Freitag, 28. September 2018

Claudia Schreiber "Goldregenrausch"


Marie wird als jüngstes Kind und einziges Mädchen in eine Bauernfamilie in Südniedersachsen geboren. Liebe erfährt sie von ihrer Familie wenig, interessant wird sie für die Eltern erst, wenn sie alt genug ist, um auf dem Hof zu helfen. Und so soll sich ihre Tante Greta, mit der die Familie sich eigentlich zerstritten hat, um die Nichte kümmern. Nach einem holprigen Start finden die beiden zueinander, entdecken ihre gemeinsame Liebe zur Natur und einen gemeinsamen Gegner, nämlich Maries Vater, der wenig Verständnis für seine Mitmenschen hat. Doch Dank Greta findet Marie am Ende auch so etwas wie Familienglück, wenn auch nur ein kleines bisschen.
„Goldregenrausch“ beschreibt auf sehr klare Weise die Kälte, die dem Kind entgegenschlägt genauso wie die kleinen Annäherungen zwischen Marie und ihrer Tante. Neben einer wirklich interessanten Story ist es hauptsächlich die Sprache von Claudia Schreiber, die mich in ihrer Klarheit und Nüchternheit fasziniert hat. Die Geschichte um Marie zieht einen schnell in seinen Bann und so unverständlich das Verhalten ihrer Familie für mich als Leser auch war, so realistisch beschreibt die Autorin es doch auch. Wenn die Bewirtschaftung des Hofes immer auch das nackte Überleben bedeutet, bleibt wenig Zeit für Sentimentalität und der Bauer und seine Frau sind derart abgestumpft gegenüber jeder Emotion, dass sie überhaupt nicht mehr merken, was sie ihrem Kind antun. Gewalt bedeutet nicht nur, jemanden zu schlagen, es kann auch Gewalt sein, wenn ein Kind völlig Missachtung durch die ganze Familie erfährt. Tante Greta ist die einzige Chance für Marie, ein Vorbild für Emotionen, aber auch für Sprache zu haben und so zu lernen und sich zu entwickeln.
Claudia Schreiber hat mit „Goldregenrausch“ einen faszinierenden und berührenden Roman geschrieben über das existentielle Bedürfnis nach Liebe und Beachtung eines Menschen und was es in ihm auslösen kann, wenn dies von frühester Kindheit an versagt bleibt. Doch es ist auch eine Geschichte über die Liebe zur Natur, die Kraft des Natürlichen und der Liebe zwischen zwei Menschen, deren enge Bindung eigentlich nicht vorgesehen war. Einfach ein bewegendes und großartiges Buch!


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Mittwoch, 26. September 2018

Isabel Allende "Ein unvergänglicher Sommer"


Drei Menschen werden in diesem Roman durch eine ungewöhnliche Situation zusammengeschweißt. Durch einen Auffahrunfall trifft Richard auf die junge Evelyn, eine Einwanderin aus Guatemala. Völlig überfordert mit der jungen aufgelösten Frau, holt er seine Nachbarin Lucia zur Hilfe, um Evelyn zu beruhigen und mit ihm herauszufinden, was das große Problem der Frau ist. Was daraufhin passiert, soll ihrer aller Leben unweigerlich miteinander verbinden und schickt sie gleichzeitig auf ein großes Abenteuer.
Isabel Allende hat mit „Ein unvergänglicher Sommer“ einen sehr stimmungsvollen und unterhaltsamen Roman geschrieben, der die berührende Geschichte von drei Einzelgängern erzählt, die über einen kuriosen Zufall zusammenfinden. In Rückblenden lässt die Autorin uns Leser dabei immer wieder an der Vergangenheit der Figuren teilhaben, so dass ihre aktuelle Situation und ihr Handeln immer schlüssiger werden. Die Figuren sind in all ihrer Eigenheit so liebevoll und detailliert beschrieben, dass sie einem beim Lesen unweigerlich ans Herz wachsen. Fast nebenbei vermittelt Allende dem Leser dabei noch ein Gefühl für die politischen und sozialen Probleme Südamerikas und der illegalen  Einwanderer in den USA. Ein Thema, das gerade durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und den Umgang der USA mit Migrantenfamilien an der Grenze zu Mexiko eine besondere Brisanz gewonnen hat und dem Buch noch eine zusätzliche Aktualität gibt.
Man muss sich auf die Geschichte in „Ein unvergänglicher Sommer“ einlassen, die trotz des Titels im eiskalten Winter spielt und ein klein wenig braucht, um richtig in Gang zu kommen. Umso schöner ist es dann, den Figuren bei ihrer Entwicklung zu folgen und sie auf ihr Abenteuer zu begleiten.

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Montag, 24. September 2018

Manuela Inusa "Das wunderbare Wollparadies"


Susan betreibt schon seit einigen Jahren ihr Wollparadies in der Valerie Lane. Doch während alle anderen ihrer Freundinnen einen Partner gefunden haben, bleibt sie lieber alleine mit ihrem Hund Terry. Den Männern hat sie ein für alle Mal abgeschworen. Doch gerade jetzt in der Weihnachtszeit wird sie sich ihrer Einsamkeit wieder bewusst und auch wenn sie in der Valerie Lane mit ihren Freundinnen ein echtes zu Hause gefunden hat, ist sie doch immer etwas allein. Als sie die lebensfrohe Charlotte als Aushilfe einstellt, bringt die jedoch frischen Wind in ihren Laden und auch ein Mann schleicht sich langsam in Susans Leben. Sollte sie der Liebe etwa doch noch eine Chance geben?
Wer die anderen Romane der Valerie-Lane-Reihe kennt, weiß genau, was einen bei diesem Buch erwartet: sympathische und schon bekannte Charaktere, ein flüssiger und gut lesbarer Schreibstil und natürlich jede Menge Romantik fürs Herz. Dieser Roman macht dabei keine Ausnahme. Von Susan haben wir bisher noch nicht viel erfahren können, dieser Band lässt uns Leser jetzt auch endlich an ihrer Geschichte teilhaben, die sehr viel trauriger ist, als die vorhergehenden Romane. Susan hat schon einiges erleben müssen und so geht dieses Buch wirklich sehr ans Herz. Doch es gibt auch viel Positives, der Weihnachtsmarkt in der Valerie Lane startet wieder, Laurie aus dem Teeladen steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes mit Ehemann Barry, deren Liebe wir seit dem Beginn der Reihe verfolgen können und Keira und Ruby haben auch ihr Glück gefunden.
Manuela Inusas neuer Roman „Das wunderbare Wollparadies“ macht wieder genauso viel Freunde wie die anderen Bände rund um die Valerie Lane und bringt einen dabei sogar schon in Weihnachtsstimmung, auch wenn es dafür eigentlich noch ein wenig zu früh ist. Eine großartige Fortsetzung für alle Fans der Valerie-Lane-Reihe.

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Freitag, 21. September 2018

Olivier Guez "Das Verschwinden des Josef Mengele"


Nach Ende des Zweiten Weltkriegs muss Josef Mengele nach Südamerika fliehen. Als Kriegsverbrecher gesucht, taucht er dort in einer Gemeinschaft aus Alt-Nazis unter, die sich unter dem Schutz von Péron in Argentinien ein angenehmes Leben machen. Doch mit den Jahren nimmt der Druck immer weiter zu, die Gemeinschaft löst sich auf und Mengele fühlt sich immer verfolgter, auch Scheinexistenzen und die Unterstützung seiner Familie aus Deutschland sind kaum noch eine Hilfe. Doch bis zum Schluss zeigt er sich uneinsichtig und sieht sein Handeln als großen Vaterlandsdienst an.
„Das Verschwinden des Josef Mengele“ ist ein unglaublich spannendes, frustrierendes und gleichzeitig wichtiges Buch. Es zeigt sehr deutlich, wenn auch in fiktionaler Form, dass es in den 40er und 50er Jahren kaum Bemühungen gab, die Nazi-Verbrecher zu fassen, viele wurden sogar direkt wieder in das politische System integriert. Gleichzeitig gibt der Autor Olivier Guez einen Einblick in das mögliche Denken des Kriegsverbrechers Mengele, der zahlreiche grausame Experimente an lebenden Menschen durchführte, nur um sie am Ende direkt umzubringen. Es bedarf schon einer unglaublichen Kaltblütigkeit, um dieses Handeln auch Jahrzehnte später noch immer vor sich selbst als wichtig und nötig zu rechtfertigen. An vielen Stellen lässt einem die Geschichte eine Gänsehaut über den Rücken laufen angesichts des Grauens, oft hat mich das Buch aber auch wütend und frustriert zurückgelassen. Wie leicht wurde es den Mördern gemacht, in Südamerika unterzutauchen, wie wenig wurde getan, um sie einer gerechten Strafe zuzuführen. Auch über 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz müssen wir darüber diskutieren, warum ein Josef Mengele so lange untertauchen konnte, warum so wenig getan wurde, um ihn und viele andere zu finden.
Dieses so schwierige Thema hat Olivier Guez dennoch auf schon fast leichte Art umgesetzt, seine Sprache ist wunderbar flüssig, auch wenn der Roman stilistisch fast wie ein Sachbuch daherkommt. Doch kleine Elemente genügen, um einen immer wieder von der sachlichen auf die emotionale Ebene zu bringen, so nennt er bei der Einführung neuer Personen häufig eine Zahl von ihnen ermordeter Personen direkt in Klammern hinter dem Namen. Eigentlich eine Kleinigkeit, doch die Zahlen sind in ihrer Nüchternheit so beklemmend, dass man erst einmal durchatmen muss, um weiterlesen zu können.
Bei der Lektüre von „Das Verschwinden des Josef Mengele“ schwankte ich ununterbrochen zwischen Neugier und Grauen, war gefangen zwischen Spannung und Abscheu und konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Ein großartiges Buch, dessen Thema in der heutigen Zeit absolut relevant ist und unbedingt gelesen werden sollte.

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Mittwoch, 19. September 2018

Laksmi Pamuntjak "Herbstkind"


Siri fühlt sich haltlos, seit sie erfahren hat, dass der Mann, den sie für ihren Vater hielt, es gar nicht war. In Berlin lebt sie als Künstlerin und versucht, einen neuen Start zu finden. Doch ihre Vergangenheit und private Konflikte nehmen sie in Beschlag und hemmen sie, ihre Heimat Indonesien holt sie auch in Berlin wieder ein.
Ich hatte mit „Herbstkind“ von Laksmi Pamuntjak bei der Lektüre große Probleme. Die Idee klang für mich so spannend und auch der Klappentext hat mich fasziniert, doch beim Lesen selbst konnte mich die Geschichte einfach nicht mitnehmen. Für mich zerfaserte die ganze Handlung immer wieder, teilweise konnte ich den Zusammenhängen gar nicht mehr folgen und die ganze Zeit war mir nicht klar, worauf die Autorin eigentlich hinauswollte. Worum sollte es bei der Geschichte gehen? Für mich war das alles einfach nicht greifbar, weder konnte ich das Handeln und Denken der Figuren nachvollziehen, noch ist mir das Thema des Romans richtig klar geworden. Fasziniert hat mich am Ende lediglich die sprachliche Umsetzung, die in diesem Fall auch der Übersetzung von Corinna Rodewald zuzuschreiben ist.
Zusammenfassend empfand ich den Roman „Herbstkind“ von Laksmi Pamuntjak als enttäuschend, ich konnte der Handlung nicht richtig folgen und auch die Figuren haben mich nicht erreicht.


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Sarah Bailey "Dark Lake"


Als eine junge und engagiert Lehrerin tot im See aufgefunden wird, ermittelt die Polizistin Gemma gemeinsam mit ihrem Partner Felix in alle Richtungen. Doch es fällt ihr schwer, neutral zu bleiben, kannte sie die Tote Rose doch noch aus Schulzeiten. Immer wieder holt Gemma ihre Vergangenheit ein und sie bekommt Schwierigkeiten, vor anderen zu verbergen, wie sehr sie dieser Fall persönlich betrifft. Wer hat diese junge Frau nur umgebracht, die so beliebt war und alle zu faszinieren schien?
„Dark Lake“ ist ein äußerst spannender Thriller, der ganz klar von der Hauptfigur lebt. Die ermittelnde Polizistin Gemma ist geprägt von zwei Todesfällen in jungen Jahren, einmal dem Tod ihrer Mutter und dann dem Selbstmord ihres ersten Freundes. Sie ist innerlich zerrissen und kann sich auch nur schwer auf ihre Beziehung und die Gefühle für ihren kleinen Sohn Ben einlassen. All das trennt sie eigentlich strikt von ihrer Arbeit, doch mit dem Tod einer Bekannten kann sie die Trennung nicht mehr aufrechterhalten, alles beginnt sich zu vermischen. Für den Leser entsteht die Spannung aus genau diesem Konflikt, denn die Mordermittlung an sich ist gar nicht so unglaublich spannend. Die psychologische Ebene ist jedoch so gut beschrieben, dass man als Leser schnell in die Geschichte hineingezogen wird. Man weiß nicht, ob einem Gemma wirklich sympathisch ist oder nicht, aber man leidet mit ihr, denn sie steht sich selbst häufig im Weg. Sarah Bailey schafft es, aus all den Elementen einen sehr runden Roman zu machen, der spannend ist und einen bewegt.
Mir hat „Dark Lake“ gut gefallen, was besonders an den spannenden Figuren lag, die sehr detailliert beschrieben sind und viele Probleme mit sich herumtragen, die nur langsam ans Licht kommen. Den Kriminalfall an sich fand ich nicht so unglaublich spannend, was durch die sehr gute und logische Konstruktion der Figurenkonstellation jedoch weniger ins Gewicht fällt.

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Dienstag, 11. September 2018

Benedict Wells "Die Wahrheit über das Lügen"


In zehn Geschichten erzählt Benedict Wells von den kleinen und großen Abgründen des Lebens, von Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, von Lüge und Wahrheit. Die Geschichten sind unterschiedlich lang, die Titelgeschichte ist mit Abstand die längste und setzt sich mit einer alternativen Realität auseinander, in der Zeitreisen möglich sind und ein junger Mann so das Leben von George Lucas, dem berühmten Erfinder der Star Wars Reihe, durcheinanderbringt. Eine witzige Idee, die wunderbar funktioniert, so wie Wells sie umsetzt.
Insgesamt sind alle Geschichten nicht nur sprachlich einfach großartig geschrieben, sie fließen dahin und ziehen einen als Leser schon von der ersten Zeile an mit. Auch die Situationen und Handlungsstränge, die der Autor beschreibt, sind mit so viel Kreativität und Witz umgesetzt, dass man als Leser einfach begeistert ist. Doch auch für die kleinen alltäglichen Situationen hat Wells einen ganz besonders Blick. Er schafft es, kleinen Momenten eine ganz große Bühne zu geben und auf den ersten Blick unscheinbaren Personen in den Fokus zu rücken, wie beispielsweise der immer zurücksteckenden Hausfrau in der Erzählung „Die Fliege“.
Ich bin von Benedict Wells Erzählband „Die Wahrheit über das Lügen“ einfach nur begeistert, selten haben mich in einem Sammelband wirklich alle Geschichten so direkt berührt wie in diesem Fall. Der Autor ist ist nicht nur ein großartiger Schriftsteller, er ist auch ein Beobachter und Menschenkenner, wenn er so viele verschiedene Figuren so auf den Punkt gebracht darstellen kann. Ein geniales Buch, das man immer wieder lesen muss, weil die Geschichten auf ihre Art so inspirierend sind.

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Freitag, 7. September 2018

Evelyn Waugh "Expeditionen eines englischen Gentleman"


Evelyn Waugh reiste 1930 für die Times als Sonderkorrespondent nach Addis Abeba, um den Krönungsfeierlichkeiten von Haile Selassie beizuwohnen. In diesem Buch beschreibt er nicht nur die ausführlichen Feiern, sondern auch seine Reiseerfahrungen, die Menschen, auf die er traf und die Abenteuer, die er erlebte.
Der Autor hat einen etwas bissigen und noch sehr imperialistischen Blick auf die Welt. Auch wenn er sich aufgeschlossen gibt, wirkten die Geschichten auf mich beim Lesen doch sehr vom Gedanken der Kolonisierung geprägt, was aber schlicht der Entstehungszeit geschuldet ist und keine Kritik sein soll. Sein Blick auf die Menschen, die er trifft, ist kritisch und teilweise bitterböse, andere Male merkt man ihm die Zuneigung wieder an. Alles in allem sind seine Reisebeschreibungen unterhaltsam, an manchen Stellen hätte meiner Meinung nach eine Kürzung jedoch eindeutig gut getan. Er verliert sich teilweise in uninteressanten Details, während ich mir noch mehr Beschreibung von Land und Leuten gewünscht hätte als von dem nächsten langweiligen Treffen mit einem Zigarren rauchenden Briten.
Evelyn Waughs Reisebericht „Expeditionen eines englischen Gentleman“ ist zwar unterhaltsam und stellenweise recht amüsant geschrieben, mir war es aber etwas zu langatmig und ohne Tempo. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass diese Reise ihn häufig gelangweilt hat und dass er das auch mit seinen Beschreibungen transportiert. Mir hat der ihm zugeschriebene satirische Biss doch etwas gefehlt.

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Mittwoch, 5. September 2018

Monica Sabolo "Summer"


Benjamins Schwester Summer ist vor 24 Jahren spurlos verschwunden, weder ihre Freundinnen noch ihre Eltern wissen, was genau geschah. Jahre später setzt Benjamin sich endlich mit seiner Vergangenheit und dem Verlust auseinander. Mit einem Therapeuten begibt er sich auf Spurensuche in seinem Gedächtnis, um sich endlich zu erinnern, was eigentlich geschah.
Monica Sabolo beschreibt diese Geschichte in einer sehr poetischen und bildhaften Sprache, Motive wie der See und das Wasser kommen immer wieder vor, wenn Benjamin sich an ihr Leben erinnert. In Rückblenden wird die Kindheit von Summer und Benjamin beschrieben, jedoch nicht immer chronologisch, alles springt und ist immer etwas schemenhaft und undeutlich. Was zunächst nach einer spannenden Suche nach der Wahrheit und den Erinnerungen von Benjamin beginnt, zerfasert leider im Verlauf der Geschichte. Die Autorin schafft es nicht, den Spannungsbogen beizubehalten und durch Wiederholungen und unscharfe Beschreibungen habe ich irgendwann das Interesse an der Geschichte verloren. Obwohl Benjamin wirklich schwere Dinge durchmachen musste, habe ich es nicht geschafft, als Leser irgendeine emotionale Bindung zu ihm aufzubauen. Die Geschichte konnte mich so nicht mitreißen, zudem habe ich die Auflösung als flach und zu simpel empfunden. Es wird zwar deutlich, auf was Sabolo abzielte, die oberflächliche Familie, ohne wirkliche Liebe, ohne Zusammenhalt, die den Schein nach dem Verlust der Tochter weiter versucht aufrecht zu erhalten. Doch all das hat mich als Leser nicht bewegen können.
Ich war leider etwas enttäuscht von Monica Sabolos Roman „Summer“, ich fand die Handlung stellenweise zusammenhangslos und konnte zu den Figuren keine Beziehung aufbauen. So hat mich das Buch leider nicht wirklich berührt und mit mitgenommen.

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