Montag, 11. Juni 2018

Jan-Christoph Nüse "Operation Bird Dog"


Victor Wrede war auf deutscher Seite beteiligt an der Währungsreform 1948 und der Einführung der D-Mark. Kurz danach nimmt er sich mit seiner Frau jedoch das Leben, sein Sohn Carl überlebt nur knapp. Zehn Jahre später ist Carl 24 Jahre alt und glaubt nicht daran, dass seine Eltern sich selbst umgebracht haben- er ist sich sicher, dass es Mord war und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
„Operation Bird Dog“ war eine der wichtigsten Aktionen der Alliierten in den westlichen Besatzungszonen, denn nur durch die Währungsreform konnte sich die deutsche Wirtschaft langsam wieder erholen und die Menschen konnten sich damit auch wieder einen höheren Lebensstandard leisten. Doch die Zeiten waren turbulent und Deutschland immer noch vom Krieg zerstört, so dass viele unterschiedliche Interessen vorherrschten, die sich auch im Umgang mit Reform der Währung niederschlugen. Jan-Christoph Nüse schafft es in seinem gleichnamigen Krimi sehr gut, die historischen Gegebenheiten und Verwicklungen für den Leser verständlich und logisch nachvollziehbar zu machen. Die historischen Persönlichkeiten sind gut beschrieben und bringen einen sehr runden Überblick über die Situation im Nachkriegsdeutschland. Etwas weniger gut schafft es der Autor, seine fiktiven Personen und die Kriminalhandlung in das Geschehen einzubetten. Carl Wrede und sein Vormund Jennings bleiben mir als Charaktere einfach zu flach und richtige Spannung will jenseits der historischen Rahmenbedingungen auch nicht aufkommen. Auch werden mir oft nicht genug Informationen gegeben, um als Leser als Handlungen nachvollziehen zu können. Gerade die Bedeutung und Geschichte von Katharina, einer ehemaligen Dolmetscherin und Carls seltsame USA-Reise mit ihr, waren für mich als Leser ziemlich zusammenhangslos, für den Leser wurde überhaupt nicht deutlich, welche Rolle dieser Teil der Geschichte spielen sollte.
Als historischen Roman finde ich „Operation Bird Dog“ gelungen, die Kriminalhandlung mit den fiktiven Figuren konnte mich letztendlich aber nicht richtig mitreißen, auch wenn Jan-Christoph Nüse einen gut lesbaren Stil hat und die historischen Fakten sehr interessant dargestellt sind.  

✮✮✮✰✰

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