Dienstag, 10. Dezember 2019

Anthony McCarten "Die zwei Päpste"

Als Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 zurücktritt scheint ein wahres Erdbeben durch die katholische Kirche zu gehen. Papst war kein Amt auf Zeit, sondern für den Rest des Lebens. Wie sollte es jetzt weitergehen? Welche Rolle sollte der alte Papst spielen, welche der neue? Und wer würde überhaupt neuer Papst werden und welche Veränderungen würde er der angeschlagenen katholischen Kirche bringen? All diesen Fragen geht Anthony McCarten in seinem beeindruckenden Buch „Die zwei Päpste“ nach. 
Ich bin mit wenig Vorwissen an die Geschichte von Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus herangegangen, natürlich kennt man die groben Fakten ihrer Herkunft und Biographie, doch mich erwartete viel Neues in diesem Buch. Sehr interessant beschreibt McCarten den Übergang von Johannes Paul II. nach einem sehr langen Papsttum zu Benedikt, einem als erzkonservativ geltenden Kardinal, von dem man sich wenig Neues erhoffen konnte. Er berichtet auch aus Hintergrundinformationen über den Ablauf des Konklave sowohl bei der Wahl von Benedikt als auch einige Jahre später von Franziskus, von den Abwägungen der anderen Kardinäle und den verschiedenen Interessengruppen, die eine Rolle gespielt haben. Besonders interessant fand ich jedoch die Biographien von Benedikt und Franziskus, die er sehr sehr ausgiebig beschreibt und daraus auch ihre Herangehensweise an das Amt als Papst erklärt. Auch die dunklen Seiten werden nicht ausgelassen, natürlich zum einen die vertuschten Missbrauchsskandale der katholischen Kirche, die bis heute immer wieder unter den Teppich gekehrt und zu wenig aufgearbeitet werden. Zum anderen aber auch das Verhalten von Franziskus während der Gewaltherrschaft in seinem Heimatland Argentinien und die unrühmliche Rolle, die er und die katholische Kirche dabei spielten. 
Anthony McCarten ist mit „Die zwei Päpste“ etwas Seltenes gelungen, er hat die Portraits von zwei Päpsten geschaffen, die ehrlich und kritisch sind, ohne nur zu verurteilen. Mit vielen spannenden Details zeigt er Verfehlungen genauso auf wie Möglichkeiten und nimmt seine Leserinnen und Leser so mit auf eine spannende Reise in das Innere der katholischen Kirche. Viel Hoffnung auf Veränderung und Modernisierung kann das Buch einem nicht machen, viel zu verknöchert scheinen die veralteten Strukturen und zu machtbestrebt sind dann doch die einzelnen Mitglieder der Kurie. Dennoch eine sehr spannende Lektüre, die ich nur empfehlen kann. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Sonntag, 8. Dezember 2019

Katherine Webb "Die Schuld jenes Sommers"

In den Wirren der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs in England verliert Frances den kleinen Davy aus den Augen, auf den sie eigentlich aufpassen sollte. Gleichzeitig taucht nach über zwei Jahrzehnten die Leiche ihrer verschwundenen Kindheitsfreundin Wyn auf, sie war die ganze Zeit in der Nähe ihrer Familie vergraben. Das reißt bei Frances viele alte Wunden wieder auf und die Geschichte von Wyn und Davy beginnt sich in der Erzählung zu verbinden. 
Obwohl ich mich sehr auf den neuen Roman von Katherine Webb gefreut habe, war ich doch sehr enttäuscht von der Lektüre. Die Geschichte entwickelt von Anfang an keine richtige Spannung, was meiner Meinung nach auch daran liegt, dass Frances als Protagonistin völlig farblos bleibt. Man weiß wenig über sie und kann so vielen Gedankengängen und Ideen nicht folgen, nur beiläufig erfährt man von ihrer Arbeit und ihrer Ehe, dabei wäre all das wichtig, um aus ihre eine plastische Figur zu machen, die einen auch anspricht und berühren kann. Trotz der dramatischen Ereignisse plätschert die Handlung nur so dahin und auch die Rückblicke in die Kindheit von Wyn und Frances können den Plot nicht voranbringen. Beim Lesen empfand ich die Geschichte als belanglos und es reizte wenig, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Auch dauert es meiner Meinung nach viel zu lange, bis neben Frances weitere Figuren richtig eingeführt werden und auch die bleiben völlig farblos und austauschbar. Eine wirkliche Konstruktion von Beziehungen und Handlungen konnte ich nicht erkennen. 
Mich konnte „Die Schuld jenes Sommers“ leider nicht überzeugen, ich fand das Buch viel zu detailarm und die Figuren zu flach und wenig ausgearbeitet, um einen bei der Lektüre wirklich mitnehmen zu können. Die Idee und der Klappentext haben viel versprochen, für mich jedoch fast nichts davon gehalten. 

✮✮✰✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diana Verlags. 

Freitag, 6. Dezember 2019

Cora Wetzstein "Quiches"

Das neue Kochbuch „Quiches“ von Cora Wetzstein ist ein äußerst praktischer Begleiter in jeder Küche. Das Format ist äußerst praktisch, klein und gut zu handhaben, während den Koch oder die Köchin im innern jedoch ausgefallene Rezepte ebenso erwarten wie Einfaches für jeden Tag. 
Mir gefällt besonders der Aufbau der Innenseiten des Einschlags sehr gut. Hier werden Grundsätzliches zur Zubereitung ebenso mit wunderbaren Bildern erläutert wie Kombinationsmöglichkeiten für Zutaten. Wer also schon etwas Erfahrung hat und seine Kreativität ausleben möchte, wird dazu eingeladen, über die beschriebenen Rezepte hinaus neues zu probieren. Dadurch wird es nie langweilig und das Buch kann man jederzeit gut wieder zur Hand nehmen. 
Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass meiner Meinung nach die Rezepte bereits im Inhaltsverzeichnis mit dem Logo für Vegetarisches gekennzeichnet werden sollten, das erleichtert die Suche und man muss sich nicht erst komplett durch das Buch blättern, wenn man für Vegetarier kochen möchte. Ansonsten finde ich das Buch sowohl vom Aufbau als auch von der Optik äußerst gelungen. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Gräfe & Unzer. 

Dienstag, 26. November 2019

Jens Lubbadeh "Transfusion. Sie wollen dich nur heilen"

In einem Container in Hamburg werden die Leichen von fünf indischen Mädchen gefunden, im Arm hat jede von ihnen ein Kuscheltier des Pharmakonzerns Astrada. Der hat gerade erst für überragende Schlagzeilen gesorgt, da ein Heilmittel für Alzheimer entwickelt wurde. Daran war führend die Wissenschaftlerin Iliana Kornblum beteiligt, deren Vater selbst an Alzheimer erkrankt war. Doch als sie auf geheime Daten zur Forschung stößt, die ihr unbekannt waren, verdichtet sich ihre Sorge, dass Astrada und ihr Chef ein falsches Spiel spielen. Sie begibt sich in große Gefahr, indem sie sich auf die Suche nach Antworten auf ihre Fragen macht. 
„Transfusion“ ist ein spannender Thriller, der sich mit der Pharmabranche und wissenschaftlichen Forschungsmöglichkeiten auf interessante Weise auseinandersetzt. Die Idee des Autors Jens Lubbadeh ist wirklich großartig und sollte eigentlich ein grandioses Buch garantieren, leider scheitert er dann an der Umsetzung. Die Protagonistin Iliana Kornblum bleibt konturlos und konnte mich als Leserin einfach nicht mitnehmen. Die gute Möglichkeit, die Geschichte auch noch aus einer anderen Perspektive zu erzählen, beispielsweise von dem Redakteur des Nachrichtenmagazins SPIEGEL, der in dem Fall ermittelt oder von der Aktivistin, die gegen Astrada vorgeht, lässt der Autor leider liegen und so kennen wir fast die ganze Zeit nur Ilianas (sehr eingeschränkte) Perspektive, was dem Buch die Spannung nimmt. Auch die Auflösung zum Schluss, die kaum als eine solche bezeichnet werden kann, fand ich recht schwach und wenig überzeugend.
Zwar ist der Schreibstil von Lubbadeh sehr flüssig und der Roman gut lesbar, der Plot hat für mich aber doch einige große Schwächen und kann nur begrenzt überzeugen, auch wenn ich die Grundidee hervorragend finde. 

✮✮✮✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Heyne Verlags. 

Sonntag, 24. November 2019

Sophie Kinsella "Dich schickt der Himmel"

Fixie geht voll und ganz im Familienunternehmen auf, ein Gemischtwarenladen, den sie seit dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihrer Mutter führt, gelegentlich unterstützt von ihren Geschwistern. Nebenbei ist Fixie bereits seit Schulzeiten verschossen in den Freund ihres Bruders Ryan, der ihr in regelmäßigen Abständen das Herz bricht. Als sie einem Unbekannten den Laptop mit wichtigen Daten retten kann, verspricht der ihr einen Gefallen, egal was. Fixie besorgt Ryan so einen neuen Job, doch weiß der das überhaupt zu schätzen? Der Gefallen zieht einiges an Verwirrung nach sich und macht Fixie nicht nur glücklich. 
Sophie Kinsella ist abonniert auf locker-leichte Frauenliteratur, die sich gut weglesen lässt. Doch in diesem Band hat sie es meiner Meinung nach mit dem Konstruktion ihrer weiblichen Hauptfigur wirklich übertrieben, so naiv und dümmlich wie Fixie durchs Leben stapft, war es für mich als Leserin kaum zu ertragen. Sie würde auch fünf Heiratsschwindlern hintereinander ins Netz tappen um dann ihr restliches Geld bei einem Enkeltrick zu verlieren, ohne überhaupt Kinder, geschweige denn Enkel zu haben. Andere Autorinnen zeigen, dass Liebesromane und humorvolle Geschichten auch mit Protagonistinnen funktionieren, die zumindest halbwegs im Leben stehen, auch wenn die Liebe ihnen dazwischen funkt. Fixie ist jedoch das lebende Beispiel einer Frau, die ohne Mann aus der Sicht der Autorin offenbar nicht lebensfähig ist und von einer Katastrophe in die nächste taumelt, bis endlich jemand an ihrer Seite ist der sich kümmert. Ein Frauenbild, dass man in modernen Romanen so wirklich nicht mehr braucht. 
Leider war ich von Sophie Kinsellas neuem Roman „Dich schickt der Himmel“ einfach nur enttäuscht. Wer schon bei den Shopaholic-Romanen manchmal die Lebensfähigkeit der Protagonistin angezweifelt hat, sollte unbedingt die Hände von diesem Buch lassen, die Lektüre macht wenig Spaß und lässt die Frage zurück, ob die Autorin sich eventuell nach dem Frauenbild der 50er Jahre zurücksehnt. 

✮✮✰✰✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Goldmann Verlags. 

Freitag, 22. November 2019

Barbara Reiter/Michael Wistuba "Harz"

Mit dem Michael Müller Verlag geht es jetzt in den Harz und hier bieten sich viele interessante Möglichkeiten für Wanderungen, Erholung und Sightseeing. Wer bei Harz jetzt nur an den Brocken und anstrengendes bergauf Laufen denkt, wird von den Autoren Barbara Reiter und Michael Wistuba schnell eines besseren belehrt. Denn der Harz bietet neben Natur auch viele zauberhafte Städte wie zum Beispiel Quedlinburg und eine lange Hexengeschichte wie am Hexentanzplatz bei Thale. 
Der Reiseführer selbst zeichnet sich durch Übersichtlichkeit und eine schöne Gestaltung aus. Gleich zu Beginn findet sich eine schöne Übersichtskarte, das Buch selbst ist unterteilt nach regionalen Abschnitten in Goslar und der Oberharz, vom Nordharzrand ins Brockengebiet, Nordostharz, Unterharz und Südharz. So findet man als Reisender schnell alle Ziele, die sich in unmittelbarer Nähe befinden und kann auch längere Touren gut planen. Zudem beginnt jedes Regionalkapitel mit einer kurzen Übersicht auf einer Doppelseite zu lohnenswerten Zielen und Aktivitäten für alle, die eine schnelle Idee suchen. Mir hat besonders gut der kleine Wanderführer im Anhang gefallen, der schöne längere und auch kürzere Routen anbietet.
Der Harz Reiseführer von Barbara Reiter und Michael Wistuba hat mir ausgesprochen gut gefallen, auch wenn er bisher nur kurz in Aktion getestet werden konnte. Es bleiben also noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Touren übrig, die erkundet werden wollen. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Michael Müller Verlags. 


Montag, 18. November 2019

Ellen Sandberg "Das Erbe"


Als Mona ihre Großtante Klara beerbt, scheint dies zunächst nur positiv zu sein. Die alte Dame ist mit über 90 Jahren verstorben und hinterlässt Mona allein ein altes Haus Mitten in München, das Millionen wert ist und ein gut gefülltes Bankkonto. Doch Monas Familie neidet ihr das Erbe und die spitzen Bemerkungen ihrer Mutter führen dazu, dass sie die Geschichte des Hauses recherchiert. Wie kam Klaras Vater 1938 an das Haus, hat er es rechtmäßig gekauft oder sich am Leid der Juden in der damaligen Zeit bereichert? Die Recherchen bringen auch Monas Privatleben durcheinander und eine spannende Suche beginnt. 
„Das Erbe“ von Ellen Sandberg ist ein Roman, der sich mit dem Umgang mit jüdischem Eigentum in der Nazizeit beschäftigt. Was trocken klingt, ist in Wahrheit so spannend geschrieben wie ein Thriller, durch Rückblenden und verschiedene Perspektiven hält die Autorin die Spannung hoch und als Leserin oder Leser kann man gar nicht mehr aufhören. Ein fast schon gemeiner psychologischer Winkelzug ist es, dass Mona einem die ganze Zeit unglaublich sympathisch ist, während die Familie des ursprünglichen jüdischen Hausbesitzers raffgierig und zerstritten wirkt. Dadurch bringt die Autorin einen in einen moralischen Zweispalt der einen Monas Situation noch besser nachvollziehen lässt und die Lektüre umso unterhaltsamer und auch mitreißender macht. 
Ich konnte „Das Erbe“ kaum noch aus der Hand lesen, nachdem ich einmal zu lesen begonnen hatte. Der Roman ist gleichzeitig informativ und spannend und setzt sich mit einem wichtigen Thema der deutschen Geschichte auseinander. Ein rundum gelungenes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann. 

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Penguin Verlags.