Freitag, 29. September 2017

Kanae Minato "Geständnisse"

Die kleine Tochter der Lehrerin Moriguchi ist im Pool der Schule ertrunken. Ein Unfall, wie es scheint. Doch am letzten Tag vor den Ferien stellt sich die Lehrerin sich vor die Klasse und gesteht, dass sie weiß, dass es kein Unfall war. Und dass sie weiß, wer ihre Tochter ermordet hat. Nämlich zwei Schüler aus ihrer Klasse. Und sie übt Rache.
„Geständnisse“ von Kanae Minato ist eine subtile Geschichte, die völlig unter die Haut geht. Nicht nur die Lehrerin gesteht ihrer Klasse ihr Wissen, im weiteren Verlauf erfahren wir die Geschichte aus den unterschiedlichsten Perspektiven und auch, wie es nach dem Geständnis der Lehrerin für alle Beteiligten weiterging. Denn Moriguchi ist nicht einfach zur Polizei gegangen, viel durchtriebener straft sie die Täter ab und stürzt beide so auf unterschiedlichste Weise ganz unauffällig ins Verderben. Immer tiefer rutscht man als Leser in die Geschichte hinein und schwankt zwischen Mitgefühl und Wut auf alle Charaktere, so schwierig ist die moralische Beurteilung der Situation, so subtil und spannend verschwimmen die Motive der handelnden Personen.

Meiner Meinung nach ist Kanae Minatos Roman „Geständnisse“ ein absolut empfehlenswerter Roman, ein Psychothriller der besonderen Art, der einen von der ersten Zeile an einfängt und auf fast schon gruselige Art und Weise die niederen Motive aller Menschen darstellt. Keiner scheint frei von Schuld und alle sind verstrickt in ein Netz aus Rachemotiven und kindlichen Absichten. Eine spannende und gleichzeitig psychologisch sehr durchdachte Geschichte, die von Minato perfekt inszeniert wurde. 

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Donnerstag, 28. September 2017

Arturo Pérez-Reverte "Der Preis, den man zahlt"

Diese Geschichte verschlägt den Leser Mitten in die Wirren des Spanischen Bürgerkriegs. Lorenzo Falcó ist Spion, jedoch nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern aus Pragmatismus. Er bekommt den Auftrag, in feindliches Gebiet zu reisen und dort einen Gefangenen zu befreien, gemeinsam mit einem Team vor Ort. Doch dieser Einsatz stellt Falcó vor große Herausforderungen und wirft immer wieder die Frage auf, wer gegen ihn ist und wer mit ihm kämpft. Und ob er einer Frau wirklich trauen kann, die sich auf ihn einlässt.
„Der Preis, den man zahlt“ von Arturo Pérez-Reverte ist ein spannender Spioangethriller mit historischem Anstrich, der einen als Leser stellenweise sehr fordert. Es wird viel Wissen über die Parteien und den Verlauf des Bürgerkriegs vorausgesetzt, was teilweise dazu führt, dass man nicht mehr weiß, wer jetzt eigentlich auf welcher Seite und für wen kämpft. Hier hätten ein Stichwortverzeichnis, eine Karte der verschieden besetzten Gebiete und ein kurzer historischer Ablauf im Anhang dem Romans - zumindest für eine Veröffentlichung außerhalb Spaniens- sehr gut getan. Davon abgesehen hat mir der Roman aber ausgesprochen gut gefallen. Falcó ist nicht unbedingt ein Sympathieträger und sein Frauenbild aus heutiger Sicht fragwürdig, für die damalige Zeit aber wohl absolut typisch. Er ist ein Frauenheld, der dann jedoch auf eine Frau trifft, die ihm an Gerissenheit und Abenteuerlust mindestens ebenbürtig ist, was ihn sehr aus dem Tritt bringt, wie aus seinen Handlungen deutlich wird. Das hat ihn mir wiederum sympathisch gemacht hat, denn in dem kühlen und berechnenden Spion scheint doch ein Mensch zu stecken. Zum Glück verfällt der Autor nicht der Idee, jetzt eine romantisch-kitschige Liebesgeschichte zu starten, sondern bleibt seiner realistischen Erzählweise auch hier treu. Es herrscht Krieg und den will er keineswegs durch überhöhte Liebesbekundungen verklären, im Gegenteil ist „Der Preis, den man zahlt“ eine kühle und keineswegs idealisierende Darstellung des Krieges und der Kriegsparteien.

Wer von Arturo Pérez-Revertes Roman „Der Preis, den man zahlt“ einen lockeren und leichten Historienroman erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein, der Autor fordert einiges von seinen Lesern, bringt aber meiner Meinung nach auch sehr viel rüber mit der Figur des Lorenzo Falcó und den Beschreibungen des Bürgerkriegs. 

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Dienstag, 26. September 2017

Jens Henrik Jensen "Oxen. Das erste Opfer"

Niels Oxen ist ehemaliger dänischer Elitesoldat, hochdekoriert mit zahlreichen Auszeichnungen. Doch jetzt hat er sich völlig zurückgezogen und lebt mit seinem Hund im Wald, möglichst weit weg von allen Menschen. Doch als er sich in der näheren Umgebung umsieht, stößt er auf einen Landsitz und im Garten findet er einen erhängten Hund vor. Wenig später wird auch der Hausherr tot aufgefunden und die Polizei kommt auf Oxen zu. Hat er etwas mit der Leiche zu tun? Doch der Fall zieht schnell viel weitere Kreise als gedacht und Oxen hat zwei Möglichkeiten: Sich verstecken oder die Hintergründe selbst aufdecken. Er entscheidet sich für die zweite Möglichkeit.
„Oxen. Das erste Opfer“ ist der erste Teil einer dreibändigen Reihe um Niels Oxen, geschrieben von Jens Henrik Jensen. Dennoch wirkt der Teil sehr abgeschlossen und man hat nicht das Gefühl, bis zum nächsten Band in der Luft zu hängen. Oxen ist ein sehr zwiespältiger Charakter, man weiß als Leser gar nicht genau, ob man ihn mögen soll oder ob er einem zutiefst suspekt ist. Das macht jedoch auch die besondere Spannung dieses Thrillers aus und zieht einen in die Geschichte hinein. Auch wenn Niels Oxen Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist, ist der ganze Fall sehr komplex angelegt und bietet viele Wendungen und Überraschungen, ohne unlogisch und künstlich zu sein, was mir besonders gut gefallen hat. Auch die anderen Charaktere, wie die Mitarbeiter des Geheimdienstes, mit denen Oxen kooperiert, sind sehr detailliert beschrieben, was viele Möglichkeiten für die Entwicklung der Geschichte bietet. Den Beginn des Thrillers fand ich noch etwas gemächlich, doch schnell entwickelt die Story ein hohes Tempo und irgendwie wächst einem Oxen dann doch ans Herz, so dass man von dem Buch gefesselt wird.
Mir hat „Oxen. Das erste Opfer“ des dänischen Autors Jens Henrik Jensen sehr gut gefallen, er verbindet alles was ein guter Thriller an Spannung braucht mit einer auffälligen Hauptfigur, die man als Leser nicht so schnell vergisst. Lediglich das Warten auf den nächsten Band, der im Frühjahr 2018 erscheinen soll, dauert mir zu lange. Ich muss auf jeden Fall wissen, was Niels Oxen noch erlebt. 

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Donnerstag, 21. September 2017

Ahmet Ümit "Die Gärten von Istanbul"

Hauptkommissar Nevzat ermittelt in einem außergewöhnlichen Fall, der ihn und seine Kollegen Ali und Zeynep auf die Spuren der Geschichte Istanbuls bringt. Eine Leiche wird zu Füßen einer Statur Kemal Atatürks gefunden, die Kehle ist aufgeschlitzt und in den Händen finden die Ermittler eine Münze, die auf Byzanzion, das ursprüngliche Istanbul verweist. Das Opfer ist Professor für Kunstgeschichte, auch seine Ex-Frau und weitere Bekannte beschäftigen sich aktiv mit der Geschichte Istanbuls. Nevzat muss herausfinden, was die Täter ihm mit diesen Informationen sagen wollen, und das am besten schnell, denn der Täter mordet weiter.
Ahmet Ümit beschreibt in seinem Krimi „Die Gärten von Istanbul“ auf wunderbare Weise die Geschichte der Stadt, die historischen Zusammenhänge der Bauwerke und die Veränderungen, denen sie im Laufe der Jahrhunderte unterlag. Dieser Teil des Romans war sehr spannend und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Im Gegensatz zur eigentlichen Kriminalhandlung, denn diese zog sich unglaublich lange hin, ohne dass wirklich etwas passiert. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Ermittler die ersten 600 Seiten gar nicht weiterkommen und auf den letzten 100 Seiten muss dann alles passieren, Ermittlungsergebnisse und völlig überraschende Wendung inklusive. Hinzu kommt, dass ich die Arbeitsmethoden der Ermittler eher unglaubwürdig fand. Da wird über Tatorte getrampelt, Fundstücke einfach in die Hand genommen und Kommissar Ali brüllt einfach alle Verdächtigen in Grund und Boden, ein Wunder, dass er sie nicht gleich verprügelt.
Für mich fügte sich die Kriminalhandlung einfach nicht in den Rahmen der historischen Elemente ein, der Plot war zäh und ohne Entwicklungen, die einen als Leser wirklich mitgerissen hätten. Auch die Beschreibungen von Nevzats Privatleben waren mir zu kühl und abgehackt und fügten sich lange nicht in das Gesamtbild des Krimis ein. Ich war von Ahmet Ümits Krimi „Die Gärten von Istanbul“ leider enttäuscht. Drei Sterne gibt es dennoch, da ich die historischen Beschreibungen und Erklärungen sehr gut recherchiert und für den Leser toll aufbereitet fand. 

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Montag, 18. September 2017

Jeffrey Archer "Möge die Stunde kommen"

Es ist Anfang der 70er Jahre und Emma Clifton steckt mitten in einem Prozess gegen Lady Virginia Fenwick um den Machterhalt bei Barrington Shipping, dem Familienunternehmen. Es scheint, als wenn nur ein Brief ihr helfen könnte, der gleichzeitig die politische Karriere ihres Bruders ruiniert, denn er soll eine Affäre mit einer jungen Frau in Ostberlin haben. Gleichzeitig kämpft ihr Mann Harry weiter um die Freilassung des Schriftstellers Anatol Babakov, dessen Buch über Stalin er aus der Sowjetunion geschmuggelt hat. Der Kalte Krieg steht bei diesem Band der Clifton-Reihe im Mittelpunkt, doch um alle Familienmitglieder und Freunde entwickeln sich weiter spannende Geschichten, auch Emmas und Harrys Sohn Sebastian rückt verstärkt in den Fokus. Die Familiensaga geht also in der nächsten Generation weiter.
Ich kann nur immer wieder betonen, wie großartig alle Romane der Clifton-Saga geschrieben sind und das schließt auch den neuesten Band „Möge die Stunde kommen“ mit ein. Jeffrey Archer ist ein Erzähler der Extraklasse, der mit unglaublicher Leichtigkeit die historischen und gesellschaftlichen Fakten der Zeit mit der Familiengeschichte der Cliftons verbindet und für den Leser so ein spannendes und mitreißendes Gesamtbild schafft. Wer alle Bände gelesen hat, begleitet Emma, Harry und Giles jetzt schon sehr lange und es ist bewundernswert, wie konstant Archer seinen Figuren beschreibt und ihnen dabei gleichzeitig viel Entwicklungsspielraum gibt. Er schafft in jedem Band spannende Einzelgeschichten, ohne den großen Rahmen aus den Augen zu verlieren, was die Reihe auch besonders auszeichnet. Die Charaktere wachsen einem ans Herz und nach jedem Band wartet man sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Leider steht schon fest, dass im kommenden Jahr mit Band sieben der letzte Teil der Reihe erscheinen wird.

Jeffrey Archers Roman „Wem die Stunde schlägt“ ist mitreißend geschrieben und der Autor schafft es auf wunderbare Art, die Familiengeschichte der Cliftons vor einem historischen Gesamtbild zu erzählen, das einen als Leser fasziniert. Jeffrey Archer ist ein großartiger Erzähler, was er mit dem sechsten Band der Clifton-Saga wieder einmal beweist.   

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Freitag, 15. September 2017

Martin Walker "Brunos Küchenkalender 2018"

Das Jahr dauert zwar noch ein bisschen an, aber man kann sich ja nicht früh genug mit dem Kalender für das neue Jahr beschäftigen. Da ich dieses Jahr die Krimis von Martin Walker mit Bruno, dem „Chef de Police“ für mich entdeckt habe, passt der Küchenkalender für das Jahr 2018 natürlich perfekt in die heimische Küche. In den Büchern wird schließlich auch die ganze Zeit fleißig geschlemmt und gekocht und schon mehr als einmal habe ich mir gewünscht, von Bruno persönlich bekocht zu werden.
Der Kalender ist sehr schön gestaltet und er hat auch gute Größe. Nicht zu klein, alles ist gut zu erkennen und die Bilder wirken schön, doch auch nicht so groß, dass die gesamte Wanddekoration weichen müsste. Die Fotos in dem Kalender sind einfach wunderschön, Essens- und Landschaftsaufnahmen wechseln sich ab und bilden eine perfekte Kombination. Die Rezepte sind auch immer gleich mit aufgedruckt, was ich sehr schön finde. Bei vielen Kalendern finden sich die Rezepte ja auf der Rückseite im Kalender, das ist hier deutlich übersichtlicher. Hier ist alles auf einen Blick erkennbar und lädt gleichzeitig zum Träumen ein. Oder dazu sich mit einem weiteren Krimi von Martin Walker auf das Sofa zu verkrümeln.

 Mit gefällt Martin Walkers „Brunos Küchenkalender 2018“ zu seiner Krimireihe sehr gut, ich freue mich schon darauf ab Januar die schönen Rezepte zu entdecken und mit den Bildern zu träumen. Nicht nur für Bruno-Fans ein toller Küchenkalender!

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Petra Morsbach "Justizpalast"

Thirza Zorniger ist das Produkt einer leidenschaftlichen Beziehung zwischen dem Schauspieler Carlos Zorniger und Gudrun, Tochter von Strafrichter Wilhelm Kargus. Doch die Beziehung zerbricht und Thirza wächst bei ihrem Großvater und den Tanten in Parsing auf, nachdem ihre Mutter überfordert die Erziehung der Tochter aufgibt. Dort entwickelt sie den Wunsch, ebenso wie ihr Großvater, den sie sonst nicht besonders zu mögen scheint, Juristin zu werden und es bis in den Münchener Justizpalast zu schaffen.
Petra Morsbach erzählt in „Justizpalast“ ausgiebig von Thirzas Leben, ihren Jugendjahren, aber hauptsächlich von ihrer Zeit als aktiver Juristin in verschiedensten Themengebieten. Familiengericht, Gnadenabteilung im Ministerium, Beschwerdekammer, Kartellrecht – durch all diese Bereiche arbeitet sich Thirza und was vielleicht langweilig klingt, ist ein hochspannender Roman über Recht und Gerechtigkeit. Bereits im Studium diskutiert Thirza mit Kommilitonen Radbruch und die Frage, welche Rolle Recht und Gesetz und welche darin die Richter zu spielen haben. Gibt es so etwas wie rechtgewordenes Unrecht? Diese Frage ist direkte Folge aus dem Fehlverhalten der Richter in der Nazi-Diktatur und beschäftigt Thirza ihr ganzes Leben lang. Der Roman „Justizpalast“ ist nicht nur spannend, man lernt auch eine Menge über Rechtsauslegung, Rechtsphilosophie und das Selbstverständnis der Justiz. Immer wieder werden Fälle eingeflochten, die Thirza verhandelt, was den Roman so nah und lebensecht macht, dass man manchmal vergisst, dass man eine fiktive, keine reale Geschichte liest.
Thirza ist eine sehr spezielle Persönlichkeit, privat sehr gehemmt, sucht sie Erfüllung im Beruf und hat sich von der Vorstellung, in einer Beziehung glücklich zu werden, schnell verabschiedet. Sie kämpft in einer Zeit um Anerkennung, als Frauen in der Justiz selten und im Richteramt noch seltener waren. Jedenfalls zu Beginn, denn Morsbach lässt uns an Thirzas Beispiel auch die Geschichte der deutschen Justiz in der Nachkriegszeit erleben, die Veränderung der Probleme und Fragestellungen und die Komplexität des Rechts durch immer neue Gegebenheiten von Außen.
Ich halte Petra Morsbachs Roman „Justizpalast“ für einen herausragenden Roman. Die Autorin bereitet ein zunächst langweilig erscheinendes Thema wie ein Leben für die Justiz so spannend auf, dass man den Roman kaum noch aus der Hand legen kann. Durch Thirzas speziellen Charakter wird das Buch noch kurzweiliger und selbst komplizierte Stellen über rechtsphilosophische Diskussion schreibt sie so klar und fesselnd, dass man sich keinesfalls abgeschreckt fühlt. Thirza wächst einem ans Herz und ihr uneingeschränktes Streben nach Gerechtigkeit schafft großen Respekt vor dieser Figur.
Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Roman verbunden mit der Bitte, sich nicht abschrecken zu lassen vom vielleicht schwierigen Thema, denn Petra Morsbach macht es dem Leser unglaublich leicht, sich darauf zu einzulassen. 

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