Mittwoch, 8. Januar 2020

Michaela Karl "Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an"

Unity Mitford war eine von Adolf Hitlers größten Verehrerinnen - und sie war Engländerin. Die Faszination, die Hitler nicht nur auf deutsche Frauen ausübte und wie viel Anklang Hitlers Politik zu Anfang auch bei vielen Engländern fand, beschreibt Michaela Karl in ihrer Biographie von Unity Mitford auf spannende und lebendige Weise. Doch nicht nur Unity war begeisterte Faschistin, auch einige ihrer Schwestern und ihre Eltern ließen sich von der Begeisterung für Hitler mitreißen und besuchten Unity immer wieder in Deutschland, wo sie in Hitlers engsten Kreis vorgedrungen war. 
Die Autorin schafft es, das Leben von Unity Mitford auf sachliche und dennoch spannende Art und Weise zu beschreiben, ohne sie für ihr Verhalten zu verurteilen. Ihr Leben ist beeindruckend und abschreckend zugleich und endete quasi mit der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland, in deren Folge Unity in München mit einem Kopfschuss versucht haben soll sich selbst zu töten. Beweise hierfür gibt es nicht, nur zahlreiche widersprüchliche Zeugenaussagen. Danach lebt sie stark eingeschränkt in England bei ihrer Mutter, das Leben in Glamour und politischer Bedeutsamkeit war vorbei. Michaela Karl hat schon einige Biographien geschrieben, beispielsweise über Dorothy Parker, doch Unity Mitford ist wohl die spannendste Persönlichkeit, die sie bisher vorgestellt hat. Dabei arbeitet sie wie immer sehr fundiert mit einer dichten Quellenlage und schafft es dennoch, den Menschen hinter den Fakten darzustellen und die Lektüre zu einer äußerst unterhaltsamen Angelegenheit zu machen. 
Michaela Karls Buch „Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an“ ist eine spannende Biographie, die eine in Deutschland fast vergessene Persönlichkeit der 30er Jahre beleuchtet. Wer sich für die 30er Jahre in Deutschland und Großbritannien interessiert und etwas hinter die Kulissen der deutsch-britischen Beziehungen schauen möchte, wird von diesem Buch auf jeden Fall begeistert sein. 

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Samstag, 28. Dezember 2019

Petra Hartlieb "Sommer in Wien"

Marie arbeitet als Kindermädchen bei der berühmten und höchst mondänen Familie Schnitzler in Wien, ein völlig anderes Leben als sie es vom Hof ihrer Eltern in der Provinz kennt. Im Sommer 1912 geht es mit der ganzen Familie ans Meer und Marie lernt nicht nur das Meer kennen sondern auch Oscar zu vermissen. Denn Oscar Nowak, Buchhändler aus Wien, ist Maries große Liebe und zu gerne würde sie ihr Leben mit ihm verbringen. Ein trauriger Zwischenfall bringt sie ihren Träumen schneller näher, als ursprünglich gedacht und wirft viele Fragen für das junge Paar auf.
Dies ist der dritte Band von Petra Hartlieb über Marie im Haushalt von Arthur Schnitzler, es ist jedoch der einzige, den ich bisher gelesen habe. Die beiden vorigen Bände fehlten mir bei der Lektüre gar nicht, die wunderbare Sprache der Autorin hat mich von der ersten Seite an fasziniert und in die Geschichte hineingezogen. Sanft gleitet die Geschichte dahin, man lebt und leidet mit den Protagonisten und genießt gleichzeitig die wunderbare Atmosphäre, die die Autorin aufbaut. Fast hat man das Gefühl, selbst durch das Haus des berühmten Autors Arthur Schnitzler zu spazieren oder mit Marie die Buchhandlung zu durchstöbern und die Welt der Literatur zu entdecken. 
„Sommer in Wien“ ist ein wunderschönes Buch, zauberhaft geschrieben und auch optisch ein echter Hingucker. Was den Verfasser des Klappentextes jedoch geritten hat, es so darzustellen als ginge es um eine Geschichte am Rande des Ersten Weltkriegs, der dann alles verändert, kann ich mir nicht erklären. Der Erste Weltkrieg beginnt erst auf der letzten Seite des Romans und die politische Situation spielt zuvor so gut wie gar keine Rolle. Das tut der Freude an der Lektüre des Romans selbst jedoch keinen Abbruch, ich war wirklich begeistert und habe mir sofort die anderen Bände der Reihe um Marie und Oscar besorgt, um auch ihre Vorgeschichte kennenzulernen. 

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Donnerstag, 26. Dezember 2019

Martin Walker/Julia Watson "Brunos Gartenkochbuch"

Wer Martin Walkers Krimi-Reihe rund um Bruno, den charmanten Polizisten aus dem Périgord kennt, hatte vermutlich schon öfter einmal den Wunsch, sich mit an den Tisch setzen zu dürfen, wenn Bruno für seine Freunde kocht und die schönsten lokalen Speisen auftischt. Genau das ist zwar nicht möglich, doch immerhin können begeisterte Leserinnen und Leser mit „Brunos Gartenkochbuch“ jetzt viele Rezepte des beliebten Kriminalisten nachkochen. 
Gemeinsam mit seiner Frau Julia Watson hat Autor Martin Walker jetzt bereits zum zweiten Mal ein Kochbuch zur Bruno-Reihe verfasst. Die Rezepte lassen einem schnell das Wasser im Mund zusammenlaufen, doch dieses Buch zeichnet eindeutig mehr aus als „nur“ raffinierte Rezepte zum Nachkochen. Begleitet werden alle Rezepte von wunderbaren Fotografien, nicht nur des Essens sondern auch der Region und von Martin Walker und Julia Watson bei der Arbeit, entweder im Garten oder direkt in der Küche. Denn es handelt sich hier um ein echtes Gartenkochbuch, alles ist regional und saisonal, sortiert nach Jahreszeiten. Abgeschlossen wird das wunderbare Buch mit dem Kapitel „Mit Bruno durchs Gartenjahr“, in dem es viele Gartentipps der beliebten Figur gibt und ganz am Ende noch zwei kurze Fälle, in denen Bruno mal wieder ermitteln muss. 
„Brunos Gartenkochbuch“ ist für mich viel mehr als ein simples Kochbuch, es ist ein wunderschöner Band zum immer wieder Hervorholen und Träumen, um sich Anregungen zu holen und wunderbar zu essen. Eine großartige Ergänzung zu den spannenden Krimis von Martin Walker und ein absolutes Muss für alle Bruno-Fans. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Diogenes Verlags. 




Dienstag, 24. Dezember 2019

Frohe Weihnachten und ein schönes Fest

Heute wünsche ich allen Leserinnen und Lesern nur kurz frohe Weihnachten und ein schönes Fest mit vielen, vielen Büchern unterm Weihnachtsbaum und viel Zeit, die riesigen Stapel ungelesener Bücher abzuarbeiten, die sich im Laufe des Jahres sicher wieder angesammelt haben. 🎄

Sonntag, 22. Dezember 2019

Maja Lunde "Die letzten ihrer Art"

In „Die letzten ihrer Art“ erzählt Maja Lunde die Geschichte der letzten Wildpferde, der Takhi aus der Mongolei in drei verschiedenen Zeitfenstern. Einmal ihre Entdeckung Ende des 19. Jahrhunderts und der Versuch, sie in Tierparks anzusiedeln. Dann die Geschichte von Karin, die in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts versucht, die Tiere wieder in der Mongolei anzusiedeln und schließlich die Geschichte von Eva, die unter schwersten Bedingungen Mitte des 21. Jahrhunderts versucht, ein paar letzte Tiere am Leben zu erhalten. 
Die Lektüre des Romans flog nur so dahin, so spannend erzählt die Autorin sowohl der Leben ihrer Hauptfiguren als auch die gesamte Handlung rund um die Tiere. So schnell wie einem die Menschen ans Herz wachsen, hängt man auch an diesen beeindruckenden wilden Tieren, die sich ihrer Zähmung immer widersetzen, gleichzeitig zeigt das Beispiel von Karins Tieren, wie schwer es ist, einmal aufgezogene Tiere wieder auszuwildern. Es ist ein ständiger Kampf um das Überleben der Art, spannend und mitreißend wie ein Krimi geschrieben. Wie schon in „Die Geschichte der Bienen“ und „Die Geschichte des Wassers“ widmet sich die Autorin in diesem Roman die Bedrohung der Natur und des natürlichen Lebensraums der Tiere durch den Menschen und seine Entwicklung. 
Maja Lunde ist mit „Die letzten ihrer Art“ wieder ein faszinierender Roman gelungen, der einen nicht mehr loslässt, wenn man mit der Lektüre begonnen hat. Beeindruckend, spannend und berührend erzählt sie von der Faszination der Wildpferde und ihrer Bedrohung, einfach ein großartiges Buch. 

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Freitag, 20. Dezember 2019

"Weihnachtszauber"


Weihnachten ist fast da und wie so oft bleibt wenig Zeit für die ruhigen Momente. Wer sich dann jedoch mit einer schönen und weihnachtlichen Lektüre an den Baum setzen möchte, dem kann ich „Weihnachtszauber“ aus dem Diogenes Verlag nur ans Herz legen. Viele renommierte Autorinnen und Autoren haben hier Weihnachtsgeschichten zusammengetragen, die nicht kitschig sind und trotzdem Weihnachtsstimmung verbreiten. 
Von Heinrich Böll über Truman Capote bis zu Sy Montgomery und Benedict Wells ist für jeden Geschmack etwas dabei, die Geschichten sind wunderbar kurzweilig und passen garantiert noch in die kurze Pause zwischen dem Einpacken der letzten Geschenke und dem Baumschmücken. Und auch im nächsten Advent sollte man dieses Buch unbedingt wieder rausholen, denn es sind Geschichten zum immer wieder lesen, die hier versammelt sind und einen jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit wieder erfreuen können. 
Mir hat der Sammelband „Weihnachtszauber“ viel Freude gemacht und er wird im nächsten Jahr im Dezember ganz sicher wieder einen festen Platz auf meinem Nachttisch finden. 

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Mittwoch, 18. Dezember 2019

Paulo Coelho "Verborgene Schätze. Buchkalender 2020"

Kaum jemand führt heute wirklich noch einen Kalender auf Papier, die meisten Informationen sind im Smartphone gespeichert und überall abrufbar. Wer jedoch Papier und Stift noch wirklich zu schätzen weiß, steht jedes Jahr wieder vor der Herausforderung, welcher Kalender es für das kommende Jahr sein soll. Wie groß, wie schwer, wie bunt und auffällig? Etwas Besonderes oder einfach ein kleines Heft, das in jede Tasche passt? Der Diogenes Verlag hat jetzt für mich den perfekten Buch-Kalender herausgegeben für alle, die kleine Details lieben und einfach etwas Platz für Notizen brauchen. 
Der Buch-Kalender von Paulo Coelho ist wunderschön gestaltet, mit vielen graphischen Details und Zitaten, die einen durch das Jahr begleiten. Für jeden Tag ist eine halbe Seite Platz, so dass man sich ziemlich gut ausleben kann, ergänzt durch eine ganze freie Seite für jeden Monat, für Listen und Ideen, die nicht vergessen werden sollen. 
Ich finde den Buch-Kalender „Verborgene Schätze“ einfach wunderschön, er zeigt auf wunderbare Weise, was durch die elektronischen Kalender vielleicht teilweise verloren gegangen ist, die Detailliebe mit der diese Kalender gestaltet sind. Für mich kann diese Kalender im kommenden Jahr durch nichts ersetzt werden, es geht doch nichts über Stift und Papier. 

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