Samstag, 2. Januar 2016

Marita Spang "Hexenliebe"

Der erste Roman von Marita Spang spielt in Deutschland um das Jahr 1613, die Zeit der Hexenverbrennungen. Claudia von Leuchtenberg ist die Nichte des herrschenden Landgrafen von Neuerburg und muss hilflos dabei zusehen, wie auch ihr Onkel beginnt, überall Verschwörung und Hexenwerk zu sehen. Dies betrifft Stürme genauso wie Krankheiten und Missernten, jeder Schicksalsschlag ließ sich damals leicht mit dem Wirken von Zauberern und Hexen erklären. Zahlreiche Unschuldige werden nur aufgrund von Verleumdung gefoltert und verbrannt. Als Claudias beste Freundin, die bürgerliche Barbara Dietz, ebenfalls dieser Verleumdung zum Opfer fällt, ersinnt sie mit dessen Verlobten eine List, um sie zu befreien. Doch das ganze System können sie damit schwerlich ins Wanken bringen. 
Der Autorin gelingt in diesem Roman eine umfassende Beschreibung der damaligen gesellschaftlichen Situation, sowohl das Verhältnis von Adel und Bürgertum betreffend, als auch die herausragende Stellung der Kirche.  Angesichts der Hexenverfolgung ist auch der Klerus gespalten, während einige Pfarrer die Möglichkeit sehen, ihre Macht und ihren Einfluss zu vergrößern, sahen einige in der Hexenverfolgung die wahren Lehren des Christentums verletzt. Diese Gegensätze kommen in den unterschiedlichen Charakteren des Romans sehr gut zu Geltung und stehen sich an vielen Stellen unversöhnlich gegenüber. Die völlige Willkür der Hexenjagden und die mangelnde logische Grundlage für die Verfolgung treffen einen auch als Leser, schon die Anschuldigung von missgünstigen Nachbarn reichte, um eine Frau in den Ruin zu stürzen. Gerade die hilfsbereiten Kräuterfrauen waren damals in großer Gefahr. 
Die Charaktere des Romans symbolisieren die verschiedenen Gesellschaftsschichten und Positionen in diesem Machtkampf um die Deutungshoheit der kirchlichen und weltlichen Werte. Obwohl sie alle gut beschrieben sind, sind sie mir teilweise doch ein wenig zu flach und einseitig. Es fehlt ein innerer Konflikt, ein Kampf mit sich selbst, sie scheinen alle ein klein wenig zu gut oder zu böse. Dies ist aber wirklich nur ein winziger Kritikpunkt an einem ansonsten wunderbaren historischen Roman, der einem einen guten Einblick in die dunkelste Zeit des deutschen Mittelalters gibt. 

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