Ich muss vorweg
sagen: Dieser Reiseführer liegt mir besonders am Herzen, denn ich habe selber
ein Jahr in der Toskana gelebt und die Gegend sehr gut kennengelernt. Umso mehr
hat es mich gefreut, vieles wieder zu entdecken, was mich damals begeistert
hat. Wie immer beim Michael Müller Verlag ist der Reiseführer ausgesprochen
übersichtlich aufgebaut und man bekommt sehr viele Informationen über Siena als
Stadt und die Umgebung. Gerade Siena ist sehr interessant, mit dem Palio und
den einzelnen Contraden (Stadtvierteln) herrscht dort nicht nur während der Pferderennen
im Juli und August ein ganz besonderes Flair, das Michael Müller in diesem
Reiseführer ganz wunderbar vermittelt.
Doch auch
Restaurants, Bars und Cafés die ich schon vor Jahren sehr mochte, finden sich
in diesem Reiseführer, was die Freude auf einen erneuten Besuch noch erhöht,
scheint die Qualität doch in den vergangenen Jahren nicht nachgelassen zu
haben. Bei zahlreichen Reiseführern aus dem Michael Müller Verlag, die ich
bisher testen durfte, kann ich nämlich eins mit Sicherheit sagen: Die
Restauranttipps haben mich noch nie enttäuscht.
So lässt sich
abschließend sagen, dass dieser Reiseführer über die „Südtoscana“, von
Verlagsgründer Michael Müller persönlich verfasst, wieder rundum gelungen ist
und zudem beweist, dass es durchaus Sinn macht, einen Reiseführer nur über den
Süden dieser faszinierenden Region zu schreiben, denn es gibt so viel zu sehen
und zu probieren, dass es für die ganze Toskana kaum in ein Buch passen kann.
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Hier geht es zu weiteren Informationen des Michael Müller Verlags.
Aus aktuellem Anlass möchte ich hier ein sehr schönes Buch vorstellen. Wer sagt denn, dass ein Adventskalender immer aus Schokolade bestehen muss, wenn es auch Geschichten sein können?
Schnüpperle ist ein wunderbares Buch für die Vorweihnachszeit: Vom ersten bis zum
24. Dezember begleiten die großen und kleinen Leser Schnüpperle und seine
Schwester beim Warten auf Weihnachten. Egal ob das Öffnen des Adventskalenders,
die Schulaufführung seiner großen Schwester oder das Kekse backen mit Mama-
Schnüpperle ist mein ungeschlagener Held in der Adventszeit und mindestens so
gut wie der schönste Adventskalender. Ein Muss nicht nur für kleine
Weihnachtsfans!
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Hier geht es zu weiteren Informationen des cbj Kinderbuchverlags.
In einerZeit, in der Europa seine Grenzen gnadenlos
abgeriegelt hat und auch mit den korruptesten afrikanischen Staaten
zusammenarbeitet um die Migration nach Europa zu verhindern, begibt sich ein
bekanntes TV-Sternchen in ein Flüchtlingslager vor Ort um „den Menschen zu
helfen“. Trotz des Erfolgs sind die Dreharbeiten irgendwann beendet, die
Flüchtlinge ahnen, dass sie schnell in Vergessenheit geraten werden, besonders
Lionel, der inzwischen eine Beziehung mit Nadeshe Hakenbusch, dem aufstrebenden
Fernsehstar hat. Kurzerhand machen sie sich auf den Weg, zu Fuß nach Europa,
live im Fernsehen. Der Politik in Deutschland wird mit Schaudern bewusst, was
auf sie zukommt und versucht zu handeln – doch das Chaos ist bereits ausgebrochen.
Timur Vermes hat
bereits mit „Er ist wieder da“ sein Talent für bitter-böse Satire bewiesen und
genau damit glänzt er auch in seinem neuen Roman „Die Hungrigen und die Satten“.
Schon der Titel ist bezogen auf die Handlung an Zynismus kaum zu überbieten und
so beschreibt er das, was da passiert, auf eine Art und Weise, die im starken
Gegensatz zur Handlung steht. Das Drama der Menschen, ihre Hoffnungslosigkeit
und Angst erzählt er eben auf locker-leichte unterhaltsame Weise. Unterstrichen
wird dies noch durch eingestreute Artikel aus der fiktiven Frauenzeitschrift „Evangeline“,
deren Redakteurin Nadeshe Hackenbusch auf Schritt und Tritt begleitet. Völlig
übertrieben und ins Absurde geführt, beschreibt sie das TV-Sternchen und ihre
Erfahrungen auf eine Art und Weise, dass man überall Regenbogen und
Glitzersternchen sieht, während fröhlich bunte Einhörner um den
Flüchtlingstreck springen. Man könnte lachen, wenn es nicht so grausam wäre.
Und dieses Gefühl bleibt einem auch über den gesamten Roman erhalten, der
Wunsch zu lachen über diese Albernheiten, wenn man nicht im Bauch dieses Gefühl
hätte. Ist das wirklich so absurd? Kann man sich das nicht wirklich auch
vorstellen, dass es irgendwie so passieren würde? Würde die Regierung nicht vermutlich
am Ende wirklich so reagieren wie in dieser Satire? Und dass man so zwischen
Lachen und Grauen gefangen ist, macht das besondere Talent des Autors aus.
Timur Vermes hat
sich seit seinem Debütroman viel Zeit gelassen, bis „Die Hungrigen und die
Satten“ in diesem Jahr erschienen ist. Es hat sich gelohnt, ihm ist eine
großartige Satire über das fröhliche Gutmenschentum auf der einen und die simple
Radikalisierung von Fremdenfeindlichkeit auf der anderen Seite gelungen. Dieses
Buch ist eine Pflichtlektüre in der aktuellen Zeit, es unterhält und schafft es
gleichzeitig, dass es einem eiskalt den Rücken herunterläuft, immer bitter-böse
am Puls der Zeit.
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Hier geht es zu weiteren Informationen des Eichborn Verlags.
Berlin 1935:
Gereon Rath hat sich zwar von Unterweltboss Johann Marlow losgesagt, dennoch
pfuscht er ihm wieder ins Handwerk, wenn auch dieses Mal ungewollt. Rath wird
zu einem Verkehrsunfall gerufen, ein Fahrer ist frontal mit Vollgas gegen einen
Brückenpfeiler gefahren, er und sein Fahrgast sind tot. Als herauskommt, dass
der Fahrer an einer tödlichen Krankheit litt und Rath auch noch Geheimakten des
SD in dem Wagen findet, ahnt er, dass mehr hinter der Sache steckt. Auch
Charly, seine Frau, verstrickt sich mal wieder in Ungereimtheiten. Sie
ermittelt mit dem ehemaligen Polizisten Böhm inzwischen als Privatdetektivin
und in einer alten Geschichte scheint es Überschneidungen zu Gereons Fall zu
geben. Gibt es eventuell sogar einen gemeinsamen Drahtzieher zwischen dem
Unfall und dem Tod von Charlys Vater vor acht Jahren?
„Marlow“ ist der
inzwischen siebte Band rund um den Kriminalkommissar Gereon Rath und seine Frau
Charly, die eigentlich Rechtsanwältin werden wollte, sich inzwischen aber von
den Nazis ausgebremst sieht. Frauen gehören an den Herd und nicht ins Büro,
eine Karriere wird ihr so verbaut. Grundsätzlich merkt man dem ganzen Roman an,
dass die Stimmung sich immer dramatischer verändert. Während Gereon versucht,
sich immer hindurch zu schmuggeln, ohne wirklich bei den neuen Machthabern
anzuecken, macht Charly keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen die
Nationalsozialisten, was für die beiden und ihren Pflegejungen Fritz viele Probleme
mit sich bringt. Das Personal des Romans ist größtenteils bekannt, es werden
hier kaum neue Figuren eingeführt, das ist für die Story aber auch unnötig. Es
ist die Vergangenheit von Charly, die etwas näher beleuchtet wird und als Leser
erfährt man endlich etwas mehr über diese faszinierende Frau. Von Gereon
wünscht man sich bei der Lektüre in vielen Fällen politisch etwas mehr Haltung
gegen die Nazis, aber gerade durch sein etwas schwammiges Verhalten ist er
vermutlich so typisch für die damalige Zeit. Es wird deutlich, wie groß der
Druck inzwischen ist, wie wenig Widerspruch noch geduldet wird. Bereits in
diesem Band deutet sich an, dass Charly und Böhm Verfolgten helfen, die aus
Deutschland fliehen wollen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie weit die
beiden in ihrem Widerstand gehen werden und ob das nicht letztendlich zu
weiteren Probleme zwischen Gereon und Charly führen wird.
So spannend die
historische Komponenten des Romans ist, so gelungen ist „Marlow“ auch als
Krimi. Natürlich lässt sich der Fall kaum losgelöst von den politischen
Entwicklungen sehen, denn Gereon Rath sieht sich immer wieder mit SD und SS
konfrontiert, doch auch unabhängig davon ist der Fall sehr spannend beschrieben
und lückenlos logisch aufgebaut. Es gibt viele überraschende Wendungen, die
einen mitreißen und die Geschichte zu einem wahren Schmöker machen, bei dem man
sich immer wieder dabei erwischt, mit dem Lesen einfach nicht aufhören zu
können. Die Mischung aus Kriminalfall und realistischer Beschreibung der
historischen Gegebenheiten ist dem Autor Volker Kutscher wieder auf geniale
Weise gelungen.
„Marlow“ ist ein großartiges Buch, das man
auch in der heutigen Zeit jedem ans Herz legen möchte. Es zeigt im Rahmen des
Kriminalromans sehr deutlich, welche Gefahren davon ausgehen, wenn Meinungen
aus Angst nicht mehr geäußert werden können und Menschen in einem politischen System
nicht mehr auf den Rechtstaat vertrauen können. Der Roman ist großartig
geschrieben, ein beeindruckendes Buch, das ich uneingeschränkt allen Leserinnen
und Lesern empfehlen kann.
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Hier geht es zu weiteren Informationen des Piper Verlags.
Es ist 1944 und
Deutschland liegt im Chaos. Soldat Veit Kolbe ist verwundet und kommt auf
Erholungsurlaub nach Hause, nach Wien. Doch dort hält er es nicht aus, er fährt
in das kleine Örtchen Mondsee, wo sein Onkel als Polizist arbeitet. Da Dorf
liegt unter der Drachenwand, einem mächtigen Bergmassiv am See. Dort verliebt
sich Veit und auch um ihn herum geht das Leben weiter. Doch der Krieg prägt
auch weit ab von der Front die Menschen, wie er feststellen muss.
„Unter der
Drachenwand“ ist ein sehr bewegendes und aufrüttelndes Buch, denn es zeigt - wenn
auch in einer fiktiven Geschichte - wie omnipräsent der Krieg im Leben der
Menschen im Jahre 1944 war. Und wie selbstverständlich genau dies auch
teilweise schon. Dabei geht es nicht nur um das Leben des Soldaten, sondern
auch um das Mädchen Annemarie Schaller. Eigentlich sollte sie vor dem Krieg in
Sicherheit gebracht werden mit der Landverschickung aus Wien, doch genau in der
angeblichen Idylle wendet sich ihr Schicksal ins Tragische. Die Geschichte wird
größtenteils aus der Sicht des Soldaten erzählt, wechselt aber immer wieder die
Perspektive durch die Briefe, die die Menschen in Mondsee erreichen und die der
Autor Arno Geiger geschickt in die Erzählung einbringt, um das Leben in Mondsee
und den Städten wie Darmstadt und Wien gegenüber zu stellen. In Mondsee geht es
den Menschen noch recht gut, sie werden nicht ausgebombt, lediglich Überflüge
von alliierten Flugzeugen haben sie zu ertragen. Nahrungsmittel sind auf dem Land
zumindest eher vorhanden als in der Stadt, dafür kennt jeder jeden und die
Kontrollfunktion der Gesellschaft funktioniert ganz wunderbar. Jeder weiß, was
sein Nachbar sagt oder denkt und so geht es schnell ins Gefängnis, wenn man
Kritik äußert. Diese ganze Situation beschreibt Geiger so gut, dass man beim
Lesen das Gefühl bekommt, selbst in dieser Enge zu sitzen. Veit helfen nur
Medikamente gegen die Panik, die er aus dem Krieg mitgebracht hat, in den er
aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch wieder zurück muss. Als Leserin oder
Leser fühlt man unweigerlich mit Veit, wenn er seine Gefühle beschreibt, denn
er kommt einem sehr nah, trotz der nüchternen Sprache des Autors. Der
Protagonist nimmt die Leser direkt mit in den Krieg mit all seinen
Rahmenerscheinungen und das macht das Buch auch so beachtenswert, denn es lässt
einen einfach nicht los.
Arno Geiger ist
mit „Unter der Drachenwand“ ein bewegender Roman über Alltag und Krieg im Jahre
1944 gelungen, der dennoch eins deutlich macht: Die Protagonisten sind nicht
ohne Hoffnung, im Gegenteil, sie glauben fest daran, diese verlorene Zeit
endlich überwinden zu können, um erneut leben zu leben. Wie in einer Wartehalle
pausiert ihr Leben bis zum Kriegsende. Ein beeindruckendes Buch, das vollkommen
zurecht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 gestanden hat.
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Hier geht es zu weiteren Informationen der Hanser Literaturverlage.
Es ist 1913 auf
Gut Greifenau in Hinterpommern und der erste Weltkrieg wirft bereits seine
Schatten voraus. Doch noch wäre die Welt in Ordnung, würden sich nicht die
gräflichen Kinder so ganz anders verhalten, als es von ihnen erwartet wird.
Während Konstantin als ältester Sohn mit seinem Vater Kämpfe um die
Modernisierung des Anwesens ausficht und heimlich eine Liebesbeziehung zur
Dorflehrerin eingeht, wehrt sich die jüngste Tochter Katharina mit Händen und
Füße gegen eine vorgesehen Verlobung mit einem Verwandten des Kaisers. Sie hat
sich in einen reichen Fabrikantensohn verliebt, für ihre Eltern ist völlig
ausgeschlossen, dass sie derart unter ihrem Stand heiraten könnte. Auch beim
Gesinde des Hauses ist einiges los, ein neuer Kutscher sorgt für Unruhe unter
dem Hauspersonal. Die Streitigkeiten sind also vorgezeichnet, während Europa
weiter auf den Abgrund des Ersten Weltkrieges zurollt.
Wie die
Inhaltsangabe schon verrät, geht es viel um Liebesgeschichten in diesem
historischen Roman, doch Hanna Caspian bietet den Lesern mit „Gut Greifenau –
Abendglanz“ mehr als nur einen Liebesroman vor historischer Kulisse. Die
Figuren sind so klug eingesetzt, dass viele soziale Konflikte der damaligen
Zeit deutlich werden. Probleme im Bildungssystem und die starre Kaste der
Aristokraten, die unter sich bleiben wollen werden ebenso thematisiert wie das
Aufstreben des Bürgertums, der Militarismus und die Gegensätze von ländlichem
Leben und pulsierender Stadt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht diesen Roman
so spannend und mitreißend, denn so unglaublich viel passiert in diesem ersten
Band der Reihe noch nicht. Das schadet aber keineswegs, vielmehr lebt der Roman
von den detaillierten Beschreibungen von Personen und Lebensbedingungen, von
sozialen Gegebenheiten und Problemen. Die Figuren wachsen einem dabei sehr
schnell ans Herz und glücklicherweise verfällt die Autorin an keiner Stelle auf
simple Schwarz-Weiß-Malerei. Im Gegenteil, alle Charaktere werden in ihren Vor-
und Nachteilen ausgebreitet, niemand ist charakterlich perfekt, wahre Abgründe
tun sich aber auch nicht auf. Diese realistische Erzählweise und der
detaillierte Einblick in das Leben der Menschen haben mir ausgesprochen gut
gefallen.
„Gut Greifenau –
Abendglanz“ ist der Auftakt zu einer Reihe, die sich mit der gräflichen Familie
auf Gut Greifenau, dem dazugehörigen Ort und ihren Angestellten in einer
wahrlich spannenden Zeit beschäftigt. Rund um den ersten Weltkrieg wurde das
ganze gesellschaftliche System auf den Kopf gestellt und das merkt man auch
schon im ersten Band zumindest andeutungsweise. Hanna Caspian hat einen
spannenden historischen Roman geschrieben, ich freue mich schon sehr auf die
Fortsetzung.
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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur.
Vor kurzem hat die Autorin Hanna Caspian zudem den Fragebogen "Zehn Fragen an..." für Sarahs Bücherregal ausgefüllt. Ihre Antworten könnt ihr hier nachlesen.
Tobias und
Philipp werden nach der Wende in Sachsen geboren, sie wachsen in einer
Kleinstadt auf, in der immer mehr Menschen und Jobs abwandern, es gibt kaum
noch Perspektiven für die beiden Brüder. Schon früh versucht Philipp, sich
einer Clique älterer Jungs anzuschließen, die besonders cool für ihn wirkt.
Doch mit der Zeit stellt er fest, dass die in ihrer Wut auf die Welt immer mehr
ins rechte Milieu abdriften. Er zieht sich zurück, im Gegensatz zu seinem kleinen
Bruder Tobias, der früher immer seinem großen Bruder nacheiferte und ihn jetzt
überflügeln will. „Mit der Faust
in die Welt schlagen“ ist an Aktualität kaum zu überbieten. In einer schlichten
und sachlichen Sprache beschreibt Lukas Rietzschel die wachsende
Hoffnungslosigkeit in der ländlichen Region, die den jungen Menschen das Gefühl
gibt, dass sich keiner für sie interessiert. Für die Griechenland-Rettung war
Geld da, für die Förderung ihrer Region nicht, so wird es empfunden und immer
wieder formuliert. Die beiden Protagonisten kommen aus keinem rechten Umfeld
und würden sich selbst kaum als rechtsradikal oder Neonazis bezeichnen, sie
sehen sich nur als Kämpfer für etwas, woran keiner mehr zu glauben scheint. Wer
sich nicht wehrt gegen Migration und „Überfremdung“ ist in ihren Augen dumm und
naiv. Die Politik der Regierung ist für sie einfach nur völlig unverständlich
und so fühlt sich besonders Tobias mit seinen Freunden berufen, auf seine
Situation aufmerksam zu machen – wenn es sein muss auch mit Gewalt. Diese
Geschichte geht unter die Haut, beschreibt sie doch genau die Situationen, die
man im Fernsehen aus Sachsen häufig sieht, und die so schwer verständlich sind,
wenn man gefühlt auf der anderen Seite steht. Rietzschel schafft es auf
bemerkenswert sensible Art und Weise, die Entwicklung der Brüder zu
beschreiben, ohne sie verurteilen oder zu rechtfertigen. Er berichtet, das
Urteil und die Folgerung daraus überlässt er dem Leser, was das Buch für mich besonders
auszeichnet. Ob ich wollte oder nicht und auch wenn ich die Methoden der Clique
verurteile, keimt doch so etwas wie Verständnis für ihr Empfinden der Situation
in mir auf und damit hat der Autor dieses Romans meiner Meinung nach mehr
erreicht, als alle Medienberichte in den letzten Jahren zusammen. Lukas
Rietzschels Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ zeichnet sich durch
seine politische Aktualität und eine Sprache aus, die den Leser berühren und
mitnehmen kann, auch wenn man eigentlich geneigt wäre, die beiden Protagonisten
einfach zu verurteilen. Rietzschel zwingt zum Nachdenken und fordert vom Leser
ein, dass er sich auf Tobias und Philipp einlässt und ihnen eine Chance gibt.
Für mich ist es völlig unverständlich, dass ein so großartig geschriebener und
vom Thema so wichtiger Roman von der Buchpreis-Jury in diesem Jahr nicht
berücksichtigt wurde.
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Hier geht es zu weiteren Informationen des Ullstein Verlags.