Donnerstag, 14. September 2017

Reinhard Pietsch/ Gerhard Grubbe "Entdecke Deutschland"

„Entdecke Deutschland“ ist ein wunderbarer Bildband, der einem die eigene Heimat näher bringt und zu tollen Reisen und Ausflügen inspiriert. Das Buch ist thematisch sortiert, nach Reiseart oder Interesse, Bahnreisen, Literatur, Wanderungen, alles ist möglich. Dank der Karte mit den Nummern der Touren kann man sich aber auch schnell und einfach einen Überblick verschaffen, was in bestimmten Regionen im Angebot ist und sich so einen Plan machen.
Dieser Bildband von Reinhard Pietsch und Gerhard Grubbe überzeugt nicht nur durch wunderschöne Bilder und tolle Reiseidee, die ganze Aufmachung ist sehr hochwertig und eignet sich daher auch sehr gut als Geschenk. „Entdecke Deutschland“ zeigt auf schöne Weise, dass man nicht immer in Ferne reisen muss, um etwas zu erlebt. Die nähere Umgebung hat oft viel zu bieten, egal ob man historisch interessiert oder wandernder Naturfreund ist.

Alles in allem ist „Entdecke Deutschland“ ein toller Band für alle, die ihre Heimat besser kennenlernen wollen und vielleicht mit einem kleinen Abenteuer beginnen möchten. Hier findet man jede Inspiration, die man braucht. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen im DuMont Reiseverlag. 

Mittwoch, 13. September 2017

Leïla Slimani "Dann schlaf auch du"

Myriam und Paul sind ein erfolgreiches Ehepaar, sie ist Anwältin und er arbeitet als Musikproduzent. Nach der Geburt der Kinder Mila und Adam bleibt Myriam zunächst zu Hause, doch nach einiger Zeit frustriert sie ihr Leben als Hausfrau, sie will zurück in den Job. Eine Nanny soll sich um die Kinder kümmern und so kommt die Familie zu Louise. Sie scheint perfekt, sie kocht, putzt und die Kinder lieben sie abgöttisch. Louise wird zum Mitglied der Familie, immer flexibel, immer da und auch im Urlaub mit dabei. Louise ist unersetzlich, bis das Unvorstellbare passiert.
Leïla Slimanis Roman „Dann schlaf auch du“ ist der intensivste Roman, den ich seit langem gelesen habe. Geschickt erhöht sie durch Rückblenden und Perspektiven anderer Figuren die Spannung und kommt doch immer wieder zurück auf das Zentrum der Geschichte, das Familienleben von Myriam und Paul mit den Kindern und Louise. Da man gleich zu Beginn erfährt, dass etwas wahrlich grausames passiert, wird die Lektüre umso eindringlicher und bewegender, denn über all den glücklichen Szenen schwebt das unweigerliche Damoklesschwert des eigentlich bereits vorweg genommen Endes. Ich habe den Roman fast in einem Zug durchgelesen, weil ich mich von der Spannung und den Figuren nicht lösen konnte und wider besseren Wissens doch irgendwie die ganze Zeit gehofft habe, es ginge noch gut aus.
Besonders fasziniert hat mich die absolute Neutralität, mit der Leïla Slimani die Geschichte erzählt, es gibt keine Schuldzuweisungen, keine Erklärungsversuche, sie stellt die Geschichte einfach dar und überlässt es dem Leser, zu urteilen und sich eine Meinung zu bilden. Es geht nicht um Gut oder Böse, um Schuld oder Unschuld, um Rabenmütter oder Vollzeithausfrau, es geht einfach nur um die einzelne Geschichte und ihren Verlauf, ohne Vorbild oder Beispiel zu sein.

Der Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani ist ein beeindruckendes Buch, eine kleine Sternstunde für alle Leser. Für mich ist es das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und es wird mich sicher so schnell nicht loslassen, daher kann ich nur jedem Leser dieses ganz besondere Buch ans Herz legen: Bitte lest es! 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Luchterhand Verlags. 

Dienstag, 12. September 2017

Anne Chaplet "In tiefen Schluchten"

Tori lebt in einem kleinen Dorf in der wunderschönen Landschaft der Ardèche mit ihren Bergen, Höhlen und Schluchten in einem alten Haus voller Geheimnisse. Ihr verstorbener Mann hatte hugenottische Ahnen aus der Gegen und so interessiert Tori sich sehr für die Geschichte des Ortes und auch ihres Hauses, das eines der ältesten im Ort sein soll. Doch im Dorf passieren seltsame Dinge, ein Tourist verschwindet und ein alter Mann fällt die Kellertreppe herunter und stirbt. Von ihm hatte Tori sich Informationen über die Geschichte des Ortes versprochen, was steckt also hinter diesen mysteriösen Vorfällen?
Anne Chaplets Roman „In tiefen Schluchten“ zeichnet sich besonders durch die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen aus und durch die sehr gut recherchierten historischen Details zu der Region. Die historische Komponente ist sehr spannend beschrieben und eine sehr gute Grundlage für die Geschichte. Leider wurde das Buch ausdrücklich als Kriminalroman vermarktet, wie es auch der Untertitel sagt, und das finde ich gänzlich unpassend. Es gibt zwar Ungereimtheiten, aber einen Krimi mit Ermittlungen und einer Auflösung sehe ich hier nicht. Im Gegenteil, vieles wird angedeutet und bleibt unscharf oder wird gar nicht weiterverfolgt, was ich beim Lesen als frustrierend empfunden habe. Selbst wenn man das Lokalkolorit mit in den Vordergrund hebt, wie es zum Beispiel auch Martin Walker mit seinen Bruno, Chef de Police Krimis tut, sollte doch eine Kriminalhandlung klar erkennbar sein. Das ist bei „In tiefen Schluchten“ nicht der Fall, weshalb ich von dem Buch relativ enttäuscht war. Besonders, da die historischen Elemente meiner Meinung nach zeigen, dass Anne Chaplet einen sehr gut historischen Roman hätte schreiben können, wenn sie sich vom Genre des Krimis getrennt hätte.

„In tiefen Schluchten“ von Anne Chaplet ist eine Geschichte mit sehr guten Ansätzen, die sich leider nicht sinnvoll in eine Krimihandlung bündeln lassen, worunter der Roman sehr leidet. Die guten Stellen sind leider zu wenige und die Autorin schafft es nicht, alle Stränge in der Hand zu behalten, so dass einige Hinweise ins Leere führen und entweder gar nicht weiter verfolgt oder unter den Teppich gekehrt werden. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Kiepenheuer  Witsch

Montag, 11. September 2017

Anne Østby "Zartbitter ist das Glück"

Vier Frauen in Norwegen bekommen Briefe von einer alten Freundin. Kat lebt auf Fidschi und hat dort eine Kakaoplantage. Nach dem Tod ihres Mannes lädt sie jetzt ihre Schulfreundinnen ein. Nicht auf einen Urlaub, sondern dazu, gemeinsam ihren Lebensabend auf der wunderschönen Insel zu verbringen, auf der sie lebt. 
Doch das Zusammenleben bringt auch Probleme mit sich, die Frauen haben sich verändert, haben unterschiedliche Lebensentwürfe gelebt und müssen sich nun neu zusammenfinden. Hat Kat die richtige Entscheidung getroffen, als sie Sina, Maya, Ingrid und Lisbeth zu sich eingeladen hat?
Anne Østby hat mit „Zartbitter ist das Glück“ eine wunderbare Geschichte über fünf Frauen geschaffen, die trotz unterschiedlicher Leben im Alter wieder zusammenfinden. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Probleme, die sich daraus ergeben, offen angesprochen werden und die Autorin nicht versucht, eine klischeehafte fröhliche Frauen-WG zu schaffen, die auch gar nicht glaubwürdig wäre. Es ist harte Arbeit für die Frauen, wieder da anzuknüpfen, wo sie vor fünfzig Jahren aufgehört haben, der Kontakt hatte sich nur sehr lose gehalten, man hat das Leben der anderen eher aus der Ferne verfolgt. Zudem zeichnet sich die Geschichte durch sehr detaillierte Beschreibungen der Traditionen und Gepflogenheiten der Bevölkerung auf Fidschi aus, die immer wieder für Missverständnisse sorgen. Für den Leser wird dies sehr schön ersichtlich, da in kurzen Abschnitten Kats Haushälterin Ateca immer wieder zu Wort kommt, die ihrer Verwunderung über das Verhalten der Fremden  und ihren Sorgen dort Ausdruck verleiht.

Meiner Meinung nach hat Anne Østby eine in sich schlüssige und sehr gelungene Geschichte geschrieben, die einen als Leser bewegt und mitnimmt. Durch die sehr unterschiedlichen Charaktere entsteht eine Spannung, die die Geschichte vorantreibt und „Zartbitter ist das Glück“ zu einem leichten und dennoch nachdenklichen Leseerlebnis macht. 

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Hier geht es weiter zur Leseprobe und weiteren Informationen des Wunderraum Verlags.

Freitag, 8. September 2017

Judith Pinnow "Die Phantasie der Schildkröte"

Edith ist Mitte vierzig und lebt völlig isoliert und verschlossen, tagsüber arbeitet sie in einer Versicherung, zu Hause ist ihr Leben bis ins letzte durchorganisiert. Sie hat keine Freunde, tut sich schwer mit Kontakten und lässt nie etwas zufällig geschehen. Sogar ihre Kleidung ist nach festen Wochentagen sortiert, damit nichts schief gehen kann. Als sie im Aufzug die zehnjährige Schneewittchen kennenlernt, gerät ihr Alltag durcheinander. Das Mädchen drängt sich regelrecht in ihr Leben, bringt es durcheinander und bringt Edith dazu, sich der Welt draußen zu stellen. Immer neue Aufgaben muss Edith lösen und lernt so Menschen kennen und ändert ihr Leben.
„Die Phantasie der Schildkröte“ ist ein wunderschönes und magisches Buch. Man muss sich auf die Erzählidee einlassen, die sich vielleicht nicht von Anfang logisch erklären lässt. Das Auftauchen von Schneewittchen hat etwas von einem Wirbelsturm, der über Edith hereinbricht und wir Leser müssen uns mit ihr in diesen Sturm stürzen, was uns sicher leichter fällt als der zurückhaltenden Edith. Doch Schneewittchen reißt die Herzen aller Menschen an sich und so ist man schnell in der Geschichte gefangen, isst Törtchen, misst Spaghetti und stielt Schildkröten, was Schneewittchen halt gerade so ausbrütet. Die Geschichte ist unglaublich liebevoll geschrieben und so phantasievoll und kreativ, wie es Romane „für Große“ nur selten sind. Es gibt wirklich magische Momente, wunderbare Figuren, die mit viel Liebe beschrieben werden und einige Vorfälle, die einen beim Lesen einfach laut auflachen lassen.
Judith Pinnows Roman „Die Phantasie der Schildkröte“ ist für mich ein wahres Herzensbuch, warmherzig und liebevoll und dabei trotzdem spannend, traurig, lustig und bunt im Wechsel. Am Ende wünsche ich den Figuren einfach nur alles Gute und freue mich, einen Abschnitt ihres Lebens mit ihnen geteilt zu haben. Edith wird sicher ihren Weg gehen und ich kann jedem nur ans Herz legen, sich auf „Die Phantasie der Schildkröte“ einzulassen. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Verlags Fischer Krüger. 

Donnerstag, 7. September 2017

Sabrina Janesch "Die goldene Stadt"

Rudolf August Berns- eigentlich kein Name für einen Entdecker, wie sein Besitzer findet. Dennoch gibt Berns seinen Traum nicht auf. Aufgewachsen Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland in zunächst recht wohlhabenden Verhältnisse, ändert sich sein Leben radikal nach dem Tod des Vaters. Die Mutter heiratet erneut und Berns muss in der Schmiede des Onkels arbeiten. Doch als sich die Möglichkeit ergibt nach Übersee zu reisen, packt er die Gelegenheit beim Schopf, wild entschlossen, eines Tages El Dorado, die goldene Stadt der Inka, zu entdecken.
In „Die goldene Stadt“ beschreibt Sabrina Janesch das Leben des echten Entdeckers August Berns, jedoch mit vielen fiktiven Elementen und spannenden Weiterentwicklungen. Die Geschichte ist so bewegend beschrieben und mitreißend angelegt, dass man sich als Leser nur schwer wieder davon trennen kann. Rudolfo Augusto Berns, wie er sich in Peru nennt, nimmt einen einfach direkt mit auf seine Entdeckungsreisen. Fasziniert haben mich besonders sein Ehrgeiz und sein bloßer Wille, mit dem er Dinge erreicht und umsetzt, egal welche Widrigkeiten ihm von außen entgegen schlagen. All dies erzählt Janesch mit einer wunderbar detaillierten und farbenfrohen Sprache, die einem die Städte Perus und die alten Stätten der Inka direkt vor dem inneren Auge entstehen lässt. Man liest nicht nur darüber, man ist dabei, wenn Berns sich auf den Weg macht. Besonders positiv fällt dabei die realistische Erzählweise auf, die auf eine verkitschende Darstellung des Entdeckerlebens völlig verzichtet und auch dem Umgang mit den ursprünglichen Einwohnern Perus keinesfalls unkritisch gegenübersteht, obwohl Berns sich selbst moralisch als teilweise recht flexibel erweist.
Mir hat „Die goldene Stadt“ ausgesprochen gut gefallen, das Thema des Romans ist an sich schon spannend und von Sabrina Janesch auch noch großartig umgesetzt worden. Der Roman macht zudem noch Lust, mehr über Berns herauszufinden, denn wer weiß schon, dass Machu Picchu von einem Deutschen entdeckt wurde? Ein Abenteuerroman, wie er sein sollte –spannend, mit tollen Figuren, fremden Kulturen und vielen Gefahren und Unwägbarkeiten, absolut empfehlenswert. 

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Rowohlt Verlags. 

Mittwoch, 6. September 2017

Anne B. Ragde "Sonntags in Trondheim"

„Sonntags in Trondheim“ ist der vierte Band einer Reihe um eine norwegische Familie, die man durchaus als skurril bezeichnen kann. Der Großvater hat endlich seinen Frieden im Seniorenheim gefunden, während Erland und Krumme als schwules Paar in Dänemark leben und mit ihren lesbischen Freundinnen zusammen drei Kinder bekommen. Torunn ist vierzig und lebt in einer unglücklichen Beziehung und Margido, ihr Onkel, ist Bestatter. Die Familie Neshov ist also recht bunt, doch keiner redet mehr so wirklich mit dem anderen. Jedenfalls bis Torunn ihren Freund verlässt und Margido überraschend besucht und so eine Kette von Kontaktaufnahmen in Gang setzt.
Da ich die drei ersten Bände um die Familie Neshov nicht kannte, war der Beginn der Geschichte für mich sehr verwirrend. Doch nachdem man sich die Vorgeschichte langsam erschlossen hatte, machte die Lektüre durchaus viel Spaß, auch wenn gerade bei Krumme Erland die Klischees nur so aus den Seiten triefen. Dennoch hat mir der Stil von Anne B. Ragde gefallen, die Geschichte ist recht unterhaltsam und lässt sich flüssig lesen. Die Figuren fand ich jedoch größtenteils nicht gut genug beschrieben, sie blieben für mich sehr schemenhaft und das führte auch dazu, dass mich die Geschichte nicht richtig mitgenommen hat.

Ich kann nicht sagen, ob ich einen besseren Zugang zu dem Buch gefunden hätte, wenn ich das Vorwissen aus den anderen Büchern gehabt hätte. So fand ich die Figuren jedoch etwas zu flach und die Story auch ziemlich abwegig, so dass mich „Sonntags in Trondheim“ nicht richtig überzeugen konnte. 

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des btb Verlags.