Freitag, 22. Juni 2018

Manuela Inusa "Der zauberhafte Trödelladen"


Ruby hat es nicht wirklich leicht im Leben, lässt sich aber auch nicht unterkriegen. Sie lebt gemeinsam mit ihrem etwas wunderlichen Vater und führt den Antiquitätenladen ihrer verstorbenen Mutter in der wunderbaren Valerie Lane im Studentenstädtchen Oxford. Obwohl ihre Freundinnen in der Ladenstraße alles versuchen, um ihr zu helfen, läuft das Geschäft einfach nicht gut und Ruby droht Pleite zu gehen. Und dann ist da ja auch noch Gary, ein Obdachloser aus der Straße, dem Ruby immer wieder zu helfen versucht und den sie sehr mag. Ob daraus mehr werden könnte?
„Der zauberhafte Trödelladen“ von Manuela Inusa ist der neueste Band der Valerie-Lane-Reihe, in der die Leser langsam alle Ladenbetreiber näher kennen lernen und sie ein Stück weit auf ihrer Lebensreise begleiten darf. Und wie die vorherigen Bände überzeugt die Autorin mit einer kurzweiligen und schönen Geschichte, die wie ein kleiner Urlaub vom Alltag wirkt. Ruby ist die scheuste der Frauen aus der Valerie Lane und so hat man in den bisherigen Romanen auch nur wenig über sie erfahren können. Doch in diesem Band dreht sich alles um Ruby und so erklärt sich auch ihr bisheriges Verhalten. Sie ist sehr zurückgezogen und glaubt nicht daran, jemals eine glückliche Beziehung zu führen, weil ihr Vater immer ihre Hilfe braucht und ihre gesamte Energie verbraucht. Gemeinsam mit dem Laden nimmt ihr das jede Hoffnung. Doch jetzt wird sie endlich aktiv, ändert ihr Ladenkonzept und lässt zu, dass sich aucj ihr Leben verändert. Das macht auch beim Lesen viel Spaß und der flüssige Schreibstil von Manuela Inusa nimmt einen schnell mit auf eine neue Reise in der Valerie Lane.
Für mich ist „Der zauberhafte Trödelladen“ eine tolle Ergänzung zu den bisher erschienen Büchern aus der Valerie Lane. Dass man neben der Geschichte um Ruby auch erfährt wie es bei Laurie und Mrs. Witherspoon weitergeht, wenn auch nur in Nebenhandlungen, finde ich großartig und ich hatte wieder viel Freude bei der Lektüre.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des blanvalet Verlags. 

Wer mehr über Manuela Inusa erfahren möchte, kann hier das Kurzinterview lesen, das sie Sarahs Bücherregal gegeben hat. 

Mittwoch, 20. Juni 2018

Mikael Bergstrand "Der Apfelblütenguru"


Göran Borg ist in den 50ern seines Lebens angekommen, arbeitslos und dem Alkohol – das gibt er selber zu- nicht so abgeneigt, wie er es vielleicht sein sollte. Als er alles stehen und liegen lässt, um zur Hochzeit seines Freundes Yogi nach Indien zu fliegen, ist Freundin Karin daher wenig begeistert. Nach seiner Rückkehr versucht Göran sein Leben neu zu ordnen. Ein Besuch von Yogi und ihm im Apfelgebiet Schwedens bringt den beiden einen großartigen Sommer – und viele Ideen, wie es für Göran weitergehen könnte.
Dies ist der inzwischen dritte und damit letzte Band der Romanreihe von Mikael Bergstrand über Göran Berg und seinen Freund Yogi mit verrückten Reisen und witzigen Geschäftsideen und immer einem Hauch Nachdenklichkeit, der über Göran und seinem Leben schwebt. Für mich ist „Der Apfelblütenguru“ das schwächste der drei Bücher, die Geschichte hat einfach nicht mehr den Witz und die Leichtigkeit der vorherigen Geschichten und konnte mich dadurch nicht so mitnehmen. Die Idee, die Geschichte jetzt von Indien schwerpunktmäßig von Indien nach Schweden zu verlagern um der Story eine neue Wendung zu geben fand ich zwar sehr gut, die Umsetzung konnte mich aber nicht überzeugen. Yogi war schon immer ein sehr extrovertierter und auffälliger Typ, konfrontiert mit der schwedischen Nüchternheit entsteht daraus jedoch nicht der gewünschte Witz sondern zwischenzeitlich ein komisches Gefühl, dass das jetzt alles nicht zusammenpasst. Dennoch ist der Schreibstil von Mikael Bergstrand wieder sehr flüssig und leicht, so dass man das Buch gut und zügig lesen kann. Es bleibt jedoch wenig zurück von dieser Geschichte außer dem Gefühl, dass irgendetwas gefehlt hat.
Mich konnte „Der Apfelblütenguru“ von Mikael Bergstrand leider nicht richtig überzeugen. Zwar macht es Freude die beiden Protagonisten Yogi und Göran wiederzutreffen, die Geschichte an sich fand ich aber etwas holprig. Vielleicht hätte Yogi die kluge und freche Lakshmi mit nach Schweden bringen sollen, sie hat schon in Band zwei die Handlung außerordentlich bereichert.

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Dienstag, 19. Juni 2018

Anne Reinecke "Leinsee"


Carl hat ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Die berühmten Künstler hatten selten Zeit für ihn, früh kam er auf ein Internat und hat sich später in der Kunstszene unter anderem Namen selbst durchgesetzt. Als seine Mutter erkrankt und sein Vater sich das Leben nimmt, kommt Carl zurück nach „Leinsee“ und beginnt, das Refugium seiner Eltern für sich zu entdecken. Dabei lernt er Tanja kennen, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, die ihn mit ihrer besonderen Art fasziniert.
Anne Reineckes erster Roman „Leinsee“ setzt sich intensiv mit Carls Beziehung zu seinen Eltern und deren Aufarbeitung auseinander. Das idyllische Haus am Leinsee, in dem seine erfolgreichen Eltern lebten und arbeiteten, steht dabei fast sinnbildlich für eine Welt, aus der er als Sohn stets ausgeschlossen blieb. Der Kontakt war nur spärlich, die Eltern hatten einfach kein Interesse an dem Sohn, die Kunst war weit wichtiger und ihr Erfolg überragend. Das kritische Kinderauge analysierte schon damals mit bitterem Blick die Oberflächlichkeit, die sich hinter der Inszenierung der Eltern verbarg, doch als Erwachsener sieht sich Carl dennoch in der Pflicht und kann sich nicht von der kranken Mutter abwenden. Anne Reinecke beschreibt Carls Gedanken und Gefühle sehr intensiv und lässt einen als Leser ganz nah heran an die Figur und ihre Auseinandersetzungen. Dabei würde ich Carl keineswegs als uneingeschränkt sympathische Hauptfigur bezeichnen, er ist teilweise sehr egoistisch und verschroben und macht es seinem Umfeld sehr schwer, an ihn heranzukommen. Doch für den Leser ebnet Reinecke diesen Weg, der seiner Freundin Mara beispielsweise versperrt bleibt und so erfährt man mit Carl gemeinsam wie es für ihn ist, das neue Verhältnis zu seiner Mutter aufzubauen, das zunächst seltsam anmutet, dann aber wie eine zweite Chance für die beiden erscheint. Und auch mit Tanja gibt es neue Chancen, ihre faszinierende Beziehung erwachsen werden zu lassen. 
„Leinsee“ ist ein faszinierender Roman, auf den man sich von der ersten Seite an einlassen muss, um sich von Carl bewegen und mitziehen zu lassen in seine Welt am Leinsee, die so anders sein soll als die seiner Eltern. Ein tolles Buch und ein äußerst gelungenes Debüt.


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Freitag, 15. Juni 2018

Krischan Koch "Rollmopskommando"


Bei Polizist Thies Detlefsen in Fredenbüll droht Langeweile auszubrechen, zudem muss er die Existenz seiner Polizeistation immer wieder rechtfertigen. Dringend bräuchte er einen ordentlichen Kriminalfall! Und das geht schneller als erwartet: Ein Banküberfall und eine ermordete Geisel bringen ordentlich Schwung in des Alltag von Thies. Und natürlich eilt auch Kommissarin Stappenbeck aus Kiel wieder zu Hilfe, um ihn bei den schwierigen Ermittlungen zu unterstützen und von Kurzschluss- handlungen abzuhalten.
Man muss Regionalkrimis mögen, dann kann einen Krischan Kochs Fredenbüll-Reihe wirklich begeistern. Mit typisch norddeutscher Schnoddrigkeit ermitteln nicht nur Thies und Nicole Stappenbeck, der ganze Ort fühlt sich berufen, mit wilden Diskussionen im Imbiss „De Hidde Kist“ seinen Beitrag zu leisten, dazu Rollmops oder Putenschaschlik Hawaii. Nur Hund Susi ernährt sich nach wie vor vegetarisch. Das Personal wächst einem sehr schnell ans Herz und man wird hineingezogen in die Nordfriesische Fredenbüll-Welt. Ganz nebenbei gilt es den Kriminalfall zu lösen, der dieses Mal äußerst spannend und sehr schlüssig gelungen ist. Hinter dem Bankraub scheint doch mehr zu stecken, als am Anfang zu vermuten war.
„Rollmopskommando“ von Krischan Koch hat alles was ein guter Regionalkrimi mitbringen sollte: viel Lokalkolorit, tolles Personal, einen spannenden Fall und ordentlich Humor. Eine tolle Urlaubslektüre –  nicht nur in Nordfriesland.

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Dienstag, 12. Juni 2018

Claire Winter "Die verbotene Zeit"


Nach einem schweren Verkehrsunfall leidet die Journalistin Carla unter Amnesie, die letzten sieben Monate ihres Lebens sind einfach ausgelöscht. Freunde und Familie sollen helfen, diese Lücken zu füllen, doch Carla bekommt das Gefühl, dass ihr Ehemann nicht ehrlich zu ihr ist. Was versucht er ihr zu verheimlichen und woran hat sie gearbeitet, bevor der Unfall passierte? Und was hat das alles mit ihrer verstorbenen Schwester zu tun?
Der Roman „Die verbotene Zeit“ spielt in den 70er Jahren, Carlas Eltern sind Deutsche und nach dem Krieg nach England gegangen um neu anzufangen. Sehr spannend beschreibt die Autorin Claire Winter in Rückblenden das Leben von Carlas Mutter Dora und deren bester Freundin Edith in Berlin von den 20er Jahren bis zum Ende des Weltkriegs und Stück für Stück entdeckt auch Carla ihre Familiengeschichte. Die Charaktere sind dabei durchweg außerordentlich detailliert beschreiben, zu Carla und auch in der andere Zeitebene zu Dora und Edith findet man als Leser sofort einen Zugang und lässt sich von der Geschichte mitreißen. Der Roman zeichnet sich zudem durch sehr gut recherchierte historische Details aus, ungeschönt zeichnet Claire Winter ein klares Bild der Machtergreifung der Nazis und wie sich das Klima veränderte, und auch, wie leicht es war, einfach wegzusehen, wenn Bekannte einfach verschwanden, spart sie nicht aus. Der Roman geht einem eben aufgrund dieser Beschreibungen sehr nahe, dazu kommt Doras persönliches Schicksal, welches sie langsam in eine Depression treibt. All diese Punkte sind zu einer tollen Story und einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammengefasst und lassen einen das Buch beim Lesen gar nicht mehr aus der Hand legen
Claire Winter ist mit „Die verbotene Zeit“ ein großartiger Roman gelungen, der historische Hintergründe mit persönlichen Schicksalen verbindet und den Leser so von der ersten Seite an in seinen Bann zieht.

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Ebenfalls erschienen von Claire Winter ist der großartige Roman "Die geliehene Schuld", hier findet ihr meine Besprechung des Romans. 

Montag, 11. Juni 2018

Jan-Christoph Nüse "Operation Bird Dog"


Victor Wrede war auf deutscher Seite beteiligt an der Währungsreform 1948 und der Einführung der D-Mark. Kurz danach nimmt er sich mit seiner Frau jedoch das Leben, sein Sohn Carl überlebt nur knapp. Zehn Jahre später ist Carl 24 Jahre alt und glaubt nicht daran, dass seine Eltern sich selbst umgebracht haben- er ist sich sicher, dass es Mord war und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
„Operation Bird Dog“ war eine der wichtigsten Aktionen der Alliierten in den westlichen Besatzungszonen, denn nur durch die Währungsreform konnte sich die deutsche Wirtschaft langsam wieder erholen und die Menschen konnten sich damit auch wieder einen höheren Lebensstandard leisten. Doch die Zeiten waren turbulent und Deutschland immer noch vom Krieg zerstört, so dass viele unterschiedliche Interessen vorherrschten, die sich auch im Umgang mit Reform der Währung niederschlugen. Jan-Christoph Nüse schafft es in seinem gleichnamigen Krimi sehr gut, die historischen Gegebenheiten und Verwicklungen für den Leser verständlich und logisch nachvollziehbar zu machen. Die historischen Persönlichkeiten sind gut beschrieben und bringen einen sehr runden Überblick über die Situation im Nachkriegsdeutschland. Etwas weniger gut schafft es der Autor, seine fiktiven Personen und die Kriminalhandlung in das Geschehen einzubetten. Carl Wrede und sein Vormund Jennings bleiben mir als Charaktere einfach zu flach und richtige Spannung will jenseits der historischen Rahmenbedingungen auch nicht aufkommen. Auch werden mir oft nicht genug Informationen gegeben, um als Leser als Handlungen nachvollziehen zu können. Gerade die Bedeutung und Geschichte von Katharina, einer ehemaligen Dolmetscherin und Carls seltsame USA-Reise mit ihr, waren für mich als Leser ziemlich zusammenhangslos, für den Leser wurde überhaupt nicht deutlich, welche Rolle dieser Teil der Geschichte spielen sollte.
Als historischen Roman finde ich „Operation Bird Dog“ gelungen, die Kriminalhandlung mit den fiktiven Figuren konnte mich letztendlich aber nicht richtig mitreißen, auch wenn Jan-Christoph Nüse einen gut lesbaren Stil hat und die historischen Fakten sehr interessant dargestellt sind.  

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Freitag, 8. Juni 2018

Joaquim Maria Machado de Assis "Das Babylonische Wörterbuch"


Der Mensch und seine kleinen und großen Abgründe – damit beschäftigt sich Joaquim Maria Machado de Assis in den 13 Geschichten in diesem wunderbaren kleinen Buch. Humorvoll und witzig, aber auch direkt und die Abgründe niemals vorsichtig umschiffend erzählt der Autor Geschichten von Menschen und Glauben, spielt mit den Erwartungen der Leser und lässt Gott und den Teufel gegeneinander antreten. Dies geschieht alles auf äußerst unterhaltsame Weise und wird an keiner Stelle langweilig.
Joaquim Maria Machado de Assis wurde 1839 in Rio de Janeiro geboren und starb 1908. Mir war dieser brasilianische Autor bisher unbekannt, umso mehr freut es mich, dass der Manesse Verlag diese Geschichten in einer wunderschönen kleinen Ausgabe herausgegeben hat. Das Buch ist klein und handlich, dabei aber sehr hochwertig gemacht, perfekt um die Erzählungen immer wieder zur Hand zu nehmen und darin zu schmökern.
Mich hat „Das Babylonische Wörterbuch“ wirklich begeistert, die Erzählungen sind kurz und prägnant und vermitteln dabei gleichzeitig so viele Gedanken und Ideen, das man völlig gefesselt. In Kombination mit der wunderschönen Ausgabe des Manesse Verlags kann ich allen Lesern dieses Buch einfach nur ans Herz legen.

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Manesse Verlags.