Donnerstag, 12. März 2015

Es geht weiter

Nach einer langen Pause geht es jetzt weiter mit meinem Blog, neuen Rezensionen und Berichten zu allen Themen rund um die Welt der Bücher. Ich starte am Wochenende mit einem Bericht von Leipziger Buchmesse, danach wird es wieder regelmäßig Rezensionen zu Büchern und Hörbüchern geben. 
Ich freue mich wieder auf zahlreiche Kommentare und Anregungen.

Viele Grüße 
Sarah


Sonntag, 17. August 2014

Anna von Bayern "Wolfgang Bosbach. Jetzt erst recht!"


Wolfgang Bosbach ist ein Medienprofi und das merkt man auch dem Buch von Anna von Bayern an. Man erfährt nichts Neues oder Überraschendes, es ist eher eine Zusammenfassung von Geschichten und Aussagen, die man bereits aus verschiedenen Interviews kennt. Bosbach lernt zunächst im Einzelhandel und wird Supermarktleiter, bevor er das Abitur nachholt, Jura studiert und für den damaligen Bundestagsabgeordneten Krey arbeitet. Die Debatte um die Strafbarkeit von Abtreibungen im §218 aktiviert ihn letztlich politisch und er beginnt sich politisch zu engagieren. Der Weg führt über regionale Politik und die Mitgliedschaft im Karnevalsverein in die direkte Nachfolge seines bisherigen Chefs als Bundestagsabgeordneter. Dort engagiert er sich als Innenpolitiker und ist auch als Minister im Gespräch. Als er der Kanzlerin bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm die Gefolgschaft aufkündigt, muss er sich vom damaligen Kanzleramtsminister Pofalla beschimpfen lassen und erhöht seine Medienpräsenz noch einmal. Auch über seine Krebskrankheit spricht er öffentlich und macht kein Geheimnis aus seinen gesundheitlichen Problemen. 
Wie in Talkshows und Interviews auch kommt Bosbach in dem Buch äußerst sympathisch beim Leser an, ein Politiker aus Überzeugung, der nicht immer mit der Fraktion stimmt, sondern sich selbst informiert und eine Meinung bildet. Das Buch ist passend dazu sehr unterhaltsam und kurzweilig geschrieben und fasst Bosbachs Leben und Karriere sehr positiv zusammen. Der ein oder andere kritische Unterton hätte dem Buch jedoch gut getan, so wirkt die Autorin stellenweise schon etwas sehr begeistert von der Person, der sie sich doch eigentlich sachlich nähern sollte, um dem Leser ein ehrliches Bild zu vermitteln. 
Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Person Wolfgang Bosbach reicht es leider nur für die Darstellung des Medienprofis, der auch hier ganz genau weiß, was er vermitteln möchte und was in eben dieses Bild nicht hineinpasst. Wer nicht mehr erwartet, wird sich beim Lesen auf jeden Fall gut unterhalten fühlen. 

Freitag, 15. August 2014

Yasmina Reza "Glücklich die Glücklichen"


In ihrem neusten Werk geht Yasmina Reza der Frage nach, wo in unserem Alltag überhaupt noch Glück zu finden ist. Gibt es überhaupt ein Glück in unserem Alltagstrott, mit all seinen Ritualen und Problemen? In vielen kleinen Episoden erzählt sie von Menschen, die glücklich sind oder unglücklich, die Probleme haben und sie bewältigen oder an ihnen scheitern. Gleich in der ersten Geschichte streitet sich ein Paar im Supermarkt derart laut und übertrieben, dass man sich beim Lesen für sie schämen möchte. Doch gleichzeitig fühlt man sich ertappt, gibt es solche Szenen - wenn auch nicht in dieser überbordenden Dramatik- doch auch im echten Leben.
 Die Autorin zeigt, wie fragil und schwer zu fassen das Glück des Einzelnen ist. Es lässt sich nicht in eine Definition pressen, sondern ergibt sich von Situation zu Situation und kann genauso schnell wie es kommt wieder verschwinden. An den Geschichten zeigt sich, wie schnell der Alltag die Momente des Glücks unsichtbar macht, weil alles zu Kampf und Routine wird. Yasmina Reza beschreibt Personen, die einen berühren und Geschichten, die einen als Leser nicht unbeteiligt lassen. Man beobachtet die Charaktere in ihrem Leben und wird aber auch zu Selbstbeobachtung gezwungen. Es sind alltägliche Momente, die uns als Leser ebenso treffen könnten. Wie würden wir versuchen, glücklich zu bleiben? Und kämpfen wir überhaupt noch für unser Glück? Die Figuren bei Yasmina Reza tuen das nur selten, sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie der Alltag und der Lauf des Lebens einen vergessen lassen, sich für sein persönliches Glück einzusetzen.
Yasmina Rezas „Glücklich die Glücklichen“ ist wie ein kleines Fenster in die Welt der Figuren und ihre Probleme, eine großartig gelungene Beobachtung der Menschen, ihren Reaktionen und ihrer Vorstellung vom (verlorenen) Glück. 

Montag, 4. August 2014

Roger Willemsen "Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament"


Ein Jahr lang saß Roger Willemsen auf der Besuchertribüne im Bundestag und hat sich die Debatten angehört. Das klingt mehr als es wirklich war, denn nur ungefähr jede zweite Woche ist eine Sitzungswoche und nur dann finden überhaupt Sitzungen in Berlin statt. Zudem war 2013 Bundestagswahl, so dass es nach dem Beginn der Sommerpause Anfang Juli eigentlich keine Sitzungen mehr gab, mit wenigen Ausnahmen wie Sondersitzungen und der ersten Sitzung des neu gewählten Bundestags. Bis die Regierung ihre Arbeit aufnahm, dauerte es jedoch bis Weihnachten, so dass erst wieder 2014 regelmäßige Sitzungswochen stattfanden.
Was er dennoch beobachten konnte, war das, was wohl die meisten stört: ein fast leeres Plenum. Doch da die meisten Abgeordneten in Arbeitsgruppen, Ausschüssen und auch in ihren Büros arbeiten, spricht das keineswegs für die Faulheit der Abgeordneten, sondern eher für das Gegenteil. Als etwas störend empfand ich es, dass der Autor schon mit einer negativen Grundeinstellung in das Projekt ging, und sich diese dann nur bestätigen lassen wollte. Er erwartete inhaltlich und rhetorisch mangelhafte Reden, die er seiner Meinung nach auch bekam. Alles schien schon vorher beschlossen, so dass die Reden nur dem Austausch bereits bekannter Argumente dienen, was logischerweise auf die Ausschussarbeit zurückzuführen ist. Nachvollziehbar ist die Abneigung gegen respektloses Verhalten, wie demonstratives Verlassen des Raums, wenn eine bestimmte Person spricht, die ständige Beschäftigung mit Handys und Tablets, selbst wenn der Redner einen direkt anspricht und das Unterhalten auch auf der Regierungsbank wie in den hinteren Reihen einer Schulklasse. All das kann einen wirklich an der Ernsthaftigkeit der gewählten Volksvertreter zweifeln lassen. 
Wäre dies das Resultat eines ergebnisoffen angegangenen Projekts gewesen, hätte man damit als Leser wahrscheinlich gut leben können, doch zwischen den Zeilen schwingt einfach zu oft das grundsätzliche Suchen nach dem Negativen mit, nach der Bestätigung aller Vorurteile, so dass die Lektüre leider nur halb soviel Spaß macht wie sie könnte. 

Donnerstag, 31. Juli 2014

Jean-Luc Bannalec "Bretonische Brandung"


Kommissar Dupin muss in seinem zweiten Fall unter schwierigen Bedingungen ermitteln. Auf den Glénans, einer Inselgruppe vor der bretonischen Küsten, werden drei Leichen an einem Strand gefunden. Was zunächst nach einem Schiffsunglück aussieht, entpuppt sich schnell als heimtückischer Mord. Und irgendwie scheint jeder Inselbewohner ein Motiv zu haben, denn zwei der drei Opfer waren höchst unbeliebt. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass die Inseln nur per Boot zu erreichen sind, was dem wasserscheuen Dupin zutiefst widerstrebt.
Der ermittelnde Kommissar Dupin ist zwar ein Eigenbrötler und zeigt sich in der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen oft nicht kooperativ, er ist jedoch trotzdem sympathisch und liebenswert. Er ist sozial nicht unfähig, er hat nur die Erfahrung gemacht, dass die meisten es nicht verstehen, wenn er seinen Instinkten folgt, die nicht immer logisch begründbar sind. Also macht er erst einmal alles mit sich selber aus und lässt seine Kollegen erst teilhaben, wenn er einen Plan hat. Dies führt häufig zu kuriosen Situationen, wenn er schon wieder vergessen hat, welchen Auftrag er erteilt hatte, weil er so in seine Überlegungen vertieft ist. Der Charakter Dupin ist entscheidend für die Geschichte und trägt die gesamte Story. Diese ist spannend, logisch und gleichzeitig unterhaltsam. Das beschriebene Lokalkolorit trägt noch dazu bei, dass man schnell ein konkretes Bild vor Augen hat und gerne weiterliest. 
Mit „Bretonische Brandung“ ist Jean-Luc Bannalec ein weiterer unterhaltsamer und zugleich spannender Krimi um den Pariser Polizisten im Exil Dupin gelungen. 

Dienstag, 29. Juli 2014

Rachel Joyce "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte"


Zwei Sekunden braucht es, um das Leben von Byron und seiner Familie komplett aus den Fugen zu heben. Zwei Sekunden, in denen nur Byron sieht, wie ein kleines Mädchen vor das Auto seiner Mutter läuft und verletzt wird. Seine Mutter scheint nichts bemerkt zu haben und fährt im dichten Nebel einfach weiter. Als er ihr einige Zeit später erzählt, was passiert ist, bringt er ihr ganzes Leben durcheinander.
Byrons Familie ist eine klassische, englische Vorzeigefamilie. Die Kinder gehen auf eine Privatschule, seine Mutter ist zu Hause, kümmert sich um Haus und Garten und kocht. Der Vater ist nur am Wochenende da und erwartet den perfekten Schein, den er mit dem Haus und seiner Familie quasi gekauft zu haben scheint. Doch die Fassade bröckelt immer mehr und Byrons Mutter scheint an der Perfektion zu zerbrechen. Immer stärker wird sie in den Erzählungen ihres Sohnes zu einem fragilen, unsicheren Schatten der Frau, die sie sein will und die die Umwelt von ihr erwartet. Dass all dies aus der Sicht des Jungen Byron erzählt wird, macht die Geschichte so besonders, denn sein Blick auf die Handlung ist sehr ungewöhnlich. 
Parallel erzählt die Autorin die Geschichte von einem älteren Mann, der in einem Supermarkt arbeitet und schon viel Zeit seines Lebens in psychatrischen Einrichtungen verbracht hat. Erst spät verbindet sich die Geschichte mit der von Byrons Familie, dennoch nimmt einen auch diese Handlung emotional sehr mit. 
Rachel Joyce macht diesen Roman zu etwas Außergewöhnlichem, indem sie die Geschichte aus dem Blickwinkel eines Jungen erzählt, ohne Informationen hinzuzufügen, die Byron nicht hat oder die er als unwichtig erachtet. So muss man beim Lesen teilweise schon detektivisch darauf achten, was der Erzähler mit bestimmten Ausdrücken und Situationsbeschreibungen meint und sich immer klar machen, dass man durch die Brille eines Kindes schaut und nicht den Schilderungen eines über den Dingen stehenden Erzählers Glauben schenken kann. Durch diese Tatsache berührt die Geschichte einen jedoch auch besonders, denn Byron wächst einem in seiner etwas seltsamen Verschrobenheit schnell ans Herz und man möchte ihm manchmal helfen und erklären, was sich in seiner Familie vor seinen Augen wohl gerade abspielt. 
Wer beim Lesen einen zweiten Harold Fry erwartet hat, wird überrascht sein von der Tiefe und Ernsthaftigkeit der Geschichte. Doch wenn man sich darauf einlässt, weiß Rachel Joyce auch dieses mal zu begeistern. 

Montag, 28. Juli 2014

Neue Rezensionen in den nächsten Tagen

Die nächsten Rezensionen kommen in den nächsten Tagen. Inzwischen gelesen habe ich "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" von Rachel Joyce, "Bretonische Brandung" von Jean-Luc Bannalec und "Das hohe Haus" von Roger Willemsen.