Donnerstag, 21. Januar 2021

Pierre Martin "Madame le Commissaire und die späte Rache"

 

Isabelle Bonnet, ehemalige Leiterin einer Pariser Spezialeinheit, hat sich in ihrem Geburtsort Fragolin niedergelassen und soll dort mit ihrem chaotischen und gleichzeitig scharfsinnigen Mitarbeiter alte Fälle lösen. Gleich zu Beginn stößt sie auf einen alten Mord mit einer neuen Spur und plötzlich scheinen einige aktuelle Mordfälle auch in das Muster zu passen. Sie muss in einem sensiblen Bereich ermitteln und schafft es, das Vertrauen der Zeugen zu gewinnen - und den gesamten übergeordneten Polizeiapparat in Toulon zu verärgern. 

Die Kommissarin ist ein eigenwilliger und dennoch sympathischer Charakter, das Zusammenspiel mit ihrem Assistenten Appollinaire ist überaus unterhaltsam und die Beschreibung von Land und Leuten der Provence geben dem Buch die besondere Stimmung, die die Lektüre so unterhaltsam und kurzweilig macht. Dabei schafft der Autor Pierre Martin es, einen sehr spannenden Kriminalfall mit dem etwas beschaulichen Ton eines klassischen Regionalkrimis zu verknüpfen, was mir besonders gut gefällt. Beim Lesen des Buches fühlt man sich selbst zum Teil, als wäre man im Urlaub und würde sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, um im nächsten Moment mit Isabelle an einem Kriminalfall zu knobeln, der bereits Jahre alt ist. 

Mir hat „Madame le Commissaire und die späte Rache“ ausgesprochen gut gefallen, die Charaktere machen viel Freude und die Krimihandlung ist längst nicht so trivial, wie es bei regional geprägten Krimis häufig der Fall ist. Ein äußerst gelungenes Buch, nicht nur für den Sommerurlaub sondern auch perfekt geeignet, um das Wintergrau zu vertreiben.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Verlags Droemer Knaur. 

Sonntag, 17. Januar 2021

Sophie Villard "Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück"

 

Peggy Guggenheim war eine leidenschaftliche Kunstliebhaberin und -sammlerin. Als Sie 1938 ihre eigene Galerie in London eröffnet, ist es ihr Ziel, moderne Kunst zu fördern und für viele Menschen zugänglich zu machen. Doch es sind schwierige Zeiten in Europa und so muss Peggy schon bald neue Prioritäten setzen. Nach einem Sommer in Frankreich befindet sich ganz Europa schließlich im Krieg und sie muss versuchen, mit ihrer Familie in den USA auszureisen. Doch ihr Ziel verliert sie nie aus den Augen und so rettet sie mit ihrer Familie unzählige moderne Kunstschätze vor dem Krieg und den Nazis nach Amerika, so dass sie noch heute ein breites Publikum in verschiedenen Museen erfreuen können. 

Sophie Villards Roman wirkt im Titel ein wenig sehr romantisch, „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ klang eher nach einem Liebesroman als nach einer fiktionalen Biographie mit dem Schwerpunkt auf der Kunstsammlung dieser bemerkenswerten Frau. Zwar spielt auch ihr Liebesleben eine Rolle, ihre gescheiterte Ehe, ihre Liebe zu Samuel Beckett und ihre Affäre mit Yves Tanguy, doch hauptsächlich zeigt das Buch eine starke, unabhängige Frau, die ihre Ziele nie aus den Augen verliert und bereit ist, etwas zu riskieren, wenn es sich ihrer Meinung nach lohnt. Dabei ist sie zwar manchmal auch etwas leichtsinnig, doch die Kraft und Hingabe, die Sophie Villards Peggy ausstrahlt, hat mich begeistert. Der ganze Roman ist sehr spannend und bewegend, die Autorin konzentriert sich ganz auf einen kleinen Ausschnitt von Peggy Guggenheims Leben und kann diesen den Leserinnen und Lesern großartig nahe bringen. 

 Mir hat „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ sehr gut gefallen, die Lektüre hat nicht nur viel Freude gemacht sondern auch einen spannenden Einblick in die moderne Kunstszene zu Beginn des zweiten Weltkriegs in Frankreich und London geliefert. Wer Lust hat, sich von einer starken und faszinierenden Frauenfigur mitreißen zu lassen, sollte Sophie Villards Buch über Peggy Guggenheim auf jeden Fall lesen.

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Hier geht es zu weiteren Informationen des Penguin Verlags. 

Dienstag, 5. Januar 2021

Daniela Krien "Die Liebe im Ernstfall"


Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde - Fünf Frauen und fünf Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, doch alle sind sie auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück und dem Gefühl, angekommen zu sein. Sie verarbeiten gescheiterte Beziehungen, berufliche Erfolge oder auch Erfolglosigkeit, Lügen, Intrigen und Glück auf die unterschiedlichste Weise und zeigen so einen spannenden Einblick in die weibliche Realität der Gegenwart.

Daniela Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“ ist ein faszinierende und berührendes Buch, dass einen ganz nah heranbringt an das Leben dieser fünf Frauen. Sie schreibt dabei so fließend und gleichzeitig detailliert, dass man ganz in den Strom der Sprache eintaucht und sich mitreißen lässt in die Lektüre und die Geschichten. Mich hat das Buch wirklich so gefangen genommen, dass ich in den Lesepausen regelrecht ein wenig „auftauchen“ musste und auch wenn ich nicht gelesen habe, haben mich die Geschichten der Protagonistinnen weiter beschäftigt. Selten hat mich ein Buch so wenig losgelassen und auch der Lektüre noch immer weiter gearbeitet und zu Gedanken angeregt, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so mitreißend daherkam. 

 „Die Liebe im Ernstfall“ ist ein besonderes und berührendes Buch, dass die Leserinnen und Leser am Leben von fünf ganz normalen Frauen teilhaben lässt. Doch gerade dadurch zeigt Daniela Krien, dass eben jede der Frauen etwas ganz besonderes ist und damit konnte sie mich von der ersten bis zur letzten Seite restlos begeistern.

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Samstag, 26. Dezember 2020

Ellen Sandberg "Die Schweigende"

 

Karin war einmal ein fröhliches Mädchen, doch in den 50er Jahren landet sie in einem kirchlichen Kinderheim, wo ihr Zucht und Ordnung eingeprügelt werden soll. Jahrzehnte später, längst sind ihre drei Töchter erwachsen, stößt ihre Tochter Imke auf Hinweise der Vergangenheit ihrer Mutter. Sie beginnt zu recherchieren und was sie zu Tage fördert, ist verstörend. Hat sie endlich einen Zugang zu ihrer lieblosen, reservierten Mutter gefunden? Und ist auch die Beziehung der drei Schwestern noch zu retten?

 „Die Schweigende“ ist wieder ein beeindruckend gut recherchierter und gleichzeitig bedrückender Roman der Autorin Ellen Sandberg. Die Beschreibungen des Alltags im Kinderheim machen einen völlig sprachlos und sind doch so gut und glaubwürdig beschrieben, dass man keinen Zweifel hat, dass sich hier Fiktion und Realität treffen. Die Hauptfigur Karin scheint zwar kühl und spröde, das genaue Gegenteil ihrer liebenswerten Tochter Imke, doch sie wächst einem schnell ans Herz, wenn man ihre Geschichte liest und erfährt, was sie überhaupt in das Kinderheim geführt hat. Es sind die unfassbar konservativen und verstaubten Moralvorstellungen der 50er Jahre und der Glaube daran, dass Zucht und Ordnung das beste für ein Kind sein sollen. Deutlich sieht man, wie die Erziehungsideale der Nazi-Zeit sich weiter fortsetzen, kurioserweise durchgesetzt von der katholischen Kirche, die bis heute alles unter den Teppich kehren will. Die Lektüre ist bedrückend und teilweise fast grausam detailliert, doch genau das braucht es, um dieses Buch so herausragend zu machen. Als Leser oder Leserin kann man sich den Emotionen gar nicht entziehen, was Karin und mit ihre viele Kinder durchgemacht haben, ist schwer in Worte zu fassen, doch Ellen Sandberg schafft es auf beeindruckende Weise. 

Ellen Sandbergs Roman „Die Schweigende“ ist ein herausragendes Buch, das die unfassbare Grausamkeit, die Karin erlebt hat in Worte fasst und einen unglaublich berührt und nachdenklich zurücklässt.

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Dienstag, 22. Dezember 2020

Charlotte Link "Ohne Schuld"


Kate Linville beendet ihre Zeit bei der Londoner Polizei um mit Caleb Hale bei der North Yorkshire Police zu arbeiten. Im Zug nach York wird sie Zeugin, wie eine Frau von einem Mann mit einer Waffe angegriffen wird. Wenig später wird eine Lehrerin tot aufgefunden, die selbe Waffe wurde verwendet, doch es lässt sich keine Verbindung zwischen den beiden Frauen finden. Und zum Leidwesen von Kate wird Caleb nach einer schief gelaufenen Geiselnahme bei der er - wieder einmal- unter Alkoholeinfluss stand vom Dienst suspendiert. So kämpft sie ziemlich allein für die Aufklärung der zwei Verbrechen, denn der neue Leiter der Einheit ist reichlich überfordert mit seinem Job.

 Dies ist inzwischen der dritte Band mit dem Ermittlerteam Linville und Hale von Charlotte Link und meiner Meinung nach ist es der gelungenste von allen. Die Handlung ist unglaublich spannend und gleichzeitig sehr überraschend, man braucht lange, um auch nur eine Ahnung davon zu bekommen, wer hinter den Verbrechen stecken könnte. Gleichzeitig spielen die persönlichen Aspekte der Ermittler hier eine sehr untergeordnete Rolle, es sind zwar individuelle und teilweise fast verschrobene Charaktere, sie werden jedoch in ihrem beruflichen Umfeld dargestellt, was mir sehr gut gefällt. Ein Krimi, in dem seitenlang von privaten Problemen der ermittelnden Protagonisten erzählt wird, verliert für mich schnell an Spannung und setzt den falschen Schwerpunkt bei der Entwicklung der Handlung. Daher hat mir „Ohne Schuld“ auch ausgesprochen gut gefallen, die Autorin weiß genau, wie sie ihre Hauptfiguren einsetzt um die Handlung an den richtigen Stellen voranzutreiben oder im Gegenteil Leserinnen und Leser noch ein wenig länger im Dunkeln tappen zu lassen. 

 Charlotte Links neuester Roman „Ohne Schuld“ ist ein äußerst gelungener Krimi, der interessante Charaktere mit einer überraschenden Kriminalhandlung verbindet, perfekt als spontanes Weihnachtsgeschenk und für dunkle Winternachmittage auf der Couch.

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Dienstag, 8. Dezember 2020

Volker Kutscher "Olympia"

 

Das politische Klima in Deutschland wird immer rauer und auch Gereon Rath kann sich nicht mehr völlig vom Einfluss der Nazis auf das Polizeisystem frei machen. Während der olympischen Spiele 1936 kommt es zu einem Mord auf einen amerikanischen Olympiadelegierten und die SS vermutet eine kommunistische Verschwörung, um die Spiele zu diskreditieren. Gereon Rath soll in ihrem Auftrag ermitteln und verhindern, dass etwas an die Öffentlichkeit kommt. Gleichzeitig muss er seinen ehemaligen Ziehsohn Fritze schützen, der mehr über den Todesfall weiß, als er sollte. Seine Frau Charly leidet die ganze Zeit sehr unter dem Olympia-Brimborium, die Präsentation Deutschlands in der Welt als friedliches Land ist ihr zuwider. Heimlich hilft sie Juden und anderen Feinden des Systems bei der Flucht aus Deutschland. Eine Gemengelage, die für Charly und Gereon sehr gefährlich werden könnte. 

„Olympia“ ist der lang ersehnte neue Fall für den Ermittler Gereon Rath und seine Frau Charly Ritter, die ebenfalls eine tragende Figur der Reihe ist. Wieder einmal sind die Hintergründe vom Autor Volker Kutscher großartig recherchiert, bis hin zu den hohen Preisen für das Kännchen Kaffee im olympischen Dorf hat man das Gefühl, direkt dabei zu sein und mit den Figuren dieses besondere Ereignis zu erleben. Großartig gelingt es Kutscher auch, die Gratwanderung zwischen Olympia-Begeisterung und dem völligen Abdriften des politischen Systems zu beschreiben, der ständige deutsche Gruß, die Hakenkreuz-Beflaggung, das Auftreten von Adolf Hitler bei den Wettkämpfen wirken bedrückend. Sehr deutlich wird, dass Deutschland eine bestimmte Rolle für die Welt spielen wollte, die Juden wurden weitestgehend in Ruhe gelassen, doch Charly Ritter sollte Recht behalten mit ihrer Vermutung, dass nach den Spielen alles sicher nur noch viel schlimmer werden würde. 

 Volker Kutscher schafft es mit „Olympia“ auf großartige Weise,historische Fakten mit einem spannenden Kriminalhandlung zu verweben und den Leserinnen und Lesern eine beeindruckende Geschichte zu präsentieren. Besonders die Verquickung von Politik und Kriminalistik wird in diesem Band besonders deutlich, die Entwicklung von den ersten Bänden der Reihe bis heute macht klar, wie sich das gesamte System entwickelte. Hochspannend und interessant von der ersten bis zu letzten Seite!

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Samstag, 5. Dezember 2020

Jeffrey Archer "Klang der Hoffnung"

 

London 1985: William Warwick hätte wie sein Vater an den besten Universitäten des Landes Jura studieren können, doch er entscheidet sich für den Polizeidienst. In seiner Einheit soll ein großer Drogenbaron gefasst werden, der nach außen hin ein bürgerliches Leben führt, hinter verschlossenen Türen jedoch den größten Drogenumschlagplatz der Stadt betreibt. Gleichzeitig lässt William auch ein alter Fall nicht los, denn den Betrüger Miles Faulkner konnte er nicht hinter Gittern bringen und so treibt dieser weiterhin sein Unwesen. Privat will er endlich seine große Liebe Beth heiraten, doch auch hier mischt der Gauner Faulkner sich ein. 

 William Warwick ist eine äußerst sympathische, gradlinige Hauptfigur, die einem schnell ans Herz wächst. Er ist nicht nur ein engagierter Polizeibeamter, er ist auch ein sehr nachdenklicher Mensch, dem seine eigene Integrität über alles geht, was ihn oft in moralische Konflikte drängt, denen er sich nicht entziehen kann. Die Story selbst ist sehr spannend und das Wiederauftreten von Williams Widersacher aus Band eins der Reihe macht es für die Leserinnen und Leser umso unterhaltsamer. Seine Schwester Grace spielt in diesem Krimi eine größere Rolle an der Seite seines Vaters, was die ganze Handlung noch abwechslungsreicher macht, da nicht immer nur William im Mittelpunkt der Geschichte steht. 

Alles in allem ist „Klang der Hoffnung“ von Jeffrey Archer ein sehr unterhaltsamer und gut geschriebener Krimi mit einer auffälligen Hauptfigur, um die sich die ganze Story entwickelt. Mir hat das Buch gut gefallen und ich freue mich auf weitere Bände der Krimireihe.

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