Dienstag, 5. Juni 2018

Petros Markaris "Hellas Channel"


Kostas Charitos ermittelt in seinem ersten Fall. Mitte der 90er Jahre ist eines der großen Probleme Griechenlands die Zuwanderung von Albanern, die mehr oder weniger illegal im Land leben. Als ein albanisches Ehepaar tot aufgefunden wird, ist der Anreiz für die Polizeibehörde nicht besonders hoch, viel Arbeit in den Fall zu stecken. Schnell ist ein anderer Albaner gefunden, der den Mord gesteht. Doch dann wird plötzlich eine Journalistin ermordet, die kritisch über den Fall berichtete und Charitos vermutet einen Zusammenhang. Auch wenn er damit in Ungnade fällt, gibt er keine Ruhe und versucht weiter, die losen Fäden zu verbinden.
Dieser Fall führt den Leser zurück in die 90er Jahre, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und lange vor der Währungsunion und Schuldenkrise lernen wir Griechenland von einer anderen Seite kennen. Die Abneigung gegen albanische Zuwanderer ist so groß, dass ihr Leben weniger wertvoll scheint als das der griechischen Mitbürger. Auch Charitos ist keinesfalls ein Engel und hat wenig Lust, viel Arbeit in den Fall der ermordeten Albaner zu stecken. Doch er hat den richtigen Riecher, als es weitere Tote gibt und lässt einfach nicht locker. Er ist keineswegs ein problemloser und durchweg sympathischer Charakter, aber er ist spannend konstruiert und sehr gut beschrieben, man lässt sich dadurch schnell in die Geschichte hineinziehen. Die privaten Reibereien mit seiner Frau Adriana und seine Leidenschaft für Wörterbücher unterstreichen die Verschrobenheit des Charakters Charitos, der eher ein einsamer Wolf als ein Teamarbeiter ist und am liebsten jeden Tag Souvlaki aus der Tüte essen würde.
Der Kriminalfall ist dabei äußerst spannend, von einem einfachen Mord arbeitet man sich zu einer scheinbar größeren Verschwörung vor, die einen als Leser genauso mitreißt wie den sonst etwas lethargischen Ermittler. Alles ist sehr logisch aufgebaut und realistisch konstruiert, schnell ist man in einem Sog gefangen und kann nicht mehr aufhören zu lesen, auch wenn man Charitos so manches mal ein bisschen antreiben möchte, er möge doch das Wörterbuch zur Seite legen und schneller machen.
„Hellas Channel“ ist der erste Band des von Petros Markaris geschaffenen Kommissars Kostas Charitos und ist in Griechenland bereits Mitte der 90er Jahre erschienen. Es ist ein spannender Krimi, der einen guten Einblick in die griechische Gesellschaft gibt und auch von einer etwas schrulligen Hauptfigur lebt. Ich freue mich schon auf die zahlreichen weiteren Krimis mit Kostas Charitos, die bereits erschienen sind.

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