Donnerstag, 25. Oktober 2018

Philippe Djian "Marlène"


Eine Stadt in Frankreich, die hauptsächlich davon lebt, Militärstandort zu sein, schafft die Kulisse für diesen Roman. Richard und Dan sind Freunde, waren gemeinsam im Einsatz und sind gemeinsam zurückgekehrt. Wie viele lässt sie ihre Vergangenheit nicht los, sie sind traumatisiert, doch gehen sie unterschiedlich damit um. Als Marlène, die Schwester von Richards Frau Nath in der Stadt auftaucht, bringt sie das feine Gleichgewicht von Richards Familie und seiner Freundschaft zu Dan durcheinander. Marlène scheint das Unglück anzuziehen und reißt auch andere mit in den Untergang. Nichts kann mehr sehr wie vorher.
Philippe Djians Roman „Marlène“ beschreibt sehr eindringlich die spannungsgeladene Situation in einer Stadt, in der viele Kriegsheimkehrer leben, die nur schwer wieder Fuß fassen können im Alltag. Richard und Dan haben mehr oder weniger ihren Weg gefunden, doch mit Marlène bricht alles auseinander. Wie eine antike Sirene bei Odysseus zieht sie Menschen an, um sie dann – wenn auch ungewollt- in den Untergang zu stoßen. An ihrer Seite bleibt nichts heil, nichts bleibt bestehen, sie hinterlässt unweigerlich Zerstörung. Dies beschreibt der Autor auf sehr nüchterne und klare Art und Weise, denn während wir Richard, Nath und Dan näher kennen lernen und auch Mona, Naths Tochter, bleibt uns Marlène seltsam fremd, sie ist nicht zu packen. Wie ein Schatten rauscht sie durch die Geschichte, wo sie gewirkt hat bleibt kein Stein auf dem anderen, sie selbst bleibt dennoch schemenhaft und unklar. Vielleicht konnte mich diese eigentlich hochdramatische Geschichte deshalb nicht richtig berühren, obwohl ich die Idee sehr interessant fand, blieb doch alles etwas zu abstrakt und fern.
Leider konnte mich „Marlène“ trotz einer spannenden Idee und Ausgangssituation nicht richtig mitnehmen, das Buch war zwar gut lesbar und interessant, mir fehlte dennoch ein wenig die Spannung und die Nähe zu Marlène, die Dreh- und Angelpunkt der ganzen Story war. So war es für mich zwar kein schlechtes Buch, es konnte mich jedoch auch nicht richtig begeistern.

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