Donnerstag, 8. Februar 2018

Annejet van der Zijl "Die amerikanische Prinzessin"

Allene Tew wird im 19. Jahrhundert geboren als Tochter einfacher Leute in Jamestown. Doch sie will mehr als das Leben in der Kleinstadt und als sie den wohlhabenden Tod Hostetter kennenlernt, bietet sich die Chance auf ein neues Leben. Sie wird schon vor der Hochzeit schwanger, ein Unding in der damaligen Zeit und trotz des Widerstands seiner Familie heiratet Tod das junge Mädchen. Doch die Ehe ist unglücklich und es zeichnet sich ab, was Allenes ganzes Leben prägen wird: Sie muss kämpfen, sich durchsetzen, den Kopf hoch halten. Das macht sie in ihrem Leben auch großartig, bei fünf Ehemännern bringt sie es am Ende sogar zur Patentante der niederländischen Kronprinzessin, sie ist reich, lebt in den schönsten Städten der Welt in traumhaften Häusern und hat zahlreiche Freunde um sich geschart. Und immer hält sie sich an ihr Lebensmotto: „Courage all the time – Nie den Mut verlieren“.
„Die amerikanische Prinzessin“ ist eine wunderbar geschriebene Biographie über eine unglaubliche Frau. Allene Tew ist eine echte Kämpferin, die es immer wieder schafft, auf die Füße zu fallen, egal was das Leben mit ihr anstellt. Doch die Autorin Annejet van der Zijl beschreibt nicht nur das Leben von Allene auf sehr spannende und anschauliche Weise, sie bettet die Biographie auch großartig in die damalige gesellschaftliche und politische Gesamtlage ein. Das „Gilded Age“ aus Allenes Jugend spielt genauso eine Rolle wie die „Roaring Twenties“ und der zweite Weltkrieg. Diese umfassenden Erklärungen machen das Verständnis für Allenes besondere Biographie erst möglich, denn sie lebte in einer Zeit, in der sich die Klassen langsam auflösten und auch der europäische Adel plötzlich offen für amerikanische Ehefrauen wurde – Hauptsache sie brachten das Geld für die nötigen Sanierungen der alten Häuser mit. Denn nach Ende des ersten Weltkriegs war im europäischen Adel nichts mehr wie bisher und für Allene wurde es so möglich, die Gesellschaft gewaltig aufzumischen.
Annejet van der Zijl ist mit „Die amerikanische Prinzessin“ eine spannende und anschauliche Biographie gelungen, die mehr ist, als nur das Portrait einer Person. Sie schafft es, ein ganzes Jahrhundert anhand von Allenes Leben darzustellen und dem Leser damit eine echte Vorstellung von vergangenen Zeiten zu vermitteln. So ist die Lektüre dieser Biographie keinesfalls trocken, sondern äußerst unterhaltsam und lehrreich, eine echte Freude.


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Montag, 5. Februar 2018

Haruki Murakami "Die Ermordung des Commendatore. Band 1. Eine Idee erscheint"

Im Mittelpunkt des Romans steht ein namenloser Künstler, der sein Geld als Porträtmaler verdient. Als seine Frau ihn verlässt, streunt er einige Wochen durch Japan, auf der Suche nach einem neuen Ort, wo er sich niederlassen kann. Schließlich hilft ein Freund und er zieht in das leerstehende Haus von dessen Vater, der ebenfalls Maler war. Dort lernt er seinen Nachbarn Menshiki kennen, einen seltsamen und geheimnisvollen Mann, der ihn und seine Gedanken schnell in Beschlag nimmt. Er soll ein Porträt von ihm malen, egal wie lange es dauert und wie er seinem Gegenüber darstellen will und Menshiki bietet viel Geld dafür. Doch der Maler wird einfach nicht schlau aus ihm und so bleibt ein Ungutes Gefühl während der Zusammenarbeit mit dem geheimnisvollen Fremden.
Haruki Murakami zeigt wieder einmal, was er am besten kann: einem ein kleines Unwohlsein eintrichtern. Ein kleines, nur winziges Grauen, das wie Gänsehaut über den Rücken läuft, ohne besonders auffällig zu sein. Wie der Protagonist wissen wir nicht, was es mit dem Nachbarn auf sich hat, aber Murakami zeigt in winzigen kleinen Momenten, dass etwas nicht stimmt mit dieser Person. Und so entwickelt sich beim Lesen ein Sog, der einen nicht mehr loslässt und tief in die Geschichte hineinzieht. Dass es nur der erste Band einer zweiteiligen Geschichte ist, führt dazu, dass man danach leider wieder warten muss, wie es weiter geht mit dieser sehr subtilen und spannenden Geschichte. Sprachlich ist Murakami wie immer überragend, es gibt kaum Autoren, die einen mit wenigen Worten und einer klaren Sprache so schnell gefangen nehmen. Die Sprache und die Geschichte klingen in einem auch noch nach, wenn man das Buch bereits beendet hat und das ist das Besondere, was die Bücher von Haruki Murakami ausmacht.

Wieder einmal konnte mich der japanische Autor Haruki Murakami uneingeschränkt überzeugen, „Die Ermordung des Commendatore. Band 1. Eine Idee erscheint“ ist ein spannender und gleichzeitig feinsinniger Roman, der mich vollkommen mitgenommen hat. Jetzt heißt es warten auf Band 2, „Eine Metapher wandelt sich“, der am 16. April 2018 erscheint. Zu lange müssen die begeisterten Leser also nicht warten. 

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Freitag, 2. Februar 2018

Lauren Weisberger "Die Liebe trägt Weiß"

Charlotte Silver ist Tennis-Profi und nebenbei ist sie auch noch nett, freundlich und will von allen gemocht werden. Doch nach einer schweren Verletzung will sie endlich richtig angreifen und die großen Turniere gewinnen. Ein neuer Trainer und ein neues Image sollen helfen, sie an die Spitze der Weltrangliste zu führen. Doch über all dem verliert Charlie ihr wahres Ziel aus den Augen und muss feststellen, dass sie nicht bereit ist, alles zu opfern um erfolgreich zu sein.
Lauren Weisbergers neuer Roman „Die Liebe trägt Weiß“ fand ich ziemlich enttäuschend. Mit „Der Teufel trägt Prada“ und anderen Romanen hatte sie gezeigt, dass durchaus intelligente und unterhaltsame Literatur für Frauen schreiben kann, doch diese Geschichte fand ich einfach platt und belanglos. Charlie ist zwar eine recht sympathische Hauptfigur, doch was mit der Geschichte wirklich erzählt werden sollte, hat mich bis zum Schluss nicht erreicht. Die Figuren blieben einfach viel zu flach, ohne Ecken und Kanten und es wurden viel zu viele Klischees bedient, vom schwulen Vorzeigebruder über den aggressiven Trainer bis zur hinterhältigen russischen Konkurrentin. Mir war das alles einfach zu wenig, um mich beim Lesen wirklich mitzunehmen und mich für die Hauptfigur einzunehmen.

„Die Liebe trägt Weiß“ ist für mich das bisher schwächste Buch von Lauren Weisberger, die Story gibt nicht viel her und auch die Charaktere sind nicht gut genug konstruiert, um die Geschichte voranzutreiben. Da gibt es in dem Genre sehr viel Unterhaltsameres zu Lesen. 

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Montag, 29. Januar 2018

Norbert Horst "Splitter im Auge" (Steiger-Reihe Band 1)

Eigentlich ist der Mordfall abgeschlossen, ein Mädchen wurde tot aufgefunden, der Täter ist Dank Spermaspuren eindeutig identifiziert und wurde verurteilt. Dennoch lässt den Polizisten Thomas Adam, genannt Steiger, etwas an diesem Fall nicht los und mit der Zeit entdeckt er immer mehr Ungereimtheiten. Obwohl er einige Kollegen damit gegen sich aufbringt, lässt er nicht locker und findet Fälle, die fast ähnlich verlaufen sind. Bei jedem dieser Fälle wurde ein Täter eindeutig anhand von Spermaspuren überführt- doch die Ungereimtheiten bleiben und bringen Steiger in Teufelsküche. Steckt dahinter wirklich ein Serienmörder oder doch nur der Zufall?
„Splitter im Auge“ von Norbert Horst ist der Auftakt der Krimireihe um den unbequemen Dortmunder Polizisten Steiger und zeigt gleich sehr deutlich Steigers Charakter. Er ist aufsässig und mag sich nicht immer an die Regeln halten, doch erst ist auch loyal und ein guter Kollege, wenn er jemanden schätzt. Dies ist die Grundlage für diesen Krimi, der sehr gut strukturiert und spannend angelegt ist. Langjährige Kollegen vertrauen Steiger und daher kommt er dann mit seinen eigenwilligen Ermittlungen doch immer weiter und die Leser zieht er mit in diesen Sog aus Indizien, die am Anfang völlig unzusammenhängend aussehen, sich jedoch Stück für Stück sortieren und einen äußerst spannenden und dabei intelligenten Krimi ergeben. Einmal begonnen, kann man das Buch nur noch schwer aus der Hand legen, denn auch die Figuren wachsen einem ans Herz und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht – beruflich und privat. Dabei hat der Autor sich die Mühe gemacht, auch die Nebenrollen noch bis in kleinste zu beschreiben und ihnen einen eigenen Charakter zu geben, was die Lektüre noch viel unterhaltsamer macht. Das gesamte Personal ist sehr stimmig und dabei individuell angelegt, was den Fall auch mit vorantreibt.

Mir hat „Splitter im Auge“ ausgesprochen gut gefallen, der Kriminalfall ist äußerst spannend und mitreißend beschrieben, das Personal spricht einen als Leser gleich an und dass man sich auf weitere Bände mit Thomas Adam als Ermittler freuen kann, ist natürlich noch ein weiterer Bonus. 

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Freitag, 26. Januar 2018

Gerhard Falkner "Romeo oder Julia"

Ein Autor auf Reisen wird Opfer einer wilden Stalkerin, die ihm aus dem Hotelzimmer sein Schlüsselbund klaut und nichts zurücklässt außer ihren langen schwarzen Haaren in der Badewanne- als hätte sie genüsslich ein Bad genommen und auf den Beraubten gewartet. Auf weiteren Reisen nach Moskau und Madrid geschehen weiter seltsame Dinge und es drängt sich die Frage in den Vordergrund, wer den Autor hier verfolgt. Und vor allem, warum.
Gerhard Falkner war bereits mit „Apollokalypse“ für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert und mit „Romeo oder Julia“ hat er es auch 2017 wieder auf die Shortlist geschafft. Dennoch war ich von dem Roman enttäuscht, ich empfand die ganze Geschichte als sehr gewollt und schlecht konstruiert. Bis kurz vor Ende war der ganze Ablauf für mich kaum nachvollziehbar und auch nach Beendigung des Buches sind viele Elemente für mich völlig unklar. Die Story hätte diese Nebenspuren meiner Meinung nach in keiner Weise gebraucht, im Gegenteil, sie zerfaserten für mich viel zu sehr und waren schwer zu verfolgen.
Als sehr positiv empfand ich hingegen Falkners Sprache. Da ich bisher noch kein Buch von ihm gelesen hatte, war es für mich eine neue Erfahrung. Mir sind viele Formulieren und Ausdrücke in Erinnerung geblieben, weil ich sie so treffen und ausgesprochen gut und bildhaft formuliert fand. Dies steht für mich leider in starkem Widerspruch zu der schwachen Story, doch ich werde einem anderen Roman von Gerhard Falkner sicher noch eine Chance geben.

Mir hat „Romeo oder Julia“ nur eingeschränkt gefallen, während ich die Story abwegig und nicht klar genug strukturiert fand, um nachvollziehbar zu sein, haben mir Ausdruck und sprachliche Umsetzung sehr gut gefallen, es ist einfach Geschmackssache, ob man an „Romeo oder Julia“ Gefallen findet oder nicht. 

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Mittwoch, 24. Januar 2018

Armin Strohmeyr "Die leuchtenden Länder. Reisende Frauen erkunden den Orient"

Heute sind reisende Frauen eine Normalität, doch im 18. und 19. Jahrhundert waren sie eine Seltenheit. Selbst wenn ihre Ehemänner diplomatische Posten in fernen Ländern bekleideten, war es keineswegs selbstverständlich, dass sie mitgereist sind. Umso beeindruckender sind die von Armin Strohmeyr gesammelten Portraits über starke Frauen, die den Orient bereisten und dabei nicht bereit waren, sich den herrschenden Konventionen zu unterwerfen. In bequemer arabischer Kleidung, so ganz anders als die gängigen Korsetts in Europa, erkundeten sie unbekannte Welten, reisten nach Ägypten und Syrien, entdeckten Palmyra und besuchten nomadische Stämme in wilden Berglandschaften. Manchmal in Begleitung ihres Ehemannes, häufig aber allein oder mit einem Liebhaber, haben sie Gegenden entdeckt, die vielen Frauen der damaligen Zeit einfach unvorstellbar erscheinen mussten.
Armin Strohmeyr beschreibt dabei sehr unterschiedliche Frauen, es gibt kein Schema und keinen klassischen Werdegang. Und gerade das macht die Lektüre so interessant, er betont ihre Individualität und lässt uns als Leser Einblick nehmen in so abwechslungsreiche Biographien wie von Vita Sackville-West, die in vielen Bereichen gegen gängige Geschlechter – und Beziehungsklischees rebellierte und sich so einen eigenen Lebensraum schuf. Auch verklärt der Autor ihre Geschichten nicht, dass sie etwas wagten, was andere Frauen sich nicht getrauten, bedeutet nicht automatisch, dass es sie immer glücklicher gemacht hat. Im Gegenteil, wirken einige von ihnen doch wie getrieben, wenn sie von Stadt zu Stadt durch Wüsten und über Gebirge jagen, ohne zur Ruhe zu kommen. Einzige etwas Kartenmaterial zu den Reiserouten fehlte mir bei diesem Buch, das hätte das Buch noch spannender und anschaulicher gemacht. 
„Die leuchtenden Länder. Reisende Frauen erkunden den Orient“ ist ein äußerst interessantes Buch, das nicht nur einen guten Einblick in die Biographien und Besonderheiten der beschriebenen „reisenden Frauen“ gibt, sondern auch einen Eindruck vom damaligen Leben, beispielsweise in Syrien oder Ägypten vermittelt. Nicht nur für reiselustige Frauen ist dieses Buch eine spannende Lektüre. 

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Dienstag, 23. Januar 2018

Bernd Wurlitzer/ Kerstin Sucher "Thüringen"

Es muss nicht immer in die Ferne gehen, auch Deutschland bietet sich als Reiseziel an und das beste Beispiel dafür ist Thüringen. Hier kommt jeder auf seine Kosten, egal ob Wanderer, Radfahrer, Kulturfan oder Städtereisender mit historischem Interesse. Selten findet man auf so engem Raum so viele Wanderweg und gleichzeitig zahlreiche Burgen und Schlösser. Und natürlich ist Thüringen auch das Land von Goethe und Schiller, aber auch von Herder und Wieland und Weimar und seine Umgebung bieten viele Möglichkeiten, auf literarische Entdeckungsreise zu gehen. Eine Reisepause bei einer Thüringer Rostbratwurst sollte dabei unbedingt eingeplant werden.  
Das Dumont-Reisetaschenbuch „Thüringen“ fasst all das großartig für den Leser zusammen und bietet darüber hinaus viele tolle Informationen zu historischen Entwicklungen, berühmten Persönlichkeiten und Möglichkeiten für Sportbegeisterte. Der Einführungsteil ist sehr umfangreich, was sich auch auf jeden Fall lohnt, denn so hat man bei der Reiseplanung schon einmal einen guten Eindruck, welche Möglichkeiten sich hier auftun. Der restliche Reiseführer ist sehr gut gegliedert und gibt immer wieder gute Tipps für Reisende, egal ob Hotels, Restaurants, Wanderwege oder Museen, die einen Besuch wert sind. Zudem ist der Reiseführer für ein innerdeutsches Ziel mit knapp 300 Seiten sehr umfangreich und bietet so jede Menge Wissen, was bei den nicht so exotischen Zielen meiner Meinung nach oft zu kurz kommt.

Bernd Wurlitzer und Kerstin Sucher haben mit dem Dumont-Reisetaschenbuch „Thüringen“ einen tollen Reiseführer vorgelegt, der definitiv Lust macht, dieses Bundesland einmal ausgiebiger zu bereisen. Genug zu bieten hat es dafür auf jeden Fall. 

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