Dienstag, 17. September 2019

Ben Rhodes "Im Weißen Haus"


Kaum einer war an Präsident Barack Obama während seiner gesamten Präsidentschaft so dicht dran wie Ben Rhodes, zuständig für die Außenpolitik, Redenschreiber und maßgeblich beteiligt beispielsweise an den Verhandlungen mit Kuba. Jetzt hat er seine Sicht auf die Zeit im Wahlkampf mit Obama und seine acht Jahre als Präsident veröffentlicht und bietet einen spannenden Einblick in die Arbeit im Weißen Haus. Besonders interessant wird es auch noch einmal am Schluss des Buches, wenn es um die Wahrnehmung des Wahlkampfes von Donald Trump geht. Und den Moment, als ihm und vielen anderen klar wurde, dass die Antwort auf ihre Politik, mit der sie so viel Gutes bewirken wollten, ein Präsident ist, der viele ihrer Projekte noch in den ersten Tagen rückgängig machen würde.
Auch wenn der Schwerpunkt des Buches auf der Außenpolitik liegt, bietet Ben Rhodes Buch „Im Weißen Haus“ einen guten Blick auf den Menschen und Politiker Barack Obama, seine Arbeitsweise und sein Vorgehen bei vielen wichtigen Entscheidungen. Man merkt dem Buch dabei an, dass Rhodes es als Redenschreiber gewohnt ist, an Ausdrücken zu feilen, es ist sehr flüssig lesbar und äußerst spannend geschrieben. Mir hat die Lektüre viel Freude bereitet, da ein langer Zeitraum abgedeckt wurde und nicht ein kleiner Aspekt von Obamas Politik eine Rolle spielte. Man gewinnt einen guten Eindruck von dem, was sich in der Präsidentschaft Obamas im Weißen Haus abgespielt hat.
„Im Weißen Haus“ von Ben Rhodes ist ein spannendes Sachbuch zur Präsidentschaft Obamas mit Schwerpunkt auf die Außenpolitik. Er liefert viele unbekannte Hintergrundinformationen und lässt seine Leserinnen und Leser teilhaben am Innenleben des Weißen Hauses, was für mich das Besondere an diesem Buch ist – meiner Meinung nach rundum gelungen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des C.H. Beck Verlags. 



Dienstag, 10. September 2019

Michelle Marly "Madame Piaf und das Lied der Liebe"


Als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende entgegen neigt und die deutsche Besatzung in Frankreich endet, werden viele Künstlerinnen und Künstler der Kollaboration verdächtigt, so auch Edith Piaf, der französische Chanson-Star. Während die Ermittlungen sie belasten, trifft sie gleichzeitig ihre große Liebe. Yves Montand ist ein junger, unerfahrener Sänger und Edith Piaf wird zunächst seine Lehrmeisterin und dann seine Geliebte. Die Liebe zu Yves inspiriert Edith schließlich zu ihrem größten Hit „La vie en rose“. Doch der Weg dorthin ist steinig.
„Madame Piaf und das Lied der Liebe“ von gibt einen Einblick in das Leben von Edith Piaf, der berühmten Künstlerin, aber auch der Privatperson. Auch wenn ich die Entwicklung der Geschichte an sich interessant fand, konnte mich der Roman nicht endgültig überzeugen. Die Beschreibung der Charaktere bleibt mir zu oberflächlich und es fällt schwer, einen Bezug zur Protagonistin und all den anderen Figuren aufzubauen. Marly hat es meiner Meinung nach nicht wirklich geschafft, dass öffentliche Bild von Piaf stärker für ihre Geschichte zu unterfüttern. Es handelt sich hier schließlich nicht um eine Biographie, sondern um einen Roman, die Autorin hätte viele fiktive Mittel gehabt, um den Leserinnen und Lesern ihren Blick auf Edith Piaf und Yves Montand näher zu bringen, dies bleibt meiner Meinung nach jedoch fast komplett aus. Und so erfährt man zwar einiges über das Leben und Lieben von Edith Piaf, eine emotionale Bindung, die einen bewegt und mitreißt, baut man aber an keiner Stelle auf.
Die Beschreibung vom Leben Edith Piafs Leben ist unterhaltsam, lässt einen aber etwas ratlos zurück. Mich konnten die Figuren einfach nicht erreichen, es war mir zu sehr Nacherzählung eines Lebens und zu wenig Roman, um mich überzeugen zu können. Informativ war das Buch jedoch auf jeden Fall.  

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Dienstag, 3. September 2019

Donna Douglas "Die Nightingale-Schwestern. Freundinnen fürs Leben"


London 1934: Das Nightingale-Krankenhaus ist das renommierteste Krankenhaus der Stadt, wenn man eine Ausbildung als Krankenschwester machen möchte. Dort treffen sich Dora, Millie und Helen, drei junge Frauen mit völlig unterschiedlichen Biographien. Sie teilen sich ein Zimmer im Schwesternwohnheim und während sie mit den Problemen des neuen Alltags, strengen Schwestern und der ersten Liebe kämpfen, werden sie Freundinnen. Nur mühsam leben sie sich im Nightingale ein und stellen sich Herausforderungen, mit denen sie nie gerechnet hätten.
„Die Nightingale-Schwestern. Freundinnen fürs Leben“ ist der Auftaktband zu einer Reihe über das Leben der jungen Frauen als Schwestern in diese berühmten Krankenhaus, indem sich jeder bei allem was er tut auf das bekannte Vorbild Florence Nightingale beruft. Die Geschichte der Frauen ist sehr schön in die historische Gesamtsituation eingebettet, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der behüteten Millie und Dora, die aus der ärmsten Gegend Londons kommt, werden sehr gut deutlich und bieten die Grundlage für die abwechslungsreiche Geschichte. Mir hat der Roman gut gefallen, die Charaktere sind sehr sympathisch und auch sehr unterschiedlich, was für eine unterhaltsame Story sorgt. Die Autorin Donna Douglas hat einen flüssigen Schreibstil, der einen schnell in die Geschichte hineinzieht, so leidet man mit Dora und ihrer Familie genauso mit, wie man Helens dominante Mutter manchmal anschreien möchte, weil sie ihre Tochter so in Ketten legt.
„Freundinnen fürs Leben“ ist ein sehr schöner historischer Roman über die Bedeutung wahrer Freundschaft in schwierigen Zeiten. Ich hatte viel Freude bei der Lektüre und freue mich schon jetzt auf die weiteren Bände von Donna Douglas, von denen schon zahlreiche erschienen sind.


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Dienstag, 27. August 2019

Bob Woodward "Obamas Kriege. Zerreißprobe einer Präsidentschaft"


Bereits in seinem ersten Wahlkampf hatte Barack Obama angekündigt, den Krieg in Afghanistan beenden zu wollen. Bob Woodward, der berühmte Journalist der Washington Post, untersucht in diesem Buch die Vorgänge rund um die Truppenentsendungen nach Afghanistan und die Strategien, die zu einem langfristigen Abzug amerikanischer Soldaten aus Afghanistan führen sollen.
Bob Woodward, bekannt geworden durch seine Berichterstattung über die Watergate-Affäre, die den Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte, schreibt in seinem Buch sehr sachlich über die ersten Amtsjahre von Obama und die Probleme und Fallstricke, die sich für den Oberbefehlshaben in Zusammenhang mit der Mission in Afghanistan auftaten. Hierzu hat er mit zahlreichen Insidern gesprochen und auch Obama selbst zu dem Thema interviewt. Man merkt dem Buch an, mit wie vielen Informationen der Autor hier jonglieren musste, um alles in eine stringente und gut lesbare Form zu bringen. Doch dies ist ihm gut gelungen, trotz der vielen verschiedenen Varianten des militärischen Handelns und des umfangreichen beteiligten Personals schafft er es, die Abläufe für den Leser gut verständlich darzulegen. Das einzige, was ich als etwas störend empfand, war die geringe Einbettung der Geschehnisse in die gesamten politischen Zusammenhänge in Amerika. Mir fehlte an vielen Stellen die genauere Einordnung in die Mehrheitsverhältnisse und die zeitgleich diskutierten Themen in den USA. So wirkte es immer etwas, als wäre der Krieg in Afghanistan das einzige Thema, mit dem Obama zu der Zeit befasst war.
Mir hat das Buch „Obamas Kriege“ von Bob Woodward gut gefallen, etwas mehr Einordnung in den Gesamtkontext der amerikanischen Politik hätte dem Buch meiner Meinung nach jedoch gut getan.

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Hier geht es zu weiteren Informationen der Deutschen Verlags-Anstalt. 

Wer an einer allgemeinen Beschreibung der Außenpolitik Obamas interessiert ist, dem kann ich nur Ben Rhodes neues Buch „Im Weißen Haus“ empfehlen. Eine Rezension hierzu folgt in Kürze auf meinem Blog.

Samstag, 24. August 2019

Nora Elias "Königsberg. Bewegte Jahre"

Das Leben in Ostpreußen geht in der nächsten Generation weiter. Die Kinder von Carl, Adela und Leonhard werden erwachsen und suchen sich ihre eigenen Wege. Es ist der Beginn des 20. Jahrhunderts und der drohende Erste Weltkrieg rückt immer näher. Er wird eine ganze Generation junger Männer zerstören und das Leben vieler Menschen verändern, doch zunächst scheint noch alles friedlich und die Heiratsunwilligkeit von Töchtern und die falsche Brautwahl der Söhne sind die großen Probleme, mit denen sich die Familien Reichenbach und von Schletter herumschlagen müssen. 
Der zweite Band der Königsberg-Reihe von Nora Elias hat mir wieder gut gefallen, sie beschreibt die Charaktere auf eine sehr sympathische Weise. Im Mittelpunkt stehen auch in diesem Band wieder eher die persönlichen Probleme als die großen gesellschaftlichen Umwälzungen, was sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges jedoch unvermeidbar ändern muss. Dieses Ereignis prägte jede Familie und so gibt es auch hier Verluste zu beklagen. Die junge Generation wird von der Autorin weitaus selbstständiger beschrieben als noch ihre Eltern, weniger fügsam und auch weniger an gesellschaftliche Zwänge gebunden. Das treibt auch die Handlung voran und macht sie noch überraschender und unterhaltsamer als noch im ersten Band. Doch auch hier stört es mich, dass bis auf den Krieg viele gesellschaftliche Entwicklungen zu wenig thematisiert werden und es sehr viel ins Private geht. Für einen historischen Roman erfolgt mir etwas zu wenig Einordnung in die gesamte Gesellschaft und die historischen Entwicklungen, auch wenn zumindest am Rande die Arbeits- und Lebensbedingungen der ärmeren Bevölkerungsschichten thematisiert werden. 
nsgesamt ist Nora Elias Roman „Königsberg . Bewegte Jahre“ eine gelungene Fortsetzung der Reihe. Das Buch ist unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, auch wenn etwas mehr historische Bezüge dem Roman gut getan hätten. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Goldmann Verlags. 

Sonntag, 11. August 2019

Martin Walker "Femme fatale"


Es ist Frühling im Périgord und die Touristensaison steht bevor, als in der Vézère ein Kanu mit einer nackten Frauenleiche gefunden wird. Alles deutet auf ein satanistisches Ritual hin und zudem scheint die Leiche mit einer berühmten Kommunistin der Region, der roten Komtesse, verwandt zu sein. Die ist jedoch nicht mehr ansprechbar und wird von einer seltsamen Krankenschwester betreut, die versucht, sich an den Polizisten Bruno heranzumachen und auch in einem großen Hotelprojekt der Region mit drin steckt. Eine seltsame Kombination, die den Dorfpolizisten Bruno Courrège fordert. Und dann bringen ihn auch noch seine Gefühle für zwei Frauen durcheinander, die Engländerin Pamela, mit der er eine lockere Affäre hat, und seine verflossene Liebe Isabelle, die es wird nach Saint-Denis verschlägt, und die er einfach nicht vergessen kann. 
Es ist ein spannender Fall, in dem Bruno ermittelt und so kann man sich bei der Lektüre wieder ganz auf den Krimi einlassen. Die Region wird wieder so wunderbar beschrieben, dass man am liebsten selbst sofort eine Reise machen möchte und Bruno ist und bleibt einfach der sympathischste Dorfpolizist in der gesamten Kriminalliteratur. So langsam wünsche ich ihm aber wirklich, dass er endlich die richtige Frau findet, denn er ist ein sehr familiärer Typ. Kriminalfall und regionale Geschichten laufen auch in „Femme fatale“ wie in allen Bruno-Krimis nebeneinander her, so dass es zwar ein spannender Krim ist, man aber keine wilden Verfolgungsjagden oder Explosionen erwarten sollte. 
„Femme fatale“ von Martin Walker ist wieder ein echter Wohlfühl-Krimi, halb Reiseführer und halb Kriminalroman entführt der Autor seine Leserinnen und Leser ein sein geliebtes Frankreich, was einfach eine große Freude ist. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Dienstag, 30. Juli 2019

Nora Elias "Königsberg. Glänzende Zeiten"


Es sind die goldenen Zeiten Ostpreußens, Ende des 19. Jahrhunderts. Die Familien von Schletter und Reichenbach leben schon lange nebeneinander im Ort, als Leonard von Schletter ausgerechnet die Kaufmannstochter Adela heiraten soll, in die sich auch der junge Carl Reichenbach verliebt hat. Die Freundschaft der jungen Männer zerbricht an dieser arrangierten Ehe und dieses Zerwürfnis soll noch viel Schaden anrichten. Carl sinnt auf Rache an Leonhard und hat es auf dessen Schwester Elisa abgesehen. Das enge Korsett gesellschaftlicher Zwänge macht es allen nicht einfach und so ist es fraglich, ob sie ihr Glück wirklich finden werden.
Der Roman „Königsberg. Glänzende Zeiten“ ist der erste Band rund um die Familien Schletter und Reichenbach in Ostpreußen. Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es stellenweise etwas flach fand. Es geht sehr viel um Liebe und Verwicklungen, ein wenig mehr Bezug zur historischen Realität und auch dem Leben der anderen gesellschaftlichen Klassen hätte ich wünschenswert gefunden. Dennoch ist der Roman sehr flüssig geschrieben und die Protagonisten sind gut gezeichnet, die Lektüre ist unterhaltsam und macht viel Freude. Vor allem wird sehr deutlich, dass ein wohlhabendes Leben eben nicht gleichzeitig Freiheit bedeutete, vielmehr wurden die Kinder von ihren Eltern früh in Wunschvorstellungen gezwängt, durch Heiratsallianzen verbunden und auf Wege geschickt, die sie ins Unglück führten. Persönliches Glück spielte eine untergeordnete Rolle, es ging immer darum, den Rang der Familie zu festigen und den Wohlstand zu sichern. Ähnlich wie die Heiratspolitik von Königshäusern wird auch in Ostpreußen geschachert, um das Beste für die eigene Familie herauszuholen. Das beschreibt die Autorin Nora Elias sehr spannend und mitreißend, so dass man mit den Figuren schnell Mitgefühl entwickelt.
Mir hat der erste Band der Königsberg-Reihe von Nora Elias gut gefallen, auch wenn ich mir etwas mehr Tiefgang und historische Details gewünscht hätte. Der Roman ist ein dennoch ein schöner Schmöker, in den man versinken kann und der einen mitnimmt.

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Auch der zweite Band „Königsberg. Bewegte Jahre“ ist bereits erschienen.

Hier geht es zu weiteren Informationen des Goldmann Verlags.