Dienstag, 31. Januar 2023

Shelly Kupferberg "Isidor"

 

Dr. Isidor Geller hat sich hochgearbeitet, aus der ärmsten Region Galiziens in die wunderschöne Stadt Wien. Er ist erfolgreich, hat eine mondäne Partnerin und führt ein großartiges Leben. Er kann sich nicht vorstellen, dass ihm jemand etwas anhaben kann. Er will nicht sehen, dass ich die Welt verändert, den Juden die Lebensgrundlage entzogen wird und man auch ihn nicht verschonen wird. Doch die Realität holt ihn ein und wie viele andere verliert auch er alles.

Shelly Kupferberg beschreibt in „Isidor“ die Lebensgeschichte ihres Urgroßonkels und auch ihres Großvaters Walter, der rechtzeitig vor den Nazis fliehen konnte. Es ist ein beeindruckendes Buch, das berührt und begeistert. Dies liegt auch am spannenden Stil der Autorin, die sehr gekonnt die Informationen aus recherchierten Dokumenten übergehen lässt in erzählerische Texte, die schon fast rein fiktiv wirken in ihrer Detailliertheit und Lebendigkeit. So liest man zwar die wahre Lebensgeschichte von Shelly Kupferbergs Familie, aber spannend und fesselnd wie ein sehr guter historischer Roman, der einen nicht mehr loslässt.

Mich hat „Isidor“ von Shelly Kupferberg wirklich begeistert, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es fast in einem durchgelesen. So berührend und gleichzeitig beispielhaft für die Zeit ist Isidors Geschichte, dass sie einen auch nach der Lektüre noch lange gefangen hält, ein ganz besonderes Buch.

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Das Buch wurde vom Diogenes Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 10. Januar 2023

Lisa Graf "Dallmayr. Der Glanz einer neuen Ära"

 

Therese Randlkofer muss sich in diesem Band der Dallmayr-Reihe den laufenden Veränderungen der Zeit stellen. Ihre Kinder sind groß geworden und wollen Mitspracherecht im Unternehmen, die Zeiten werden gleichzeitig schwieriger, bis ein Weltkrieg alles in Aufruhr versetzt und auch Thereses Pläne in Frage gestellt werden. Es sind aufregende und schwierige Zeiten für das Haus Dallmayr und dennoch verliert die Firmenchefin nie ihren Optimismus und ihre Tatkraft, wenn es um die Weiterentwicklung des Unternehmens geht.

Im zweiten Teil der Reihe rund um die Randlkofers und das Unternehmen Dallmayr geht es um deutlich handfestere Probleme als im ersten Band, was mir sehr gut gefällt. Es geht weniger um Liebesgeschichten und emotionale Dramen und als um wirtschaftliche und politische Veränderungen, was die Geschichte und auch die handelnden Personen voranbringt. Der Schreibstil von Lisa Graf ist dabei sehr mitreißend und anschaulich, man lernt die Figuren schnell und gut kennen und ist so mitten drin in der Geschichte. Da man die Charaktere größtenteils schon aus dem ersten Band kennt, macht das Wiedersehen viel Freude und das Buch ist schon fast zu schnell wieder  zu Ende.

Mir hat „Dallmayr. Der Glanz einer neuen Ära“ tatsächlich noch etwas besser gefallen als der erste Band, da auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen stärker in den Fokus gerückt wurden. Ein sehr gelungener historischer Roman, der hoffentlich noch eine Fortsetzung bekommt.

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Das Buch wurde über das Bloggerportal der Verlagsgruppe Penguin Random House kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Freitag, 6. Januar 2023

Ellen Sandberg "Das Unrecht"

 

Der Herbst ist für Annett immer besonders düster, erinnert er sie doch an die schlimmste Zeit ihres Lebens. Es zieht sie zurück nach Wismar, die Stadt ihrer Jugend und der ersten Freundschaften. Annett beschließt, sich auf die Suche nach Antworten zu begeben und herauszufinden, was damals genau passierte, das so viele Leben veränderte und zerstörte. Denn ein Verrät schwebt über allem und sie will endlich wissen, wer sie vor 30 Jahren verraten hat.

Ellen Sandberg schreibt Romane, die so spannend und intensiv sind, dass man sie gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit „Das Unrecht“ übertrifft sie sich noch einmal wieder selber, denn der Fall ist so unfassbar grausam, wie Annett ihn langsam auflöst, dass er ihr noch einmal den Boden unter den Füßen wegzieht, so viele Jahre später. Die sympathische Protagonistin steht einem schnell Nahe und so leidet man mit ihr von Seite zu Seite, während sie ihre Vergangenheit neu entdeckt und auch die Gegenwart damit grundsätzlich verändert. Die Wendungen sind so spannend und überraschend, dass man fast nie mit ihnen gerechnet hat und so kann man als Leserin nicht anders als einfach immer weiterlesen, um mit Annett endlich auch das letzte kleine Teil zur Lösung zu finden.

„Das Unrecht“ von Ellen Sandberg ist ein unglaublich spannendender und großartig geschriebener Roman. Bis in dem kleinsten Detail passend und logisch lässt die Autorin einem keine Pause und reißt einen von der ersten bis zur letzten Seite mit. Einfach ein großartiges Buch, dass ich nur jedem empfehlen kann.

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Donnerstag, 29. Dezember 2022

Katrine Engberg "Wintersonne"

 

Während Jeppe Körner auf Bornholm versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und im Wald Bäume fällt, muss Annette Werner die Leitung eines neuen Mordfalls übernommen. Auf einem Spielplatz wird ein vergrabener Koffer gefunden, darin die Hälfte einer Leiche. Erst einmal müssen sie herausfinden, wer der Tote überhaupt ist, bevor sie eine Chance haben, den Mörder zu finden. Und passenderweise führt die Spur nach Bornholm, wo Jeppe eigentlich versucht, den Polizeidienst zu vergessen.

Katrine Engbergs Ermittlerduo Jeppe Körner und Annette Werner ist mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen und so war die Freude auf den neuesten Krimi der Dänin groß. Und sie enttäuscht einen nicht, wieder verbindet sie eine unglaublich spannende Geschichte mit interessanten Personenkonstellationen und einem mitreißenden Schreibstil. Wie die Ermittler tappte ich als Leserin bis zum Schluss im Dunkeln, die Auflösung war sehr überraschend. Besonders mit der bis in die letzte Feinheit durchdachten Konstruktion ihrer Kriminalfälle kann mich Engberg immer wieder überzeugen. Es greifen so viele Elemente perfekt ineinander, dass man am Schluss völlig überrascht vor dem aufgedeckten Komplott steht, dass da vor einem ausgebreitet wird.

Katrine Engbergs neuester Roman „Wintersonne“ ist ein großartiger und spannender Krimi, der einen von der ersten Seite an fesselt und überrascht. Ich bin ein großer Fan von Katrine Engbergs Romanen und wie alle vorher kann auch „Wintersonne“ auf ganzer Linie überzeugen.

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Das Buch wurde vom Verlags als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

Freitag, 18. November 2022

Leïla Slimani "Schaut, wie wir tanzen"

 

Die Geschichte von Mathilde, einer Französin die sich in einen marokkanischen Soldaten verliebte und ihm nach dem Zweiten Weltkrieg in seine Heimat folgte, geht in diesem Roman weiter. Doch hauptsächlich geht es weiter im Leben ihrer Kinder, die inzwischen erwachsen sind und ganz eigene Erfahrungen sammeln, während Mathilde und Armine Belhaj auf ihrer Farm leben, Matilde verbittert und am Ende ihrer Kräfte wie es scheint, Armine ehrgeizig und fordernd wie eh und je.

Leïla Slimanis Sprache ist derart eindrucksvoll und poetisch, dass ihre Geschichten einen im tiefsten Inneren erreichen müssen. Matildes Tochter Aicha kehrt zurück vom Medizinstudium in Frankreich und trifft auf eine eingefrorene Welt, in der nichts veränderbar zu sein scheint, in der alles bleibt, wie es war. Doch sie lernt auch die Freiheit kennen und die Aufbruchsstimmung einer Jugend, die das Land verändern will. Dieser Widerspruch zwischen ihren Erfahrungen in der Familie und denen mit Freunden in der Großstadt macht die Geschichte so unglaublich interessant. Slimani zeigt eindrücklich die Zerrissenheit dieses Landes, das nach den Jahren des französischen Kolonialismus seine Unabhängigkeit erreicht und dennoch auf der Suche nach dem richtigen Weg ist. Während Aicha die ordentliche Studentin ist und lernt, driftet ihr Bruder Selim völlig ab in Affären und Drogenexzesse, er zerbricht regelrecht am Vorbild seines Vaters, der ihn mit scheinbar unerfüllbaren Erwartungen überlastet.

Die Romane von Leïla Slimani sind immer einmalig, sie stechen hervor und sind mit nichts vergleichbar. Sie begeistert mich mit einer wunderschönen Sprache und einer Beobachtungsgabe, die die Figuren in echte Menschen zu verwandeln scheint. „Schaut, wie wir tanzen“ ist ein phänomenaler Roman, voller widersprüchlicher echter Figuren und Geschichten, die so gut erzählt sind, dass sie vor dem eigenen Auge wirklich stattzufinden scheinen- einmalig schön und bewegend.

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Sonntag, 13. November 2022

Gordon Tyrie "Schottenkomplott"

 

Hynch hat sich nach seiner Karriere als Auftragskiller auf eine kleine Hebrideninsel zurückgezogen, um dort seinen Ruhestand zu genießen und hoffentlich nie gefunden zu werden. Doch das gelingt ihm nicht, nach einem letzten verpatzten Auftrag soll er von einer Konkurrentin umgebracht werden. Und das alles, während er seit langer Zeit endlich wieder ins Dating einsteigen will, so muss er hinter jedem Date seine Killerin vermuten. Beobachtet und kommentiert wird das alles von Thin Lizzy, einem Highland-Rind, dass sin der Tiertherapie arbeitet und dort Hynchs Bezugstier ist.

Angepriesen als Cosy-Krimi, also ein etwas gemächlicherer Krimi vor schöner Kulisse, hatte ich mich auf das Buch gefreut. Ich bin ein großer Fan von den französischen Reihen „Madame le Commissaire“ und „Bruno Chef de Police“, die ebenfalls oft das Leben der Leute in den Vordergrund stellen und den Kriminalfall auch mal in den Hintergrund treten lassen. Doch dieser Roman war mir dann doch deutlich zu „cosy“, es passiert nämlich die meiste Zeit einfach gar nichts. Das Leben plätschert dahin, ohne berichtenswerte Geschehnisse und so nett die kleinen Beiträge der Tiere dazu auch sind, schaffen sie es nicht, die Handlung am Laufen zu halten. Nach über der Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, dass der Plot noch kein Stück weiter gekommen war und die Figuren immer noch blass und beliebig waren. Die Charaktere haben zu wenig spezielle Eigenheiten und werden zu wenig beschrieben, um die Handlung wirklich voranzubringen, so dass einfach die ganze Zeit alles vor sich hin plätschert.

Für mich war „Schottenkomplott“ von Gordon Tyrie leider eine totale Enttäuschung, ein Buch mit viel zu wenig Handlung und ohne Entwicklung der Figuren. Wer sich für die Landschaftsbeschreibung der Hebriden interessiert, kommt hier zumindest passagenweise auf seine Kosten, ansonsten kann ich das Buch leider nicht empfehlen.

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Donnerstag, 10. November 2022

Sabine Bohlmann / Kerstin Schoene "Der kleine Siebenschläfer. Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten"

 

Es ist schon aufregend, wenn ein Freund bei einem übernachten darf. Und so strengt der kleine Siebenschläfer sich besonders an, alles schön zu machen für die Haselmaus. Doch es hilft nichts, ohne Gute-Nacht-Geschichte kann die Haselmaus nicht einschlafen. Und so macht sich der Siebenschläfer auf den Weg durch den Wald, um die perfekte Geschichte für seinen Freund zu finden.

 Dieses Vorlesebuch für kleine Kinder ist absolut gelungen. Unser Sohn liebt die Geschichten, die alle sehr liebevoll geschrieben sind und immer einen schönen Hintergrund mitbringen. Ohne es zu merken, sammelt der Siebenschläfer durch seine Erlebnisse unglaublich viele Geschichten, die Freude machten und zeigen, dass Freundschaft, Zusammenhalt und Unterstützung unglaublich wichtig sind.

„Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“ ist ein sehr schönes Vorlesebuch, empfohlen für Kinder ab vier Jahren. Bei uns ist das Buch aber auch für einen dreijährigen schon jeden Abend dabei und darf nicht fehlen.

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