Donnerstag, 11. Oktober 2018

Thorsten Steffens "Klugscheißer Royale"


Wenn Timo Seidel, 28 Jahre alt, etwas kann, dann ist es klugscheißen. Ständig weiß er alles besser und treibt nicht nur seine Freundin Cleo damit in den Wahnsinn, sondern auch die Kunden an der Hotline des Call Centers, in dem er arbeitet. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sein Arbeitgeber ihn eines Tages vor die Tür setzt und seine Freundin ihn verlässt. Sein abgebrochenes Studium ist Timo auch keine Hilfe, wie ihm bei der Arbeitsagentur mitgeteilt wird. Eine Freundin hat schließlich Erbarmen und vermittelt ihm eigentlich den perfekten Job: Aushilfslehrer an einer Abendschule, Klugscheißen für Geld sozusagen. Doch ob Timo sich damit bei seinen Schülern wirklich Freunde machen kann?
„Klugscheißer Royale“ kommt erst einmal sehr bunt und oberflächlich daher mit einem Cover, das an einen Comic erinnert und einem etwas flapsigen Klappentext. Das Buch ist dann auch sehr unterhaltsam und lustig geschrieben, doch nagt an Timo auch öfter mal ein wenig Selbstzweifel und er muss sein Leben neu sortieren, was er nur schwer akzeptieren kann. Unter der oberflächlichen Schale steckt also auch in diesem Buch ein etwas ernsterer Kern, der der Story die nötige Grundlage gibt, um nicht langweilig und platt zu werden. Timo ist sicher ein streitbarer Charakter und nicht uneingeschränkt sympathisch, aber das ist seine Rolle und die füllt er auch gut aus. Sein Einstieg in den Lehrerberuf ist ihm dann meiner Meinung nach vielleicht etwas zu leicht gefallen, da hätte  - auch jenseits des Lehrerzimmers – die ein oder andere Hürde ihm noch gut getan, um seine Veränderung glaubwürdig werden zu lassen. Doch auch so ist das Buch in sich sehr schlüssig geschrieben und macht Freude bei der Lektüre.
Mit hat „Klugscheißer Royale“ gut gefallen, auch wenn mich das Cover schon ein wenig abgeschreckt hat. Doch so oberflächlich wie das Buch auf den ersten Blick wirkt, ist es längst nicht, es ist ein äußerst unterhaltsamer und lustiger Roman, der sich flüssig wegschmökern lässt und von einer etwas streitbaren Hauptfigur getragen wird. Wer auf der Suche nach leichter aber nicht gleich platter Unterhaltungsliteratur ist, ist bei diesem Roman auf jeden Fall richtig.  

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