Mittwoch, 16. Januar 2019

Harald Meller, Kai Michel "Die Himmelsscheibe von Nebra. Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas"


Die Himmelsscheibe von Nebra umgeben viele Geheimnisse. Wo kommt sie her, warum wurde sie vergraben und was genau war ihre Bedeutung? All diesen Fragen gehen die Autoren Harald Meller und Kai Michel in ihrem Buch „Die Himmelsscheibe von Nebra. Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas“ nach. Schon der Untertitel verspricht bahnbrechende Erkenntnisse, eine großartige bronzezeitliche Kultur in Mittel- deutschland, in einer Zeit, in der man als unbedarfter Leser eher an Stämme und kleine Gruppen denkt, die für sich gelebt haben und sich über die Landwirtschaft und fruchtbare Böden selbst versorgten.
Da ich dieses Buch als Laie gelesen habe, kann ich nicht abschließend beurteilen, wie glaubwürdig die Schlussfolgerungen der Autoren sind. Sie versprechen einen Krimi und den bekommt der Leser stellenweise auch. Die Lektüre ist sehr unterhaltsam und man kann an dem Gedankenexperiment teilhaben, was alles hinter den Himmelsscheibe stecken könnte. Denn bei all den Hinweisen, die die Autoren anführen, wirkliche Beweise für ihre Theorie fehlen scheinbar. Wer sich aber für die Zeit interessiert und ein spannendes Artefakt wie die Himmelsscheibe näher kennen lernen will, ist mit dem Buch auf jeden Fall gut bedient. Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es in der Mitte ein paar Längen hatte, in denen mir die Hintergründe aus Glockenbecher-, Schnurkeramik- und Bandkeramikkulturen etwas zu detailliert erläutert wurden.
Besonders viel Freude macht die Lektüre allerdings, wenn man auch die Ausstellung im Berliner Gropius-Bau zur Himmelsscheibe und Archäologie in Deutschland gesehen hat, denn man findet viele Verbindungen zum Buch wieder und viel ergänzendes Wissen erleichtert die Lektüre. Und natürlich macht es das Buch noch spannender, wenn man die Himmelsscheibe schon einmal wirklich vor Augen hatte  und die Faszination, die von ihr für manche Menschen ausgeht, wirklich nachvollziehen kann.
Harald Meller und Kai Michel haben ein interessantes Buch über die Himmelsscheibe von Nebra und die Bronzezeit geschrieben, das man auch als Laie sehr gut verstehen kann und welches auf jeden Fall das Interesse für die Archäologie in Deutschland weckt.

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Hier geht es zu weiteren Informationen der Ullstein Buchverlage. 

Freitag, 11. Januar 2019

Lydia Conradi "Tausend Nächte und ein Tag"


Senta Zedlitz kämpft Anfang des 20. Jahrhunderts um ihren Traum, als Altorientalistin an der Ausgrabung des Turms von Babel teilzunehmen, die der Berliner Robert Koldewey im alten Babylon leitet. Doch Koldewey will keine Frau vor Ort haben. Nach dem Tod ihrer Eltern stehen Senta die finanziellen Mittel zu Verfügung, um auf eigene Faust in den Orient zu reisen, und so beginnt sie 1912 in Begleitung ihres Verlobten, des trockenen Wissenschaftlers Winfried Heyse die aufregende Reise nach Babylon. Doch der Weg wird lang und beschwerlich, birgt Hindernisse ebenso wie wunderbare Erfahrungen und als sie endlich angekommen sind, bringt schon bald der Erste Weltkrieg die Turbulenzen bis nach Mesopotamien.
Lydia Conradi beschreibt mit Senta Zedlitz eine starke Frauenfigur, die gegen Traditionen ankämpft und keinen Grund sieht, warum sie als Frau weniger Recht hat, ihre Träume zu verwirklichen als ein Mann. Diese Standhaftigkeit und Zähigkeit macht Senta sehr sympathisch. Doch traumatisiert vom frühen Tod ihrer Schwester und dem Tod der Eltern tut sie sich schwer mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Liebe und Vertrauen. Und so verletzt sie ihren treuen, wenn auch schwierigen Begleiter Heyse immer wieder und lässt sich von gleichzeitig von Oberflächlichkeit beeindrucken, die man einer klugen Frau wie ihr nicht zugetraut hätte. Das ist meiner Meinung auch die einzige Schwäche des Romans, ihre Liebesbeziehungen empfand ich als sehr unglaubwürdig und nicht recht passend zu ihren sonstigen Charakterzügen, die Entwicklungen am Ende waren dann so turbulent und für mich nicht glaubwürdig, dass ich es als etwas störend empfand. Den Roman an sich mit den vielen Hintergründen zum Ischtar-Tor, das heute auf der Museumsinsel in Berlin zu bewundern ist und der Geschichte Babylons und Mesopotamiens fand ich jedoch sehr interessant und gut und mitreißend geschrieben.
„Tausend Nächte und ein Tag“ ist ein spannender historischer Roman, der viele Einblicke in die frühe Archäologie und Altorientalistik ermöglicht und mit einer starken Hauptfigur glänzt. Lediglich einige Entwicklungen in der Handlung konnten mich nicht ganz überzeugen, dennoch ein sehr guter historischer Roman.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Piper Verlags. 

Wer sich für das Thema reisende Frauen im Orient interessiert, dem kann ich Armin Strohmeyrs Buch "Die leuchtenden Länder. Reisende Frauen im Orient" empfehlen. Ein ähnliches Thema hat Katherine Webb aus der britischen Perspektive in "Das Versprechen der Wüste" sehr gelungen bearbeitet. 

Donnerstag, 10. Januar 2019

Michelle Obama "Becoming. Meine Geschichte"


Ihr Mann stürzt sich in den Präsidentschaftswahlkampf in den USA und plötzlich kennt jeder ihren Namen: Michelle Obama. Fast zwei Jahre nach dem Ende ihrer achtjährigen Zeit als First Lady hat sie jetzt ihre Autobiographie geschrieben und nimmt die Leser mit auf eine Reise. Unter anderem in die South Side von Chicago, wo sie als junges Mädchen büffelte, um einmal ein besseres Leben zu führen als ihre Eltern, was keineswegs als Kritik an ihnen verstanden werden sollte, denn sie ermöglichten ihr eine Ausbildung, die nicht viele erhalten konnten. Über ihre Zeit in Princeton schreibt sie ebenso wie über ihre Ausbildung in Harvard, erste Liebe, Erfolge und Niederlagen und das erste Treffen mit dem Mann, der ihr Ehemann und Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte, Barack Hussein Obama, der Mann mit dem seltsamen Namen.
Wer eine langweilige Nabelschau erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt, denn Michelle Obama ist eine intelligente Frau, die es problemlos schafft, ihr Leben und ihre Erfahrungen auf eine höhere Ebene zu ziehen und daran gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen. Sie schreibt bewegend von dem Leben mit ihren Kindern und von ihrer Abscheu vor der Politik, mit der sie eigentlich nie etwas zu tun haben wollte. Barack und Michelle Obama sind ein besonderes Paar, wenn eine so starke und gebildete Frau wie Michelle dennoch bereit ist, ihr privates Glück für acht Jahre auf Eis zu legen und jeden Tag gegen die Medien und für die Privatsphäre ihrer Töchter zu kämpfen. Immer wieder setzt sie sich für Bildung, besonders für Mädchen, ein und macht klar, dass der Einsatz in der Schule Kindern die Möglichkeit geben kann, etwas Besseres aus ihrem Leben zu machen. Doch sie stellt auch klar: Niemals wird sie sich für ein politisches Amt bewerben, auch wenn sie noch so gebeten wird. Denn in der Welt, in der Donald Trump Präsident ist, sehnen sich viele nach ihrem klugen und ausgleichenden Wesen, dass sich weltweit Respekt verdient hat mit ihrer Aussagen im Wahlkampf „When they go low, wie go high“, wenn der Gegner das schlechteste will und zu miesen Methoden greift, darf man sich nicht seinem Maßstab anpassen, sondern muss die eigenen Maßstäbe noch höher setzen, ein Gegengewicht werden.
Die Autobiographie „Becoming. Meine Geschichte“ von Michelle Obama ist das spannende Buch einer beeindruckenden Frau, die für so viele als leuchtendes Beispiel vorangeht. Und doch versteht man nach der Lektüre, warum sie selbst sich nicht in der Politik sieht. Sie hat ihre gesamte Kraft in ihre Zeit im Weißen Haus gesteckt und ein bisschen hat man das Gefühl, dass ihr Leben im Januar 2017 mit dem Ende dieser Zeit noch einmal neu begonnen hat. Man wünscht ihr und ihrer Familie für diese neue Zeit nach der Lektüre nur das Beste, mich hat sie wirklich nachhaltig beeindruckt.   

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Hier geht es zur Leseprobe und weiteren Informationen des Goldmann Verlags. 

Mittwoch, 9. Januar 2019

Christian Nowak, Olaf Meinhardt, Thomas Härtrich "Norwegen Norden"


Der Norden Norwegens fasziniert durch unberührte Natur, wilde Fjorde und spannende Reisemöglichkeiten. Der DuMont Bildatlas „Norwegen Norden“ bietet daher eine wunderbare Inspirationsmöglichkeit für alle, die aktiv an der Reiseplanung arbeiten oder einfach nur gedanklich in die Ferne schweifen wollen.
Besonders ausdrucksstark sind die Fotos in diesem Band, die einen sofort auf eine Reise entführen und die Vielfältigkeit der Region deutlich machen. Dabei  ist der Bildatlas sehr logisch aufgebaut und auch mit Kartenmaterial unterfüttert, also auch ideal für die Reisevorbereitung. Tipps für Hotels, Essen und Aktivitäten runden das ganze ab. Besonders die Hinweise auf besondere Übernachtungsmöglichkeiten fand ich sehr interessant, die Geschichten hinter den Menschen vor Ort bringen einem diese noch viel Näher und lassen einen am liebsten sofort den Koffer packen, denn man muss unbedingt alles selbst entdecken, was die Autoren so wunderbar beschreiben.
Für mich ist der DuMont Bildatlas „Norwegen Norden“ der perfekte Begleiter für die Reiseplanung, er vermittelt einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten vor Ort und macht mit wunderbaren Fotos Lust auf die Reise.


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Hier geht es zu weiteren Informationen des DuMont Reiseverlags. 

Dienstag, 8. Januar 2019

Stephan Talty "Black Hand. Jagd auf die erste Mafia New Yorks"


Anfang des 20. Jahrhunderts hält mit der „Black Hand“ die erste italienische Mafiagruppe in den USA die Stadt New York in Atem. Mit Erpressungen und Kindesentführung, Mord und Bombenanschlägen machen sie den Bewohnern Little Italys Angst. Doch keiner traut der Polizei, erst als Joseph Petrosino mit dem Italian Squad die erste Sondereinheit zur Bekämpfung der italienischen Mafia gründet, scheint es einen ersten Ansatz zu geben. Petrosino kämpft Zeit seines Lebens für seine Mitbürger und gegen die Mafia, doch letztendlich erhält er wenig Unterstützung und muss dies mit seinem Leben bezahlen.
„Black Hand“ beschreibt das Leben von Joe Petrosino und seinen Kampf gegen die Mafia manchmal spannend, manchmal jedoch auch etwas zäh und langatmig. Ähnliche Beschreibungen wiederholen sich und über all die Jahre scheint es wenig Abwechslung zu geben. Petrosino ist berühmt im Viertel, kämpft jedoch auf verlorenem Posten, dieser Tenor zieht sich durch das ganze Buch. Ich hätte mir  eine mitreißendere Beschreibung gewünscht, die nicht ganz so sachlich trocken daher kommt und dem durchaus spannenden Thema gerecht wird.

Inhaltlich fand ich „Black Hand“ sehr interessant, die Umsetzung war jedoch etwas zäh und trocken, obwohl Joe Petrosino eine beeindruckende Figur abgibt. Ich hatte mir von Stephan Taltys Buch etwas mehr erwartet.


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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Suhrkamp Verlags. 

Montag, 7. Januar 2019

Delphine de Vigan "Loyalitäten"


Théo ist ein 12 Jahre alter Junge, der zwischen zwei Welten pendelt. Die eine Woche ist er bei seiner Mutter, die andere bei seinem Vater. Während seine Mutter nicht damit zurechtkommt, dass der Junge zeitweise bei seinem Vater lebt, ist der Vater depressiv geworden und hat dem Jungen das Versprechen abgenommen, es niemandem zu sagen. Trotz der Probleme im Alltag kämpft Théo sich durch, ist ein stiller, aber guter Schüler. Doch seine Lehrerin fürchtet, dass etwas mit ihm nicht stimmt und schlägt Alarm. Dabei stößt sie auf taube Ohren – bis alles zu spät ist.
„Loyalitäten“ erzählt von der erzwungene Verbundenheit von Kindern zu ihren Eltern, die deren Geheimnisse hüten und versuchen, nach Außen das perfekte Bild aufrecht zu erhalten. Théo will nicht auffallen, stürzt sich jedoch zeitgleich immer weiter in einen Abgrund aus Alkohol, der ihm das Leben erleichtern und Probleme lösen soll. Es ist sehr bedrückend, wie Delphine de Vigan das Leben dieses Jungen beschreibt, der die Probleme seiner Eltern erleiden muss, die ohne es zu merken einen riesigen Berg Verantwortung auf seinen zarten Schultern abladen. Aus Loyalität zu ihnen sucht er keine Hilfe, sondern ertränkt Angst und Verzweiflung in Alkohol. Diese Geschichte ist so berührend und erschütternd, dass Théos Schicksal einen auch nach Abschluss des Romans weiter begleitet, es bleibt ihm Hinterkopf und setzt sich fest. Kinder sind abhängig von Erwachsenen, besonders von ihren Eltern, und sie sind schutzbedürftig. Wenn die Eltern jedoch über ihren eigenen Streit völlig vergessen, ihr Kind vor alltäglichen Sorgen zu schützen und sie ihnen sogar noch aufladen, bringt eine unverrückbare Loyalität diese Kinder in einen Strudel, aus dem sie alleine nicht mehr herausfinden.
Delphine de Vigans Romane überzeugen durch die unglaublich sensible Beschreibung menschlicher Schicksale und da macht „Loyalitäten“ keine Ausnahme. Ein bewegendes und beeindruckendes Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte.

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Hier geht es zu weiteren Informationen und der Leseprobe des Dumont Verlags. 

Dienstag, 1. Januar 2019

Gelesene Seiten 2018

Frohes neues Jahr allen Leserinnen und Lesern und gesundes und buchreiches Jahr 2019 wünsche ich allen! Nachdem ich gestern noch einmal meine schönsten und beeindruckendsten Bücher des Jahres 2018 habe Revue passieren lassen, geht es nun an die harten Fakten: Wieviele Bücher waren es denn, die ich gelesen habe und wieviele Seiten insgesamt? 

Meine kleine Statistik besagt, dass ich im Jahr 2017 insgesamt 43 081 Seiten gelesen habe, im Jahr davor waren es 43 963 Seiten. Das ist doch ein sehr konstanter Lesedurchschnitt. 
In diesem Jahr waren es insgesamt 44 706 Seiten, womit ich mich meinem kleinen persönlichen Ziel von 45 000 Seiten deutlich angenähert habe. Insgesamt waren es 124 Bücher, ohne Kochbücher, Hörbucher und Reiseführer.

Damit ist das Lesejahr 2018 endgültig abgeschlossen und es geht neu los, unter anderem warten jetzt die Biographie von Michelle Obama, Paul Beattys „Der Verräter“ und Jodi Picoults „Kleine große Schritte“ ganz oben auf der Leseliste.