Donnerstag, 2. Januar 2014

Frohes neues Jahr

Ein frohes neues Lesejahr 2014 an alle Leseratten. Das Jahr 2013 ist zu Ende und damit auch das Seitenzählen für das vergangene Jahr. Auch wenn ich um einiges von meinem ursprünglichen Ziel von 30 000 Seiten entfernt geblieben bin, kann ich zufrieden sein. Trotz Umzug in die Hauptstadt und neuem Job bin ich immerhin auf 21 154 gelesene Seiten in 2013 gekommen. Mein Ziel in diesem Jahr die 30 000 Seiten zu knacken, bleibt natürlich bestehen! 

Ein wirkliches Lieblingsbuch 2013 hatte ich nicht, aber ich habe mit großer Begeisterung die Krimireihe von Wolfgang Schorlau gelesen, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Die Bücher sind sehr aktuell, gut recherchiert und spannend geschrieben. Gerade ist der neueste Band herausgekommen, der sicher ganz schnell auf meinem Lesestapel landet. 


Damit wünsche ich allen Lesern ein schönes Jahr 2014 voller spannender, unterhaltsamer und kurzweiliger Bücher. 

Nigel Barley "Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte"


Wenn man als Ethnologe praktische Erfahrung sammeln will, muss man raus in die Wildnis und Feldforschung betreiben. Also macht sich Ethnologe Nigel Barley auf den Weg nach Kamerun um das kleine Völkchen der Dowayos zu erforschen. Doch statt danach einen trockenen Bericht über seine Erkenntnisse zu liefern, schreibt er ein witziges und ehrliches Buch über seine Erfahrungen. Diese beginnen damit, dass die Bürokratie in Kamerun gemeinsam mit dem Bankensystem alles zu tun scheint, um ihn am Erfolg seiner Reise zu hindern. Und auch die Dowayos haben nicht die letzten Jahrhunderte sehnsüchtig auf einen Ethnologen gewartet, der ihre Sprache nur mühsam lernt und versucht, ihre Rituale zu verstehen. Wobei die Grenze zwischen wirklichen Ritualen und den Versuchen, den bemühten Feldforscher in die irre zu führen, sich stark zu verwischen scheinen.
 Nigel Barleys „Traumatische Tropen“ sind an manchen Stellen so witzig, dass einem fast die Tränen kommen und an anderen so ernst und einsam, dass einem an der Authentizität des Berichts kein Zweifel bleiben kann. Er berichtet von seinen Erfolgen und seinen Niederlagen und gibt sich so manchmal selbst der Lächerlichkeit preis. Und wenn er nicht weiter weiß, schaltet er in seinen „Feldforschermodus“ und verharrt stundenlang still und wartet was passiert. Selbst aktiv etwas tun kann er nämlich in den meisten Fällen nicht, da er abhängig ist von den Gebräuchen seines kleinen Stammes.  
Entstanden ist dadurch ein unglaublich kurzweiliges und gleichzeitig informatives Werk, dass die Ethnologie und ihre Ernsthaftigkeit hinterfragt und bloßstellt. Ein absolut empfehlenswertes Buch. 

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Jonas Jonasson "Die Analphabetin, die rechnen konnte"


Nombeko arbeitet eigentlich als Latrinenträgerin, als sie als Jugendliche von einem Ingenieur mit dem Auto angefahren wird. Ein Gericht spricht sie schuldig, nicht genug aufgepasst zu haben, wohin dass Auto fuhr und als Strafe muss sie sieben Jahre als Angestellte des Ingenieurs arbeiten. Schnell stellt sich heraus, dass eben dieser für die Entwicklung des südafrikanischen Atomprogramms zuständig ist und Nombeko sehr viel klüger ist, als er vermutet hat. Sie kann mit Zahlen umgehen, wie sonst kaum jemand und so wird sie zur rechten Hand des Ingenieurs, während sie seine Fußböden schrubbt. Dass die von ihr mit entwickelte Atombombe sie den Rest ihres Lebens verfolgen soll - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes - hat sie damals nicht erwartet. 
Mit Nombeko hat Jonas Jonasson eine ebenso einzigartige und bewundernswerte Hauptfigur geschaffen wie in seinen „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Auch wenn die Story an Absurdität manchmal kaum zu überbieten ist und die Personen sich mit komischen bis blödsinnigen Einfällen gegenseitig übertrumpfen, hat man nie das Gefühl einen bemüht witzig konstruierten Roman zu lesen. Die Charaktere an sich liefern so viel Potential für Wendungen und Kapriolen, dass der Roman gar nicht langweilig werden kann. Spätestens wenn zwei schwedische Zwillinge auftauchen, von denen einer nicht existiert und die beide Holger heißen, fragt man sich als Leser, woher der Autor diese wahnsinnigen Ideen nimmt. Dabei setzt er diese um, ohne jemals ins Alberne oder anstrengend Blödsinnige abzurutschen. Nombeko bleibt trotz aller seltsamen Ereignisse eine bewundernswerte, intelligente junge Frau, die sich auf ihre spezielle Art mit dem Leben arrangiert. 
„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist ein wunderbares Buch, das in seiner Art einzigartig ist. Wer Angst hatte, dass Jonas Jonasson nach „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ nur einen müden Abklatsch seines Debüts liefern würde, kann sich entspannt zurücklehnen und sich an seinen neuen Ideen erfreuen. 

Samstag, 14. Dezember 2013

Rachel Joyce "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"


Harold Fry lebt ruhig und und zufrieden mit seiner Frau Maureen in Kingsbridge in England als er eines Tages den Brief seiner alten Kollegin Queenie bekommt. Sie liegt im Sterben und möchte sich mit dem Brief von ihm verabschieden. Harold schreibt eine kurze Antwort und will den Brief zum Briefkasten zu bringen, läuft dann jedoch einfach immer weiter. Im Laufe des Tages entscheidet er sich durch ganz England zu Queenie nach Berwick zu pilgern, wo diese in einem Hospiz liegt. Er lässt ihr ausrichten, sie müsse nur durchhalten, er sei auf dem Weg. Eine aufregende Reise beginnt für Harold und seine Frau, die überraschend alleine zurück bleibt.
 Die Reise zwingt Harold sich mit seiner eigenen Vergangenheit und seinem Leben auseinanderzusetzen, allein mit seinen Gedanken und hunderten Kilometern vor sich. Seine Ehe mit Maureen läuft nicht wirklich gut, das Verhältnis zu seinem Sohn David war immer schwierig. Er durchlebt viele Situationen und findet viele Fehler in seinem Verhalten, oft kommt vergangen geglaubte Verzweiflung auf. Aber er findet auch viel Hoffnung und Ermutigung in seinem Projekt und in den Menschen, die er auf seiner Pilgerreise trifft. Nur mit seinen Segelschuhen und ohne Wanderausrüstung wird er sogar zu einer medialen Sensation, was seinem Grundgedanken völlig zuwider läuft. Harold läuft um Queenie zu retten, sie soll überleben weil er diese Reise auf sich nimmt, das betrifft nur ihn und Queenie und vielleicht auch noch Maureen, aber sonst niemanden. Harold bewegt einen als Leser durch seinen Kampfgeist, seine Ehrlichkeit und auch durch seine Liebe zu seiner Frau, die mehr seine Partnerin ist als er selbst gedacht hätte. 
„Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ist ein witziges, überraschendes und zugleich zutiefst bewegendes Buch über die Hoffnung und das Leben des Protagonisten, der einem sofort ans Herz wächst. Wer jetzt noch ein Weihnachtsgeschenk sucht ist damit ganz sicher gut beraten. 

Samstag, 30. November 2013

Jo Nesbø "Die Larve"


Nach seinem letzten Fall hatte Harry Hole sich nach Bangkok abgesetzt, er wollte nicht mehr zurück nach Oslo, nachdem er seine große Liebe Rakel verloren hatte und sein Job als Polizist ihn immer tiefer in die Welt von Kriminalität und Alkohol gezogen hatte. Was könnte ihn also dazu bringen, doch zurückzukommen? Nur Rakel und ihr Sohn Oleg natürlich. Als Oleg wegen Mordes an einem Junkie verhaftet wird, fliegt Harry zurück nach Oslo und versucht den Fall zu lösen. Dass sein ehemaliger Ziehsohn ein Mörder sein soll, kann er einfach nicht akzeptieren. Doch damit bringt er auch sich selbst in Gefahr, denn einige mächtige Kriminelle in Oslo wollen Harry tot sehen. Schnell rutscht er wieder in die düstere Welt ab, aus der er damals fliehen wollte.
Jo Nesbøs Krimis um den Kommissar Harry Hole sind an Spannung kaum zu überbieten. Auch in diesem Band sind die wieder so viele Menschen in die Taten verstrickt, dass man als Leser bis kurz vor Schluss im Unklaren ist, wer der eigentlich Mörder ist. Zu viele Personen des kriminellen Milieus zeigen sich auf der Bühne und hätten ein Motiv, die Gelegenheit und die kriminelle Energie, einen Mord zu begehen. Gleichzeitig rückt mit Rakel auch Harrys Privatleben wieder in den Vordergrund, was den Fall um so spannender Macht. Denn Harry würde alles tun, um Rakel den Schmerz ersparen, dass ihr Sohn einen Menschen umgebracht hat. Man kann gar nicht aufhören und muss immer weiterlesen, um endlich zu wissen, ob der ruhige und intelligente Oleg aus den früheren Harry Hole Krimis wirklich dieser kaputte und drogensüchtige junge Mann geworden ist. Dass sich auch noch die Drogenmafia Oslos in die Geschichte einschaltet, macht es umso spannender und auch bei der Polizei ist einem kaum noch klar, wer auf Seiten der Gerechtigkeit steht und wer alles geschmiert ist. 
„Die Larve“ ist ein hervorragender Krimi, spannend und mit detailliert gezeichneten Charakteren, die einen in die Geschichte reinziehen und einen nicht mehr loslassen. Absolut empfehlenswert!

Alex Capus "Léon und Louise"


Als Léon und Louise sich das erste mal begegnen, steht das Ende des ersten Weltkriegs kurz bevor. Beide sind in einem kleinen französischen Ort gelandet, um das Land in Kriegszeiten zu unterstützen. Während Louise im Bürgermeisterbüro arbeitet, ist Léon als Morseassistent bei der Bahn angestellt. Die beiden verlieben sich, doch bei einem Ausflug werden sie durch Granatenbeschuss verletzt und verlieren sich aus den Augen. Erst zehn Jahre später erfahren sie, dass der jeweils andere überlebt hat. Doch Léon ist bereits verheiratet und seine Frau erwartet ein Kind. So muss ihre Liebe in aller Stille leben, möglichst ohne die Menschen zu verletzen, die sie lieben. 
Doch auch der zweite Weltkrieg lässt sie einander wieder aus den Augen verlieren. Die Geschichte von Léon und Louise ist eine besondere Liebesgeschichte, da sie den größten Teil ihres Lebens nur in den Köpfen der Protagonisten stattfindet. Obwohl sie sich nicht sehen, lieben sie sich und wissen, dass der andere irgendwo in der Welt draußen ist und auch an den anderen denkt. Die Leidtragende dabei ist zumeist Léons Frau Yvonne, der von Anfang an klar ist, dass sie keine Chance gegen die fremde Frau, die Jugendliebe ihres Mannes hat. Und so schlüpft sie im Laufe ihres Lebens in alle möglichen Rollen, um ihn zu halten und dazu zu bringen auch sie auch zu lieben. Auf eine gewisse Weise tut er das auch, doch an die Liebe zu Louise reicht die Liebe nie heran. Louise fragt ihn an einer Stelle des Buches, ob es wohl funktioniert hätte, wenn sie damals mit 18 Jahren nicht getrennt worden wären, ob sie ein glückliches gemeinsames Leben geführt hätte. Und sie gibt ihm die Antwort gleich mit: Der Kopf sagt nein, aber das Herz sagt ja. Ich denke ihr Kopf hätte Recht behalten, ihre Liebe hat nur funktioniert, eben weil sie so wenig Zeit zusammen verbracht haben, ihnen der Kampf im Alltag erspart blieb und die Langeweile, die das Leben mit sich bringen kann. Insofern ist es Yvonne um so höher anzurechnen, dass sie ihren Mann bei sich hielt und mit ihm den Alltag bekämpfte, während Louise für ihn immer mehr ein Kopfabenteuer war als die Realität. 
Diese wunderbare Geschichte schreibt der Autor Alex Capus so sensibel und leise, dass man mit allen Figuren mitfühlt und leidet und seine Sympathien von einer Person zur anderen mitnimmt, ohne in dieser Geschichte Position beziehen zu müssen. Sie haben alle ihre Sichtweise und alle haben ein wenig Recht. Léon und Louise, die ihrer verpassten Liebe eine neue Chance geben wollen und auch Yvonne, die das dritte Rad an diesem Wagen ist und dennoch ihre Rolle fleißig weiter spielt. 
Mit „Léon und Louise“ ist Alex Capus eine faszinierende Liebesgeschichte gelungen, die völlig ohne Kitsch und übertriebene Romantik auskommt und nur vom Wesen ihrer Figuren zu leben scheint. 

Montag, 25. November 2013

Lauren Weisberger "Die Rache trägt Prada"


Andrea Sachs ist zurück. Sie hat sich von der Arbeit bei "Runway" Chefin Miranda Priestly erholt und sich inzwischen mit ihrer ehemaligen Konkurrentin Emily selbstständig gemacht. Die beiden geben ein Hochglanzmagazin heraus, dass sich mit Hochzeiten und allem was dazu gehört beschäftigt und sind damit höchst erfolgreich. Doch dann tritt Elias-Clark, der Verlag dem Miranda Priestly als Chefin vorsteht, an sie heran und will ihr Magazin „The Plunge“ kaufen. Während Emily begeistert von der Idee ist, graust es Andrea vor dem Gedanken, wieder für Miranda arbeiten zu müssen. Auch einige private Veränderungen in ihrem Leben führen dazu, dass sie eigentlich nur ihren Frieden haben will. Doch dass man Miranda nicht unterschätzen darf, hat Andrea bereits im ersten Teil gelernt.
 Endlich ist der Nachfolger von „Der Teufel trägt Prada“ da und ist überraschend gelungen. Dieser Roman ist kein billiger Abklatsch des ersten Bandes, sondern genauso spannend und witzig. Miranda scheint tatsächlich eine Veränderung durchgemacht zu haben und Andreas Privatleben rückt in den Vordergrund. Mit „The Plunge“ bringt zudem endlich ein Produkt heraus, hinter dem sie Qualitativ und inhaltlich selber steht. Die Charaktere haben sich entwickelt und verändert, wenn auch nicht so sehr, wie ich es mir erhofft hatte. Gerade zum Ende hin fand ich die Entwicklung etwas vorhersehbar und enttäuschend. Mit Andys Mann tritt ein völlig neuer Charakter auf die Bildfläche, der ihr Verhalten mit beeinflussen will, weil er gleichzeitig ein wichtiger Investor der Zeitung ist. Die Verbindung von Geschäft und Privatleben erschwert Andrea eine unabhängige Entscheidung und lässt sie teilweise sehr passiv und schwach wirken.
 Das ändert aber nichts daran, dass auch „Die Rache trägt Prada“ ein sehr gut lesbarer und unterhaltsamer Roman ist, auf dessen Verfilmung man hoffen darf. Welcher Fan des ersten Teils würde nicht Meryl Streep gerne noch einmal als Miranda Priestly über die Kinoleinwand wüten sehen?