
Juli Zeh ist mit
„Unterleuten“ das Portrait einer fragilen Gesellschaftsstruktur gelungen, die
sich plötzlich in einem Kampf wiederfindet. Systematisch legt sie die
Schwachstellen einer Gesellschaft offen, die ohne Außenkontakt völlig in sich
selbst verkeilt scheint. Personen, die von außerhalb in den Ort gezogen sind,
stehen am Anfang noch distanziert am Rande und glauben, sich in diese Struktur
nicht hereinziehen lassen zu wollen, doch unglaublich schnell finden sie sich
selbst als Teil dieses Abhängigkeitssystems wieder, das am Ende in einen Kampf
auf Leben und Tod endet. Frei nach dem Motto „Was ich nicht bekomme, soll auch
keiner anderer haben!“ schraubt sich das Aggressionspotenzial sowohl im
Subtilen als auch in offener Gewalt auf einer nach oben scheinbar offenen Skala
immer weiter hoch, bis Entscheidungen getroffen werden, die zu Beginn noch
keiner für möglich erachtet hätte.
Die Autorin beschreibt beeindruckend kühl und distanziert
vom Niedergang der menschlichen Gemeinschaft angesichts der Aussicht auf Geld
und Einfluss. Deprimierend einfach zerlegt sie die gesellschaftlichen Strukturen,
bis am Ende nur noch Individuen stehen, die hilflos um sich schlagend ihre
Position verteidigen. „Unterleuten“ ist ein großer Roman über die großen
Probleme der Gesellschaft und in seiner gleichzeitig mitreißenden und spannenden
Schreibweise ganz sicher herausragend in der aktuellen Literaturlandschaft.
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