Mittwoch, 26. März 2014

Moritz Matthies "Voll Speed"


Rufus und Ray sind zurück! Die Erdmännchen müssen wieder einmal in einem spannenden Fall ermitteln, erneut an der Seite eines gewieften Privatdetektivs. Einige Tiere im Zoo benehmen sich komisch und ein Erdmännchen fällt sogar ohnmächtig um - schnell kommt raus, dass die Ratten aus der Kanalisation über den Gorilla mit Drogen handeln. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, die Erdmännchen kommen einem Drogenring in Sportlerkreisen auf die Spur.
Mit unglaublich viel Witz und Charme liest Christoph Maria Herbst auch diesen Band von Rufus und Ray. Der Charakter von Tieren und Menschen zeichnet sich deutlich in der gewählten Sprechweise ab, mit der Herbst die Protagonisten ausstattet. Egal ob eine reicher versnobte Witwe oder dümmliche Flamingos, die sich ihren eigenen Namen nicht merken können, alle haben eine eigene Art, die die gelesene Geschichte lebhaft macht und trotz des einzelnen Lesers hat man schnell das Gefühl, in einem ausgiebigen Hörspiel gelandet zu sein. Die Geschichte wird nicht nur gelesen, sie wird fast schon gespielt. 
Die Story ist wie auch beim ersten Mal skurril und natürlich völlig abwegig, macht deshalb aber auch umso mehr Spaß. Die Erdmännchen um Rufus und Ray entwickeln sich weiter, der aggressive Clanführer Rocky wird Vater, Rufus verliebt sich und Ray trauert seiner Elsa immer noch hinterher. Als Hörbuch mit Christoph Maria Herbst ist „Voll Speed“ einfach uneingeschränkt zu empfehlen. 

Montag, 17. März 2014

Moritz Matthies "Ausgefressen"


Ray und Rufus sind zwei Erdmännchen im Berliner Zoo und könnten ein entspanntes Leben führen. Für Futter ist gesorgt und gelegentlich posieren sie mit ihrer Familie für die Besucher. Doch als im Zoo ein Mann verschwindet und ein in der Nacht Schüsse zu hören sind, versuchen die zwei rauszufinden, was es damit auf sich hat. Ein Privatdetektiv - der unter Alkoholeinfluss fließend Erdmännisch spricht - heuert sie an, ihm bei den Ermittlungen zu helfen, und so buddeln die Erdmännchen mit dem gesamten Clan nach einer Leiche unter dem Eiswagen. Doch dann wird klar, dass der Fall noch viel komplizierter ist und Ray begleitet den Schnüffler bei seinen Recherchen außerhalb des Zoos. 
Das Hörbuch wird gesprochen von Christoph Maria Herbst, der es schafft, mit seiner Stimme jedem Erdmännchen seinen eigenen Charakter zu geben. Das ganze ist so witzig und unterhaltsam, wie das Buch in gedruckter Form vermutlich nie sein könnte. Die Geschichte wird so lebhaft erzählt, dass man wo man geht und steht weiter hören will und die Geschichte so sehr schnell vorbei ist. Zum Glück gibt es schon drei Geschichten um Rufus und Ray, die alle von Christoph Maria Herbst gesprochen werden, für Nachschub ist also erst einmal gesorgt. Die Story von „Ausgefressen“ ist an sich nicht besonders anspruchsvoll, aber durch die verschiedenen Tierarten, die alle ihren eigenen Charakter haben und Rays unerwiderte Liebe zu der Chinchilladame Elsa hat man immer etwas zu lachen.
 „Ausgefressen“ ist ein absolut empfehlenswertes kurzweiliges Hörbuch mit einem großartigen Sprecher und einer witzigen Story. 

Lucinda Riley "Der Lavendelgarten"


Die junge Tierärztin Emilie de la Martinière ist in Südfrankreich, um ihr Erbe zu regeln. Ihr Vater ist schon länger tot, ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und Emilie muss entscheiden, was mit dem Château, dem Weinberg und der Pariser Wohnung der wohlhabenden Familie geschehen soll. Sie ist völlig überfordert mit diesen Entscheidungen und umso erleichterter, als der Engländer Sebastian in ihr Leben tritt, ein Kunsthändler, der ihr hilft und Sicherheit gibt. Ihre Familien sind miteinander verbunden, denn Sebastians Großmutter hat Emilies Vater während des zweiten Weltkrieges kennen gelernt. Welche Geheimnisse ihre Vergangenheit noch birgt, erfährt Emilie jedoch nur langsam.
„Der Lavendelgarten“ ist eine Geschichte, die in zwei Strängen erzählt wird. Einmal Emilies Liebesbeziehung zu Sebastian, aber viel mehr im Vordergrund steht eigentlich die Geschichte von Constance und Éduard, den Vorfahren der beiden. Im zweiten Weltkrieg unterstützen beide Résistance und begaben sich damit in große Gefahr. Diese Geschichte beschreibt Lucinda Riley mit sehr viel Gefühl für Details und vermeidet allzu vorhersehbare Wendungen, was für den Leser die Spannung erhöht und ihn schnell mitnimmt in die Geschichte. Die Autorin schafft keine glatten, makellosen Charaktere sondern Menschen mit Fehlern und realistischen Problemen, die sich positiv von vielen Charakteren der Unterhaltungsliteratur abheben. Als Leser hat man hier nicht das Gefühl, das Ende von Anfang an zu kennen, sondern entdeckt gemeinsam mit Emilie ihre Vergangenheit. Die Geschichte ist logisch aufgebaut vor einem historischen Hintergrund, der nicht unnötig verbogen wurde für den Verlauf der Geschichte. Gerade der Wechsel der Zeiten von den 40er Jahren in die Gegenwart machen das Buch so unterhaltsam und gleichzeitig spannend. 
Mit dem „Der Lavendelgarten“ ist Lucinda Riley wieder ein wunderbar kurzweiliges Buch gelungen, dass sich problemlos mit den ersten Werken der Autorin messen kann. 

Mittwoch, 5. März 2014

Kate Mosse "Die Frauen von Carcassonne"


Sandrine Vidal lebt 1942 mit ihrer Schwester Marianne und der Haushälterin Marieta in Carcassonne im nicht besetzten Teil von Frankreich. Ihr Leben verläuft relativ ungestört und sie nimmt den Krieg kaum war, bis sie durch Zufall auf ein Mitglied der Résistance trifft, das auf der Flucht ist. Sie kann ihm zwar nicht helfen, geht aber dennoch mit ihrer Schwester zu einer Demonstration gegen das kooperierende Regime in Vichy. Als dort eine Bombe explodiert, bricht Panik aus und sie versteckt den Hauptverdächtigen, von dessen Unschuld sie überzeugt ist. So erfährt sie, dass ihre Schwester und deren Freundinnen bereits lange im Widerstand aktiv sind. Sie schließt sich selbst der Résistance an und beginnt zu kämpfen.
 „Die Frauen von Carcassonne“ nimmt einen von der ersten Seite an mit in Sandrine Welt. Sie macht eine starke Entwicklung durch von einem unbekümmerten und naiven Mädchen zu einer starken Frau, die zur Führungsfigur einer ganzen Widerstandsgruppe wird. An ihrer Seite steht dabei unter anderem Audric Baillard, ein alter Mann, der fest daran glaubt, dass ein alter Codex die Geister verstorbener beschwören kann und dass der Krieg so gewonnen werden kann. Diese mystische Element stört in der Entwicklung leider etwas, da die Frauen besonders durch ihre Stärke und Intelligenz und ihren unbezwingbaren Willen überzeugen. Dass sie dennoch nur durch Geisterglaube eine Chance haben sollen, empfand ich beim Lesen als störend. Es schwächt die großartigen Charaktere, die Kate Mosse hier geschaffen hat, völlig unnötig. Die Geschichte hätte auch ohne das Element des religiösen Codex vollkommen überzeugt. 
Das ändert aber wenig an der Qualität dieses Buches. Die Erzählung ist hervorragend geschrieben und auch wenn sie durch Zeit und Raum manchmal springt, hat man als Leser kein Problem, der Handlung zu folgen. Die Charaktere sind klar strukturiert und die Story ist logisch aufgebaut. Fast alle Figuren machen im Verlauf der zwei Jahre, die die Autorin beschreibt, eine deutliche Wandlung durch, die ihnen von Außen aufgezwungen wird. Auch wenn Sandrine Vidal eindeutig im Mittelpunkt der Geschichte steht, sind die anderen Beteiligten nicht nur Beiwerk, sondern ebenso starke Charaktere, um die sich die Geschichte nicht weniger hätte drehen können. Das macht dieses Buch so spannend zu lesen, da man bis zu kleinsten Nebenfigur mitbangt, wie der Kampf ausgehen wird - auch wenn die historischen Tatsachen bekannt sind. 
Mit „Die Frauen von Carcassonne“ hat Kate Mosse einen großartigen und absolut empfehlenswerten historischen Roman über die Widerstandsbewegung im französischen Midi hervorgebracht. 

Dienstag, 25. Februar 2014

Isabel Beto "Die Bucht des grünen Mondes"


Die Geschichte beginnt in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. Amely ist die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns und verliebt in dessen Mitarbeiter im Kontor Julius. Einer Verlobung scheint nichts im Weg zu stehen, als ihr Vater ihr mitteilt, dass sie einen Geschäftsfreund von ihm in Brasilien heiraten soll.  Kurzerhand wird sie mit ihrer Zofe nach Manaus geschickt, wo ihr alter cholerischer Ehemann sie erwartet. Als ihr Leben völlig hoffnungslos wird, flieht sie in den Urwald des Amazonas und lebt dort bei einem eingeborenen Stamm und verliebt sich in einen Krieger. Dennoch muss sie irgendwann nach Manaus zurückkehren, will sie ein Zukunft mit ihrem Geliebten haben.
Der Klappentext verspricht die Geschichte einer großen Liebe, in Wirklichkeit scheint Amely sich aber in fast jeden jungen gut aussehenden Mann in ihrer Umgebung verlieben zu können. Erst Julius in Deutschland, dann ein Angestellter ihres Mannes auf den Kautschukplantagen und später der Krieger im Urwald. Der Charakter erscheint extrem wankelmütig und unreif, was das Lesen stellenweise sehr anstrengend macht. Die meisten ihrer Handlungen kann die Autorin schlichtweg nicht so begründen, dass man ihr Handeln verstehen kann. Die Männer sind allesamt wandelnde Klischees, der herrische Vater, der gute fast-Verlobte mit mangelnder Bildung, der cholerische alte Ehemann, der tapfere mutige Krieger - viel Phantasie bei der Entwicklung der Charaktere hat Isabel Beto leider nicht gehabt. Diese Oberflächlichkeiten sind einfach zu störend, um der Handlung noch irgendwelche Glaubwürdigkeit abgewinnen zu können. Dass dann auch noch der totgeglaubte Sohn ihres Mannes plötzlich im Urwald auftaucht, passt dann wirklich nahtlos in die Ansammlung von Klischees aller Liebes- und Kolonialromane. 
Wer auf der Suche nach leichter Kost ohne großen Anspruch an Logik und Realität ist, kann mit dem Buch sicher seine Freude haben. Wer sich aber für gute (Liebes-)Romane interessiert, die in fernen Ländern spielen, sollte lieber bei Autoren wie Sarah Lark und Barbara Wood suchen. 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Jörg Maurer "Niedertracht"


Auf einem Felsvorsprung wird eine nahezu mumifizierte Leiche gefunden. Zunächst scheint es sich um einen Wanderer zu handeln, der die Orientierung verloren hat und dort verhungert und verdurstet ist. Doch als Kommissar Jennerwein und sein Team sich den Inhalt des Rucksacks des Kletterers angucken und seine Kleidung wird schnell klar, dass der Mann gezielt am Berg ausgesetzt wurde. Doch wieso sollte jemand so etwas grausames tun? Bald kommen weitere Fälle dazu und es wird deutlich, dass jemand ein regelrechtes Experiment mit Menschen in Extremsituationen durchführt. Der ruhige Kurort wird wieder einmal von einem kuriosen Kriminalfall erschüttert und Kommissar Jennerwein muss sein kreativ werden, um den Täter zu finden. 
Ein Krimi vor idyllischem Alpenpanorama - wie schon im ersten Krimi von Jörg Maurer trifft hier beschauliches Treiben auf einen perfiden Mörder, der die Polizei und das gesamte Dorf in Atem hält. Die Figuren erscheinen jedoch platter und einfallsloser beschrieben als in „Föhnlage“ und da Teile der Geschichte aus Sicht des Täters erzählt werden und das Motiv schnell klar ist, fehlt auch einfach die Spannung in der ganzen Story. Zwar quält man sich beim Lesen nicht von Seite zu Seite, es wirkt jedoch alles belanglos, so dass das Buch wenig in Erinnerung bleibt und einen nicht mitreißt. Die Grundidee hätte zu einem spannenden Krimi führen können, wenn die Auflösung nicht so naheliegend und die Charaktere farblos geblieben wären. 
Jörg Maurers Krimi „Niedertracht“ fällt eindeutig in die Kategorie „Kann man lesen, muss man aber nicht“. Der erste Teil der Reihe war deutlich besser geschrieben. 

Montag, 3. Februar 2014

David Baldacci "Im Bruchteil der Sekunde"


Nur eine Sekunde der Unaufmerksamkeit reicht aus, um Sean Kings Leben zu ruinieren. Als Secret Service Agent Sean King einen Präsidentschaftskandidaten schützen soll und dieser erschossen wird, muss er ein neues Leben anfangen und den Secret Service hinter sich lassen. Ungefähr 15 Jahre später hat er sich gut eingerichtet, er hat Jura studiert und eine Anwaltskanzlei, ein Haus an einem See und ein ruhiges Leben. Doch dann wird ein Präsidentschaftskandidat entführt und die zuständige Agentin nimmt Kontakt zu ihm auf, um Erfahrungen auszutauschen. Die beiden fangen an, zu ermitteln und stoßen auf eine Verbindung zwischen ihren beiden Fällen. Gleichzeit gibt es in ihrem Umfeld immer mehr Morde, als würden die Täter sich langsam an sie heran arbeiten. Die beiden müssen sich mit der Lösung des Falls beeilen, wenn sie nicht selbst die nächsten Opfer sein wollen.
„Im Bruchteil der Sekunde“ ist der perfekte Titel für dieses Buch, denn beide Agenten haben ihre Schutzperson in einem minimal kleinen Zeitfenster verloren, in dem sie unaufmerksam waren. Die Story ist zwar gut zu lesen und es kommt keine Langeweile auf, dennoch bleibt das Buch hinter früheren Krimis des Autors David Baldacci zurück. Die Verbindung zwischen den Fällen und der Hintergrund des ganzen wirken oft zu konstruiert, um noch glaubwürdig zu sein. Zudem gibt es wenig Überraschungen, oft deutete sich schon Seiten vorher an, was später passiert und Sean und Michelle lassen sich sehr leicht in Fallen locken, die die Täter ihnen stellen, ohne groß die Gefahr der Situation zu reflektieren. Für zwei Agenten des Secret Service wirkt das teilweise schon sehr dümmlich. Vom Stil ist das Buch jedoch recht spannend geschrieben und es lässt sich schnell und flüssig lesen, ohne dass das Bedürfnis entsteht, es möge doch bitte endlich zu Ende sein. 
David Baldacchi hat mit „Im Bruchteil der Sekunde“ einen soliden, jedoch wenig spektakulären Krimi abgeliefert, der einem kaum in Erinnerung bleiben wird.