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Dienstag, 31. Januar 2023

Shelly Kupferberg "Isidor"

 

Dr. Isidor Geller hat sich hochgearbeitet, aus der ärmsten Region Galiziens in die wunderschöne Stadt Wien. Er ist erfolgreich, hat eine mondäne Partnerin und führt ein großartiges Leben. Er kann sich nicht vorstellen, dass ihm jemand etwas anhaben kann. Er will nicht sehen, dass ich die Welt verändert, den Juden die Lebensgrundlage entzogen wird und man auch ihn nicht verschonen wird. Doch die Realität holt ihn ein und wie viele andere verliert auch er alles.

Shelly Kupferberg beschreibt in „Isidor“ die Lebensgeschichte ihres Urgroßonkels und auch ihres Großvaters Walter, der rechtzeitig vor den Nazis fliehen konnte. Es ist ein beeindruckendes Buch, das berührt und begeistert. Dies liegt auch am spannenden Stil der Autorin, die sehr gekonnt die Informationen aus recherchierten Dokumenten übergehen lässt in erzählerische Texte, die schon fast rein fiktiv wirken in ihrer Detailliertheit und Lebendigkeit. So liest man zwar die wahre Lebensgeschichte von Shelly Kupferbergs Familie, aber spannend und fesselnd wie ein sehr guter historischer Roman, der einen nicht mehr loslässt.

Mich hat „Isidor“ von Shelly Kupferberg wirklich begeistert, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es fast in einem durchgelesen. So berührend und gleichzeitig beispielhaft für die Zeit ist Isidors Geschichte, dass sie einen auch nach der Lektüre noch lange gefangen hält, ein ganz besonderes Buch.

✮✮✮✮✮

Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Das Buch wurde vom Diogenes Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Heidi Rehn "Vor Frauen wird gewarnt"

 

Vicky Baum ist eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit, als Schriftstellerin und Redakteurin im Ullstein Verlag lebt sie in den 20er Jahren in Berlin, getrennt von Mann und Söhnen macht sie Karriere. Doch es ist harte Arbeit, ständig zerrissen zwischen den Erwartungen des Verlags und ihren Lesern und auch ihrer Familie, die gerne nach Berlin nachkommen möchte. Doch dafür braucht auch ihr Mann erst eine Stelle in Berlin.

Heidi Rehn schafft mit ihrem biographischen Roman über Vicky Baum ein spannendes und interessantes Buch, das Einblick in das Leben dieser besonderen Frau gibt. Vicky Baum war eine Vorreiterin der Emanzipation, so selbstverständlich wie sie Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen versuchte, könnte sie auch in die heutige Zeit passen. Gleichzeitig war sie jedoch auch konservativ, sah sich nie als die große Emanze sondern als im Kleinen am eigenen Lebensentwurf arbeitende Frau. Diese Sichtweise fand ich sehr spannend. Heidi Rehn ist bekannt für mitreißende und zugleich bewegende historische Roman und dies ist ihr auch mit „Vor Frauen wird gewarnt“ wieder gelungen.

Heidi Rehns biographischer Roman „Vor Frauen wird gewarnt“ ist zugleich unterhaltsam und historisch interessant, ein sehr interessantes Buch, dass beim Lesen einfach Freude macht. 

✮✮✮✮✰

Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur. 

Das Buch wurde von der Verlagsgruppe Dromer Knaur als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 



Mittwoch, 9. Juni 2021

Joséphine Nicolas "Tage mit Gatsby"

 

Zelda und Scott Fitzgerald sind schillernde Figuren des New Yorker Partylebens der 20er Jahre, doch ihre Ehe ist nicht immer glücklich. Zelda ist eine starke Persönlichkeit, die sich nicht einfach unterordnen und Scott in seinen Bestrebungen blind unterstützen will. Damit Scott endlich Ruhe zum Schreiben findet, reisen sie 1924 mit ihrer Tochter nach Südfrankreich. Doch auch hier kommen die Fitzgeralds nicht zur Ruhe und Scott und Zelda reiben sich immer mehr aneinander. Können sie so überhaupt noch zusammenleben?

„Tage mit Gatsby“ ist ein fiktiver Roman entlang historischer Tatsachen, geschrieben aus der Sicht von Zelda Fitzgerald. Gerade diese Perspektive hat mich an dem Roman besonders beeindruckt, da sie einem das Leben der Fitzgeralds sehr nahe bringt. Mein Eindruck ist, dass gerade Zelda in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist, ihr tragisches Schicksal und das Leben an der Seite des berühmten Autos machen sie auch für die Literatur zu einer interessanten Figur. Joséphine Nicolas schafft es auf wunderbare Weise, einem das Innere von Zelda nahezubringen und sie trotz ihrer gerade wie Vergnügungssucht wirkenden Eigenarten nicht nur als oberflächlicher Flapper darzustellen, sondern auch als innerlich zerrissene Frau auf der Suche nach einer eigenen Rolle an der Seite von Scott und als Mutter von Scottie.

Joséphine Nicolas‘ Buch „Tage mit Gatsby“ vermittelt ein sehr gutes Bild vom Ehepaar Fitzgerald und macht gleichzeitig viel Freude bei der Lektüre. Toll geschrieben und aus einer interessanten Perspektive, das kann ich nur weiterempfehlen.

✭✭✭✭✭

Hier geht es zu weiteren Informationen des Dumont Verlags. 

Das Buch wurde vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Donnerstag, 27. Mai 2021

Buchtipp zum Todestag von Robert Koch


 

Heute jährt sich der Todestag von Robert Koch zum 111. Mal und dies nehme ich für eine kurze Buchvorstellung zum Anlass. Aktuell ist der Name Robert Koch in aller Munde, die Kurzform des nach ihm benannten Instituts RKI begrüßt uns jeden Morgen mit aktuellen Infektionszahlen und schafft es täglich in die Medien. Michael Lichtwarck-Aschoff hat sich ganz unabhängig davon in seinem Roman „Robert Kochs Affe. Der grandiose Irrtum des berühmten Seuchenarztes“ mit der Person Robert Koch beschäftigt und ein äußerst unterhaltsames und kurzweiliges Buch geschrieben.

Es ist ein spannendes Buch, das großartig in die Zeit passt und eine unterhaltsame und phasenweise skurrile Lektüre garantiert. An dieser Stelle gibt es von mit anlässlich des Todestages von Robert Koch eine absolute Leseempfehlung.

Und wer dieses Buch mag, dem kann ich nur „Als die Giraffe noch Liebhaber hatte“ vom gleichen Autor ans Herz legen, das Buch hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Hier geht es zu weiteren Informationen des Hirzel Verlags. Das Buch wurde als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Sonntag, 31. Januar 2021

Benjamin Ferencz "Sag immer deine Wahrheit"


 

Benjamin Ferencz war Chefankläger in den Nürnberger Prozessen gegen bedeutende Nazi-Größen und hat sein Leben lang für die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs gekämpft. Jetzt blickt er mit 100 Jahren zurück auf seinen Leben und gibt seine Erfahrungen und Vorstellungen an die nächsten Generationen weiter. 

 Wer an dieser Stelle einen 1000 Seiten umfassenden Wälzer mit detailliertesten Lebensbeschreibungen erwartet, von der Einschulung der Kinder und sein Hochzeit über die Arbeit in Nürnberg, seine Zeit in Europa und das Leben danach in den USA, der muss an dieser Stelle ganz eindeutig enttäuscht werden. Auf gerade einmal 160 Seiten fasst Ferencz zusammen, was das Leben ihn gelehrt hat und gibt den Leserinnen und Lesern einen äußerst kurzweiligen, unterhaltsamen und oft auch humorvollen Einblick in sein Leben. Ferencz hat mehr erlebt als die meisten Menschen in zwei Leben schaffen würden und hat sich nie unterkriegen lassen. Daraus zieht er auch eine seiner Hauptbotschaften: Gib nie auf, egal was andere sagen, egal was die Umstände oder die Gesellschaft die vorzuschreiben glauben, gib einfach nie auf. 

 Mich hat „Sag immer deine Wahrheit“ sehr beeindruckt. Trotz der Gräuel, die Ferencz in den Nazi-Lagern 1945 gesehen hat, trotz all der Gespräche und Ermittlungen, die zu den Nürnberger Prozessen geführt haben, hat er nie den Glauben an die Menschen und das Gute in der Welt verloren. Mich haben sein Leben und seine Erzählung sehr beeindruckt, ich hoffe, dass er damit sehr viele Menschen erreichen kann.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Heyne Verlags. 

Sonntag, 17. Januar 2021

Sophie Villard "Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück"

 

Peggy Guggenheim war eine leidenschaftliche Kunstliebhaberin und -sammlerin. Als Sie 1938 ihre eigene Galerie in London eröffnet, ist es ihr Ziel, moderne Kunst zu fördern und für viele Menschen zugänglich zu machen. Doch es sind schwierige Zeiten in Europa und so muss Peggy schon bald neue Prioritäten setzen. Nach einem Sommer in Frankreich befindet sich ganz Europa schließlich im Krieg und sie muss versuchen, mit ihrer Familie in den USA auszureisen. Doch ihr Ziel verliert sie nie aus den Augen und so rettet sie mit ihrer Familie unzählige moderne Kunstschätze vor dem Krieg und den Nazis nach Amerika, so dass sie noch heute ein breites Publikum in verschiedenen Museen erfreuen können. 

Sophie Villards Roman wirkt im Titel ein wenig sehr romantisch, „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ klang eher nach einem Liebesroman als nach einer fiktionalen Biographie mit dem Schwerpunkt auf der Kunstsammlung dieser bemerkenswerten Frau. Zwar spielt auch ihr Liebesleben eine Rolle, ihre gescheiterte Ehe, ihre Liebe zu Samuel Beckett und ihre Affäre mit Yves Tanguy, doch hauptsächlich zeigt das Buch eine starke, unabhängige Frau, die ihre Ziele nie aus den Augen verliert und bereit ist, etwas zu riskieren, wenn es sich ihrer Meinung nach lohnt. Dabei ist sie zwar manchmal auch etwas leichtsinnig, doch die Kraft und Hingabe, die Sophie Villards Peggy ausstrahlt, hat mich begeistert. Der ganze Roman ist sehr spannend und bewegend, die Autorin konzentriert sich ganz auf einen kleinen Ausschnitt von Peggy Guggenheims Leben und kann diesen den Leserinnen und Lesern großartig nahe bringen. 

 Mir hat „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ sehr gut gefallen, die Lektüre hat nicht nur viel Freude gemacht sondern auch einen spannenden Einblick in die moderne Kunstszene zu Beginn des zweiten Weltkriegs in Frankreich und London geliefert. Wer Lust hat, sich von einer starken und faszinierenden Frauenfigur mitreißen zu lassen, sollte Sophie Villards Buch über Peggy Guggenheim auf jeden Fall lesen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Mittwoch, 12. Februar 2020

Hédi Fried "Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden"

Es gibt immer weniger Überlebende, die von den Gräuel des Holocaust persönlich berichten können, umso wichtiger ist ein Buch wie „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“ von Hédi Fried. Sie fasst darin jene Fragen zusammen, die ihr in Gesprächen besonders mit Schulklassen immer wieder gestellt wurden und wie sie diese beantwortet hat. Das Themenspektrum reicht dabei von ihrer Kindheit und Jugend über das Familienleben, die Zeit in den Lagern der Nazis und ihr neues Leben nach dem Krieg in Schweden für sie und ihre Schwester. Sie waren die einzigen Überlebenden des Holocausts in ihrer Familie. 
Hédi Fried beschreibt alles auf eine sehr sachliche, fast distanzierte Art, was ihren Bericht jedoch umso eindringlicher macht. In ihrem Einzelbeispiel spiegeln sich das Leben und die Erfahrung unzähliger Menschen, die gleiches durchmachen mussten und von denen viele die Befreiung im Jahr 1945 nicht mehr erleben durften. Ihre Erfahrungen bewegen einen bei der Lektüre unweigerlich und machen einem immer wieder klar, dass das viel postulierte „Nie wieder“ niemals nur dahingesagt werden darf, sondern viel Arbeit und Information bedarf. Frieds Buch sollte eigentlich Pflichtlektüre für alle Schülerinnen und Schüler sein, die eben nicht mehr mit Zeitzeugen sprechen und sich so ein direktes Bild machen können.
Mich hat Hédi Frieds Buch „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“ sehr bewegt und betroffen gemacht, es ist sehr persönlich und dadurch geht es auch so unter die Haut. Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen, es gibt einen Einblick in den Holocaust, den kein Geschichtsbuch so nah vermitteln kann.

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Hier geht es zu weiteren Informationen im Dumont Buchverlag. 

Dienstag, 28. Januar 2020

Petra Hartlieb "Meine wundervolle Buchhandlung"

Es ist eigentlich eine Schnapsidee: Im Urlaub im Wien entdecken Petra Hartlieb und ihr Mann eine leerstehende alte Buchhandlung, gut gelegen und sehr charmant. Ein Traum entsteht, wie wäre es hier, eine eigene Buchhandlung zu haben, was wäre möglich, wie würde man es angehen? Mehr als Testballon wird ein Angebot abgegeben und plötzlich sind sie Inhaber eines Buchladens in Wien, während sie eigentlich mit den zwei Kindern in Hamburg leben. Und gerade der Teenager ist wenig begeistert von der Idee, Freunde und Schule hinter sich zu lassen, um in Wien mit seinen Eltern neu anzufangen.
Petra Hartlieb erzählt unglaublich charmant und unterhaltsam vom dem teilweise steinigen, aber auch wunderbaren Weg, den sie zurückgelegt hat, um „ihre“ Buchhandlung in Wien zu eröffnen. Sie erzählt von durchgearbeiteten Nächten und anspruchsvollen Kunden ebenso wie von geliebten Stammkunden und Nachbarn, die ungefragt aushelfen oder im Weihnachtsgeschäft die Belegschaft bekochen. Diese verschiedenen Personen fügen sich zu einem wunderbaren Bild zusammen, das den Leserinnen und Lesern einen großartigen Einblick in das Treiben in der Wiener Buchhandlung geben. Der Stil der Autorin ist dabei so wunderbar flüssig und anschaulich, dass man fast selbst mit im Laden steht und im verrückten Weihnachtsgeschäft Bücher nacherzählt und mit der Kasse kämpft. 
„Meine wundervolle Buchhandlung“ von Petra Hartlieb ist eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Geschichte, perfekt für alle, die Bücher so lieben wie die Autorin. Doch man muss auch eine Warnung aussprechen: Die Folge der Lektüre ist, dass man so einige der dort erwähnten Bücher unbedingt lesen möchte und so erst einmal in die nächste Buchhandlung muss. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Dumont Buchverlags. 

Mittwoch, 8. Januar 2020

Michaela Karl "Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an"

Unity Mitford war eine von Adolf Hitlers größten Verehrerinnen - und sie war Engländerin. Die Faszination, die Hitler nicht nur auf deutsche Frauen ausübte und wie viel Anklang Hitlers Politik zu Anfang auch bei vielen Engländern fand, beschreibt Michaela Karl in ihrer Biographie von Unity Mitford auf spannende und lebendige Weise. Doch nicht nur Unity war begeisterte Faschistin, auch einige ihrer Schwestern und ihre Eltern ließen sich von der Begeisterung für Hitler mitreißen und besuchten Unity immer wieder in Deutschland, wo sie in Hitlers engsten Kreis vorgedrungen war. 
Die Autorin schafft es, das Leben von Unity Mitford auf sachliche und dennoch spannende Art und Weise zu beschreiben, ohne sie für ihr Verhalten zu verurteilen. Ihr Leben ist beeindruckend und abschreckend zugleich und endete quasi mit der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland, in deren Folge Unity in München mit einem Kopfschuss versucht haben soll sich selbst zu töten. Beweise hierfür gibt es nicht, nur zahlreiche widersprüchliche Zeugenaussagen. Danach lebt sie stark eingeschränkt in England bei ihrer Mutter, das Leben in Glamour und politischer Bedeutsamkeit war vorbei. Michaela Karl hat schon einige Biographien geschrieben, beispielsweise über Dorothy Parker, doch Unity Mitford ist wohl die spannendste Persönlichkeit, die sie bisher vorgestellt hat. Dabei arbeitet sie wie immer sehr fundiert mit einer dichten Quellenlage und schafft es dennoch, den Menschen hinter den Fakten darzustellen und die Lektüre zu einer äußerst unterhaltsamen Angelegenheit zu machen. 
Michaela Karls Buch „Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an“ ist eine spannende Biographie, die eine in Deutschland fast vergessene Persönlichkeit der 30er Jahre beleuchtet. Wer sich für die 30er Jahre in Deutschland und Großbritannien interessiert und etwas hinter die Kulissen der deutsch-britischen Beziehungen schauen möchte, wird von diesem Buch auf jeden Fall begeistert sein. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Hoffmann und Campe. 

Montag, 16. Dezember 2019

Daniel Mendelsohn "Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich"

Es ist eine sehr berührende und auch spannende Geschichte, die Daniel Mendelsohn in „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich“ erzählt. Daniel Mendelsohn ist Dozent an der Universität und eines Tages beschließt sein pensionierter Vater, seinen Grundkurs über Homers „Odyssee“ zu besuchen. Es beginnt eine Reise, die den Lesern und Leserinnen nicht nur Homers beeindruckendes Epos näher bringt, sondern auch Vater und Sohn auf den langen Weg der Annäherung schickt. 
Mich hat das Buch von Daniel Mendelsohn sehr berührt, denn er beschreibt auf sehr eindrucksvolle Weise die Beziehung zu seinem Vater, die vielleicht typisch für viele Vater-Sohn-Beziehungen dieser Generation ist. Distanziert und geprägt von hohen Erwartungen, echten und eingebildeten Enttäuschungen und jeder Menge Schweigen und Stille zwischen den Personen, die sich eigentlich am nächsten stehen sollten. Die Geschichte der „Odyssee“ bringt die beiden in Diskussionen und auch in einer Reise wieder zusammen und ganz nebenbei kann man bei der Lektüre sehr viel über Homers Epos lernen, über Aufbau, Geschichte und Inhalt ebenso wie über die vielen offenen Stellen, die vielen Möglichkeiten der Interpretation und alle möglichen Varianten von Vater-Sohn-Beziehungen. Diese Mischung hat das Buch für mich so interessant gemacht und mich von der ersten Seite an fasziniert. 
Ich kann „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich“ nur allen Leserinnen und Lesern ans Herz legen, egal ob sie sich für die griechische Antike interessieren oder nicht, kann man hier vieles lernen und sich an vielen Stellen selbst hinterfragen. Ein berührendes Buch, das einen so schnell nicht loslässt. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Siedler Verlags. 

Dienstag, 10. September 2019

Michelle Marly "Madame Piaf und das Lied der Liebe"


Als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende entgegen neigt und die deutsche Besatzung in Frankreich endet, werden viele Künstlerinnen und Künstler der Kollaboration verdächtigt, so auch Edith Piaf, der französische Chanson-Star. Während die Ermittlungen sie belasten, trifft sie gleichzeitig ihre große Liebe. Yves Montand ist ein junger, unerfahrener Sänger und Edith Piaf wird zunächst seine Lehrmeisterin und dann seine Geliebte. Die Liebe zu Yves inspiriert Edith schließlich zu ihrem größten Hit „La vie en rose“. Doch der Weg dorthin ist steinig.
„Madame Piaf und das Lied der Liebe“ von gibt einen Einblick in das Leben von Edith Piaf, der berühmten Künstlerin, aber auch der Privatperson. Auch wenn ich die Entwicklung der Geschichte an sich interessant fand, konnte mich der Roman nicht endgültig überzeugen. Die Beschreibung der Charaktere bleibt mir zu oberflächlich und es fällt schwer, einen Bezug zur Protagonistin und all den anderen Figuren aufzubauen. Marly hat es meiner Meinung nach nicht wirklich geschafft, dass öffentliche Bild von Piaf stärker für ihre Geschichte zu unterfüttern. Es handelt sich hier schließlich nicht um eine Biographie, sondern um einen Roman, die Autorin hätte viele fiktive Mittel gehabt, um den Leserinnen und Lesern ihren Blick auf Edith Piaf und Yves Montand näher zu bringen, dies bleibt meiner Meinung nach jedoch fast komplett aus. Und so erfährt man zwar einiges über das Leben und Lieben von Edith Piaf, eine emotionale Bindung, die einen bewegt und mitreißt, baut man aber an keiner Stelle auf.
Die Beschreibung vom Leben Edith Piafs Leben ist unterhaltsam, lässt einen aber etwas ratlos zurück. Mich konnten die Figuren einfach nicht erreichen, es war mir zu sehr Nacherzählung eines Lebens und zu wenig Roman, um mich überzeugen zu können. Informativ war das Buch jedoch auf jeden Fall.  

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Taschenbuch Verlags. 

Dienstag, 25. Juni 2019

C. W. Gortner "Marlene und die Suche nach Liebe"


Wenn man an Marlene Dietrich denkt, sieht man vor sich sofort eine schmale blonde Frau im Smoking, die eine beeindruckende Selbstsicherheit ausstrahlt. Aufgewachsen im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll sie auf Wunsch ihrer Mutter eine berühmte Geigensolistin werden. Doch das Talent reicht nicht aus und so sucht sie sich ihren eigenen Weg auf die Bühnen der Welt, tanzt und singt in Revuen und kommt schließlich zum Film. Doch wer eine immer glückliche Frau vor sich sieht, täuscht sich. Marlene kämpft und hadert mit sich, hat zahlreiche Liebschaften, die sie mal mehr und mal weniger glücklich machen und kämpft als junge Mutter darum, eine Rolle zu finden, die zu ihr passt. Ein bewegendes Leben in bewegenden Zeiten.
In „Marlene und die Suche nach Liebe“ beschreibt C.W. Gortner das Leben von Marlene Dietrich sehr biografisch, dennoch schafft er es, eine besondere Spannung zu erzeugen, die einen bei der Lektüre in ihren Bann zieht. Marlene ist nach außen eine sehr schillernde Figur, die aber mit vielen Ängsten zu kämpfen hat und im Zweiten Weltkrieg zudem mit ihrer deutschen Herkunft hadert. Mir hat der sehr sachliche, aber dennoch fiktionale Stil des Autors sehr gut gefallen, hier wurde kein Kitschwerk produziert sondern eine sehr gut lesbare Geschichte über eine ganz besondere Frau. Ob man ihren Umgang mit Männern und Familie nun mag oder nicht hat sie eine weiche Seite, die einen beim Lesen berührt. Der Smoking, den sie manchmal wie eine Rüstung zu tragen schien, wurde ihr Markenzeichen und sorgte im prüden Amerika für viel Aufregung. Bei all den Skandalen war sie immer auf der Suche nach einem persönlichen Glück, dass ihr die Liebschaften oft nicht geben konnten und auch ihre Familie nicht dauerhaft. Es bleibt ein wenig offen, ob sie es in ihrem Leben jemals gefunden hat, zu wünschen ist es ihr auf jeden Fall.
„Marlene und die Suche nach Liebe“ ist ein sehr biografisch geprägter Roman über das Leben von Marlene Dietrich im Rampenlicht, ein spannendes und sehr schön geschriebenes Buch, das mir viel Freude gemacht hat.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Aufbau Taschenbuch Verlags. 

Mittwoch, 20. März 2019

Sy Montgomery "Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen"


Sy Montgomery ist ein echter Tiermensch, egal ob Hund, Huhn oder Oktopus, sie versteht es, eine besondere Bindung aufzubauen. In diesem Band erzählt sie nun von den Tieren, die ihr in ihrem Leben begegnet sind und welchen besonderen Einfluss sie in den verschiedensten Situationen auf sie hatten. Tiere sind für sie vielleicht ein bisschen die besseren Menschen, auf jeden Fall können sie uns ein Vorbild sein in Freundschaft, Loyalität und auch Emotionalität.
Man merkt der Autorin an, dass ihr dieses Buch ein echtes Herzensanliegen war, denn sie schreibt mit so viel Zuneigung und Wärme von den Tieren, dass man sie als echte Freunde und Weggefährten wahrnimmt. Die Geschichten sind dabei genauso unterhaltsam wie lehrreich und machen aus diesem Band eine sehr schöne Lektüre. Die einzelnen Episoden lassen sich gut unabhängig voneinander lesen, so dass es möglich ist, immer wieder einzusteigen und sich eine kleine Geschichte zwischendurch zu gönnen, während man sich vielleicht durch dicke Krimis oder schwere Gegenwartsliteratur arbeitet. Dazu gibt es ganz zauberhafte Illustrationen, die das Buch zu etwas ganz Besonderem machen, denn die beschriebenen Tiere bekommen damit auch gleich ein ganz wunderbares Gesicht.
„Einfach Mensch sein“ von Sy Montgomery ist ein wunderbarer Band von Berichten über das Leben mit Tieren und ihren Einfluss auf die Autorin. Mir haben die Geschichten sehr gut gefallen, die Lektüre war einfach eine Freude.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 

Donnerstag, 10. Januar 2019

Michelle Obama "Becoming. Meine Geschichte"


Ihr Mann stürzt sich in den Präsidentschaftswahlkampf in den USA und plötzlich kennt jeder ihren Namen: Michelle Obama. Fast zwei Jahre nach dem Ende ihrer achtjährigen Zeit als First Lady hat sie jetzt ihre Autobiographie geschrieben und nimmt die Leser mit auf eine Reise. Unter anderem in die South Side von Chicago, wo sie als junges Mädchen büffelte, um einmal ein besseres Leben zu führen als ihre Eltern, was keineswegs als Kritik an ihnen verstanden werden sollte, denn sie ermöglichten ihr eine Ausbildung, die nicht viele erhalten konnten. Über ihre Zeit in Princeton schreibt sie ebenso wie über ihre Ausbildung in Harvard, erste Liebe, Erfolge und Niederlagen und das erste Treffen mit dem Mann, der ihr Ehemann und Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte, Barack Hussein Obama, der Mann mit dem seltsamen Namen.
Wer eine langweilige Nabelschau erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt, denn Michelle Obama ist eine intelligente Frau, die es problemlos schafft, ihr Leben und ihre Erfahrungen auf eine höhere Ebene zu ziehen und daran gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen. Sie schreibt bewegend von dem Leben mit ihren Kindern und von ihrer Abscheu vor der Politik, mit der sie eigentlich nie etwas zu tun haben wollte. Barack und Michelle Obama sind ein besonderes Paar, wenn eine so starke und gebildete Frau wie Michelle dennoch bereit ist, ihr privates Glück für acht Jahre auf Eis zu legen und jeden Tag gegen die Medien und für die Privatsphäre ihrer Töchter zu kämpfen. Immer wieder setzt sie sich für Bildung, besonders für Mädchen, ein und macht klar, dass der Einsatz in der Schule Kindern die Möglichkeit geben kann, etwas Besseres aus ihrem Leben zu machen. Doch sie stellt auch klar: Niemals wird sie sich für ein politisches Amt bewerben, auch wenn sie noch so gebeten wird. Denn in der Welt, in der Donald Trump Präsident ist, sehnen sich viele nach ihrem klugen und ausgleichenden Wesen, dass sich weltweit Respekt verdient hat mit ihrer Aussagen im Wahlkampf „When they go low, wie go high“, wenn der Gegner das schlechteste will und zu miesen Methoden greift, darf man sich nicht seinem Maßstab anpassen, sondern muss die eigenen Maßstäbe noch höher setzen, ein Gegengewicht werden.
Die Autobiographie „Becoming. Meine Geschichte“ von Michelle Obama ist das spannende Buch einer beeindruckenden Frau, die für so viele als leuchtendes Beispiel vorangeht. Und doch versteht man nach der Lektüre, warum sie selbst sich nicht in der Politik sieht. Sie hat ihre gesamte Kraft in ihre Zeit im Weißen Haus gesteckt und ein bisschen hat man das Gefühl, dass ihr Leben im Januar 2017 mit dem Ende dieser Zeit noch einmal neu begonnen hat. Man wünscht ihr und ihrer Familie für diese neue Zeit nach der Lektüre nur das Beste, mich hat sie wirklich nachhaltig beeindruckt.   

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Goldmann Verlags. 

Dienstag, 8. Januar 2019

Stephan Talty "Black Hand. Jagd auf die erste Mafia New Yorks"


Anfang des 20. Jahrhunderts hält mit der „Black Hand“ die erste italienische Mafiagruppe in den USA die Stadt New York in Atem. Mit Erpressungen und Kindesentführung, Mord und Bombenanschlägen machen sie den Bewohnern Little Italys Angst. Doch keiner traut der Polizei, erst als Joseph Petrosino mit dem Italian Squad die erste Sondereinheit zur Bekämpfung der italienischen Mafia gründet, scheint es einen ersten Ansatz zu geben. Petrosino kämpft Zeit seines Lebens für seine Mitbürger und gegen die Mafia, doch letztendlich erhält er wenig Unterstützung und muss dies mit seinem Leben bezahlen.
„Black Hand“ beschreibt das Leben von Joe Petrosino und seinen Kampf gegen die Mafia manchmal spannend, manchmal jedoch auch etwas zäh und langatmig. Ähnliche Beschreibungen wiederholen sich und über all die Jahre scheint es wenig Abwechslung zu geben. Petrosino ist berühmt im Viertel, kämpft jedoch auf verlorenem Posten, dieser Tenor zieht sich durch das ganze Buch. Ich hätte mir  eine mitreißendere Beschreibung gewünscht, die nicht ganz so sachlich trocken daher kommt und dem durchaus spannenden Thema gerecht wird.

Inhaltlich fand ich „Black Hand“ sehr interessant, die Umsetzung war jedoch etwas zäh und trocken, obwohl Joe Petrosino eine beeindruckende Figur abgibt. Ich hatte mir von Stephan Taltys Buch etwas mehr erwartet.


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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Suhrkamp Verlags. 

Dienstag, 23. Oktober 2018

Valérie Trierweiler "Die Dame in Gold"


Adele Blochs Welt bricht zusammen, als sie nach einer Totgeburt auch noch ihr zweites Kind nach nur einer glücklichen Nacht verliert. Sie vergäbt sich und auch ihr liebender Mann Ferdinand kann sie nicht mehr erreichen. Um sie aus ihrer Lethargie herauszureißen, gibt er Portrait von ihr bei Wiens aktuell berühmtesten Maler in Auftrag: Gustav Klimt soll sie künstlerisch verewigen. Zwischen den beiden entsteht eine von Leidenschaft und Begeisterung geprägte Beziehung, die keine Zukunft hat und aus dem Auftrag entsteht eines von Klimts berühmtesten Gemälden, „Frau in Gold“.
Valérie Trierweiler beschreibt die Liebesgeschichte zwischen Adele und Gustav Klimt ausschließlich aus Adeles Perspektive und nur so lässt es sich rechtfertigen, es als Liebesgeschichte zu bezeichnen. Denn Klimt hatte zahlreiche Mätressen in der Wiener Oberschichte, hinterließ möglicherweise einige uneheliche Kinder und hatte dennoch immer eine Lebensgefährtin, Emilie Flöge, die ihm stets zur Seite stand, ihn trieben Neugier und Leidenschaft an, ob es Liebe war, bezweifle ich. Doch für Adele symbolisierte Klimt eben die Leidenschaft, die ihr in ihrer dennoch von Liebe und Zuneigung geprägten Ehe fehlte. Er schaffte Ablenkung und Abenteuer von ihrer verzweifelten Kinderlosigkeit. Diese Geschichte beschreibt die Autorin so sachlich wie auch eindringlich, vom Stil her fast sachbuchartig nimmt sie die Leserinnen und Leser mit auf eine spannende und aufregende Reise in die Wiener Oberschicht nach der Jahrhundertwende. In Wien treffen Armut und Reichtum aufeinander, Juden aus Osteuropa leben ärmlich am Stadtrand, während Adele in Wohlstand schwelgt. Ihr ist dieser Unterschied bewusst und sie hadert Zeit ihres Lebens damit, nicht mehr dagegen tun zu können. Ihr Traum, als Frau einmal in Österreich wählen zu dürfen, wird ihr nach dem Ersten Weltkrieg fast erfüllt- und doch wieder nicht, denn kurz vorher hat sie auf Drängen ihres Mannes die Tschechoslowakische Staatsbürgerschaft angenommen. Adele steht uneingeschränkt im Mittelpunkt dieser Geschichte und man kommt ihr bei der Lektüre sehr nahe, was den Reiz dieses Buches eindeutig ausmacht. Diese starke und spannende Frau, geschaffen nach ihrem historischen Vorbild und dennoch Fiktion, fasziniert einfach.
„Die Dame in Gold“ ist kein simpler romantischer Liebesroman, als der er in Frauenzeitschriften oft angepriesen wurde, es ist die Geschichte einer starken Frau in einer Zeit voller Umbrüche, die auf der Suche nach sich selbst ein leidenschaftliches Abenteuer findet, das ihr jedoch nicht alles geben, was sie zum Glück zu brauchen scheint.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Aufbau Verlags. 

Wer sich für das Thema interessiert, dem sei auch der Film „Die Frau in Gold“ ans Herz gelegt, der die Geschichte um das Bild weiterspinnt und davon erzählt, wie Adeles geliebte Nichte Maria sich das Bild Jahrzehnte nach der Enteignung durch die Nazis von den Österreichischen Behörden zurück erstreitet.



Mittwoch, 17. Oktober 2018

Bob Woodward "Furcht. Trump im Weißen Haus"


Donald Trumps Wahlkampf und seine Präsidentschaft sind seit über zwei Jahren ein in den Medien präsentes Thema. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland schaffen seine Tweets und zweifelhaften Aussagen es ebenso auf die Titelseite wie Spekulationen über das Verhältnis zu seiner Ehefrau Melania. Auch zahlreiche Bücher sind bereits erschienen, beispielsweise von Ex-FBI Direktor Comey oder das in den Medien viel beachtete Buch „Fire and Fury“ von Michael Wolff. Jetzt hat mit Bob Woodward einer der bekanntesten amerikanischen Journalisten ein Buch über Trump vorgelegt, wie er es bereits über viele amerikanische Präsidenten geschrieben hat. Vor Jahrzehnten deckte er gemeinsam mit seinem Kollegen Bernstein den Watergate-Skandal auf, in seinem Buch „Furcht. Trump im Weißen Haus“ beschäftigt er sich mit Trumps Wahlkampf und den ersten eineinhalb Jahren seiner Präsidentschaft, belegt durch viele Gespräche „unter zwei“ und „unter drei“ˣ, die er geführt hat.
Bob Woodward kann mit seinem Buch über Trump wirklich überzeugen. Nach zahlreichen reißerischen Veröffentlichungen in Zeitungen und in Buchform von zahlreichen Verfassern gelingt es ihm, einen durchweg sachlichen und dokumentierenden Ton beizubehalten. Äußerst seriös kann er aufschlüsseln, was hinter den Kulissen im Weißen Haus stattfindet und sich dabei auf viele Quellen berufen, auch wenn diese oft ungenannt bleiben. Hierfür wird er teilweise kritisiert, aber wie sollte er sonst über aktuelle Sachverhalte verlässlich berichten, denn Betroffene werden sich nur äußern, wenn ihre Anonymität garantiert wird. Gerade ein unkalkulierbarer Charakter wie Donald Trump wäre wohl nicht mit einem verständnisvollen Umgang zu rechnen, wenn Gespräche mit Journalisten bekannt würden. Zu Trumps Verteidigung muss gesagt werden, dass wohl kein Präsident gerne Mitarbeiter beschäftigt, die über interne Abläufe Informationen an Journalisten wie Bob Woodward weitergeben. Durch die Verwendung dieser ungenannten Quellen ist es Woodward jedoch gelungen, einen großartigen, wenn auch beängstigenden Einblick in den Arbeitsalltag im Weißen Haus zu liefern. Er beschreibt das Chaos, die Unberechenbarkeit des Präsidenten, seine Ignoranz und Unwissenheit in vielen Fachgebieten auf so nüchterne Art und Weise, dass einem nur das kalte Grausen den Rücken hinunterlaufen kann. Sein Anwalt Dowd zieht am Ende die Schlussfolgerung, dass Trump hauptsächlich ein berufsmäßiger Lügner sei. Ich würde nach der Lektüre noch die Schlussfolgerung ziehen, dass bisher einfach Glück und Zufall dazu geführt haben, dass Donald Trump die Weltordnung noch nicht in den Abgrund und den endgültigen Zerfall gelenkt hat.
Meiner Meinung nach ist es Bob Woodward großartig gelungen, sich von der Hysterie um die Präsidentschaft Trumps nicht beeinflussen zu lassen, er hat ein sachliches und hochinformatives Buch geschrieben, das dringend nötig war. Auch er beschreibt katastrophale Zustände im Weißen Haus rund um Präsident Trump, jedoch auf eine glaubwürdige und gründliche Art und Weise, die gerade dieses Buch lesenswert macht.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Rowohlt Verlags. 

ˣDer Sprachcode "unter zwei" betrifft Gespräche, bei denen Inhalt und Umfeld der Quelle wiedergegebenen werden dürfen, jedoch kein wörtliches Zitat. "Unter drei" bedeutet, dass die Information als Hintergrundinformation genutzt werden darf, jedoch nicht für die Veröffentlichung bestimmt ist. 

Donnerstag, 16. August 2018

Anthony McCarten "Jack"


Jack Kerouac war ein Held seiner Zeit, das Idol der Beatnics und hat mit „Unterwegs“ einen Kultroman und Literaturklassiker geschrieben. Dass er dafür das Leben seines Freundes ausschlachtete und ihn indirekt ins Gefängnis brachte, scheint einer der Gründe zu sein, die zu seinem Niedergang führten. Der Alkohol ließ ihn zusehends verfallen, er verkroch sich bei seiner Mutter. Doch als eine junge Literaturstudentin vor ihm steht, die nur den Traum hat, seine offizielle Biographie zu schreiben, lässt er sich davon mitziehen und taucht noch einmal ein die glänzende alte Zeit. Doch die Studentin scheint mehr Hintergedanken zu haben, als zunächst vermutet und reißt Jack mit in eine zerstörerische Geschichte.
Anthony McCarten mischt in seinem Roman „Jack“ fiktive und reale Elemente des Lebens von Jack Kerouac zu einem eindringlichen Roman, der einem als Leser einfach unter die Haut geht. Jacks Selbstzerstörung und das Spiel, das dabei noch mit ihm getrieben wird, lassen einen ebenso wenig kalt wie Jacks egoistisches und zerstörerisches Handeln seinem besten Freund Neal Cassidy gegenüber, den er zur Hauptfigur seines Romans „Unterwegs“ machte und so in eine Rolle drängte, die der echte Neal Cassidy nie spielen wollte. Konfrontiert mit der fiktiven Figur der Jan Weintraub, die in sein Leben eindringt und ihn aus seiner wohl eingerichteten Selbstzerstörung reißt, entsteht eine unglaubliche Spannung zwischen den Figuren, die einen als Leser fesselt und mitzieht in die Geschichte der Beatnic-Bewegung. Es ist die unglaubliche Mischung aus wahrem Leben und Imagination, die diesen Roman so besonders macht. Dabei ist der Stil von McCarten so pointiert und beschreibt in wenigen Worten eine Situation oder einen Ort so prägnant, dass man als Leser gemeinsam mit Kerouac auf dem Sofa sitzt oder mit Jan die Briefe liest, die Kerouac archiviert hat.
Mit „Jack“ hat Anthony McCarten mich uneingeschränkt überzeugt, er spielt mit den Erwartungen der Leser, verknüpft die wahre Biographie des Literaten Jack Kerouac mit fiktiven Figuren und Dialogen und schafft so eine Welt, die real und irreal zugleich zu sein scheint. Ein ganz besonderes Buch, das lange nachklingt und immer wieder die Frage aufwirft, wie ein Mensch sich selbst aushalten soll, wenn es eigentlich nicht mehr geht.

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Montag, 6. August 2018

Rüdiger Schaper "Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten"


Alexander von Humboldt ist weltberühmt, ebenso wie sein Bruder Wilhelm. Als Forschungsreisender hat er viel von der Welt gesehen, sich selbst immer gefordert und mit dem preußischen Militär – und Hierarchiedenken wenig anfangen können. Doch Rüdiger Schaper beschreibt in „Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“ nicht nur das bekannte Bild von Alexander von Humboldt, er betrachtet auch den Menschen hinter dem Reisenden, den Privatmann, soweit Zeugnisse der Zeit Schlüsse darüber zulassen.
Obwohl seine Biographie mit 288 Seiten keineswegs besonders umfangreich daherkommt, schafft Schaper es, einem Humboldt so nahe zu bringen, wie es wahrscheinlichen wenigen Autoren gelingen könnte. Er beginnt mit dem älteren Humboldt, verarmt, berühmt, zurück in Berlin, obwohl er sich doch eigentlich nur in Paris und auf Reisen so richtig heimisch fühlte. Von da arbeitet er sich an der Person Alexander von Humboldt ab, seinen berühmten Reisen, aber auch seiner Jugendzeit in Berlin, seinen Beziehungen und Freundschaften, die in prägten. Und seiner Abneigung gegen Tätigkeiten bei Hofe, denen er so oft wie möglich entflohen ist. Schaper beschreibt das Leben Humboldts so spannend wie einen mitreißenden Roman, so dass man als Leser schnell versunken ist in den Schilderungen der Reisen, die wie Abenteuergeschichten anmuten. Doch auch die persönliche Ebene arbeitet der Autor klar heraus und bietet so neue Einblicke in das Leben und Denken des weltberühmten Berliners, der eigentlich lieber Pariser gewesen wäre, wenn man seinen Aussagen glauben darf.
„Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“ ist eine äußerst gelungene und kurzweilige Biographie eines Mannes, der so viel wollte und am Ende doch ein wenig gescheitert wirkte – trotz Berühmtheit und trotz seiner bekannten Reisen.


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Dienstag, 15. Mai 2018

Connie Palmen "Die Sünde der Frau"


Connie Palmen hat einen äußerst scharfen Blick auf die Menschen, die sie in ihrem Buch „Die Sünde der Frau“ beschreibt. Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith sind Frauen, die weltweit bekannt sind, für ihre Kunst aber oft auch für ihre Exzentrik. Sie waren nicht bereit, sich in das Rollenklischee ihrer Zeit zu fügen und haben so immer wieder Menschen vor den Kopf gestoßen – aber auch beeindruckt. Palmen zeigt beeindruckend prägnant, dass hinter den öffentlichen Persönlichkeiten viele Ängste und Probleme verborgen sind, sie zahlen einen hohen Preis dafür, zu sein, wer sie sind.
Mit ihrem Roman „Du sagst es“, einer fiktiven Biographie von Silvia Plath und Ted Hughes, hat Connie Palmen mich völlig gefesselt und das setzt sie mit diesem kleinen Band fort. Sprachlich unglaublich fein und immer genau auf den Punkt gebracht, schildert sie das Leben der vier Frauen mit all ihren Abgründen, ohne zu urteilen oder gar zu verurteilen. Sie ist Beobachterin und Chronistin, nicht Richterin der Frauen, was die Texte so wunderbar macht. Auch wenn die Biographien, wenn man sie so nennen will, immer nur kurz sind, schaffen sie einen Einblick in das Leben und Denken der Personen, regen zu Mitgefühl an, ohne Mitleid zu heucheln.
„Die Sünde der Frau“ ist ein wunderbares Buch. Connie Palmen ist es auf großartige Art und Weise gelungen, das Leben von vier Frauen zu beschreiben, ihre Persönlichkeiten aufzuzeigen und den Leser auf diese Reise mitzunehmen. Dazu ist die optische Aufmachung des Büchleins vom Diogenes wunderschön gemacht, ein Schmuckstück im Bücherregal.  


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