Freitag, 4. November 2016

Franz Brandl "Mixen. Das große Cocktailbuch"

Viele Cocktailbücher sind eine simple Aneinanderreihung von Rezepten, also eher ein Kochbuch für Cocktails als wirklich informativ und mit Hintergrundinformationen aufbereitet. Von diesen Büchern hebt sich „Mixen. Das Cocktailbuch“ von Franz Brandl positiv ab. Schwerpunkt des Buches sind nicht die Rezepte, sondern die Erklärungen zu verschiedenen Spirituosen und Alkoholika. Sortiert nach Grundzutat findet man hinter dem jeweiligen Hauptinhalt dann auch immer einige Rezepte, sowohl Klassiker als auch mir bisher unbekannte Kreationen.
Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut, da es viele spannende Hintergrundinformationen liefert, auch zu bekannten Marken. Seit wann gibt es eigentlich bestimmte Gin-Marken, zum Beispiel den Beefeater, den zwar fast jeder schon mal im Supermarkt gesehen hat, aber wer weiß schon was es mit dem Namen und der Geschichte auf sich hat? Gleiches gibt es auch für verschiedenste Whiskeysorten und Marken und von Champagner über Sekt und Prosecco bis hin zu „Nischenzutaten“ wie zum Beispiel Pfefferminzlikör.
Meiner Meinung nach eignet sich „Mixen“ von Franz Brandl ebenso super für alle, die mit dem Cocktailmixen anfangen wollen wie für Fans, die zu den bekannten Rezepten einfach mehr Informationen zu den Inhaltsstoffen wollen. Der Rezepteteil ist sehr schlicht gehalten, aber die Anleitungen sind leicht verständlich und am Ende des Buches findet sich sogar noch eine sehr schöne Übersicht zu verschiedenen Gläsersorten und Tipps für Eigenkreationen. Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. 

Hier geht es Leseprobe vom Bassermann Verlag. 

Mittwoch, 2. November 2016

Marc Elsberg "Helix"

Nach dem Tod des US-Außenministers auf einer Münchener Konferenz wird bei seiner Obduktion eine seltsame Veränderung am Herzen festgestellt, die auf Bioterrorismus hindeutet. Gleichzeitig wird in Afrika einer Art superresistenter Mais entdeckt, in Indien hochgradig weiterentwickelte Ziegen. In den USA versuchen Helen und Greg schon lange ein Kind zu bekommen. Als sie sich für künstliche Befruchtung entscheiden, bekommen sie das Angebot, die genetischen Anlagen ihres Kindes zu verbessern. Irgendjemand scheint weiter zu sein bei der Manipulation von Genen, als bisher bekannt war, doch wer und wie hängst das alles zusammen? Jessica Roberts leitet die Task Force, die den Mord am Außenminister aufklären soll und muss das Puzzle langsam zusammensetzen.
Mit „Helix“ ist Marc Elsberg ein herausragender und spannender Thriller gelungen, der sich problemlos mit seinem Bestseller „Blackout“ messen kann. Obwohl das Thema sehr kompliziert ist, schafft Elsberg es, dem Leser die Problematik der Genmanipulation und Genforschung auf leichte Art nahezubringen und stellt gleichzeitig die großen moralischen Fragen. Wenn man so weit ist, solche bahnbrechenden Dinge entwickeln kann, wer soll dann Zugang dazu haben? Was ist dann noch Gerechtigkeit und welche Menschen sind dann noch die „wahren“ Menschen, wenn es moderne und optimierte Kinder mit herausragenden Fähigkeiten und schneller fortschreitender Entwicklung gibt? Was genau definiert denn eigentlich ein Kind? Ist es nur das Alter in Jahren oder auch sein Entwicklungsstand? All diese Fragen verpackt Elsberg in eine unfassbar spannende und mitreißende Story mit Charakteren, die es einem nicht immer einfach machen. Doch Elsberg lässt kein einfach Urteil zu, er macht es dem Leser nicht leicht und teilt sein Personal in gut und schlecht ein. Die Forscher macht er gerade nicht zu Frankenstein- Erschaffern, sondern lässt auch ihre Perspektive sprechen und ihre Argumente für die geschafften Entwicklungen ihren Raum haben.
Obwohl die beschriebenen Entwicklungen für uns gerade noch wie Zukunftsmusik scheinen, sind die damit verbundenen Fragen hochaktuell und nicht zu unterschätzen. Unser Menschenbild könnte sich in der Zukunft dramatisch verändern und die Frage bleibt, was wir als Grundlagen empfinden, auf denen unser Zusammenleben basieren sollte. Schon heute haben wenige Produzenten die Kontrolle über einen Großteil der Nahrungsmittelproduktion, wie die vergangene Übernahmedebatte von Monsanto durch Bayer gezeigt hat. Schafft die Weiterentwicklung von Nahrungsmitteln mit Genmanipulation nun mehr Gerechtigkeit durch mehr Nahrung oder mehr Ungerechtigkeit, indem nicht jeder Zugang zu weiterentwickeltem und produktiverem Saatgut hat? All diese Fragen reißen das Problem zumindest an, wenn sie es auch nicht allumfassend beschreiben können.
Marc Elsberg schafft es, all diese Probleme realistisch zu beschreiben, ohne eine trockene Abhandlung vorzulegen. Er hebt die Debatte auf eine fiktionale Ebene, die es dem Leser leicht macht, die Problematik zu verstehen, ohne ihm vorgefertigte moralische Lösungen zu präsentieren. Für mich war „Helix“ ein absolut außergewöhnlicher Thriller, den ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. 

Hier geht es zur Leseprobe im Blanvalet Verlag. 


Montag, 31. Oktober 2016

Christian Kracht "Die Toten"

Der Schweizer Regisseur Nägeli nimmt uns in diesem Roman mit in die Filmwelt der 30er Jahre. Dort erlebt er sowohl das ungehemmte Leben mit Partys und Alkohol, aber auch die immer stärker werdende Abneigung gegen alles Jüdische, was besonders der Filmproduzent Hugenberg versinnbildlicht. Der schickt ihn nach Japan, wo er auf Masahiko Amakasu trifft, den der Leser auch bereits im ersten Teil des Romans näher kennengelernt hat. Er soll Nägeli eigentlich dabei unterstützen, den von Hugenberg gewünschten Propagandafilm oder, wie von Nägeli eigentlich geplant, einen deutsch-japanischen Gruselfilm zu drehen. Doch die Verwicklungen, die entstehen, bringen ganz andere Dinge hervor als geplant.
Christian Krachts Roman „Die Toten“ hat mich besonders durch die starke Sprache beeindruckt, die einen als Leser mitnimmt und im Kopf regelrecht Bilder zaubert. Das passt sehr gut, geht es in dem Buch doch um die Anfänge des Tonfilms und so liefert Kracht für seine Leser quasi gleich den Kinofilm im Kopf mit. 
Seine Figuren sind keine einfachen Persönlichkeiten sondern alle mit einer Vielzahl von Komplexen, Problemen und Störungen ausgestattet. Teilweise wirken seine Beschreibungen der Berliner Filmclique, in die Nägeli einmal hereingerät, fast wie eine klischierte Darstellung der frühen 30er Jahre, in die die goldenen  Zwanziger mit ihrer Vergnügungssucht und scheinbaren Lasterhaftigkeit noch hereinspielen. Dabei bedient Kracht sich auch bei realen Personen an Namen und Biographien. So beschreibt er beispielsweise mit der Figur des Hugenberg niemand geringeren als den berühmten Verleger und zeitweiligen UFA-Chef Alfred Hugenberg, der später auch Wirtschaftsminister unter Hitler war.
Mit „Die Toten“ ist Christian Kracht ein herausragender Roman gelungen, der es schafft, sowohl die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Japan (den späteren Verbündeten im Zweiten Weltkrieg) deutlich zu machen, als auch den beginnenden Siegeszug des Films zu beschreiben. Die Charaktere stellt er dabei sehr prägnant dar und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die er so schnell nicht vergessen wird. 
Man muss sicher auch im Nachhinein noch etwas über die Geschichte nachgrübeln und sie vielleicht auch das ein oder andere mal erneut lesen, um die feinen Zwischentöne von Kracht alle mitzunehmen und die vielen Blickwinkel mitzulesen, die in der wunderbaren Sprache verborgen sind. „Die Toten“ ist sicher kein unkompliziertes Buch, doch mir hat es ausgesprochen gut gefallen. 

Hier geht es zur Leseprobe vom Verlag Kiepenheuer & Witsch. 

Jetzt dein Lieblingsbuch für den Lovelybooks Leserpreis 2016 nominieren

Es ist wieder soweit: Lovelybooks vergibt den Leserpreis für die besten Bücher des Jahres 2016! Noch bis zum 10. November 2016 könnt ihr eure Lieblingsbücher nominieren, die zwischen dem 1. November 2015 und dem 31. Oktober 2016 erstmalig auf Deutscher erschienen sind. Also, was sind eure Favoriten, wer muss dieses Jahr unbedingt die Auszeichnung erhalten? 

Freitag, 28. Oktober 2016

Jill Mansell "Vorsätzlich verliebt"

Nach der Trennung von ihrem Freund zieht Tilly kurzerhand aufs Dorf zu ihrer Freundin Erin. Dort findet sie schnell einen Job als Mädchen für alles bei Max und seiner Teenagertochter Lou, die sie beide sofort ins Herz schließt. Und auch Max’ Freund Jack ist nicht zu verachten, ein charmanter Frauenschwarm wie er im Buche steht. Doch Jack weiß um seine Wirkung und wechselt die Frauen öfter als andere ihre Unterwäsche. Und auch sonst leben in dem beschaulichen Örtchen zahlreiche kuriose und eigenwillige Persönlichkeiten, die Tilly und Erin das Leben nicht nur leichter machen.
Jill Mansells Roman „Vorsätzlich verliebt“ erfüllt wirklich alle Erwartungen an einen schönen Schmachtfetzen. Die Figuren sind durchweg sehr liebevoll beschrieben, sympathisch bis total verschroben, aber auf eine gewisse Weise alle sehr liebenswert. Neben der Hauptstory um Tilly und Jack lässt die Autorin auch alle Nebenfiguren ein eigenes und spannendes Leben führen und erzählt so viele kleine Geschichten am Rande, die einem die Figuren näher bringen und die Story sehr lebhaft machen. Dadurch ist die Lektüre eine große Freude und man gibt die Freunde, die man beim Lesen in den Personen gefunden hat, am Ende nur sehr ungern wieder her. Mansells Figuren sind keine leeren Hüllen, sie haben alle einen individuellen Charakter, der sie für die Geschichte unersetzlich macht. Das unterscheidet sie von vielen Liebesgeschichten, in den die Figuren nur Projektionsflächen für beliebige Klischees zu sein scheinen.
Ich kann „Vorsätzlich verliebt“ von Jill Mansell nur allen Fans von Liebesromanen an Herz legen, die Geschichte ist sehr schön und die Charaktere bis in die kleinste Nebenfigur durchdacht. Wer auf der Suche nach leichter Unterhaltung ist, die nicht zu klischeehaft daherkommt, ist hier auf jeden Fall richtig. 

Hier geht es zu weiteren Informationen vom S. Fischer Verlag. 

Lee Child "Die Gejagten"

Eigentlich wollte Reacher nur die neue Leiterin seiner alten Einheit bei der Militärpolizei in Virginia besuchen. Als er jedoch das Gelände betritt, ist ein neuer Major im Dienst, der in auf der Stelle wieder zur Armee einberuft und verhaftet. Angeblich wegen eines 16 Jahre alten Falls, in dem er einen Verdächtigen zu Tode geprügelt haben soll. Reacher glaubt die Geschichte nicht und versucht, dem ganzen auf den Grund zu gehen. Gemeinsam mit Major Turner, der Frau, die er eigentlich besuchen wollte und die wegen angeblicher Bestechlichkeit ebenfalls im Militärgefängnis sitzt.
„Die Gejagten“ ist der erste Roman rund um die Person Jack Reacher, den ich gelesen habe, aber er hat mich von Anfang an begeistert. Dies basiert größtenteils auf der wirklich sehr guten Charakterisierung der Hauptfigur. Reacher ist ein ehemaliger Soldat, der mit unglaublicher Intelligenz und gleichzeitig körperlicher Kraft überzeugt. Dadurch sind seine Gegner ihm schnell unterlegen. Die Geschichte fand ich dennoch nachvollziehbar und mit Major Turner stellt der Autor seinem Protagonisten eine genauso sympathische wie starke Figur an die Seite. Reacher respektiert sie und hört in vielen Situationen auch auf sie, so dass sich die Geschichte nicht in einem sinnlose Ansammlung von Gewalt und Schlägereien auswächst. Gleichzeitig ist die Story sehr spannend, da man eigentlich bis zur letzten Seite keine Ahnung hat, warum Turner und Reacher etwas angehängt werde soll und wer so verzweifelt versucht, sie aus dem Weg zu räumen. So bleibt man wirklich bis zum Schluss voll in der Story und kann das Buch kaum noch aus Hand legen. Umso logischer löst sich am Ende alles auf, so dass die ganze Handlung sehr glaubwürdig und nachvollziehbar bleibt.
Mich hat Lee Childs Thriller „Die Gejagten“ absolut überzeugt. Umso besser finde ich es, dass es bereits Band 18 ist und jetzt 17 Bände darauf warten, möglichst schnell von mir gelesen zu werden. Ich hoffe, dass noch viele weitere Leser sich von Lee Child und seinem Protagonisten Jack Reacher begeistern lassen, es ist großartige Spannungsliteratur von der ersten bis zur letzten Seite. 

Hier geht es zur Leseprobe von Jack Reachers neuestem Fall, erschienen im Blanvalet Verlag. 

Hier ist die Liste der bisher erschienen Titel von Lee Childs in der Jack-Reacher-Reihe, für alle, die wie ich jetzt sofort mit Band eins anfangen wollen:


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Alexandra Zöbeli "Ein Bett in Cornwall"

Als Sophie erfährt, dass ihr Mann mit dem Auto tödlich verunglückt ist, bricht für Sie eine Welt zusammen. Dann findet sie kurz vor der Beerdigung einen Brief in seinen Sachen, indem er ihr erklärt, dass er dabei war, sie zu verlassen und mit der Frau, die ebenfalls im Wagen saß, ein neues Leben beginnen wollte. Jetzt brennt bei Sophie regelrecht eine Sicherung durch. Sie wirft wütend ein paar Sachen und ihren Kater ins Auto und fährt einfach los, bloß weg. In Cornwall landet sie bei einem älteren Ehepaar, das sie nach einem kleinen Unfall aufnimmt und sie gleich für den Haushalt einstellt. Langsam erholt sich Sophie von dem Schock und beginnt, sich wieder um ihr eigenes Leben zu kümmern. Und dann ist da ja auch noch Lucas, der Sophies Gefühle durcheinander bringt.
„Ein Bett in Cornwall“ von Alexandra Zöbeli ist vom Aufbau sehr ähnlich wie auch ihre anderen Romane, aber es ist ein Konzept, das wieder aufgeht. Sophie ist eine sympathische, mit beiden Beinen auf der Erde stehende Hauptfigur, mit der man sich als Leser gleich identifizieren kann. Lucas ist zwar ein Charmeur, wie man ihn aus vielen Liebesromanen kennt, aber er ist dabei nett und hat das Herz am rechten Fleck, ebenso wie Mabel und ihr Mann, die Sophie in Cornwall aufnehmen. Die Geschichte ist sehr schwungvoll und dynamisch geschrieben und hat keine Längen, auch wenn alles recht vorhersehbar ist. Aber das ist bei einem Liebesroman nicht anders zu erwarten und ich empfand das deshalb als nicht wirklich störend.

Mir hat Alexandra Zöbelis „Ein Bett Cornwall“ als locker-leichte Urlaubslektüre sehr gut gefallen, es liest sich einfach und schnell und man kommt immer gut wieder in die Geschichte rein. Damit hat das Buch meine Erwartungen voll erfüllt, als kurzweilige Lektüre für zwischendurch kann ich es nur weiter empfehlen.

Hier gibt es weitere Details zum Buch.