Sonntag, 23. April 2017

Jeffrey Archer "Die Wege der Macht. Clifton-Saga Band 5"

Der neueste Band der Clifton-Saga beginnt gleich wieder äußerst spannend. Auf der Jungfernfahrt des Barrington-Kreuzfahrtschiffes „Buckingham“ versucht die IRA, einen Anschlag auf Emma und Harry auszuüben, dem sie nur knapp entgehen. Während Harry in diesem Band um die Freilassung des russischen Autors Anatol Babakov kämpft, muss Emma sich wieder einmal um den Vorstand von Barringtons sorgen. Ihr Sohn Sebastian ist jetzt auch Vorstandsmitglied und wird ihr zu seinem immer größeren Ratgeber. Doch er sieht seine Zukunft nach wie vor im Bankenbereich und kämpft darum, sich dort einen angesehen Platz zu erarbeiten. 
Wie auch bei den vorhergehenden Bänden fesselt einen Jeffrey Archer mit seiner Erzählung rund um die Barringtons und Cliftons von der ersten Seite an. Wieder einmal wird deutlich, was für starke Charaktere Harry und Emma sind und ihr Sohn Sebastian hat mit diesen Vorbildern teilweise zu kämpfen, doch sie sind ihm auch eine Stütze. Er rückt in diesem Band verstärkt in den Mittelpunkt der Geschichte und läutet so sanft einen Generationenwechsel ein. Emmas Bruder Giles muss dagegen teilweise neu orientieren, diese Entwicklung des Charakters hat mir sehr gut gefallen und es zeigt, dass Archer eben nicht nur schematisch eine feste Geschichte erzählt, sondern seine Charaktere weiter entwickelt, sie scheitern und sich wieder aufrappeln lässt. Alle mache viel durch in diesem Band und müssen sich teilweise auch alleine ihren Konflikten stellen. Das hat das Buch meiner Meinung nach von den anderen Bänden unterschieden, Harry wird hier etwas zum Einzelkämpfer, was aber auch zu seinem starken und teilweise sturen Charakter passt. 
Meiner Meinung nach ist Jeffrey Archer mit „Die Wege der Macht“ eine großartige Fortsetzung der Clifton-Saga gelungen. Ein wahrer Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man erst einmal begonnen hat. 

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Donnerstag, 20. April 2017

George R. R. Martin "Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis und Feuer 01"

Lord Eddard Stark, Herrscher über den Norden und Lord von Winterfell, ist eigentlich nicht unzufrieden mit seinem Leben, auch wenn es im Norden hart ist. Selbst im Sommer schneit es, aber mit seiner Frau Catelyn und seinen Kindern lebt er ein gutes Leben. Doch als ihn sein langjähriger Freund und König Robert Baratheon darum bittet, als rechte Hand des Königs und sein nächster Berater in den Süden zu reisen, kann er nicht ablehnen und macht sich auf den langen Weg. In Köngismund findet er sich schnell in einem Schlangennest aus Kämpfen und Intrigen wieder, in das auch seine Familie im hohen Norden verwickelt wird. Ein langes Ringen um Macht und Einfluss beginnt.
George R.R. Martins Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ ist hauptsächlich bekannt als Vorlage für die Serie „Games of Thrones“. Da ich davon nur die erste Folge gesehen habe und diese mich gar nicht überzeugen konnte und ich zudem eigentlich gar keine Fantasyliteratur lese, stand ich dem ersten Band „Die Herren von Winterfell“ dementsprechend skeptisch gegenüber. Das Buch hat mich jedoch von der ersten Seite an völlig mitgerissen und sofort nicht mehr losgelassen. Obwohl es sich um Fantasy handelt, erinnert vieles auch historische Romane und so ist das Buch auch für alle Leute großartig geeignet, die sonst keine Fantasyfans sind. Die Figuren sind alle unglaublich gut und detailliert beschrieben, sie sind ausgefeilte Charaktere, die Entwicklungen durchmachen und sich immer wieder auf unterschiedlichste Art beweisen müssen. Für mich war besonders faszinierend, dass es eben nicht das Gute und das Böse gibt, sondern jede Seite weist auf eine gewisse Art gute und böse Züge auf, so dass man sich (bis auf wenige Ausnahmen), nie völlig gegen eine Figur stellen mag.
Das Feld von Familien und Geschichten, in dem sich Martin bewegt, ist unglaublich groß, umso mehr fällt auf, wie stimmig alle Figuren und Geschichten sich ineinanderfügen und ergänzen. Am Anfang braucht man etwas, um die verschiedenen Häuser und Familien auseinanderzuhalten, aber schnell ist man so in der Geschichte drin, dass sich alles weitere von selbst fügt. Die fast 600 Seiten des ersten Bandes waren dann auch viel zu schnell vorbei, zum Glück erwarten einen noch neun weitere Bände, um Lord Stark, seiner Tochter Arya, die mich als Charakter sehr begeistert hat, und allen weiteren Figuren zu folgen.

„Die Herren von Winterfell“ von George R.R. Martin ist großartige Fantasyliteratur, die mit vielen Anlehnungen an mittelalterliche historische Romane arbeitet und dadurch alle Leser mitnimmt, egal ob Fantasy-Leser oder nicht. Jetzt bleibt mir nur noch, schnell weiterzulesen, denn es fällt schwer, nicht zu wissen, wie es weitergeht. 

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Mittwoch, 19. April 2017

Ernest Hemingway "Paris, ein Fest fürs Leben"

Jahrzehnte nach seinen jungen Jahren in Paris mit seiner Frau Hadley hat Hemingway mit „Paris, ein Fest fürs Leben“ in den 50er Jahren einen Rückblick auf sein damaliges Leben und viele bekannte Persönlichkeiten geschrieben. Es geht in kurzen Geschichten um das Leben der Hemingways in den zwanziger Jahren, größtenteils noch vor seinem ersten Roman und bevor er wirklich berühmt wurde, er berichtet darin jedoch auch von seinen Treffen mit Gertrude Stein, Scott und Zelda Fitzgerald und Ezra Pound.
Dabei beeindruckt Hemingway wie so oft durch seine klare, schnörkellose Sprache und gute Beobachtungsgabe. Seine Beschreibungen von Gertrude Stein und Scott Fitzgerald sind teilweise bissig, aber pointiert und treffend zusammengefasst. Besonders fasziniert hat mich die Beschreibung einer Reise mit Fitzgerald, um ein Auto abzuholen. Seine Beobachtungen decken sich dabei sehr gut mit den Beschreibungen von Fitzgerald Charakter in Michaela Karls Biographie „Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals“. Er trinkt, ist wankelmütig und stark beeinflusst von der Eifersucht seiner Frau Zelda. Gleichzeitig entführt Hemingway seine Leser in das Paris der zwanziger Jahre, berichtet anschaulich vom Leben auf den Straßen, in Cafés und den zahlreichen belebten Plätzen der Stadt, so dass man die Bilder vor einem inneren Auge sieht und sich wünscht, selbst Teil dieser Welt zu sein.
Ernest Hemingways „Paris, ein Fest fürs Leben“ hat mich wirklich begeistert, seine Sprache und sein Stil sind durch ihre Schlichtheit einfach wundervoll und gestalten für den Leser ein umfangreiches Bild des damaligen Paris. Dazu sagen muss ich allerdings, dass ich das Buch in Paris selbst gelesen habe und ich tagtäglich die Straßen und Plätze, die Hemingway beschreibt, besucht habe, so dass mich das Buch natürlich persönlich besonders getroffen hat. Doch egal wo man liest, Ernest Hemingway ist immer eine ausgiebige Lektüre wert. 

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Dienstag, 18. April 2017

Ina Linger /Cina Bard "Callboy to go"

Mia ist wild entschlossen, ihren 30. Geburtstag nicht mehr als Jungfrau zu begehen und so bucht sie einen Urlaub auf Teneriffa und mietet sich einen Callboy, um diese eine Sache endlich mit Anstand hinter sich zu bringen. Doch der Mann, der am Ende in ihrem Zimmer landet, ist kein Callboy sondern ein Juwelendieb, der ihre Situation ausnutzt und sie mit auf die Flucht nimmt- zu einem angeblichen Romantik-Special wie er vorgibt. Turbulent geht Mias Urlaub weiter, doch die geplante Entjungferung ist so nicht in Sicht.
„Callboy to go“ ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger Liebesroman mit durchaus liebenswerten Charakteren. Leider fand ich gerade Mia in sich als Figur oft nicht schlüssig, zu oft wechselt ihr Verhalten zwischen ängstlicher Mimose und tatkräftiger Karatekämpferin hin und her, als dass ich ihr das abnehmen könnte. Auch ihr Verhalten Chris, dem angeblichen Callboy, gegenüber fand ich nicht ganz nachvollziehbar, mal kriegt sie Herzklopfen und dann ist sie wieder wie eine Furie ihm gegenüber. Das hat die ganze Story für mich etwas holperig und schwer glaubwürdig gemacht. Ansonsten ist der Stil der beiden Autorinnen gewohnt locker und flüssig, die beiden vorhergehenden Bücher ("Three Night Stand: Liebe ist simpel" und "Imperfect Match: Liebe ist eigenwillig") haben mir jedoch deutlich besser gefallen.

Ina Linger und Cina Bard haben mit „Callboy to go“ eine kurzweiligen, wenn auch teilweise etwas unglaubwürdigen Liebesroman geschrieben, bei dem man zwar von Anfang an weiß, wie es ausgeht, dazwischen aber ganz gut unterhalten wird. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen auf der Seite der Autorin Ina Linger. 

Montag, 17. April 2017

Krischan Koch "Mordseekrabben"


Eigentlich wollte Thies Detlefsen auf Amrum nur seinen Sommerurlaub mit der Familie verbringen. Doch gleich nach der Ankunft finden seine Frau und die Zwillinge Telje und Tatje eine Leichte im Ferienappartment. Die ist dann aber plötzlich wieder verschwunden. Thies glaubt erst mal nichts Böses, doch dann taucht wieder eine Leiche auf und jetzt ist es wirklich höchste Zeit, die Polizei in Kiel zu informieren. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nicole Stappenbeck ermittelt er also wieder einmal in einem höchst komplizierten Mordfall, der ihn mehr als einmal an die Grenzen seiner Kriminalerfähigkeiten bringt. 
„Mordseekrabben“ ist bereits mein drittes Hörbuch von Krischan Koch und die bisherigen haben mir immer sehr gut gefallen. In diesem Fall fand ich die Geschichte jedoch etwas schwach und teilweise auch verwirrend für den Hörer. Obwohl Bjarne Mädel den Figuren wieder eine ganz eigene Stimme verleiht und die Stimmung des Buches gut rüberbringt, konnte ich der Handlung teilweise nicht richtig folgen, so viele Personen und Leichen kreuzten meinen Weg. Auch wenn die bekannten Charaktere wieder dabei sein, fehlte mir ein wenig das gewohnte Umfeld mit dem Imbiss, in dem sich alle treffen und Renates Pension. Amrum war zwar ein neues Zielgebiet, umso schwerer war es aber auch, die bekannten Figuren in die Geschichte zu integrieren, worunter die gesamte Story meiner Meinung nach ein wenig gelitten hat. 
Für alle, die einen lustigen Nordseekrimi suchen, ist „Mordseekrimi“ von Krischan Koch sicher eine gute Entscheidung. Der Autor hat beispielsweise mit „Rote Grütze mit Schuss“ jedoch auch schon bessere Hörbücher veröffentlich. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen von Der Audio Verlag. 

Donnerstag, 30. März 2017

Matteo Strukul "Medici. Die Macht des Geldes"

Als ihr Vater stirbt, müssen Cosimo und Lorenzo de Medici im Jahre 1429 sowohl die Bankgeschäfte als auch die politischen Interessen ihrer Familie übernehmen. Dabei haben sie in dem Schweizer Söldner Schwartz und seiner Geliebten Laura große Widersacher, die alles tun würden, um die Familie Medici zu zerstören. Zahlreiche Schlachten und Konflikte prägen besonders das Leben von Cosimo, der die Hauptfigur in diesem Buch ist und machen es ihm nicht immer leicht, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen.
Ich muss leider sagen, dass ich vom Beginn der Trilogie um die Familie Medici von Matteo Strukul sehr enttäuscht war. Die Geschichte hat überhaupt keinen Spannungsbogen, so dass es die simple Aneinanderreihung von Schlachten und Intrigen ist, die einem als Leser schnell die Freude an der Lektüre nimmt. Auch die Figuren sind so oberflächlich und kalt gezeichnet, dass man kein Mitgefühl für sie aufbringen kann, geschweige denn mit ihnen mitfiebert, was als nächstes passieren könnte. Der einzige Charakter, den ich gut beschrieben fand, war Cosimos Frau Contessina, die jedoch nur sehr selten wirklich in Erscheinung tritt. Die historischen Fakten an sich sind zwar sehr interessant, der Autor schafft es jedoch leider nicht, die Leser zu erreichen und sie für die Geschichte zu begeistern.
Leider konnte mich „Medici. Die Macht des Geldes“ von Matteo Strukul überhaupt nicht bewegen, ich fand es wenig spannend geschrieben, mit zu vielen Details und zu wenig Emotionen. Die anderen zwei Bände der Trilogie werde ich leider nicht mehr lesen. 

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Dienstag, 28. März 2017

Krischan Koch "Rote Grütze mit Schuss"

In Fredenbüll geht es eigentlich ganz beschaulich zu und Dorfpolizist Thies Detlefsen hat eher wenig zu tun. Das ist allerdings auch bedrohlich, denn immer wieder steht es in Kiel zur Debatte, dass die kleine Polizeistation geschlossen werden soll. Als dann plötzlich ein toter Bio-Bauer in seinem Mähdrescher gefunden wird und Dorfbewohnerin Swaantje sich regelrecht in Luft auflöst (Thies vermutet gleich eine Entführung), gibt es für Thies mehr zu ermitteln, als zunächst gedacht. Nicole Stappenbeck, Polizistin aus Kiel, muss kommen und Thies bei der Mordermittlung helfen. Das sorgt für ordentlich Gesprächsstoff im Dorfimbiss „De hitte Kist“.
Das Hörbuch zu „Rote Grütze mit Schuss“ von Krischan Koch wird großartig gelesen von Bjarne Mädel. Mit ostfriesischem Understatement schafft er es, jeder Figur ihren einzigartigen Charakter zu verleihen und als Hörer muss man mehr als einmal schmunzeln, wenn Imbissbetreiberin Antje ihre Gäste patent zur Ordnung ruft. Die Geschichte selbst ist spannend und äußerst unterhaltsam, dass sie etwas abwegig ist, verträgt das Hörbuch ganz problemlos, schließlich sind auch die Figuren etwas abwegig, wenn auch mit sehr viel Liebe und Detailfreude beschrieben. Egal ob Frisörin Alexandra, der Landgraf Enno von Rissen, der der Spiel- und Alkoholsucht frönt oder Thies’ Frau Heike, die die Augen nicht vom hübschen und äußerst jungen Kriminaltechniker aus Kiel lassen kann, man muss die Fredenbüller einfach gern haben.

„Rote Grütze mit Schuss“ ist witzig, kurzweilig und dazu noch großartig gelesen und hat damit alles was ein schönes Hörbuch braucht. Als Hörer hat man auf jeden Fall viel Freude mit den Fredenbüllern. 

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