemlos auflöst und keine logischen Unklarheiten zurücklässt. Dies ist eine besondere Leistung bei der Menge an verschiedenen Abteilungen der Nachrichtendienste und Personen mit den verschiedensten Eigeninteressen. Durch die gute Beschreibung verliert man jedoch auch als Leser*in nicht den Überblick und kann der Handlung gut folgen.
Mir hat der „Unit 8200“ von Dov Alfon sehr gut gefallen, der Thriller zeigt sehr realistisch das komplizierte Zusammenspiel der Nachrichtendienste und welche Kreis es ziehen kann, wenn Teile davon im Ausland agieren. Auch die Figuren fand ich toll beschrieben, alles in allem ein sehr guter Thriller, der viel Freude bei der Lektüre macht.

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Dienstag, 23. April 2019

Hanna Caspian "Gut Greifenau. Morgenröte"


Der Erste Weltkrieg neigt sich dem Ende entgegen und das Leben auf Gut Greifenau muss irgendwie weitergehen. Katharina weigert sich nach wie vor, den ungeliebten Neffen des Kaisers zu heiraten und gerät in einen regelrechten Krieg mit ihrer Mutter, wer sich durchsetzen kann. Konstantin wurde schwer verletzt und versteckt sich bei der Dorflehrerin Rebecca vor möglichen Feinden. Kann ihre alte Liebe so wieder aufflammen? Während das ganze Land auf einen großen Umbruch zusteuert, versuchen alle auf Gut Greifenau, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen.
Mir hat der dritte und letzte Band der auf Gut Greifenau spielenden Reihe wieder sehr gut gefallen, die Charaktere sind toll beschrieben und sehr gut in die historischen Tatsachen eingebunden. Am Beispiel von Katharina und Konstantin wird deutlich, wie sehr sich das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg gewandelt hat, wie selbstbewusst Frauen und Arbeiter jetzt auftraten und auch, wie schwer es die alten Landgüter hatten, die im Krieg viel Geld in Kriegsanleihen investiert hatten. Es war eine wechselvolle Zeit in der deutschen Geschichte und die Autorin Hanna Caspian schafft es auf großartige Weise, ein Gesamtbild zu zeichnen und alle gesellschaftlichen Schichten zu Wort kommen zu lassen. Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig und bildhaft, so dass man schnell in die Geschichte hineingezogen wird und das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen kann. Für die Lektüre würde ich jedoch empfehlen, zunächst die anderen beiden Bände zu lesen, um den Gesamtzusammenhang der Figurenkonstellationen besser verstehen zu können.
„Gut Greifenau. Morgenröte“ beendet die Trilogie rund um das Landgut Greifenau und die dort lebende Familie von Auwitz-Aarhayn mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung einer Republik auf deutschem Staatsgebiet. Eine wirklich gelungene Reihe, die viel Freude beim Lesen macht und einen mitnimmt auf eine spannende Reise, zu interessanten Charakteren und großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für die ganze Gut Greifenau- Reihe.

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Montag, 15. April 2019

Katherine Dion "Die Angehörigen"


Als Genes Frau Maida stirbt, ist es nicht nur für ihn persönlich ein furchtbarer Verlust. Auch Familie und Freunde trauern. In Gesprächen mit seiner Tochter und seinen guten Freunden Gayle und Ed hat er immer mehr das Gefühl, dass „seine“ Maida nur wenig mit ihren Erzählungen zu tun hat, dass die Wahrnehmung so unterschiedlich war und er vielleicht auch einfach längst nicht alle Facetten seiner Frau kannte. Der Verlust bringt sein Leben durcheinander und zwingt ihn gleichzeitig, sich selbst und sein Leben zu hinterfragen.
Mir haben besonders die Stimmung und die poetische Sprache des Romans sehr gut gefallen. Genes Perspektive ist äußerst faszinierend und besonders die Beschäftigung mit seiner Tochter fand ich sehr emotional, dass er sich wirklich hinterfragt und versucht, Dinge richtig zu machen, während sie ihm dennoch immer weiter entgleitet. Ohne seine langjährige Ehefrau muss er plötzlich eine neue gesellschaftliche Rolle spielen, in die er nur schwer hineinfindet. Die Autorin Katherine Dion erzählt seine Geschichte so feinsinnig und sanft, als wolle sie ihn nach diesem Verlust nicht auch noch verletzen, sondern vorsichtig wieder auf die Beine stellen. Keine der Figuren fand ich gänzlich sympathisch, man stellt sich auf keine Seite, das war es, was das Buch für mich so interessant gemacht hat. Es gibt kein richtig und kein falsch, jeder versucht seinen Weg zu gehen und der von Gene steht hier deutlich im Mittelpunkt.
Mir hat „Die Angehörigen“ von Katherine Dion gut gefallen, es ist ein schöner und flüssig geschriebener Roman mit einzigartigen Figuren in einer Krisensituation ihres Lebens. Ich habe mich als Leserin sehr mitgenommen und berührt gefühlt von Genes und Maidas Geschichte.

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Donnerstag, 11. April 2019

Uwe Rademacher "Der Papiermörder"


Jonathan Dawson arbeite zusammen mit seinem Team als Sondermittler für die Polizei, bei schwierigen Fällen werden sie hinzugezogen. Als in Duisburg ein Serienmörder umgeht, der im Mund der Opfer Zettel mit Gedichten hinterlässt, soll er mit Sasha und Eddie schnellstmöglich den Täter finden. Doch die alteingesessenen Kommissare vor Ort machen es ihm nicht leicht und dann ist da auch noch eine verflossene Liebe, auf die er bei den Ermittlungen trifft. Es ist einiges los und der Mörder mordet munter weiter, er scheint nicht zu stoppen zu sein.
Mir hat dieser Thriller unglaublich gut gefallen, mit sympathischem Personal, einigen Verwicklungen und einem sehr spannenden Kriminalfall  vereint Uwe Rademacher in „Der Papiermörder“ wirklich alles, was einen großartige Thriller ausmacht. Der Fall ist zwar kompliziert, aber der Täter beginnt Fehler zu machen und so fiebert man bei der Lektüre mit den Ermittlern mit und leidet mit ihnen bei jedem Rückschlag genauso wie man mit grübelt und versucht, Zeichen zu interpretieren. Die Lesezeit ist bei mir regelrecht verflogen und ich war schon etwas enttäuscht, als ich das Buch beendet hatte, ich hätte gerne noch weitergelesen. Daher hoffe ich auf noch viele Fälle mit diesem sympathischen Ermittlerteam, es würde sich wirklich anbieten, die Reihe fortzuführen.
„Der Papiermörder“ von Uwe Rademacher ist ein Buch voller Hochspannung, mit sympathischen Figuren, einer logischen und mitreißenden Story, von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses Buch!

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Montag, 8. April 2019

Lucy Foley "Die leuchtenden Tage am Bosporus"


Als die europäischen Entente-Mächte das osmanische Reich besetzen, wird Nurs Stadt Stambul  zu Konstantinopel, ihre Familie muss ihr Haus verlassen, der Lebensstandard der Menschen sinkt rapide. Gleichzeitig kämpft ihr Bruder in Russland an der Front und wird Zeuge des Völkermordes an den Armeniern. Die Welt von Nur ist aus dem Gleichgewicht geraten, dennoch nimmt sie einen hilflosen Jungen auf und versucht, ihm Bildung und Nahrung zukommen zu lassen. Als er erkrankt, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zu einem englischen Arzt, obwohl der eigentlich der Feind ist. Eine feine Geschichte entspinnt sich dem Besatzer und der jungen Frau, die beide nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.
Die Geschichte von Nur und dem Jungen wird nicht stringent erzählt sondern springt immer wieder, sowohl in der Zeit als auch in der Erzählperspektive, so dass der Leser gefordert ist, um der Geschichte folgen zu können. Die Beschreibungen sind blumig und ausschweifend, alles erinnert an orientalische Geschichten, was sehr gut zur Idee des Buches passt. Leider konnte mich die Autorin Lucy Foley mit ihrem neuesten Buch „Die leuchtenden Tage am Bosporus“ nicht richtig mitnehmen. Die Hauptfiguren blieben für mich sehr flach und hatten wenig Kanten, die Handlung floss zwar schön dahin, war mir aber oft zu träge und es passierte einfach zu wenig, um Spannung aufzubauen. Auch wenn ich die gesamte Stimmung und die poetische Sprache sehr schön fand, reizt es einen nicht genug, um das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen, für mich konnte die Autorin keinen Spannungsbogen aufbauen, der die Handlung interessant gemacht hätte.
Leider war ich von Lucy Foley Roman „Die leuchtenden Tage am Bosporus“ enttäuscht, trotz der schönen Stimmung und des interessanten historischen Settings, konnte sich einfach keine Spannung aufbauen und das Buch blieb für mich seltsam belanglos.

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Dienstag, 2. April 2019

Pierre Lemaitre "Die Farben des Feuers"


Nach dem Tod ihres Vaters soll Madelaine die Bank Péricourt übernehmen, das Leben von ihr und ihrem Sohn Paul könnte friedlich und in Wohlstand verlaufen. Doch am Tag der Beerdigung stürzt sich der Junge aus dem Fenster und erleidet schwere Verletzungen, danach fällt Madelaine den Intrigen ihres Onkels und dem Vorsitzenden der Bank zum Opfer und verliert alles. Ganz unten angekommen, sinnt sie auf Rache und setzt einen perfiden Plan um, der Stück für Stück alle ins Verderben reißen soll, die ihr und besonders ihrem Sohn etwas angetan haben.
Mir hat bei diesem Roman besonders der Stil sehr gut gefallen, der Erzähler vermittelt die Geschichte mit einer Ironie, die vermuten lässt, dass er das Böse, das immer wieder passiert, fast genießt. Es ist ein bitterböser Unterton, der von den menschlichen Abgründen berichtet, von Hass, Neid und Missgunst. Mir hat der Roman gut gefallen, auch wenn er zeitweise seine Längen hatte und die Geschichte mir manchmal nicht schwungvoll genug voran ging. Mit der Protagonistin Madelaine bin ich auch nicht richtig warm geworden, dadurch ist mir die Geschichte auch nicht richtig nahe gegangen. Die Idee der Story und die zeitgeschichtlichen Aspekte am Vorabend des Zweiten Weltkriegs fand ich jedoch sehr interessant, so dass ich mit dem Buch wieder ausgesöhnt war.
Pierre Lemaitres Roman „Die Farben des Feuers“ hat mir gut gefallen, besonders der der Erzähstil ist sehr interessant und macht das Buch lesenswert. Alles in allem finde ich den Roman eine runde Sache, auch wenn er mich nicht restlos begeistern konnte.

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Donnerstag, 21. März 2019

Marc Elsberg "Gier"


In Berlin findet ein großer Wirtschaftsgipfel statt, während die Welt auf eine Finanzkatastrophe zusteuert, die das Jahr 2008 problemlos übertreffen könnte. Der Nobelpreisträger Thompson ist auf dem Weg zu seiner mit Spannung erwarteten Rede zum dem Gipfel, als sein Wagen verunglückt, mit ihm stirbt Will Cantor, der gemeinsam mit ihm gearbeitet hat. Jan Wutte ist zufällig Zeuge bei dem Unfall und will helfen, als Unbekannte das Auto mit den Verletzten in Brand stecken. Wutte muss fliehen, er wird von der Polizei des Mordes verdächtigt und gleichzeitig ist er der einzige, der die Wahrheit herausfinden kann. Denn kurz vor seinem Tod gab ihm der Verletzte Anhaltspunkte, die Begriffe Piel, Golden Bar und Chantale oder etwas Ähnliches meint er verstanden zu haben. Jan versucht auf eigene Faust, den Fall zu klären – ein Kampf gegen die Polizei, die Zeit und seine Verfolger.
Der letzte Roman von Marc Elsberg war „Helix“, meiner Meinung nach ein Meisterwerk als Wissenschaftsthriller, in dem der Autor neueste Erkenntnisse der Genforschung mit einem spannenden Thriller verband. Ähnliches hatte ich von „Gier“ erwartet, wurde jedoch enttäuscht. Wieder hat sich Elsberg einem sehr spannenden Thema zugewandt, dieses Mal dem Kapitalismus und der Unzufriedenheit vieler Menschen mit der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Leider schafft Elsberg es dieses Mal jedoch nicht, seine Figuren so aufzubauen, dass sie die Story vorantreiben, vielmehr dümpeln sie in seinem Plot vor sich hin und wirken oftmals verloren. Egal ob Jan Wutte, der fälschlicherweise des Mordes verdächtigt wird oder die Polizistin Maja, die ihn jagt, den Charakteren fehlen durchweg die Details, um sie glaubwürdig zu machen. Sie sind wie Schemen, zu denen man keinerlei Beziehung aufbaut. Darunter leidet die ganze Story, deren Idee zwar sehr spannend ist, die aber einfach nicht so richtig in Fahrt kommen will. Den wirtschaftstheoretischen Aspekt des Buchs fand ich sehr unterhaltsam, als Thriller konnte es mich jedoch einfach nicht richtig mitreißen.
Marc Elsberg schafft es immer wieder, in seinen Romanen den Zeitgeist aufzugreifen und über Themen zu schreiben, die die Menschen bewegen. „Gier“ fand ich jedoch nicht so gelungen, da die Figuren zu flach sind und einfach kein richtiges Tempo in der Story aufkommt. Ich habe von dem Autor schon viel bessere Romane gelesen.

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Mittwoch, 20. März 2019

Sky Montgomery "Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen"


Sky Montgomery ist ein echter Tiermensch, egal ob Hund, Huhn oder Oktopus, sie versteht es, eine besondere Bindung aufzubauen. In diesem Band erzählt sie nun von den Tieren, die ihr in ihrem Leben begegnet sind und welchen besonderen Einfluss sie in den verschiedensten Situationen auf sie hatten. Tiere sind für sie vielleicht ein bisschen die besseren Menschen, auf jeden Fall können sie uns ein Vorbild sein in Freundschaft, Loyalität und auch Emotionalität.
Man merkt der Autorin an, dass ihr dieses Buch ein echtes Herzensanliegen war, denn sie schreibt mit so viel Zuneigung und Wärme von den Tieren, dass man sie als echte Freunde und Weggefährten wahrnimmt. Die Geschichten sind dabei genauso unterhaltsam wie lehrreich und machen aus diesem Band eine sehr schöne Lektüre. Die einzelnen Episoden lassen sich gut unabhängig voneinander lesen, so dass es möglich ist, immer wieder einzusteigen und sich eine kleine Geschichte zwischendurch zu gönnen, während man sich vielleicht durch dicke Krimis oder schwere Gegenwartsliteratur arbeitet. Dazu gibt es ganz zauberhafte Illustrationen, die das Buch zu etwas ganz Besonderem machen, denn die beschriebenen Tiere bekommen damit auch gleich ein ganz wunderbares Gesicht.
„Einfach Mensch sein“ von Sky Montgomery ist ein wunderbarer Band von Berichten über das Leben mit Tieren und ihren Einfluss auf die Autorin. Mir haben die Geschichten sehr gut gefallen, die Lektüre war einfach eine Freude.

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Dienstag, 19. März 2019

Anders Roslund / Börge Hellström "Drei Stunden"


Piet Hoffmann wollte eigentlich in Frieden leben und nichts mehr mit Ewert Grens von der schwedischen Polizei zu tun haben, nachdem er mit seiner Familie zurück nach Schweden gezogen ist und alle Altlasten beerdigt wurden. Doch als in Schweden über siebzig Leichen von afrikanischen Flüchtlingen in einem Container gefunden werden, wendet sich der Polizist an seinen alten Bekannten und bittet um Hilfe. Hoffmann ist beruflich in Afrika und soll die Schleuserorganisation infiltrieren, um die Kontaktmänner in Europa zu überführen. Wieder einmal muss er sich und seine Familie in Gefahr bringen, am Ende hat er drei Stunden Zeit, um alles zum Abschluss zu bringen.
Die Krimis um Piet Hoffmann gefallen mir einfach sehr gut und meiner Meinung nach ist jeder Band etwas besser als der Vorgänger. Hoffmann saß für die schwedische Polizei im Knast und war Kontaktmann zur polnischen Mafia, er hat sich in Kolumbien für die amerikanische Polizei in einen Drogenring einschleusen lassen und jetzt muss in er Afrika eine Schleuserbande zerstören. Die Themen sind sehr abwechslungsreich, dabei immer unglaublich gut recherchiert und detailliert beschrieben, so dass man bei der Lektüre sofort in die Story einsteigen kann. Hoffmann ist nicht unbedingt eine sympathische Hauptfigur und auch der Polizist Grens besteht überwiegend aus Ecken und Kanten, doch die beiden wachsen einem unweigerlich ans Herz und man leidet mit ihnen bei ihrem Kampf für mehr Gerechtigkeit. Der Stil des Autorenduos Roslund und Hellström ist dabei genauso spannend wie informativ, was das die besondere Grundlage des Romans ausmacht.
Den schwedischen Autoren Anders Roslund und Börge Hellström ist mit „Drei Stunden“ wieder ein spannender Thriller mit vielen aktuellen Bezügen zur Flüchtlingsproblematik und den Schleuserbanden auf dem Mittelmeer gelungen. Die Story lässt einen nicht kalt und mit den bekannten Protagonisten ist der Thriller eine großartige Unterhaltung für alle Leserinnen und Lesern.

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Mittwoch, 13. März 2019

Corinna Mell "Marienfelde"


Berlin in den 50er Jahren: Der Krieg ist endlich vorbei und das Wirtschafts- wunder bringt Deutschland voran. So auch Sonjas Familie, ihr Vater erweitert den kleinen Fahrdienst und übernimmt ein VW Autohaus. Während es in Westdeutschland aufwärts geht, lebt Sonjas Onkel in Ostberlin und ist glühender SED-Anhänger. Mit dem Mauerbau reißt der Kontakt immer weiter ab, Sonja ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder, als ihr Onkel sie um Hilfe bittet. Sie soll ihn und seine Familie aus Ostberlin rausholen, sie werden von der Stasi drangsaliert. Ihr Mann Jürgen sieht nicht, wieso sie ihrem Onkel helfen will und die Ehe steht auf der Kippe. Wird ihre Familie an dem Streit zwischen Ost- und Westdeutschland zerbrechen?
In ihrem Roman „Marienfelde“ schildert Corinna Mell das Leben in den 50er und 60er Jahren in Berlin und die besondere Situation durch Konfrontation von Sozialismus und Kapitalismus in einer Stadt. Sehr gut beschreibt sie die politische Lage, aber besonders auch das Leben der normalen Menschen und wie es durch die Verhältnisse beeinflusst wurde. Das geht bei der Teilung von Familien durch die Grenze los, die Angst vor einem Krieg und die damit verbundenen Vorsichtsmaßnahmen. Gleichzeitig geht es aber auch um den Alltag, die Veränderung der Mode, das Frauenbild und die Entwicklung des Wohlstandes am Beispiel des Autohauses. Mir hat die gesamte Konstruktion sehr gut gefallen, die Autorin liefert ein schönes Bild der Zeit mit sympathischen Figuren, die einen die Geschichte gut erleben lassen und mitnehmen. Man erlebt mit Sonja ihre Backfischzeit im Internat, ihre Zeit kurz vor der Ehe und ihr Leben als junge Mutter in den 60er Jahren, was ich sehr faszinierend fand. Ihr Selbstbild als Frau, die hinter ihrem  Mann zurückstehen muss und dafür zuständig ist, Heim und Kinder zusammenzuhalten und sonst keine Aufgaben hat, ist mir persönlich heute sehr fremd und wirkt regelrecht antiquiert. Hier zeigt sich deutlich, wie sehr sich das Frauenbild in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt hat. Auch wenn Sonja schon eine sehr selbstständige Frau ist, kommt sie oftmals gar nicht auf die Idee, diese Rolle zu hinterfragen.
Der Roman liefert ein Bild der Alltagssituation, was allerdings auch dazu führt, dass es zwar interessant zu lesen ist, ihm teilweise aber etwas der Spannungsbogen fehlt, der alles zusammenhält. Es sind eher einzelne Episoden in Sonjas Leben, die ohne größeren Rahmen erzählt werden, was dennoch unterhaltsam ist. Ich habe mich allerdings gefragt, ob der Verfasser des Klappentextes den Roman überhaupt wirklich gelesen hat, so unpassend erschien mir diese Kurzfassung im Verhältnis zum gesamten Roman.
„Marienfelde“ bildet das Leben der Menschen im Westberlin der 50er und 60er Jahre sehr umfassend ab und gibt dem Leser ein schönes Bild des Lebens der Protagonisten. Eine leichte Lektüre, die unterhaltsam ist und dennoch einen schönen historischen Überblick vermittelt.

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Montag, 11. März 2019

Guide Me Travel Map Deutschland


Die Idee fand ich auf den ersten Blick super: Eine Karte, die als Reiseführer funktioniert und nebenbei noch zum coolen Reiseposter wird, das man nach der Reise als Deko in der Wohnung aufhängen kann, mit Aufklebern und eingezeichneter Reiseroute. Soweit die gute Idee. In der Praxis konnte mich die Zip-Karte dann leider nicht so richtig überzeugen. Ich habe die Deutschland-Karte, da ich gerne auch mal Kurztrips mit dem Auto mache und da bietet sich Deutschland natürlich an.
Doch da kommt man bei der Karte auch schon zu Problemen: Als Städtekarte sind Berlin und Hamburg dabei, die Pläne von Städten wie zumindest München und vielleicht noch Köln sucht man vergeblich. Die Tipps der Karte eigenen sich auch eher für Besucher, die nicht selber aus Deutschland kommen, sondern aus dem weiter entfernten Ausland, sonst scheint doch alles sehr banal und oberflächlich. Schloss Neuschwanstein ist sicher kein Geheimtipp, das Oktoberfest auch nicht. Da die Karte auf Deutsch ist und nicht auf Englisch, scheint sie sich jedoch an ein deutsches Publikum zu richten und das kann mit den Tipps vermutlich eher weniger anfangen, für die braucht man nicht mal einen Reiseführer, die meisten Sachen kennt man, sie sind überfüllt und gehören vermutlich zum Standard-Programm jeder amerikanischen oder asiatischen Reisegruppe.
Die Idee, die Karte später als Poster zu verwenden, finde ich dennoch schön, die Sticker sind optisch meiner Meinung nach nicht so toll, aber da könnte man ja eigene Sticker besorgen und verwenden. Dann bleibt jedoch die Frage, wozu überhaupt diese besondere Karte, denn Sticker auf eine Karte kleben, das kann ich mit jeder Karte machen.
Ich muss sagen, dass ich die Idee hinter der Karte richtig gut finde und vielleicht wäre sie für andere Länder auch besser geeignet als für Deutschland, wo man davon ausgehen kann, dass die meisten Touristen die Highlights zumindest schon mal gehört haben. Eine Karte wie diese richtet sich doch eher an Individualisten, die gerne ihre Route selbst planen und ein Land erkunden und dafür gab es im Informationsteil dann einfach zu wenige gute Tipps, die dabei geholfen hätten. Die Deutschlandkarte kann ich daher nicht wirklich empfehlen, für andere – unbekanntere- Länder, kann die Karte jedoch eine gute Reiseinspiration sein denke ich.

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Donnerstag, 7. März 2019

Kristin Hannah "Das Mädchen mit dem Schmetterling"


Dr. Julia Cates ist erfolgreiche Kinderpsychologin, bis sie die Situation einer Patientin falsch einschätzt und diese mehrere Jugendliche mit in den Tod nimmt. Als ihre Schwester Ellie sie um Hilfe in einem Fall bittet, macht sie sich also gerne auf den Weg, um L.A. und den Medienrummel hinter sich zu lassen. Doch was sie bei ihrer Schwester erwartet, übersteigt all ihre Vorstellungen: Ein kleines Mädchen wurde gefunden, sie spricht nicht und scheint jahrelang wild im Wald gelebt zu haben. Ganz langsam versucht Julia, ihr Vertrauen zu gewinnen und ihre Geschichte zu verstehen. Doch was wirklich passiert ist, kann keiner der Beteiligten auch nur ahnen.
„Das Mädchen mit dem Schmetterling“ ist eine unglaublich bewegende und anrührende Geschichte. Obwohl Julia selbst sehr verletzt ist, lässt sie sich voll auf die Therapie des Mädchens ein und beginnt, eine Bindung zu ihr aufzubauen. Die Entwicklungen, die sie erreicht, sind beeindruckend und nehmen einen bei der Lektüre ganz gefangen. Julia und Ellie sind zwei sehr gegensätzliche, aber spannende Protagonistinnen, die über diesen Fall selbst ihre Familiengeschichte langsam aufarbeiten. Dadurch baut man schnell eine emotionale Nähe zu diesen beiden Figuren auf und leidet mit ihnen genauso wie man sich mit ihnen freut. Neben der Haupthandlung hat Kristin Hannah noch einige kleine Nebenhandlungen mit ebenso charmanten Figuren eingeflochten, was das Buch noch unterhaltsamer und interessanter macht. Der mitreißende Erzählstil der Autorin trägt sein Übriges dazu bei, die Geschichte zu einem wirklich tollen und bewegenden Roman zu machen. Lediglich den Titel fand ich für die Geschichte völlig unpassend, da es lediglich eine Szene in dem Roman gibt, in dem ein Schmetterling auftaucht und diese völlig unbedeutend für die Geschichte ist.

Kristin Hannahs Roman „Das Mädchen mit dem Schmetterling“ ist großartige Unterhaltungsliteratur, die einem beim Lesen sehr bewegt und nicht unberührt zurücklässt. Das kleine Mädchen wächst einem sofort ans Herz und als Leser ist eine große Freude, ihre Geschichte zu begleiten. Mich hat der Roman total begeistert, wie alle anderen Romane der Autorin bisher auch.

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Mittwoch, 6. März 2019

Steve Brusatte "Aufstieg und Fall der Dinosaurer"


Wenige Tiere üben eine so unglaubliche Faszination auf die Menschen aus wie Dinosaurier. Vielleicht weil wir sie persönlich niemals getroffen haben, vielleicht weil ihr Ende so geheimnisumwoben ist oder auch nur, weil sie sich großartig für Horrorszenarien wie in „Jurassic Park“ eignen. Doch wer wirklich gute populärwissenschaftliche Literatur auf Deutsch zu den Dinosauriern sucht, wird schnell feststellen, dass einem bei jeder Suche hauptsächlich Kinderbücher vorgeschlagen werden. Umso mehr habe ich mich auf die Lektüre von „Aufstieg und Fall der Dinosaurier“ von Steve Brusatte gefreut. In seinem Sachbuch beschreibt Brusatte die Entstehung der unterschiedlichen Saurierarten eng verknüpft mit seinem Alltag als Paläontologe auf Fossiliensuche, die Blütezeit der Sauropoden und Tyrannosaurier in der Kreidezeit und ihr plötzliches Verschwinden von unserem Planeten.
Den Anfang des Buches habe ich als etwas sperrig empfunden, man muss sich in die Begrifflichkeiten erst einmal einfinden und die teilweise recht komplizierten Namen der verschiedenen Saurier helfen dem Lesefluss auch nicht unbedingt. Doch nachdem ich mich durch die ersten 50 Seiten eher durchgearbeitet hatte, hat mir die Lektüre immer mehr Freude gemacht. Brusatte beschreibt seine eigenen Erfahrungen auf sehr lebendige Art und Weise und verknüpft diese immer wieder mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, was den großen Spannungsfaktor des Buches ausmacht. Im weiteren Verlauf hat man immer mehr das Gefühl, einen guten Krimi zu lesen, die Suche nach bestimmten Fossilien um Theorien zu belegen oder auch überraschende Funde, die ganze Grundannahmen der Paläontologie in Frage stellen, nehmen einen wirklich mit. Man braucht kein Vorwissen, um das Buch problemlos verstehen zu können und wer sich für Paläontologie und Geologie interessiert, ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut bedient.
Steve Brusattes Buch „Aufstieg und Fall der Dinosaurier“ ist ein umfassendes und spannend geschriebenes Werk über die Entwicklung der Dinosaurier, ihre Erfolgsgeschichte, aber eben auch über ihren plötzlichen Untergang. Und er erklärt, warum wir heute eigentlich tagtäglich auf Dinosaurier treffen, ohne sie als solche wahrzunehmen. Oder könnte ihr zwischen der Taube vor dem Café und dem Tyrannosaurus Rex wirklich noch eine Verbindung sehen?


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Montag, 4. März 2019

Lars Kepler "Lazarus"


Jurek Walter sollte eigentlich tot sein und die Polizisten Joona Linna und Saga Baur dachten, sie hätten ihr Leben zurück. Denn Jurek ist ein brutaler Serienmörder, der es auf ihre Angehörigen abgesehen hatte, jahrelang lebte Joonas Tochter Lumi deshalb an einem geheimen Ort ohne Kontakt zu ihrem Vater. Doch als sich die Anzeichen häufen, dass Jurek überlebt haben könnte, verschwindet Joona schnell mit seiner Tochter, denn er war immer das Hauptziel des Mörders. Seine Kollegen sollen ihn finden und endlich töten, damit keiner mehr in Angst leben muss. Doch niemand will ihnen richtig glauben, dass Jurek Walter überlebt haben könnte und so muss erst viel Blut fließen, bis endlich alle Ermittlungskräfte gebündelt nach dem gefährlichen Mörder suchen. Ein brutales Rennen gegen die Zeit beginnt, denn ist bekannt, dass Jurek seine Opfer nicht gleich tötet, sondern erst leiden lässt. Können sie ihre Angehörigen noch rechtzeitig finden?
Ich habe selten ein so spannendes Buch gelesen wie „Lazarus“, dass aber gleichzeitig so gruselig und emotional bewegend war, dass ich es immer wieder zur Seite legen musste, um mir erst einmal eine Pause von der Handlung zu gönnen. Die Taten sind so grauenhaft und die Protagonisten dabei so gut beschrieben, dass einem die Geschichte unweigerlich so nahe geht, dass man nicht mehr loslassen kann. Der Plot ist unglaublich gut konstruiert und lässt am Ende keine Fragen offen, so unglaubwürdig einzelne Elemente unterwegs auch erscheinen mögen. „Lazarus“ ist der erste Krimi von Lars Kepler, den ich gelesen habe, ich kannte also die gesamte Vorgeschichte von Jurek Walter und Joona Linna nicht, doch alle Lücken wurden für neue Leser wunderbar gefüllt und ich hatte keine Probleme, der Handlung zu folgen. Auch die Figurenkonstellationen waren sofort logisch und bedurften wenig zusätzlicher Erklärung.
Lars Keplers Krimi „Lazarus“ ist eines der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, auch wenn die Brutalität des Täters einen beim Lesen sehr betroffen macht. Ein großartiges Buch, das einen nicht loslässt.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Bastei Lübbe Verlags. 

Sonntag, 3. März 2019

Lonely Planet "Legendäre Roadtrips"

Mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und neue Länder auf wunderschönen Strecken kennen zu lernen, ist eine herrliche Art Urlaub zu machen. Im Dumont Reiseverlag ist hierzu der Lonely Planet Reisebildband „Legendäre Roadtrips“ erschienen, das perfekte Buch für alle Reiseträumer - und planer. Von Nordeuropa bis Südafrika, von den USA und Südamerika bis Asien ist alles in dem Band vertreten, was man sich als Reiseziel nur vorstellen kann. Beschrieben sind berühmte Strecken ebenso wie Geheimtipps, wunderbar illustriert und als echter Erlebnisbericht geschrieben, lohnt sich der Band nicht nur für die Reisevorbereitung, sondern ist gleichzeitig ein gut lesbarer Reisebericht für viele Regionen. 
Mein einziger Kritikpunkt an dem Band ist die Darstellung der Strecken. Wer nicht nur träumen möchte, sondern wirklich eine Reise plant und dafür eine Strecke aus dem Buch nutzen möchte, sieht sich vor der Herausforderung, dass die dazugehörige Karte winzig klein und ohne geographische Punkte ist, die einem weiterhelfen könnte, auch Straßen selbst sind gar nicht eingezeichnet. So bleibt einem nur das Lesen des Berichts mit Landkarte und Stift in der Hand, um die geplante Route mühsam auf die Karte zu übertragen. 

„Legendäre Roadtrips“ ist ein wirklich tolles und hochwertig gestaltetes Buch, das allen Reisefreunden viel Freude machen wird. Nur für konkrete Planungen ist es nicht gut geeignet. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Dumont Reiseverlags. 

Donnerstag, 28. Februar 2019

Kristina Ohlsson "Sündengräber"


Endlich sind Alex Recht und Frederika Bergmann zurück. Ihr letzter großer Fall in der Salomon-Gemeinde sitzt ihnen auch lange danach noch in den Knochen und Frederika hat privat mit großen Sorgen zu kämpfen. Doch ein neuer Mord schafft schnell Ablenkung, ein Mann wird erschossen in seinem Sessel aufgefunden, der Ehering seiner toten Tochter am kleinen Finger. Wie eine Hinrichtung wirkt die Szenerie und schnell wird klar, dass es nicht der einzige Mord ist, der die beiden Ermittler beschäftigen soll. Weitere Leichen folgen, doch es fällt Alex und Frederika schwer, den gemeinsamen Nenner dieser Taten zu finden. Bis sich eine bedrückende Gemeinsamkeit zeigt, die beide eigentlich kaum glauben wollen.
Der – zumindest vorerst- letzte Frederika-Bergmann-Krimi ist wieder hochspannend und mitreißend geschrieben. Besonders der komplexe und unglaublich gut ausgefeilte Plot konnte mich auf ganzer Linie überzeugen. Wie die Ermittler tappt man als Leserin oder Leser die ganze Zeit im Dunkeln, fragt sich oft sogar, was einzelne Episoden des Romans mit der ganzen Story zu tun haben sollen, bis sich Stück für Stück alles zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Nachdem ich mit der Lektüre begonnen hatte, konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen, so viele Überraschungen und Wendungen gab es, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Auch der Abschluss für die Reihe, der nicht endgültig ist, aber dennoch erst einmal einen Schlusspunkt setzt, hat mir sehr gut gefallen. Kristina Ohlsson hat meiner Meinung nach mit diesem Krimi einfach alles richtig gemacht.
„Sündengräber“ von Kristina Ohlsson ist ein hochspannender Krimi mit großartigen Charakteren und einer perfekt konstruierten Story, die bis zur letzten Seite die Spannung hochhält. Ich kann dieses Buch nur allen Krimifans uneingeschränkt empfehlen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Limes Verlags. 

Mittwoch, 27. Februar 2019

Hiromi Kawakami "Die zehn Lieben des Nishino"


Herr Nishino ist ein wunderbarer Mann, er fasziniert die Frauen und hat gefühlt zehn an jedem Finger. Doch keine seiner Beziehungen hält, es will einfach nichts Festes entstehen. Kann er nicht lieben, sich nicht auf eine andere Person einlassen? Oder liegt es an den Frauen, die Nishino nicht so verstehen, dass er sich wohl fühlt?
Zehn Geschichten erzählt die Autorin Hiromi Kawakami, in denen Herr Nishino durch sein Leben begleitet wird. Es sind alles Episoden, die von seinen Liebschaften erzählen, aus denen jedoch nie richtige Liebe zu werden scheint. Die Autorin hat einen sehr schönen Stil und die Lektüre fließt wunderbar dahin, was auch an der genialen Übersetzerin Ursula Gräfe liegen mag, die schon das literarische Werk von Haruki Murakami für die deutschen Leserinnen und Leser erfassbar gemacht hat. Doch die Handlung an sich, die Idee der Autorin, konnte mich nicht richtig überzeugen und fesseln. So wie Herr Nishino sich nie richtig auf die Liebe einlässt, konnte mich das Buch nicht richtig mitnehmen, ich habe mich beim Lesen seltsam außen vor gefühlt. Die Geschichten sind  zwar schön erzählt, haben aber in mir nichts ausgelöst, keine Reaktion oder Emotion. Das Buch war zwar ganz nett zu lesen, blieb so aber flach und ohne Bedeutung, die einen auch beim Lesen weiter neugierig gemacht hätte.
Hiromi Kawakami hat einen ganz wunderbaren Stil und schreibt sprachlich sehr schön, die Erzählungen an sich konnten mich aber nicht richtig packen, so dass mich das Buch etwas ratlos zurückgelassen hat.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Hanser Literaturverlags. 

Montag, 25. Februar 2019

Manuela Inusa "Der fabelhafte Geschenkeladen"

Das Leben in der Valerie Lane in Oxford geht weiter und in diesem Band geht es um Orchid, die Besitzerin des Geschenkeladens. Bereits in den vorhergehenden Büchern war angedeutet worden, dass ihre Beziehung zu Patrick nicht problemlos läuft und ihre Verliebtheit in Tobin, der den Blumenladen eröffnet hat, war auch bekannt. Doch jetzt erfahren wir endlich, warum Orchid und Patrick Probleme haben. Er redet nicht über seine Kindheit, sie weiß fast nichts über ihn und über die Jahre ist das für sie immer geheimnisvoller geworden. Das steht einer vertrauensvollen Beziehung im Weg und so ist sie innerlich schon dabei, Patrick zu verlassen, als er ihr endlich die ganze Wahrheit erzählt. Und die ist so überraschend, dass Orchid sich jetzt endgültig fragen muss, ob ihre Beziehung zu Patrick eine Zukunft hat.
Ich mag die locker-leichte Erzählweise von Manuela Inusa in ihrer Valerie-Lane-Reihe sehr gerne und die Figuren sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Da man über Patrick bisher fast nichts erfahren hatte, finde ich diese Geschichte besonders spannend, was mir sehr gut gefallen hat. Diese Entwicklung war für mich so nicht vorhersehbar, besonders der Schluss hat mich völlig überrascht. Am Rande erfährt man auch immer, wie sich die anderen Protagonistinnen weiter entwickeln, was auch die besondere Bindung an die Valerie Lane für mich ausmacht. Man möchte als Leserin oder Leser immer wissen, wie es bei allen weitergeht, auch wenn jeder Band sich einer Figur besonders widmet. Dass bald der letzte Band der Reihe erscheinen wird macht mich jetzt schon traurig und ich hoffe sehr, dass es vielleicht noch einmal eine neue Auflage der Valerie Lane gibt. Mich würde sehr interessieren, wie es in zehn oder zwanzig Jahren für Laurie, Orchid, Susan, Keira und alle anderen weitergeht. 
„Der fabelhafte Geschenkeladen“ von Manuela Inusa überzeugt durch leichte und gleichzeitig gefühlvolle Unterhaltung und großartige Protagonistinnen, die einen auf eine zauberhafte Reise in die schöne Valerie Lane in Oxford mitnehmen. Mir gefällt auch dieser Band ausgesprochen gut. Man weiß, was man mit diesem Romanen bekommt und wird nicht enttäuscht. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Blanvalet Verlags. 

Wer mehr über die Autorin Manuela Inusa erfahren möchte, kann hier ihr Kurzinterview mit Sarahs Bücherregal nachlesen. 

Freitag, 22. Februar 2019

Kristen Roupenian "Cat Person"


Kristen Roupenians Erzählband „Cat Person“ ist gerade in aller Munde und wird viel gelobt, das hat mich neugierig gemacht. Es sind Erzählungen über junge Menschen, meist in der Stadt, es geht um Liebe, Hass, Eifersucht und Sex. Die Figuren sind selten sympathisch, alle etwas schräg und verdreht, man läuft also keinesfalls Gefahr, sich als Leser mit ihnen zu identifizieren, eher wirkten sie auf mich wie Figuren einen Horrorfilms, die sich versehentlich in die „wirkliche Welt“ verirrt haben.
Nach dem ganzen Hype um das Buch habe ich versucht, meine Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Das war in diesem Fall auch gut, denn ich war enttäuscht von dem Buch. Die Geschichten konnten mich einfach nicht begeistern, die Plots fand ich zu reißerisch angelegt ohne wirkliche Substanz. Natürlich ist es schwer, Figuren in einer kurzen Erzählung so gut zu beschreiben wie in einem langen Roman, da man viel weniger Möglichkeiten und schlicht und einfach Platz hat. Dennoch hätte ich mir von so hochgelobten Erzählungen mehr erwartet, das Personal blieb schwach und hat mich als Leser auf emotionaler Ebene in keiner Weise angesprochen. Die titelgebende Geschichte „Cat Person“ hat mir noch mit Abstand am besten gefallen, viele fand ich einfach langweilig und sperrig zu lesen.
Mich konnte Kristen Roupenian mit ihren Erzählungen nicht überzeugen, ich fand sie größtenteils schwach, weder die Figuren noch die Handlungsstränge haben mich irgendwie fesseln können.


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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Verlags. 

Donnerstag, 21. Februar 2019

Jeffrey Archer "Triumph und Fall"


Charlie Trumper ist gerade dabei, den Obst- und Gemüsekarren seines Großvaters in Whitechapel in London zu übernehmen, als der erste Weltkrieg seine Pläne durchkreuzt. Er lässt sein Geschäft in den Händen seiner Geschäftspartnerin Becky Salmon zurück und muss an die Front. Als er 1918 zurückkehrt, bauen sie gemeinsam ein Imperium auf, während private Tiefschläge und die Feindschaft zur reichen Familie Trentham ihnen immer wieder Steine in den Weg legen. Es ist ein steiniger, aber sehr erfolgreicher Weg, der Becky und Charlie fast durch das ganze 20. Jahrhundert trägt.
Jeffrey Archer ist als Autor ein Garant für großartige Unterhaltungsliteratur mit historischen Bezügen. Seine Romane glänzen durch sympathische Figuren und simple Konstellationen von Gut und Böse, die immer wieder funktionieren, so auch in diesem Roman „Triumph und Fall“. Die Lektüre macht einfach Freude und die über 800 Seiten sind keineswegs abschreckend. Den einen Punkt Abzug gibt es von mir dafür, dass die ganze Story einfach zu viele Ähnlichkeiten zu Archers großer Clifton-Saga aufweist und sich zu wenig durch unverbrauchte Ideen auszeichnet. Charlie gleicht der Clifton-Figur Harry einfach zu sehr, beide sind mit starken Geschäftsfrauen verheiratet und erleben mit ihren Kindern eine große Tragik. Auch fand ich es schwierig, wie lapidar Charlie mit dem Tod seines Sohnes Daniel umgeht, was gar nicht recht zum zuvor beschriebenen Verhältnis passte.
Mir hat „Triumph und Fall“ von Jeffrey Archer sehr gut gefallen, auch wenn ich den Roman nicht so überragend fand wie die Clifton-Saga. Vorsicht geboten ist hier übrigens für alle Fans von Archer, die auf einen neuen Roman gehofft haben: Es ist lediglich der Roman „Der Aufstieg“ mit neuem Titel und neuem Cover.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Heyne Verlags. 

Dienstag, 12. Februar 2019

Joan Weng "Die Frauen vom Savignyplatz"


Vicky ist als Metzgerstochter eigentlich so gut wie verlobt mit dem Tucherben Herrn Ebert, als sie sich von einem Frontsoldaten auf Heimurlaub während des Ersten Weltkriegs schwängern lässt. Ein Drama in der damaligen Zeit, doch Willy steht zu seinem Fehltritt und heiratet die schwangere Frau. Einige Jahre und Kinder später in den zwanziger Jahren ist ihre Ehe jedoch am Ende, das Leben entwickelte sich nicht so, wie die beiden es sich erträumt hatten. Als Willy sie für eine andere Frau verlässt, nimmt Vicky ihr Leben noch einmal selbst in die Hand und will sich einen Traum erfüllen: Eine eigene Buchhandlung, nur mit Liebesromanen. Erneut ein Skandal in der damaligen Zeit, doch das schreckt sie nicht ab.
Leider ist dieser historische Roman meiner Meinung nach zu schwach, um einen beim Lesen wirklich  mitreißen zu können. Die Figuren bleiben sehr oberflächlich, dadurch fällt e schwer, sich mit ihnen zu identifizieren und beim Lesen wirkliche Emotionen zu entwickeln. Vicky ist ein recht simples und verträumtes Mädchen, wie ein Blatt im Wind scheint sie durch die Geschichte zu trudeln, ohne einen wirklichen Fixpunkt für den Plot zu sein. Alles was sie tut wird durch Aktionen von außen bestimmt, immer entscheiden andere für sie und bringen sie voran, aus ihr selbst scheint fast gar nichts zu kommen. Dazu kommt ihre Freundin Lisbeth, die so schemenhaft ist, dass man sie als Figur fast ganz hätte weglassen könne, denn sie ist eigentlich nicht mehr als eine Stichwortgeberin für die Hauptfigur ohne wirklichen Charakter. Die Romanidee an sich finde ich sehr gut und auch unterhaltsam, sie hätte jedoch eine stärkere Protagonistin gebraucht, um glaubwürdig zu sein. So fragt man sich einfach nur, wieso eine mehrfache Mutter jetzt plötzlich Buchhändlerin wird, in einer Zeit völlig ohne soziale Absicherung. Das erscheint alles etwas wahllos und willkürlich.
Der grobe Plot und die Romanidee an sich haben mir gut gefallen, der Roman krankt jedoch an schlecht beschriebenen, flachen Figuren, die die Handlung einfach nicht glaubhaft voranbringen können. Daher war ich von diesem Roman enttäuscht, ich hatte mir mehr erwartet.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Verlags. 

Montag, 11. Februar 2019

Ellen Sandberg "Verrat"




Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Nane für den Mord am Stiefsohn ihrer Schwester verurteilt wurde, jetzt kommt sie endlich frei und will von vorne anfangen. Doch die Vergangenheit lässt sie und ihre Familie nicht los, denn eigentlich galt der Mordversuch damals ihrer Schwester Pia. Die lebt mit ihrem Mann Thomas glücklich auf dem Weingut Graven und ahnt nicht, was die Freilassung ihrer Schwester wieder auslösen wird. Denn ein Geheimnis, das sie zwanzig Jahre versteckt hat, droht jetzt herauszukommen. 
Der packende Roman „Verrat“ von Ellen Sandberg ist Thriller und Familienroman zugleich, spannend geschrieben und gleichzeitig mit großartigen Figurenbeschreibungen und einem Beziehungsgeflecht, das die Autorin ganz langsam für die Leserinnen und Leser entblättert. Sie spielt die ganze Zeit mit ihnen, denn immer, wenn eine Figur in die Kategorie gut oder böse eingeteilt wurde, werde Zweifel gesät. Die sympathische Pia hat ein Geheimnis, dennoch wirkt sie nett und ist das Opfer in der Geschichte. Oder vielleicht doch nicht? Ebenso verfährt sie mit Nane, einer psychisch gestörten Stalkerin, die ihre Schwester umbringen wollte - oder war es vielleicht doch ganz anders? Aus diesem Verwirrspiel zieht der Roman seine gesamte Spannung, unterstützt durch kleine Konflikte, die in jeder Beziehung der Figuren zu gären scheinen. Sandberg schreibt dabei so mitreißend, dass man sich direkt in die verwirrende Familiengeschichte auf dem Weingut versetzt fühlt. Unterstützt wird der Spannungsbogen noch durch Zeitsprünge zwischen Gegenwart und der Tat vor zwanzig Jahren, die dazu beitragen, dass man nur ganz langsam erfährt, was eigentlich damals passiert ist. 

Ellen Sandberg hat mit „Der Verrat“ einen hochspannenden Roman über ein großes Familiendrama geschrieben, der sich in kein Genre pressen lässt und dadurch so großartig wird. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich damit begonnen hatte. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Freitag, 8. Februar 2019

Hanna Caspian "Gut Greifenau. Nachtfeuer"


Die Geschichten auf Gut Greifenau gehen weiter. Während der Erste Weltkrieg tobt wird auch das Leben auf dem Gut immer schwieriger, die Nahrungsmittel werden knapp und die Politik mischt sich in die Landwirtschaft ein. Der älteste Sohn Konstantin ist einzogen worden und so muss sein Vater, der wenig Talent für das Thema zeigt, das Landgut allein bewirtschaften. Noch immer weiß er nicht, dass der Kutscher Albert sein Sohn ist, auch wenn der immer mehr Informationen über die damaligen Vorkommnisse zusammen- trägt. Und die hochwohlgeborene Gräfin ist nach wie vor fest entschlossen, ihre jüngste Tochter in der Kaiserfamilie zu verheiraten, egal wie widerlich der auserkorene junge Mann sich auch verhält. Es ist also wieder viel los auf Gut Greifenau, egal ob beim Dienstpersonal oder in der feinen Gesellschaft.
Hanna Caspian schreibt wieder sehr gelungen über das Leben verschiedenster Menschen zur Zeit des Ersten Weltkriegs, immer mehr erinnert der Aufbau an „Downton Abbey“, das Leben von Dienerschaft und Adel werden immer wieder gegenüber gestellt. Dies geschieht auf äußerst kurzweilige und unterhaltsame Art und Weise, besonders die Grafentochter Katharina ist mir in diesem Band sehr ans Herz gewachsen. Sie entwickelt eine Entschlossenheit und innere Stärke, die man ihr zu Beginn der Geschichte gar nicht zugetraut hatte. Die Dorflehrerin wird dabei zu ihrer verbündeten und erschließt ihr Möglichkeiten, die sich durch ihre eingeengte Beziehung nie gesehen hatte. All diese Figuren ziehen einen in die Geschichte hinein, die wie ein wunderbarer Kinofilm im Kopf abläuft. Das Personal ist sehr unterschiedlich, mal sympathisch, mal garstig und fast bösartig, wodurch die Handlung immer weiter vorangetrieben wird und Katastrophen nicht ausbleiben. Das macht den Roman so spannend und lässt einen auch voller Vorfreude auf den nächsten Band warten, denn viele Probleme sind noch ungelöst in der Schwebe und natürlich wünscht man seinen Protagonisten und Protagonistinnen nur das Beste.
Hanna Caspian hat mit „Gut Greifenau. Nachtfeuer“ einen in sich stimmigen und unterhaltsamen zweiten Band zu ihrer Gut-Greifenau-Reihe geschrieben. Die Figuren entwickeln sich konstant weiter und die Lektüre macht einfach Freude.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur. 

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann hier noch einmal das Kurzinterview nachlesen, das sie Sarahs Bücherregal zum Erscheinen des ersten Bandes der Gut-Greifenau-Reihe gegeben hat. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Kent Haruf "Unsere Seelen bei Nacht"


Louis und Addie sind beide verwitwet und leben alleine in der fiktiven Kleinstadt Holt. Eines Tages fasst sich Addie ein Herz und bittet Louis, bei ihr zu übernachten, um zu reden und um sich nicht mehr so einsam zu fühlen. Langsam lernen die beiden sich besser kennen und genießen die Freuden des gemeinsamen Lebens. Doch von außen schlägt ihnen viel Ablehnung entgegen, weder ihre erwachsenen Kinder noch die Stadtbewohner wollen akzeptieren, dass die beiden im Alter ihre eigene Form von Glück gefunden haben.
Mich hat „Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf wirklich sehr angesprochen. Er beschreibt das Problem von Einsamkeit im Alter auf so berührende und selbstverständliche Art, dass es einem direkt ans Herz geht. Louis und Addie betrügen niemanden, sie hintergehen auch niemanden, sie wollen einfach nur nicht alleine sein und dennoch scheint es ihnen niemand zu gönnen. Ganz langsam fassen die beiden Vertrauen zu einander und teilen ihr Leben und ihre Gedanken, als Addies Enkel zu Besuch kommt, kaufen sie sogar gemeinsam einen Hund für ihn. Louis nimmt großen Anteil und es ist sehr bewegend, wie er seine eigene Komfortzone verlässt, um Addie näher zu kommen. Den fiktiven Ort Holt kannte ich schon aus „Abendrot“ und ist ein unterhaltsamer Schachzug, dass dieser Roman sich an einigen Stellen wieder auf die Geschichte aus Abendrot bezieht, und zwar in Form eines Theaterstücks, dass die beiden Hauptfiguren sich ansehen.
Kent Harufs Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ hat mich wirklich begeistert, es ist ein ganz besonderes Buch, das mit viel Wärme von zwei Hauptfiguren handelt, die nicht bereit sind, sich als alte Eisen abstempeln zu lassen und einfach nicht allein sein wollen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Netflix hat die wunderbare Buchvorlage mit Robert Redford und Jane Fonda in den Hauptrollen verfilmt. Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen, aber im Trailer kommt die Stimmung des Buches schon sehr schöne rüber und ich freue mich schon auf einen schönen Filmabend mit "Unsere Seelen bei Nacht".