Mittwoch, 3. Oktober 2012

Cody McFadyen "Ausgelöscht"


Bei der Hochzeit einer FBI Agentin kommt es  zu einem unerwarteten Zwischenfall: Eine halb besinnungslose Frau, abgemagert und orientierungslos, wird aus einem fahrenden Auto geschubst und torkelt auf das gerade verheiratete Brautpaar zu. Wie sich herausstellen soll, ist diese unerwartete Besucherin selbst Polizistin und vor acht Jahren entführt worden. Ihr Peiniger hielt sie in kompletter Dunkelheit gefangen und folterte sie regelmäßig. Smokey Barett und ihr Team machen sich an die Arbeit und jagen den skrupellosen Täter. Dass der noch zu viel schlimmeren Dingen fähig ist, wird schnell klar: Eine weitere verschwundene Frau taucht auf, sie wurde lobotomiert und ist nur noch eine vor sich hin vegetierende Hülle. 
Obwohl dies bereits der vierte Teil der Reihe von Cody Mcfadyen rund um die Agentin Smokey Barett ist, war es mein erster Thriller des Autors, den ich gelesen habe. Zwar erscheint es etwas unwahrscheinlich, wie viele schlimme Dinge Smokey, ihrer Familie und ihrem Team schon zugestoßen sind, trotzdem fand ich den Roman großartig geschrieben. Von der ersten bis zur letzten Seite gelingt es dem Autor, die wahnsinnige Spannungskurve aufrecht zu erhalten. Immer wenn man als Leser denkt, man hätte alles durchschaut kommt es zu neuen, unvorhergesehenen Ereignissen, die alles über den Haufen werfen und gemeinsam mit dem -außerordentlich sympathischen- Ermittlerteam tappt man wieder völlig im Dunkeln. Ich habe die 450 Seiten an einem Tag komplett durchgelesen, weil ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. 
Ein Thriller im Stil von Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“ oder Casey Hills „Tabu“- einfach großartig!

Montag, 1. Oktober 2012

Robert Goolrick "Ein wildes Herz"


Amerika 1948. Charlie Beale tritt in das Leben der Kleinstädter in Brownsburg, ein redlicher, rechtschaffener Mann, der in der örtlichen Metzgerei zu arbeiten beginnt, zwar seine Probleme mit der Kirche hat, aber dennoch hilfsbereit und ehrlich ist. Bis er die Frau trifft, die nicht nur sein Leben für immer verändern soll. Seine Liebe zu der verheirateten Sylvan Glass reißt ihn aus allem, was bisher seine Maßstäbe waren, zerstört alles, wonach er leben wollte. Heimlich treffen die beiden sich immer wieder, wenn er eigentlich mit dem Sohn des Metzgers einen Nachmittag verbringt. Der Junge sitzt in der Küche und liest Comics, während er auf seinen Freund wartet. Er ist fünf und versteht nicht, was eigentlich passiert, aber er weiß, dass er nichts sagen darf, das hat Charlie ihm eingeschärft. 
Robert Goolrick beschreibt in seinem zweiten Roman, wie die Liebe dieses Paar einen Abgrund aufreißt und alle mitzieht, die ihnen Nahe stehen. Was mit etwas so Positiven wie der unzerstörbaren Liebe und Leidenschaft zwischen Charlie und Sylvan beginnt, rast wie einer klassischen Tragödie auf den Untergang, die Katastrophe zu. Ohne es zu merken, schadet Charlie schnell allen, die in seinem Umfeld leben und zerstört das Leben seines kleinen Freundes Sam, ohne wirklich Notiz davon zu nehmen, so blind macht ihn seine Liebe zu der verheirateten Frau. Was bleibt, sind kaputte Familien, zerstörte Menschen und mehr Tote, als diese Liebe jemals rechtfertigen könnte. In „Ein wildes Herz“ zeichnet Goolrick eine Liebesgeschichte jenseits aller kitschigen Liebesromane, seine Liebe ist ist nicht sanft, nicht zärtlich oder mitfühlend, er zeigt die Liebe mitsamt des Egoismus, den sie mit sich bringt und der Zerstörung, die sie hinterlässt. „Ein wildes Herz“ ist ein besonderes Buch, ein großartiger Roman, der dazu verleitet, ihn immer wieder neu zu entdecken. 
Dieses Buch kann einen ein Leben lang begleiten und jedes Mal, wenn man es nach ein paar Jahren wieder in die Hand nimmt und sich erneut auf die Reise mit Charlie Beale und Sylvan Glass macht, wird man vielleicht eine neue Sicht auf die Geschichte gewinnen, beeinflusst vom eigenen Leben, von den eigenen Erfahrungen. Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich dieses Buch ins Regal zu stellen und immer wieder zu lesen. 

Mittwoch, 26. September 2012

David Baldacci "Die Wächter"


Der Camel Club um Oliver Stone ist wieder unterwegs: Bei einem Treffen beobachten sie, wie ein Mann ermordet wird. Die Täter lassen es wie Selbstmord aussehen und als wenig später bekannt wird, dass das Opfer Mitglied eines wichtigen amerikanischen Geheimdienstes war, beginnen sie zu recherchieren. Mit Hilfe eines Freundes von Oliver, der selbst Mitglied des Secret Service ist, wollen sie herausfinden, was hinter diesem Mord steht. Sie ahnen nicht, dass sie in ein riesiges Wespennest stoßen, bei dem es um viel mehr geht, als nur einen einzelnen Mord.
Dieser Thriller vom Erfolgsautor David Badacci ist wieder einmal großartig. Der Stil des Buches ist mitreißend und spannend, die Charaktere die Camel Clubs sind mir schon im letzten Band ans Herz gewachsen. Die Beschreibung der Personen ist detailliert und man hat das Gefühl, dass der Autor seine Charaktere selber sehr gerne mag. Ihre Ermittlungsmethoden sind zwar immer etwas unkonventionell, doch auch in diesem Fall kommen sie wieder erfolgreich ans Ziel. Auch wenn hohe Dienstgrade der Geheimdienste gegen sie arbeiten. Und gegen seinen Willen wird bei diesen Ermittlungen auch die wahre Identität von Oliver Stone, dem Anführer des Clubs gelüftet, was diesem Fall noch einige neue Verwicklungen beschert.
Ein sehr guter, klassischer Thriller, in dem es um die Macht der Geheimdienste, den Kampf gegen den internationalen Terrorismus und den mächtigsten Mann der Welt geht – absolut empfehlenswert!

Freitag, 21. September 2012

Guillaume Musso "Lass mich niemals gehen"


Als Ethan eines Tages mit seiner Verlobten und seinem besten Freund einen Ausflug nach New York macht, entscheidet er von einem Moment auf den anderen, sein altes Leben zu verlassen. Er lässt die beiden weitergehen und setzt sich in der belebten Stadt ab, um neu zu beginnen. Er wird eine berühmter Psychologe, schreibt Bücher und sitzt in Talkshows. Doch vergisst er nie seine große Liebe, Céline, eine Französin, die er verlassen hat, als sie zu ihm nach New York ziehen wollte. 
Guillaume Musso beschreibt den 31. Oktober 2007 im Leben aller Personen, die für Ethan wichtig sind. Doch plötzlich fühlt sich Ethan wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, denn als er morgens aufwacht, ist es wieder der 31. Oktober 2007 und er hat erneut die Chance, alles wieder gut zu machen. Denn Fehler hat Ethan in seinem Leben viele gemacht, das wird dem Leser schnell klar.
Die Idee für den Roman ist wirklich sehr schön, ein Mann, der für seine große Liebe kämpft und versucht, Menschen um Verzeihung zu bitten, denen er geschadet und die er verletzt hat. Leider habe ich bis kurz vor Schluss keinen richtige Zugang zu der Geschichte gefunden, was das Lesen erschwert hat. Dies liegt zum Teil sicher auch an der sehr unsympathischen Hauptfigur, die mir nicht sehr gefallen hat. Auch wenn er versucht, Fehler wieder gut zu machen, wirkt er noch arrogant und überheblich in seiner Ansicht, alles müsse sich nach ihm richten, auch die Gefühle der anderen Menschen und ihre Fähigkeit ihm zu verzeihen. Er scheint mir bis zum Schluss nicht wirklich verstanden zu haben, welche Dummheiten er begangen hat. Gleichzeitig schwebt über der Geschichte die Aussage, dass sowieso alles vom Schicksal bestimmt ist, er also tun kann was er will, er kann nichts ändern.
 Leider hat mich das Buch nicht so überzeugt wie der Roman „Nachricht von dir“ von Musso, den ich wirklich herausragend fand. Der Stil ist zwar genauso gut, der Protagonist und die Konstruktion der Story haben mir jedoch nicht so gut gefallen. Wer noch nichts von Musso gelesen hat, sollte auf jeden Fall „Nachricht von dir“ auswählen, um den Autor kennen zu lernen, und nicht „Lass mich niemals gehen“. 

Donnerstag, 20. September 2012

Sebastian Fitzek "Der Augensammler"


45 Stunden und 7 Minuten- genau so viel Zeit bleibt den Vätern der Kinder, die der Augensammler entführt um ihre Kinder zu retten, danach werden sie jämmerlich ersticken. Die Mutter hat er dann bereits umgebracht, und auch für die Kinder gibt es wenig Hoffnung. Als Reporter ermittelt Alexander Zorbach in dem gruseligen Fall, Unterstützung bekommt er von der blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev. Die behauptet, Visionen von dem Mörder zu haben und will bei der Suche helfen. Doch plötzlich geraten die beiden in den Mittelpunkt des Geschehens und werden als Hauptverdächtige gejagt. 
Sebastian Fitzeks Roman „Der Augensammler“ ist ein wirklich großartiger Thriller, der die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite hält. Mit Alexander Zorbach hat er einen hochinteressanten Charakter geschaffen, als Polizist aus dem Dienst entlassen, nachdem er eine Verdächtige erschossen hat, ist er ständig auf der Suche nach Halt und kann gleichzeitig das Geschehene nicht akzeptieren. Und so macht er weiter Jagd auf Krimine lle, allerdings jetzt im Dienst einer Zeitung. Die blinde Alina macht ihm Angst mit ihren Visionen und mehr als einmal zweifelt er, ob er ihr trauen kann. Dennoch bilden die beiden mit ihrem Blindenhund Tomtom ein interessantes Ermittlergespann.  
Das Buch war so spannend, dass ich es an einem Tag durchlesen musste, ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Jetzt bin ich schon sehr gespannt auf „Der Augenjäger“ von Sebastian Fitzek, der zweite Roman mit Alexander Zorbach und Alina Gregoriev. 

Montag, 17. September 2012

Edmonde Charles-Roux "Coco Chanel. Ein Leben"


Coco Chanel ist eine der wichtigsten Modeschöpferinnen und Ikonen des 20. Jahrhunderts, um ihr Leben ranken sich viele Mythen und Geschichten, die sich vielleicht nie ganz klären lassen. Edmonde Charles-Roux macht sich in dieser Biographie auf die Suche nach der Coco Chanel hinter der Marke und der Mode. Die bereits 1920 geborene Journalistin und Schriftstellerin taucht in diesem Buch ein in die Familiengeschichte der Chanels, beschreibt das Leben als wandernde Marktleute und Tagelöhner, was gar nicht zu der Geschichte passen will, die Coco Chanel so gerne von ihrer Familie erzählte, eine Winzerfamilie mit langer Tradition.
 Langsam deckt die Journalistin die Geschichte hinter dem Schein auf, den Coco Chanel um sich aufgebaut hat, ihre Verletzungen, Liebesgeschichten, Hoffnungen, doch auch ihr untrüglicher Instinkt, wenn es um Mode und um Geschäftliches geht. So interessant diese Fakten auch sind, strotz die Biographie vor Personen und Informationen, die immer wieder ineinander übergehen, was es für den Leser teilweise schwer macht, ihr zu folgen. Sicher sind alle diese Fakten und Personen wichtig, um das Gesamtbild Chanel zu verstehen, doch leidet die Lesbarkeit der Biographie teilweise unter dieser Detailgenauigkeit. 
Hinzu kommt, dass die Ausgabe des Fischer Taschenbuch Verlags leider zu sehr unter der Seiteneinsparung des Verlags leidet. Die Schriftgröße ist extrem klein, der Zeilenabstand zu gering und die Seiten zu eng bedruckt, um das Buch wirklich entspannt lesen zu können. Für eine großzügigere Ausgabe mit mehr Bildern hätte man wirklich gerne etwas mehr bezahlt. Gerade bei einer Geschichte über DIE Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts, hätte ich gerne mehr Fotos und Zeichnungen von ihr in der Biographie gesehen. 
Trotzdem bleibt die Biographie sehr gut recherchiert und faktenreich, genau das, was man von einem Werk dieser Art erwartet, auch wenn in dieser Ausgabe der Unterhaltungsfaktor eindeutig zu kurz kommt. 

Susan Elizabeth Phillips "Dieser Mann macht mich verrückt"


Wenn es eine Situation gibt, in der man als Frau nicht von einem höchst attraktiven Mann gesehen werden will, dann diese: Blue ist in einem Biberkostüm ohne Kopf dafür mit einem sehr störrischen Schwanz an der Autobahn zu Fuß unterwegs, als der Footballspieler Dean Robillard sie aufliest. Da sie kein wirkliches Ziel hat und der Biberjob sich eigentlich auch erledigt hat, folgt sie ihm auf seine Farm, auch wenn sie ihn furchtbar arrogant und anstrengend findet. Aber so pleite wie sie ist, könnte sie sich nicht mal eine Übernachtung in einer Jugendherberge leisten. Doch als sie auf der Farm ankommen, geht der Trubel erst los, die Haushälterin stellt sich als Deans Mutter heraus, ein ehemaliges Rockergroupie. Als plötzlich auch noch seine kleine Halbschwester und sein Rockstar-Vater auftauchen, ist das Chaos perfekt und dass das ganze vor einer verrückten amerikanischen Kleinstadtkulisse spielt, unterstreicht den verrückten Charakter der Story noch. 
Auch wenn das alles sehr platt klingt, ist die Geschichte höchst unterhaltsam und kurzweilig. Blue ist eine sehr eigensinnige Persönlichkeit, und ihre Wortgefechte mit Dean oder der Schreckschraube des Ortes Nita, machen das Buch schon lesenswert. Natürlich kommt auch die Liebesgeschichte nicht zur kurz und wirkliche Überraschungen bleiben aus, dennoch nervt das ganze an keiner Stelle des Buches. Die vielen lustigen und verrückten Charaktere tragen dazu bei, dass der Kitsch sich im Rahmen hält und das Buch gut lesbar bleibt. Wer auf der Suche nach einem witzigen Liebesroman ist, sollte sich unbedingt an Susan Elizabeth Phillips halten!