Posts mit dem Label Briefroman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Briefroman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. Januar 2020

George Saunders "Fuchs 8"

Fuchs 8 ist ein echter Träumer und er lebt sehr zufrieden mit seinem Rudel in einem Wald in der Nähe der Menschen. Ihn fasziniert die Sprache der Menschen und ihre Geschichten findet er spannend, also lernt er ihre Sprache. Als ein neugebautes Einkaufszentrum die Lebensgrundlage für ihn und alle anderen Tiere zerstört, schreibt er den Menschen einen Brief um seine Lage zu schildern und die Menschen zu mehr Rücksicht und Nettigkeit aufzufordern.
George Sauners Geschichte „Fuchs 8“ ist eines der bewegendsten und gleichzeitig liebesvollsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Der Fuchs schreibt den Menschen so, wie er denkt, dass man die Worte schreibt, die er gehört hat und so muss man sich schon ein bisschen „einlesen“ in die Sprache von Fuchs 8. Doch sein Schicksal ist so rührend und traurig zugleich, dass man sich schnell in die Welt des Fuchses hineinziehen lässt und seine Sichtweise annimmt. Seine Verständnislosigkeit gegenüber dem rücksichtslosen Verhalten der Menschen, denen er doch so viel Respekt und Neugierde entgegengebracht hat, können einen bei der Lektüre einfach nicht unberührt lassen. Hinzu kommen noch die wunderbaren Illustrationen, die die Geschichte begleiten und noch plastischer werden lassen. 
Mich hat „Fuchs 8“ ebenso traurig wie glücklich zugelassen, denn Fuchs 8 ist einfach ein Träumer und auch ein Optimist, er will sich nicht unterkriegen lassen. Ein wirkliches Ausnahmebuch, das einen sicher lange begleitet und immer wieder gelesen werden kann. Zudem ist es in Zeiten von Natur- und Klimaschutz so aktuell, dass man den Spiegel, den Fuchs 8 den Menschen vorhält, nur schwer zur Seite schieben kann. Wirklich ein beachtenswertes Buch!

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Luchterhand Literaturverlags. 

Dienstag, 3. Juli 2018

Paulo Coelho "Die Spionin"


Mata Hari umgibt bis heute etwas Geheimnisvolles: Berühmt geworden als Spionin und Tänzerin, wird sie 1917 zum Tode verurteilt und erschossen. Paulo Coelho beschreibt in seinem Roman „Die Spionin“ das Leben der Frau, die als Margarete Zelle in den Niederlanden geboren wurde und mit ihrem Mann nach Ostindien ging, bevor sie sie in verließ und unter dem Namen Mata Hari Berühmtheit erlangte.
Der Roman ist dreigeteilt und den Hauptteil bildet ein Brief, den Mata Hari aus dem Gefängnis an ihren Anwalt schreibt und in dem sie ihr Leben Revue passieren lässt. Sie betont mehrfach, dass sie davon ausgeht, begnadigt zu werden, doch die Geschichte beweist das Gegenteil. Durch diesen Brief bekommt der Leser einen sehr guten Einblick in das Denken und Handeln dieser fiktiven Mata Hari, denn auch wenn Coelho sich an der Biographie orientierte, kann er über ihr Innenleben immer nur spekulieren. Das macht er jedoch auf sehr spannende und bewegende Art und Weise. Obwohl ihre Handlungen sie kalt und berechnend wirken lassen, erreicht einen die Protagonistin schnell und man fühlt mit ihr mit, auch wenn einem bewusst ist, dass ihre Verantwortungslosigkeit sie unweigerlich in den Abgrund führt. Den Abschluss des Romans bildet ein Brief ihres Anwalts, in dem er seine Verteidigung erklärt und ihre Geschichte aus der Außensicht noch einmal in einem Zusammenhang rückt, der viele Zweifel an Mata Haris Version aufkommen lassen. Doch wie auch in der Realität, weiß man nie genau, was Erfindung von Mata Hari ist und was Realität. Und das macht die ganze Geschichte auch wieder so spannend.
Mit „Die Spionin“ ist Paulo Coelho eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Geschichte über eine der berühmtesten Spioninnen des 20. Jahrhunderts gelungen. Ein tolles Buch, das sich in einem Rutsch weglesen lässt, weil Mata Hari einen so in ihren Bann zieht – wie sie auch vor über 100 Jahren schon mit den Menschen tat, denen sie begegnete.

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und einem Interview mit dem Autor. Erschienen ist das Buch jetzt als Taschenbuch im Diogenes Verlag

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Sten Nadolny "Das Glück des Zauberers"

Pahroc ist bereits über 100 Jahre alt, als er beginnt seiner Enkelin Matilda Briefe zu schreiben, die sie bekommen soll, wenn sie volljährig ist. Der Grund ist ein besonderer, denn Pahroc ist Zauberer und schon in der Wiege zeichnet sich ab, dass Matihlda die gleichen Fähigkeiten haben wird. Und so lässt der Großvater sie in seinen Briefen an seiner Lebensgeschichte und seinen Erfahrungen mit der Zauberei in einem turbulenten Jahrhundert teilhaben. Er beschreibt seine Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus, dem Krieg und dem Wiederaufbau eines zerstörten Landes ebenso wie seine große Liebe zu einer besonderen Frau und gibt Mathilda dabei viele Weisheiten mit auf den Weg, die das Herz des Lesers erwärmen.
Die Geschichten von Sten Nadolny haben mich bisher nie enttäuscht, doch mit „Das Glück des Zauberers“ ist dem Autor ein herausragendes Buch gelungen. Selten habe ich es erlebt, dass ich ein Buch ganz bewusst zur Seite gelegt habe, um nicht zu schnell damit durch zu sein, um noch länger etwas davon zu haben. Die Hauptfigur schreibt die Briefe an seiner Enkelin so voller Liebe und Zuversicht in die Zukunft, dass ich sie durchweg sehr bewegend fand. Er selbst hat auch viel Schlimmes gesehen, doch nie hat er den Glauben an ein gutes Leben aufgegeben und gibt Mathilda jetzt all sein Wissen weiter, um auch ihr diesen Glauben und die Hoffnung zu ermöglichen. Dabei ist er auch stets humorvoll und beschreibt die Menschen und Situationen meist mit einem schalkhaften Zwinkern im Auge. Doch auch Fehler gesteht er ein und bittet darum, seine Enkelin möge es besser machen. Mich haben die Briefe sehr berührt und ich hätte das Buch gerne unendlich in die Länge gezogen, um jeden Tag weiter von Pahrocs Lebenserfahrung profitieren zu können und den Zauber zu genießen, den er in den Alltag eines Lesers bringt.
„Das Glück des Zauberers“ von Sten Nadoly ist ein bewegendes Buch voller Liebe und Hoffnung, großartig geschrieben und mit einer wunderschönen Idee. Selten habe ich so viele schöne Stellen in einem Buch angestrichen, so viele Klebezettel für Erinnerungen verteilt, wie in diesem besonderen Buch, das einen Ehrenplatz in jedem Bücherregal bekommen sollte. 

✯✯✯✯✯

Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Piper Verlags. 

Samstag, 31. Dezember 2016

John Williams "Augustus"

Als Julius Cäsar 44 v. Chr. ermordet wird, ist Gaius Octavius noch ein junger Mann und ein fast unbekannter Neffe des berühmten Julius Cäsar. Doch nach dessen Tod macht er sich auf den Weg aus Appollonia, wo er zur Ausbildung war, nach Rom, um dessen Erbe anzutreten. Bis er zum berühmten Kaiser Augustus werden soll, liegt da noch ein langer Weg vor ihm, der ihn auf viele Menschen treffen lässt, Freunde genauso wie Feinde. 
John Williams beschreibt in seinem Roman „Augustus“ das Leben dieser faszinierenden Persönlichkeit nicht als fortlaufende Erzählung, sondern in Briefen und Tagebucheinträgen von Menschen, die ihn kennen oder von ihm gehört haben. Durch diese Berichte erfährt der Leser viel über Augustus, jedoch ausschließlich von Außen und nicht von Augustus selbst. Doch die völlig unterschiedliche Darstellung von Familie, Freunden und Feinden in diesen fiktiven Dokumenten zeigt sehr gut die Streitbarkeit und Widersprüchlichkeit der Figur des Kaiser Augustus. Und gleichzeitig macht dieser Stil das Besondere an diesem Roman aus, man möchte die Hauptfigur Augustus die ganze Zeit genauer fassen, doch bleibt er in den Dokumenten eben immer nur aus Sicht der anderen im Mittelpunkt. Erst ganz am Schluss lässt Williams Augustus zu Wort kommen und vieles noch einmal aus seiner Sicht zusammenfassen. Dies rundet den Roman perfekt ab und als Leser bleibt man so bis zum Schluss gefesselt bei der Lektüre.
Mir hat „Augustus“ von John Williams ausgesprochen gut gefallen, besonders die Idee, einen historischen Stoff als Briefroman mit fiktiven Dokumenten zu schaffen, fand ich großartig. Wer sich für tiefer gehende und ernsthafte historische Roman interessiert, ist bei John Williams Roman „Augustus“ garantiert an der richtigen Adresse. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Leseprobe vom dtv Verlag.