Dienstag, 12. Februar 2019

Joan Weng "Die Frauen vom Savignyplatz"


Vicky ist als Metzgerstochter eigentlich so gut wie verlobt mit dem Tucherben Herrn Ebert, als sie sich von einem Frontsoldaten auf Heimurlaub während des Ersten Weltkriegs schwängern lässt. Ein Drama in der damaligen Zeit, doch Willy steht zu seinem Fehltritt und heiratet die schwangere Frau. Einige Jahre und Kinder später in den zwanziger Jahren ist ihre Ehe jedoch am Ende, das Leben entwickelte sich nicht so, wie die beiden es sich erträumt hatten. Als Willy sie für eine andere Frau verlässt, nimmt Vicky ihr Leben noch einmal selbst in die Hand und will sich einen Traum erfüllen: Eine eigene Buchhandlung, nur mit Liebesromanen. Erneut ein Skandal in der damaligen Zeit, doch das schreckt sie nicht ab.
Leider ist dieser historische Roman meiner Meinung nach zu schwach, um einen beim Lesen wirklich  mitreißen zu können. Die Figuren bleiben sehr oberflächlich, dadurch fällt e schwer, sich mit ihnen zu identifizieren und beim Lesen wirkliche Emotionen zu entwickeln. Vicky ist ein recht simples und verträumtes Mädchen, wie ein Blatt im Wind scheint sie durch die Geschichte zu trudeln, ohne einen wirklichen Fixpunkt für den Plot zu sein. Alles was sie tut wird durch Aktionen von außen bestimmt, immer entscheiden andere für sie und bringen sie voran, aus ihr selbst scheint fast gar nichts zu kommen. Dazu kommt ihre Freundin Lisbeth, die so schemenhaft ist, dass man sie als Figur fast ganz hätte weglassen könne, denn sie ist eigentlich nicht mehr als eine Stichwortgeberin für die Hauptfigur ohne wirklichen Charakter. Die Romanidee an sich finde ich sehr gut und auch unterhaltsam, sie hätte jedoch eine stärkere Protagonistin gebraucht, um glaubwürdig zu sein. So fragt man sich einfach nur, wieso eine mehrfache Mutter jetzt plötzlich Buchhändlerin wird, in einer Zeit völlig ohne soziale Absicherung. Das erscheint alles etwas wahllos und willkürlich.
Der grobe Plot und die Romanidee an sich haben mir gut gefallen, der Roman krankt jedoch an schlecht beschriebenen, flachen Figuren, die die Handlung einfach nicht glaubhaft voranbringen können. Daher war ich von diesem Roman enttäuscht, ich hatte mir mehr erwartet.

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Montag, 11. Februar 2019

Ellen Sandberg "Verrat"




Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Nane für den Mord am Stiefsohn ihrer Schwester verurteilt wurde, jetzt kommt sie endlich frei und will von vorne anfangen. Doch die Vergangenheit lässt sie und ihre Familie nicht los, denn eigentlich galt der Mordversuch damals ihrer Schwester Pia. Die lebt mit ihrem Mann Thomas glücklich auf dem Weingut Graven und ahnt nicht, was die Freilassung ihrer Schwester wieder auslösen wird. Denn ein Geheimnis, das sie zwanzig Jahre versteckt hat, droht jetzt herauszukommen. 
Der packende Roman „Verrat“ von Ellen Sandberg ist Thriller und Familienroman zugleich, spannend geschrieben und gleichzeitig mit großartigen Figurenbeschreibungen und einem Beziehungsgeflecht, das die Autorin ganz langsam für die Leserinnen und Leser entblättert. Sie spielt die ganze Zeit mit ihnen, denn immer, wenn eine Figur in die Kategorie gut oder böse eingeteilt wurde, werde Zweifel gesät. Die sympathische Pia hat ein Geheimnis, dennoch wirkt sie nett und ist das Opfer in der Geschichte. Oder vielleicht doch nicht? Ebenso verfährt sie mit Nane, einer psychisch gestörten Stalkerin, die ihre Schwester umbringen wollte - oder war es vielleicht doch ganz anders? Aus diesem Verwirrspiel zieht der Roman seine gesamte Spannung, unterstützt durch kleine Konflikte, die in jeder Beziehung der Figuren zu gären scheinen. Sandberg schreibt dabei so mitreißend, dass man sich direkt in die verwirrende Familiengeschichte auf dem Weingut versetzt fühlt. Unterstützt wird der Spannungsbogen noch durch Zeitsprünge zwischen Gegenwart und der Tat vor zwanzig Jahren, die dazu beitragen, dass man nur ganz langsam erfährt, was eigentlich damals passiert ist. 

Ellen Sandberg hat mit „Der Verrat“ einen hochspannenden Roman über ein großes Familiendrama geschrieben, der sich in kein Genre pressen lässt und dadurch so großartig wird. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich damit begonnen hatte. 

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Freitag, 8. Februar 2019

Hanna Caspian "Gut Greifenau. Nachtfeuer"


Die Geschichten auf Gut Greifenau gehen weiter. Während der Erste Weltkrieg tobt wird auch das Leben auf dem Gut immer schwieriger, die Nahrungsmittel werden knapp und die Politik mischt sich in die Landwirtschaft ein. Der älteste Sohn Konstantin ist einzogen worden und so muss sein Vater, der wenig Talent für das Thema zeigt, das Landgut allein bewirtschaften. Noch immer weiß er nicht, dass der Kutscher Albert sein Sohn ist, auch wenn der immer mehr Informationen über die damaligen Vorkommnisse zusammen- trägt. Und die hochwohlgeborene Gräfin ist nach wie vor fest entschlossen, ihre jüngste Tochter in der Kaiserfamilie zu verheiraten, egal wie widerlich der auserkorene junge Mann sich auch verhält. Es ist also wieder viel los auf Gut Greifenau, egal ob beim Dienstpersonal oder in der feinen Gesellschaft.
Hanna Caspian schreibt wieder sehr gelungen über das Leben verschiedenster Menschen zur Zeit des Ersten Weltkriegs, immer mehr erinnert der Aufbau an „Downton Abbey“, das Leben von Dienerschaft und Adel werden immer wieder gegenüber gestellt. Dies geschieht auf äußerst kurzweilige und unterhaltsame Art und Weise, besonders die Grafentochter Katharina ist mir in diesem Band sehr ans Herz gewachsen. Sie entwickelt eine Entschlossenheit und innere Stärke, die man ihr zu Beginn der Geschichte gar nicht zugetraut hatte. Die Dorflehrerin wird dabei zu ihrer verbündeten und erschließt ihr Möglichkeiten, die sich durch ihre eingeengte Beziehung nie gesehen hatte. All diese Figuren ziehen einen in die Geschichte hinein, die wie ein wunderbarer Kinofilm im Kopf abläuft. Das Personal ist sehr unterschiedlich, mal sympathisch, mal garstig und fast bösartig, wodurch die Handlung immer weiter vorangetrieben wird und Katastrophen nicht ausbleiben. Das macht den Roman so spannend und lässt einen auch voller Vorfreude auf den nächsten Band warten, denn viele Probleme sind noch ungelöst in der Schwebe und natürlich wünscht man seinen Protagonisten und Protagonistinnen nur das Beste.
Hanna Caspian hat mit „Gut Greifenau. Nachtfeuer“ einen in sich stimmigen und unterhaltsamen zweiten Band zu ihrer Gut-Greifenau-Reihe geschrieben. Die Figuren entwickeln sich konstant weiter und die Lektüre macht einfach Freude.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur. 

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann hier noch einmal das Kurzinterview nachlesen, das sie Sarahs Bücherregal zum Erscheinen des ersten Bandes der Gut-Greifenau-Reihe gegeben hat. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Kent Haruf "Unsere Seelen bei Nacht"


Louis und Addie sind beide verwitwet und leben alleine in der fiktiven Kleinstadt Holt. Eines Tages fasst sich Addie ein Herz und bittet Louis, bei ihr zu übernachten, um zu reden und um sich nicht mehr so einsam zu fühlen. Langsam lernen die beiden sich besser kennen und genießen die Freuden des gemeinsamen Lebens. Doch von außen schlägt ihnen viel Ablehnung entgegen, weder ihre erwachsenen Kinder noch die Stadtbewohner wollen akzeptieren, dass die beiden im Alter ihre eigene Form von Glück gefunden haben.
Mich hat „Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf wirklich sehr angesprochen. Er beschreibt das Problem von Einsamkeit im Alter auf so berührende und selbstverständliche Art, dass es einem direkt ans Herz geht. Louis und Addie betrügen niemanden, sie hintergehen auch niemanden, sie wollen einfach nur nicht alleine sein und dennoch scheint es ihnen niemand zu gönnen. Ganz langsam fassen die beiden Vertrauen zu einander und teilen ihr Leben und ihre Gedanken, als Addies Enkel zu Besuch kommt, kaufen sie sogar gemeinsam einen Hund für ihn. Louis nimmt großen Anteil und es ist sehr bewegend, wie er seine eigene Komfortzone verlässt, um Addie näher zu kommen. Den fiktiven Ort Holt kannte ich schon aus „Abendrot“ und ist ein unterhaltsamer Schachzug, dass dieser Roman sich an einigen Stellen wieder auf die Geschichte aus Abendrot bezieht, und zwar in Form eines Theaterstücks, dass die beiden Hauptfiguren sich ansehen.
Kent Harufs Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ hat mich wirklich begeistert, es ist ein ganz besonderes Buch, das mit viel Wärme von zwei Hauptfiguren handelt, die nicht bereit sind, sich als alte Eisen abstempeln zu lassen und einfach nicht allein sein wollen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Netflix hat die wunderbare Buchvorlage mit Robert Redford und Jane Fonda in den Hauptrollen verfilmt. Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen, aber im Trailer kommt die Stimmung des Buches schon sehr schöne rüber und ich freue mich schon auf einen schönen Filmabend mit "Unsere Seelen bei Nacht". 




Montag, 4. Februar 2019

Petra Durst-Benning "Die Fotografin. Am Anfang des Weges"


Mimi Reventlow lebt Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Zeit, zu der Frauen eigentlich keinen anderen Anspruch an das Leben haben sollten, als zu heiraten und Kinder zu kriegen. Doch Mimi hat eigene Pläne, sie will Fotografin werden und die Welt sehen. Ihre Eltern haben glücklicherweise Verständnis und geben ihr eine kleine Starthilfe. Doch als ihr Onkel, ihr großes Vorbild als Fotograf, erkrankt, muss Mimi das Reisen erst einmal aufgeben. Sie geht zu ihm in den Weberort Laichingen und kümmert sich um ihn. Dort muss sie sich in einem Ort arrangieren, in dem die Zeit schon vor hundert Jahren stehengeblieben zu sein scheint. Es wird nicht leicht für die eigenwillige junge Frau, sich dort als Fotografin durchzusetzen.
Petra Durst-Benning beschreibt gewohnt flüssig und gut lesbar das Leben von Mimi, die einem in ihrer eigenwilligen und starken Art sofort ans Herz wächst. Schnell ist man in der Geschichte drin und genießt es, am Leben von Mimi teilzuhaben, man freut sich mit ihr und man leidet mit ihr. Was ich etwas störend an diesem Auftakt der Fotografinnen-Saga fand, war die Handlung an sich. Meiner Meinung nach passiert einfach viel zu wenig in diesem Roman, um einen Umfang von 400 Seiten zu rechtfertigen, die Figuren sind mir nicht detailliert genug gezeichnet und ich sehe auch wenig Entwicklung, die es spannend machen würde, wie die Handlung weitergeht. Im Grunde besteht der ganze erste Band daraus, dass Mimi zunächst recht erfolgreich ist, und dann in Laichingen „strandet“ und sich um ihren Onkel kümmert. Die Dorfbewohner sind ihr gegenüber skeptisch, das ist klar, doch auch hier gibt es meiner Meinung zu wenig unterschiedliche Facetten, um die Handlung wirklich mitreißend zu machen.
„Die Fotografin. Am Anfang des Weges“ ist ein unterhaltsamer historischer Roman, der mir aber zu wenig Handlung hat und auch in den Figuren auch zu flach bleibt, um mich wirklich zu begeistern. Ein leichter Schmöker, der mich nicht vollständig überzeugen konnte.


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Mittwoch, 30. Januar 2019

Kent Haruf "Abendrot"


Holt ist eine fiktive Kleinstadt in den USA, in der Kent Haruf seine Geschichten ansiedelt. In „Abendrot“ geht um verschiedenste Charaktere, die versuchen, sich durchzuschlagen und das Beste aus ihrem Leben zu machen, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. DJ zum  Beispiel wohnt bei seinem Großvater und freundet sich mit der Nachbarin Dena an, während Raymond seinen Bruder verliert, gleichzeitig aber echte Freundschaft und Liebe findet und Betty und Luther schaffen es auch nicht ihren Kindern zu Liebe aus ihrem Leben von Sozialhilfe in einem Wohnwagen und einem Umfeld voller Gewalt heraus. All diese Geschichten treffen sich an den Rändern, sind aber eigenständige Geschichten in diesem Roman.
Die Figuren und Lebensgeschichten in „Abendrot“ beschreibt Haruf so feinsinnig und respektvoll seinen Charakteren gegenüber, dass man nicht anders kann, als dieses Buch zu lieben. Es sind alles keine großen Erfolgsgeschichten, keine dramatischen Lebensentwürfe oder Skandale, die die Story prägen. Im Gegenteil, es sind eben die kleinen Momente im Leben, in denen sich doch so viel für einen Menschen entscheiden kann, die Haruf in den Mittelpunkt stellt. Es sind Geschichten von Hoffnung und Angst, Vertrauen und Verzweiflung, die einem als Leser ans Herz gehen und nicht mehr loslassen. Der Autor hat einen sehr guten Blick für Menschen und eine hervorragende Beobachtungsgabe, was es ihm in diesem Fall ermöglicht, seine Figuren detailliert zu beschreiben und sie dem Leser nahe zu bringen bis man das Gefühl hat, sie schon ewig zu kennen. Umso schwerer ist es, sie am Ende des Buches wieder gehen zu lassen.
Kent Haruf hat mit „Abendrot“ einen beeindruckenden Roman geschrieben, der mich restlos begeistert und wirklich angerührt hat. Seine Figuren sind so liebevoll beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst Teil der Geschichten in Holt zu sein. Ein grandioses Buch, das man nicht so schnell vergessen kann.

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Dienstag, 29. Januar 2019

Nana Claudia Nenzel "Toscana"


Die Toskana ist ein zauberhaftes Reiseziel und das neue DuMont Reise-Taschenbuch bietet viele Informationen für die Reise und die Vorbereitung. Der umfangreiche Reiseführer liefert Informationen zu den größeren Städten ebenso wie Essenstipps, Übernachtungs- möglichkeiten und Shopping-Ziele. Auch Hintergrundberichte zu Land und Leuten dürfen nicht fehlen und werden auf sehr kurzweilige Art in den Reiseführer eingebunden.
Für mich ist dieser Reiseführer ein sehr guter Basis-Reiseführer. Ich war selbst schon oft in der Toskana und für mich bietet der Reiseführer dann doch etwas zu sehr allgemeine Informationen, es fehlen die Geheimtipps und die Überraschungen. Auch zu Wanderungen oder Fahrradtouren hätte ich mir mehr Details gewünscht, zum Beispiel ein paar Wanderungen in ausführlicher Beschreibung, damit man direkt loslegen kann. Da war mir der Reiseführer dann doch zu oberflächlich. Das sind aber sehr spezielle Kritikpunkte, wer das allererste Mal in die Toskana fährt und sich erst einmal orientieren will, ist mit dem Reiseführer sehr gut bedient.
Nana Claudia Nenzel hat einen guten und informativen Einsteiger-Reiseführer für die Toskana beschrieben, der wenig Wünsche offen lässt und alle relevanten Informationen kurzweilig und logisch aufgebaut zusammenfasst. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, wird hier jedoch nicht auf seine Kosten kommen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des DuMont Reiseverlags.